Blacklist

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • New York: G. P. Putnam’s Sons, 2003, Titel: 'Blacklist', Seiten: 415, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2004, Seiten: 512, Übersetzt: Sibylle Schmidt
  • München: Goldmann, 2006, Seiten: 543, Übersetzt: Sibylle Schmidt

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Sabine Reiß
Unterhaltung auf hohem Niveau

Buch-Rezension von Sabine Reiß Jun 2004

Privatdetektivin V.I. Warshawski erhält von ihrem langjährigen Kunden Darraugh Graham den Auftrag, dem Hinweis seiner Mutter nachzugehen, dass in dem verlassenen Haus in ihrer Nachbarschaft nachts Licht zu sehen sei. Die Polizei von New Solway, 70 km außerhalb Chicagos, hat die Anrufe der alten Dame nicht ernst genommen. Vic legt sich nachts im Park des alten Herrenhauses auf die Lauer und trifft dort auf ein junges Mädchen, das sich anscheinend gerade Zugang zum Haus verschaffen wollte. Die Kleine reißt sich los und bei der Verfolgung fällt Vic in den Teich des Anwesens. Dort bekommt sie etwas zu fassen, mit dem sie nicht gerechnet hat: den Körper eines jungen Schwarzen. Ihre Wiederbelebungsversuche scheitern, er scheint schon einige Zeit tot zu sein. Der Tote wird als Marcus Whitby identifiziert, von Beruf Journalist. Für den ortsansässigen Sheriff in dieser Enklave der Reichen scheint die Sache klar: Whitby beging Selbstmord. Wo ist aber sein Wagen geblieben und warum hat er sich gerade diesen Ort für seinen vermeintlichen Selbstmord ausgesucht? Die Ermittlungen der Polizei verlaufen mehr als schlampig. V.I. will diese Sache nicht auf sich beruhen lassen und die Familie des Opfers beauftragt sie mit den Untersuchen.

Sie setzt bei dem jungen Mädchen an, das den Täter gesehen haben könnte. Es handelt sich dabei um Catherine Bayard, Enkelin des reichen und berühmten Verlegers Calvin Bayard, der in der Nachbarschaft von Larchmont Hall wohnt und der in den fünfziger Jahren für sein linkslastiges politisches Engagement vor einem Untersuchungsausschuss stand und nur knapp einer Gefängnisstrafe entkommen ist. Der damaligen Regierung waren Vereinigungen wie das Committee for Social Thought and Justice ein Dorn im Auge. Marcus Whitby schrieb ein Buch über eine afroamerikanische Tänzerin, die scheinbar diesem Komitee angehörte.

Der Schlüssel liegt in der Vergangenheit

Nebenbei erfährt V.I., dass Larchmont Hall einst Geraldine Graham gehörte, also das Elternhaus ihres Auftraggebers Darraugh ist - und dieser will sie von weiteren Ermittlungen abhalten. An Bayard und seine Freunde von damals, unter anderem den Chef des toten Journalisten, ist schwer heranzukommen und Olin Taverner, Leiter der damaligen Untersuchungskommission, ist gerade verstorben.

In der Geschichte werden die Geschichten zweier Familien über mehrere Generationen miteinander verwoben, die so eng miteinander verbunden sind, wie es in der Gesellschaft der Reichen oftmals der Fall ist. Aus diesem Grund wird man mit einer Unmenge von Namen konfrontiert, die man anfangs schwer einordnen kann. Hier hätte mir eine Übersicht zu Beginn so manch verzweifeltes Zurückblättern erspart. Aber nicht nur deshalb ist der Roman äußerst vielschichtig und komplex und erfordert hohe Aufmerksamkeit.

Patriots Act im Dienste der Terrorbekämpfung

Wie in den ihren anderen Romanen auch, bindet Sara Paretsky in ihren Krimi ein aktuelles Thema ein, was ihr hier meines Erachtens sehr gut gelungen ist. Ihre Schilderungen sind realitätsnah und packend. Vic sieht sich während ihrer Ermittlungen mit einer Hysterie konfrontiert, die das amerikanische Volk und die Regierung nach dem 11. September befallen hat. Dem Patriots Act, eine Gesetzgebung, die es den Behörden erlaubt, dem Bürger im Dienste der Terrorbekämpfung jegliche Rechte zu versagen, muss auch sie sich unterordnen, als FBI und Polizei sich ohne Durchsuchungsbefehl Zutritt zu ihrer Wohnung und zu ihrem Büro verschaffen und sie sich damit konfrontiert sieht, dass nicht nur ihre Telefongespräche mitgeschnitten werden, sondern auch, dass ihr Büro möglicherweise abgehört wird. Sandra Paretsky zieht hier mit ihrem Roman deutliche Parallelen zu den Geschehnissen in der Ära McCarthy, in der aufgrund der Verschwörungstheorie die Bekämpfung der allgegenwärtigen kommunistischen Bedrohung im Vordergrund stand.

Wie Marcia Muller in ihren Romanen lässt auch sie ihre Protagonistin selbst erzählen, so dass man immer mit den Ermittlungen Schritt halten kann und die Spannung auf relativ hohem Niveau bleibt. Der elfte Roman um Sara Paretskys Heldin mag vielleicht aufgrund seines Umfangs einige wenige Längen aufweisen, ist aber dennoch äußerst lesenswert und packend und bietet einen interessanten Einblick in die feine Gesellschaft. Ihre Romane sind all denjenigen zu empfehlen, die etwas für amerikanische Privatdetektivinnen übrig haben.

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