Münsters Fall

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Bonnier, 1998, Titel: 'Münsters fall ', Seiten: 322, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2000, Seiten: 316, Übersetzt: Christel Hildebrandt
  • München: Goldmann, 2002, Seiten: 316, Übersetzt: Christel Hildebrandt
  • Köln: Random House Audio, 2007, Seiten: 6, Übersetzt: Dieter Moor
  • Augsburg: Weltbild, 2004, Seiten: 316

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Michael Drewniok
Ein Novum für Nesser

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jun 2003

Welchen Grund mag es geben, einen harmlosen alten Mann umzubringen? Doch der Rentner Waldemar Leverkuhn, 72, wurde in der Nacht mit 28 wilden Messerstichen förmlich hingerichtet.

Kommissar Münster von der Kriminalpolizei Maardam übernimmt den Fall - und läuft gegen eine Mauer des Schweigens. Die offensichtliche Raserei des Mörders ist irritierend, denn Münster und seine Leute finden weder in der Familie noch unter den wenigen Bekannten Leverkuhns jemanden, dem oder der eine solche Tat zuzutrauen wäre. Tatsächlich ist sogar die absolute Gleichgültigkeit der Angehörigen untereinander das einzige hervorstechende Merkmal der Familie Leverkuhn.

Gern hätte Münster ein wenig Hilfe - von seinem Vorgesetzten, Hauptkommissar Van Veeteren zum Beispiel. Doch der hat sich, ausgebrannt nach langen, deprimierenden Berufsjahren, vor über einem Jahr unbefristeten Urlaub geben lassen, führt nun ein Antiquariat und zeigt wenig Neigung, den Dienst wieder anzutreten. Ganz ist der alte Spürhund in ihm allerdings noch nicht gestorben. Als Münster ihm über den Fall Leverkuhn berichtet, erklärt er sich bereit, dem Kollegen im Hintergrund beratend zur Seite zu stehen.

In den undurchsichtigen Fall kommt Bewegung, als im Mordhaus die Frau des Hausmeisters verschwindet. Noch versucht Münster zu klären, wie dies in das Kriminalpuzzle passt, da gesteht Frau Leverkuhn plötzlich den Mord an ihrem Mann. Sie wird verhaftet und vor Gericht gestellt. Noch bevor das Urteil gesprochen wird, nimmt sie sich in ihrer Zelle das Leben. Die Welt scheint für die Polizei wieder in Ordnung zu sein, aber Münster und Van Veeteren spüren, dass sie das eigentliche Verbrechen längst nicht geklärt oder überhaupt entdeckt haben...

Wenn man zum ersten Mal einen Van Veeteren-Roman des schwedischen Schriftstellers Håkan Nesser liest, stellt man sich schon nach wenigen Seiten die Frage, wieso man sein Buch nicht zuklappt und beiseite stellt. Es geschieht praktisch gar nichts, die Protagonisten - die "Guten" wie die "Bösen" - sind müde und traurige Männer und Frauen, und die Lösung eines Falles erfolgt meist eher zufällig, nachdem die Polizei in ständig neue Sackgassen hinein gestolpert ist. Doch obwohl bisher jeder der fünf in Deutschland erschienenen Nesser-Krimis diesem Schema folgte, ist da Etwas, das den Leser einfach fesselt. Es mag an eben dieser Alltäglichkeit liegen, die eher untypisch für einen "modernen" Thriller ist, in dem Helden & Bösewichter sich normalerweise um den halben Erdball jagen und dabei Leichenberge von der Höhe des Himalajas produzieren. Womöglich sind es die langen, dunklen Winter, die besonders die Skandinavier befähigen, Melancholie und Ereignislosigkeit geradezu poetisch in Worte zu kleiden. Bei Nesser kommt ein ausgeprägtes Talent dazu, den "Fall" nie aus den Augen zu verlieren, obwohl die Figuren scheinbar auf der Stelle treten und hauptsächlich mit ihren persönlichen Problemen beschäftigt scheinen. Auch "Münsters Fall" entrollt sich unmerklich, doch mit der Unerbittlichkeit eines antiken Dramas. Der Vergleich liegt nahe, entpuppt sich der grausame, aber unverständliche Mord an einem arglosen, aber keineswegs unschuldigen alten Mann als Höhepunkt einer düsteren Familientragödie um Inzest und Wahnsinn.

Alles wie gehabt also im seltsam unbestimmten Kosmos der Van Veeteren-Welt? ("Maardam" ist eine fiktive Stadt irgendwo an der Nordseeküste, von der Nesser niemals sagt, in welchem Land sie eigentlich liegt. In "Münsters Fall" erwähnt er als Landeswährung den Gulden, womit er sich nunmehr auf die Niederlande festzulegen scheint.) Nicht unbedingt - Nesser geht durchaus neue Wege. Das gilt natürlich in erster Linie für seinen ungewöhnlichen Entschluss, den eigentlichen Helden quasi aus der Handlung zu nehmen. Van Veeteren tritt nur als Gast in seiner eigenen Serie auf. Statt dessen rückt sein Stellvertreter Kommissar Münster in den Vordergrund. Es spricht für Nessers schriftstellerisches Talent, dass "Münsters Fall" genauso spannend ist wie ein "reguläres" Van Veeteren-Abenteuer.

In den eingangs angesprochenen, zeitweise wahrlich depressiven Grundton von "Münsters Fall" mischt sich immer wieder ein trockener, oft rabenschwarzer Humor. Das ist für einen Nesser-Krimi ein Novum. Der Autor spielt hier sichtlich mit den Möglichkeiten, die graue Welt seiner Figuren ein wenig aufzulockern. Er schreckt sogar vor milden Slapstick-Szenen (die im Thriller gern im Seziersaal des Pathologen spielen) nicht zurück - und siehe da: Es funktioniert! Wenn man Klischees liebt, könnte man philosophieren, dass die Skandinavier zwar ständig trübsinnig sind, darüber hinaus jedoch auch eine Ader für lakonischen, "kaurismäkiesken" Witz besitzen. (Lars von Triers "Geister"-Serie kommt einem ebenfalls in den Sinn.)

Die Vertracktheit des letztlich zwar einleuchtenden, aber eben nur vorgeblich einfachen Kriminalfalls unterstreichen die gleich drei Auflösungen, mit denen Nesser "Münsters Fall" enden lässt. Wie sich herausstellt, ist der Buchtitel mehrdeutig; Kommissar Münster löst seinen Fall, aber er fällt auch fast einem Mordanschlag zum Opfer und geht schließlich - wenn auch ahnungslos - als Kriminalist zu Boden, der den wahren Täter entkommen lässt.

Mit "Münsters Fall" liegt (nach "Die Frau mit dem Muttermal", "Das grobmaschige Netz", "Das falsche Urteil", und "Das vierte Opfer") der fünfte Van Veeteren-Roman auf Deutsch vor. Ähnlich wie die ungleich erfolgreicheren Wallander-Geschichten Henning Mankells erscheinen sie nicht in chronologischer Reihenfolge. Erst nach und nach werden einige ältere Abenteuer folgen, denn der fleißige Nesser hat in seiner Heimat bereits neun Van Veeteren-Krimis veröffentlicht. Den Verzicht auf die Hauptperson pflegt er offensichtlich auch weiterhin, wie man seiner Bibliografie entnehmen kann: Mit "Ewa Morenos fall" widmet Nesser der Polizistin mit dem chaotischen Privatleben, die auch an "Münsters Fall" mitarbeitet, eine eigene "Hauptrolle".

Münsters Fall

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Letzte Kommentare:
15.04.2014 12:53:12
Hannah

Schade um die Zeit des Lesens. Nach "Münsters Fall" und "Der unglückliche Mörder" werde ich jedenfalls keines seiner Bücher mehr lesen.
Ihn mit Mankell zu vergleichen ist ein gelungener Werbegag. Allein die Sprache ist unvergleichlich viel schlechter als Mankells Sprache. Mag auch an der Übersetzung liegen. Die vielen Redundanzen in den Krimis ziehen sich so sehr in die Länge, dass mann ganze Seiten auslassen kann. Die immer wiederkehrenden Zusammenfassungen von sozugsagen gar nichts, füllen eben Seiten, sonst nichts.
Nicht empfehlenswert.

26.11.2013 14:16:03
Silsmaria2004

Dieser Krimi ist der erste der Van-Veeteren-Reihe, den ich gelesen habe und ich denke , die anderen werden nach und nach folgen.
Es fängt wirklich sehr langsam und behäbig an, -die Arbeits - und Lebensmüdigkeit kann man fast körperlich spüren. Man glaubt wirklich, alle schmeissen erstmal hin und lösen ihre privaten Probleme- aber wie in der Realität muss auch hier Beruf und Privates parallel laufen und eines wie das andere verliert die Balance. Plötzlich wird man wachgerüttelt, es geht Schlag auf Schlag, ein Stein passt zum anderen - man hat zwar immer eine Ahnung , dass es mit einem der Kinder des Ermordeten zu tun hat, -eins von ihnen lebt im eigenen Kokon und man weiss lange nicht warum- wer am Ende tatsächlich der Mörder ist, empfand ich als Überraschung, denn die Person hatte ich zwar im Sinn, aber im Laufe der Zeit eben nicht mehr.

15.05.2012 09:39:27
Philipp

Ich habe vor Jahren das Buch gelesen und fand es sehr spannend. Nun habe ich neulich die Verfilmung gesehen und war total verdutzt. Die Handlung des Filmes hatte überhaupt nichts mit dem Buch zu tun (außer den Namen des Ermordeten). Kann mir irgend jemand erklären, warum die Verfilmungen immer gänzlich anders sind, als die Bücher (bei "Der Kommisar und das Schweigen" ist es genau so)?

06.03.2011 00:44:54
Anjita

Ich hatte das \'Vierte Opfer\' gelesen, und war extrem enttäuscht von diesem Buch. Es ist sehr langweilig, die Personen, die in den Mordfall verwickelt sind, nehmen keine richtigen Konturen an. Die Ermittler nerven mit ihren pseudo-philosophischen Gedanken.
Das \'Vierte Opfer\' war besser. Und \'Der Tote am Strand\' war noch mal besser :-)

05.06.2008 03:52:32
Mark Matuszewski

Ich fand die Verfilmung ,so wie alle die ich von Hakan,s Büchern gesehen habe, spitzenmässig . Thomas Hanzon war grandios !! Sicher sind die Bücher manchmal langatmig. Mir drängt sich nachdem ich vor 3 Tagen den tollen Film " Kim Novak badete nie im See vom Genezareth" gesehen habe der Verdacht auf, dass die Bücher absichtlich so geschrieben sind - quasi als Markenzeichen- denn die Auflösungen sind dann doch immer grandios und spannend inszeniert. Vielleicht muss das so sein, damit,s am Ende richtig knallt !!!

20.02.2008 03:04:47
Rolf.P

Die Handlung in Münsters Fall ist realistisch und gut aufgebaut - lediglich in der Mitte zieht sich die Handlung unnötig in die Länge.
Im zweiten Teil des Buches kommen - gänzlich unerwartet immer mehr Indizien, Motive und Spuren ans Tageslicht. Damit gewinnt der Plot erheblich an Fahrt und führt schlussendlich in ein recht unerwartetes Finale.
Kein Meisterwerk, aber ein guter Krimi.

17.02.2008 12:36:23
Svenja

Mein Nesser-Favorit, der bis zur letzten Seite fesselt.
Ein wenig schade ist, dass die Beziehung zwischen Moreno und Münster, die sich anbahnt, im nächsten Buch [Der unglückliche Mörder] so gut wie gar nicht mehr erwähnt wird - hier hätte der Autor ansetzen und den Erzählstrang weiterfühern können, aber das ist sicherlich auch Geschmackssache.

24.12.2007 14:45:59
SukRam

Ein ziemlich tiefgründiges Buch, das jedoch erst langsam vorankommt. Ein paar Nebenschicksale werden präsentiert und viele Person befragt, die überhaupt nichts mit dem Fall zu tun haben.
Trotzdem überrascht mich das doppelte Ende eines Buches, das viele philosophische Ansätze enthält.

Meine Wertung: 81°

21.11.2007 15:41:02
Herbert Petersen

Habe nun schon mehrere Nesser-Krimis gelesen. Auch dieser ist gut und spannend zu lesen. Wenn mir auch irgendwas gefehlt hat, kann aber nicht genau sagen was.
Kann das Buch trotzdem weiterempfehlen.
80 Grad

28.06.2007 19:26:16
Luca

Da dies mein erster Nesser war,störte es mich nicht das Van Veeteren nur im Hintergrund agierte.
Münster ist ein klasse Beamter,allerdings bekommt man manchmal den eindruck das er gäzlich hilflos ohne Veeteren ist.
Ein spannender Krimi,werde mir auch die anderen abenteuer von Veeteren zu gemüte führen.

07.11.2005 13:17:41
Pascal

Wieder ein guter solider Krimi von Nesser. Wobei ich der Meinung bin, dass dieser nicht schlechter ist, sondern vielleicht vielen Lesern nur die Figur van Veeteren fehlt.

Gekonnte Krimi-Unterhaltung in schwedischer Manier.

06.09.2004 22:20:15
Arne

Für mich der bisher schlechteste Nesser-Krimi. Ohne VV fehlt dem Krimi das Herzstück. So wirkt nicht nur die Handlung fad, sondern fehlt es an wirklichen Charakteren. Zu retten ist das Buch durch eine angedeutete Zuneigung zwischen Moreno und Münster leider auch nicht. Schade, denn bisher war ich fasziniert von den Nesser-Büchern.

04.07.2004 13:38:18
Stephan

Witzig und einfach geschrieben, zwar nicht sehr aufregend, aber doch schön. Das Ende dieses Buches ist jedenfalls noch einmal eine tolle Überraschung ;-)

06.03.2004 21:28:41
Stephan Vogt

Die vielen negativen Meinungen über H. Nesser kann ich nicht teilen. Ich finde seine Bücher zwar nicht megaspannend, aber sie sind doch gut unterhaltend und leicht und locker zu lesen. Ich lese Nesser genauso gern wie Mankell. Aber die Geschmäcker sind nun mal - Gott sei Dank - verschieden.

11.12.2003 17:10:04
Lena

Ich persönlich bin nicht so überzeugt von Nessar.Finde seinen Schreibstil ziemlich öde.Die Charaktäre sind langweilig.Gegen Mankell hat er keine Chance.

22.09.2003 11:54:28
Eva

Ich finde dass Nesser überbewertet wird. Habe jetzt 4 Bücher von ihm gelesen, aber das wird nicht besser.

16.06.2003 08:25:38
pet

Oberflächlich und so vorhersehbar wie das Wetter in der Sahara. Stupide Polizeiarbeit konnten Sjöwall/Wahlöö wesentlich besser rüberbringen als Nesser das immer wieder versucht.

19.04.2003 11:10:42
Otto Quaing

Ein sehr spannender Roman. Eigentlich ist die Rolle von van Veeteren überflüssig, aber ein ganz witziger Einfall von Nesser, ihn nur am Rande mitspielen zu lassen. Die Auflösung nach dem Ende ist toll und unerwartet. Absolut empfehlenswert!