Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Bonnier, 2001, Titel: 'Svalan, katten, rosen, döden', Seiten: 527, Originalsprache
  • München: btb, 2003, Seiten: 571, Übersetzt: Christel Hildebrandt
  • München: Goldmann, 2005, Seiten: 571, Übersetzt: Christel Hildebrandt
  • Köln: Random House Audio, 2004, Seiten: 6, Übersetzt: Dietmar Bär

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Thomas Kürten
Nesser immer besser

Buch-Rezension von Thomas Kürten Sep 2003

Unumstritten ist er nicht. Mitunter heißt es, er reite lediglich auf der Welle des Erfolges skandinavischer Schriftsteller mit. Viel zu oft muss er sich mit seinem Landsmann Mankell messen lassen. Hakan Nesser muss man jedoch bescheinigen, dass er nach durchschreiten eines Tränentals immer besser wird. Vorläufiger Höhepunkt der Kriminalreihe um das Team der Polizei Maardam bildet der im August 2003 auf deutsch erschienene Roman "Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod".

Der pensionierte Hauptkommissar van Veeteren erhält am Tag vor seinem Urlaub Besuch von einem Pastor, der sich ihm anvertrauen will. Van Veeteren hat keine Zeit für ein Gespräch und vertröstet ihn auf ein Treffen drei Wochen später. Als er aus dem Urlaub zurück kehrt, erfährt er aus der Zeitung vom Tod des Pastors, der von einem Zug überrollt wurde. Obwohl Kommissarin Ewa Moreno den Fall entweder als Unfall oder Selbstmord abgelegt hat, glaubt van Veeteren an einen Mord.

Was hat ein Mörder aus einem alten Kriminalroman mit dem Fall zu tun?

Kurz später wird die Leiche einer manisch-depressiven Alkoholikerin gefunden, ihre Tochter gilt zunächst als vermisst. Bei der Ermittlung stoßen die Kommissare Jung und Rooth in der Wohnung auf 46 Namen, darunter der Name des toten Pastors. Wollte der Gottesdiener van Veeteren von dieser Frau erzählen? Ferner findet die Polizei den Namen einer literarischen Gestalt, entnommen einem unbekannten britischen Kriminalroman der 30er Jahre, geschrieben von einem unbedeutenden Autor. Dieser "Benjamin Kerran" ist im Roman ein Mörder, der seine Opfer durch erwürgen umbringt. Hat der Mörder diesen Namen verwendet, um sein Opfer kennen zu lernen? Ansonsten hat er nämlich nicht die geringste Spur hinterlassen. Die Polizei tappt im Dunkeln.

Erst als die Tochter der Ermordeten ebenfalls erwürgt aufgefunden wird und eine weitere Frau vermisst wird, kommen die Ermittlungen langsam in Fahrt. Wiederum hat sich der Mann eines Namens einer literarischen Figur bedient. Alte und ungeklärte Fälle werden erneut aufgerollt und dabei findet Ewa Moreno die sprichwörtliche "Nadel im Heuhaufen", die die Ermittler zu einem elitären Universitätsverein führt. Ist der Mörder ein Mitglied dieses Elitezirkels?

Lange Zeit waren Nessers Charaktere zu flach - bis jetzt

Man kann Hakan Nesser vorwerfen, dass seine Figuren lange Zeit zu flach waren. Außer des dominanten Charakters Erich van Veeterens erfuhr man in seinen ersten Büchern nahezu gar nichts über die anderen Ermittler. Nesser musste erst van Veeteren pensionieren und die absolut farblosen und uninteressanten Kommissare Heinemann und de Bries sterben lassen, um andere Charaktere der Maardamer Polizei schärfer zu zeichnen. Er schrieb Bücher, in denen jeweils ein anderer Ermittler zum Protagonisten aufstieg (Münsters Fall, Der Tote vom Strand (im Original: "Ewa Morenos Fall")). Nun endlich schafft er es, jeder einzelnen Figur ein scharfes Profil zu geben. Sei es der immer zu einem flotten Spruch aufgelegte Rooth, der so gerne verliebt wäre, die hübsche Ewa Moreno, die darüber nachdenkt sich an ihren Partner zu binden, oder die Kommissare Jung, Münster und Reinhardt mit ihren Familien. Sogar die neue Kollegin Sammelmerk wird direkt zu einem greifbaren Charakter. Die jeweiligen Lebenssituationen der verschiedenen Charaktere weiß Nesser dabei geschickt zu nutzen um über Einsamkeit, Partnerschaft und die Suche nach dem Glück zu reflektieren. Und Nesser kann mit seiner Gesellschaftskritik überzeugen.

Brillant besonders der namensgebende Abschnitt, in dem Nesser beschreibt mit welcher Grausamkeit van Veeterens Katze eine Schwalbe jagt, fängt, mit ihr spielt und schließlich tötet. Hier läuft er zu erzählerischer Höchstform auf. Äußerst gelungen sind auch die Zeitsprünge und Rückblicke zu bezeichnen und die Art und Weise, wie er sie in die Handlung einbaut. Damit fügt er dem Charakter des Mörder immer wieder ein Mosaiksteinchen hinzu, ehe man ihn gegen Ende des Romans selbst zu kennen glaubt.

Ein sehr geheimnisvoller, lautloser und spurenverwischender Gegner

Nesser hat sich deutlich entwickelt. "Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod" ist nicht mehr vergleichbar mir den frühen Highlights der Reihe (Das grobmaschige Netz, Das falsche Urteil) Van Veeteren hat sich vom Zahnstocher kauenden Griesgram zu einem Menschen vom Schlag eines lieben Opis entwickelt. Trotzdem gewinnt man nicht den Eindruck, dass er sich vom van Veeteren der alten Bücher wesentlich unterscheidet. Es tut dem Roman gut, dass er wieder ins Geschehen eingreift und unorthodoxe Ermittlungsmethoden auspackt. Ein sehr geheimnisvoller, lautloser und spurenverwischender Gegner verleiht dem Roman die gewisse Würze, die Leser fesseln kann. Für ein Herbst- oder Winterwochenende eine hervorragende Unterhaltung auf gehobenem Niveau.

Die Schwalbe, die Katze, die Rose und der Tod

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