Das falsche Urteil

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Bonnier, 1995, Titel: 'Återkomsten', Seiten: 314, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2000, Seiten: 309, Übersetzt: Gabriele Haefs
  • Köln: Random House Audio, 2008, Seiten: 6, Übersetzt: Dieter Moor
  • München: btb, 2001, Seiten: 309
  • Augsburg: Weltbild, 2003, Seiten: 309
  • München: btb, 2011, Seiten: 309

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Thomas Kürten
Unschuld und Vorurteil

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mai 2003

Wie sehr kann man sich in einem Menschen täuschen, wie schnell neigt man zu Vorurteilen? Und heißt es nicht: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht? In Hakan Nessers "Das falsche Urteil" geht es um genau solche oberflächlichen Aspekte im menschlichen Miteinander, verstärkt durch den Zusammenhalt einer Dorfgemeinschaft.

Die Maardamer Polizei findet den stark verwesten Torso eines Mannes. Das Fehlen von Kopf Händen und Füßen erschwert die Identifizierung, zudem scheint niemand vermisst zu werden, der nur einen Hoden hatte. Nach Wochen geht der Hinweis ein, dass es sich um Leopold Verhaven handeln könne, ein Mann der zwei mal als Mörder verurteilt wurde und Haftstrafen von insgesamt 24 Jahren verbüßt hat, jedoch stets seine Unschuld beteuert hatte.

Verhaven war Zeit seines Lebens ein Sonderling und Eigenbrödler. Den Umgang mit Menschen scheute er, schon in der Schule war er ein Außenseiter. Als junger Mann wurde er als Leichtathlet berühmt, er lief auf den Mittelstrecken mehrfach Rekorde. Als er während eines Rennens zusammenbrach und des Dopings überführt wurde, endete seine Karriere abrupt, in den Zeitungen wurde er als Betrüger beschimpft. Er zieht sich auf ein Dorf zurück, betreibt eine Hühnerzucht auf einem abgelegenen Gut, wo er mit seiner hübschen Frau lebt. Die beiden streiten sich jedoch oft und es kommt auch zu Handgreiflichkeiten. Als sie eines Tages erwürgt aufgefunden wird, wird Verhaven ohne jeden Beweis in einem Indizienprozess verurteilt.

Rund 20 Jahre später - Verhaven ist inzwischen wieder auf freiem Fuß - wird erneut eine Frau aus seinem Umfeld ermordet aufgefunden. Am selben Ort wie damals und auf die selbe Weise umgebracht. Auch hier ist das Urteil schnell gefällt, Verhaven wird abermals hinter Gitter geschickt.

Wer könnte also ein Interesse haben, diesen Mann am Tag seiner Entlassung umzubringen? Wahrscheinlich doch jemand, dessen bitterer Schmerz über den Tod eines der Opfer noch immer so tief sitzt, dass er Vergeltung üben will. Auge um Auge, Zahn um Zahn? Oder gibt es noch andere mögliche Motive? Bei ihren Ermittlungen haben die Polizisten Münster, Reinhardt, Jung, deBries, Ewa Moreno und van Veeteren sehr schnell den Gedanken, dass sich eventuell ein anderer Täter hinter den Frauenmorden verbirgt, der Verhavens Schweigen erzwingen wollte. Die Indizien, die gegen Verhaven sprachen, erweisen sich als dünn und legen die Vermutung nahe, dass er wirklich unschuldig im Gefängnis gesessen haben könnte.

Je länger die Kommissare ermittelt, desto mehr folgen sie ihrem vagen Verdacht, aber auch sie finden nur Indizien und keine Beweise. Ihr Kampf gegen ein Netz aus Vorurteilen und Vorverurteilungen gleicht einem hoffnungslosen Kampf gegen Windmühlen. Die "Zeugen" in den beiden alten Mordfällen begegnen den Fragen der Ermittler mit Ignoranz und Desinteresse. Das Dorf, in dem Verhaven lebte, hat mit den falschen Urteilen seinen Frieden wiedergefunden und die Dorfgemeinschaft weigert sich einzusehen, dass der wahre Mörder möglicherweise noch immer ungestraft unter ihnen weilt.

Nesser versteht es, in diesem Buch gleich mehrere Zeitebenen miteinander zu verweben. Er schildert die Entlassung Verhavens und seinen Heimweg, dann neun Monate danach das Auffinden seiner Leiche und den Beginn der Ermittlungen, dazwischen Rückblicke auf die Zeit der Morde an den beiden Frauen. Nach und nach füttert er den Leser mit Informationen über den wahren Tathergang, ohne dabei frühzeitig die Identität des wahren Täters zu verraten.

Ebenfalls sehr gut sind Nesser die Dialoge gelungen. Der Unwillen, mit den Kommissaren zusammen zu arbeiten, ist in jedem Gespräch deutlich. Niemand möchte gerne an die alten Morde erinnert werden Ebenso merkt man den Ermittlern mitunter die Verzweiflung an. Sie spüren, dass an den beiden Urteilen gegen Verhaven etwas nicht stimmt, finden aber keinen probaten Anhaltspunkt, der ihre Vermutungen stützen könnte. Hauptperson van Veeteren, der ewig nörgelnde, ewig griesgrämige Kauz, ist durch eine Operation ans Bett gefesselt. Obwohl er nur gegen Ende des Buches agieren darf, ist er die einzige Figur, dessen Charakter in diesem Roman scharfe Konturen erhält. So sehr man den grummelnden Zyniker für seine vordergründige Art hassen kann (die dauernde Zahnstocherkauerei geht mir ja sowas von auf den Keks), kann man ihn für seine allzu menschlichen und teilweise philosophischen Gedankengänge lieben.

Die Kritikpunkte bleiben in der Zahl gering. Das Ermittlerteam ist groß und die Kommissare sind in den einzelnen Szenen eigentlich austauschbar. Keiner, der eine erkennbare Eigenart bei seinen Befragungen an den Tag legt. Die Befragung von Zeugen erschien mir einerseits zu unsystematisch, denn zu oft tauchten Namen auf, die nicht unmittelbar zugeordnet werden können. Andererseits ist dies Ausdruck für das "stochern im Nebel", die ratlose Suche nach Anhaltspunkten die den Verdacht nähren könnten. Was Nesser aber nicht vermitteln konnte ist der Grund für die Anteilnahmslosigkeit und Lethargie Leopold Verhavens bei den beiden Gerichtsprozessen, die letztlich bei beiden Veruteilungen den Richter und alle Anwesenden von seiner Schuld überzeugte. In "Das grobmaschige Netz" erzählt Nesser von einem Angeklagten und zu unrecht Verurteilten mit einem ähnlichen Verhaltensmuster, wobei der Grund dafür dem Leser nachvollziehbarer erscheint. Hier argumentiert er letztlich mit der Eigenbrödelei Verhavens und seiner empfundenen Machtlosigkeit gegen die Vorurteile der gesamten Öffentlichkeit, die aus seiner Doping-Vergangenheit beruht. Die Tatsache, dass er die ungerechte Strafe im Gefängnis in sich gekehrt und ohne Kontakt zur Außenwelt verbringt, ist letztlich wenig nachvollziehbar.

Action und Spannung sucht man vergebens in diesem Roman. Es ist halt ein typischer Nesser, wenig ausschweifend in seinen Schilderungen der Szenerie, dafür intensiver mit den Gedankengängen der Ermittler beschäftigt. Er regt daher auch den Leser zum Nachdenken über eigene Vorurteile und deren Ursachen an. Sogar über die Hauptfigur, die oberflächlich nur wenig Sympathiepunkte erzielen kann, gerät der Leser in Grübeln und man mag geneigt sein, van Veeteren am Ende doch irgendwie für seine Art schätzen zu können. Und für seine unorthodoxe Art, dem wahren Täter ein gerechtes Urteil zuteil kommen zu lassen, sollte man ihm glatt den golden Zahnstocher am Bande verleihen.

Das falsche Urteil

Das falsche Urteil

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Letzte Kommentare:
03.02.2018 17:47:41
trafik

Das falsche Urteil war mein erstes Buch von dieser Krimireihe die ich gelesen habe. Vom Anfang an hat diesem Buch etwas gefehlt. Was genau kann man so gar nicht sagen. Ich glaube eine mittelmässige Handlung, mit einer mittelmässigen Beschreibung seiner Hauptfiguren. Es sticht nichts so wirklich hervor. Schlecht kann man dazu aber auch nicht sagen. Einfach nur mittelmässig.
Die andere Krimireihe von Hakan Nesser ist beiweiten besser. Auch der Hauptkommissar eine Schlaftaplette.

28.11.2010 12:06:07
sapkowski

In seinem dritten Fall „Das falsche Urteil“ ermittelt Van Veeteren in einem Mordfall bei dem das Ermittlerteam zunächst eine bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leiche identifizieren muss, um die wahren Hintergründe der Tat aufzudecken.
Håkan Nesser schafft es in „Das falsche Urteil“ den Leser wieder von seinem gewohnten Stil zu überzeugen und ihn dadurch für sich einzunehmen.
Dennoch fehlte es größtenteils an Spannung und auch der „Aha – Effekt“ blieb aus. Das kann vor allem daran liegen, dass Van Veeteren in der ersten Hälfte der Handlung aus persönlichen Gründen nur vereinzelt auftaucht und die Ermittlungen von seinen Kollegen geleitet werden. Man merkt als treuer „VV – Fan“ das etwas fehlt.
So wird das Tempo der Handlung auch zunehmend besser, sobald der Kommissar dann wieder gewohnt in die Ermittlungen eingreift.
Dennoch war es Håkan Nessers authentischer Schreibstil, der eine gewisse Atmosphäre geschaffen hat und dadurch die Handlung interessant und nachvollziehbar machte.
Vor allem das Ende scheint die weitere Entwicklung der Figur „Van Veeteren“ nachhaltig zu prägen.
Ich bin also sehr gespannt!

3, 5 von 5 Sternen!

11.04.2010 15:22:32
amelie

ich fand das buch nicht gut. das liegt hauptssächlich am ende der geschichte- ich lehne selstjustiz und die todesstrafe voll und ganz ab. auch die charaktäre waren einfach furchbar negativ, was auch nicht gerade zu den kretikpunken zählt, die ein gutes buch für mich ausmachen. nein und auch der schreibstil hat mir nicht gefallen..

05.01.2010 14:06:48
Dickie_Greenleaf

Eigentlich ein sehr interessanter Fall, ich mag auch die leise Sorte Krimis, die die Arbeit des ermittelnden Teams in den Mittelpunt stellt, aber hier habe ich echt die Übersicht über die Polizisten verloren - DeBries und Rooth, Moltke, Meusse, Moreno, Münster, Reinhart. Alle sind irgendwie gleich und alle reden sich wie die Kleinkinder an. "Was hat der Polizeirat denn heute so gemacht?""Was denkt der Kommissar darüber?" "Der Polizeidirektor ist aber frech heute."Ist das eine Eigenart bei Nesserkrimis? Finde ich seltsam.
Die Erkenntnisse des Kommissars über den wahren Mörder blieben aus der Luft gegriffen und - wie ein Vorschreiber hier schon so richtig bemerkte - waren am Ende ebenso zusammenfantasiert wie alles, was dem armen Verhaven angedichtet worden war. Und am Ende lässt sich ein kräftiger Dreifachmörder von einem frisch Operierten (der trotz fehlendem Darmstück ungebremst pichelt) in die Tasche stecken? Absolut unglaubwürdig!

27.12.2009 20:38:09
maier christian

Hakan Nesser ist einfach ein Genie.
Habe fast alle seine Werke gelesen und zum Teil auch gesehen leider gibt es sie nicht alle auf Deutsch.Aber die Werke in Deutsch sind einfach genial.Mit der Besetzung von Sven Wolter ,Asa Karlin,
Claes Ljungmark,Steve Kratz einfach eine sehr gute Krimireihe.Liebe Grüße Ch.

23.10.2009 14:38:10
NickSch

Leopold Verhaven wurde Anfang der 60er Jahre und Anfang der 80er Jahre wegen Mordes zu je zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte immer bestritten, die beiden Frauen ermordet zu haben und es waren auch nur reine Indizienprozesse, die zu seinen Verurteilungen führten.

Als er im August 1993 aus dem Gefängnis entlassen wird, will er den Mörder der beiden Frauen stellen. Dazu kommt es aber nicht mehr. Leopold Verhaven wird ermordet, seine verstümmelte Leiche erst 1994 entdeckt. Niemand hat Leopold vermisst... Kommissar Van Veeteren und seine Leute haben einen schweren Fall aufzuklären. Erst im Laufe der Ermittlungen kristallisiert sich heraus, dass vielleicht doch nicht Leopold der Frauenmörder war. Und dass der Mörder der zwei Frauen auch ihn auf dem Gewissen hat. Allerdings - es sind viele Jahre ins Land gegangen. Wo anfangen??? Der im Krankenhaus liegende Van Veeteren versucht diesen Fall auf seine "Charmante Art " zu lösen. Da bremst ihn auch kein Krankenhausaufenthalt!Allein das war schon sehr Haarsträubend. Ein frisch operierter fährt auf eigene Faust durchs Land und will einen Dreifachmörder stellen. Da hätte ich das ganze schon fast abgebrochen, doch ich wollte unbedingt das Ende erfahren doch leider war das auch alles andere als nach meinem Geschmack.

Zu Anfang dachte ich, dass dieses Buch ein wahrer Glücksgriff ist. Es fing als spannender, gut aufgebauter Kriminalfall an. Doch schon bald brach das ganze ein und ich musste meine Meinung zum Ende des Buches hin revidieren. Der Schluss ist dermaßen an den Haaren herbeigezogen, dass ich eigentlich immer noch nicht fassen kann, dass der Autor dieses Ende gewählt hat.
Der Plot ist recht melancholisch und düster gehalten die Zeitsprünge wirken aufgesetzt und irritierend. Alles in allem kein wirklich Kriminalistisch gut durchdachter Fall. Wirklich schade...

35 punkte

13.02.2009 13:57:44
mylo

Nun dieser zweite Roman von Nesser, den ich m ir nun vorgenommen hatte ist zumindest in der Story schon um Welten besser und interessanter wie "das vierte Opfer" Aber die Lösung des Falles - ich denke mal den initierten Selbstmord/Mord durch VV erscheint mir nicht so glaubhaft, hier verläßt man der Realität einer ansich ansonsetn gut und durchaus auch glaubhaft aufgebauten Geschichte.
Ich weis mir - die VV-Krimis sind mir trotz allem zu langsam und zu leise.


75 Punkte

10.02.2009 11:20:05
Helga Lux

Nachdem ich schon etliche Seiten gelesen hatte, bin ich (leider) in dieses Forum gegangen, um zu sehen, wie das Buch so beurteilt wurde. Zwei Briefe haben den Täter bereits verraten; das sollte doch in diesem Forum nicht geschehen, wo sind da die Moderatoren, die das verhindern? "Danke" an Rudolf Kirsch und Holger Herzog, ich habe das Buch dann nur weiter gelesen, da ich es hasse, mittendrin aufzuhören. Aber die Spannung war dahin.

02.07.2008 14:23:31
Herbert Petersen

Also irgendwie kann ich mit diesem VV-Krimi (im Gegensatz zu anderen VV-Krimis) nicht so recht anfreunden. Wie VV am Ende den Fall "löst" ist doch irgendwie ich nenne es mal seltsam.
Mal sehen was der nächste VV bringt.

10.02.2008 14:11:48
Rolf.P

Wer Action sucht, ist vielleicht von Hakan Nessers Van-Veteern-Romanen etwas enttäuscht.
Hervorragend wird ein Geflecht aus Gegenwart und Vergangenheitsbetrachtungen gesponnen in dem Kommissar Van Veeteren beharrlich seiner Intuition folgt. Dramaturgisch und technisch ein guter Kriminalroman, die Geschichte wird von dem tiefgründiger und eindringlicher gezeichneten Charakter Van Veeterens getragen.
Jedem Freund anspruchsvoller Spannungsliteratur sei dieser Krimi anempfohlen!

01.11.2007 00:59:18
Holger Herzog

Viele kritisieren Nesser dafür, die Selbstjustiz Van Veeterens als etwas normales, vielleicht sogar gutes darzustellen.

Ich bin anderer Meinung.

Van Veeteren selbst wiederholt am Ende des Buches zweimal, dass es nicht so sei, wie es aussieht.

Und wie sieht es aus? Es sieht so aus, als habe Van Veeteren einen Dreifachmörder gehenkt, weil die Justiz es nicht schaffte. Opfer des dritten Mordes war derjenige, der für die beiden ersten Morde fälschlicherweise im Gefängnis saß. In der Tat, so sieht es aus. Aber einzig ein fehlender Hoden deutet darauf hin.

Der von Van Veeteren getötete Mann wirkt groß und kräftig, und zehn Jahre jünger, als er eigentlich sein dürfte. Jahrens müsste vermutlich 65 sein. Verhaven nur 58. Der von Van Veeteren getötete Mann hat außerdem vergessen, dass das erste Opfer nackt zu Jahrens kam. Hätte Jahrens das vergessen?

Hat Jahrens Verhaven ermordet, oder war es umgekehrt? Kann man das mit Sicherheit sagen?

Ich denke, der von Van Veeteren getötete Mann könnte durchaus der falsche gewesen sein. Ich für meinen Teil glaube sogar, Van Veeteren hat den falschen ermordet. Er traf ein "falsches Urteil".

Das macht Van Veeteren nicht gerade zu einem Helden. Im Gegenteil. Folglich komme ich nicht zu dem Schluss, Selbstjustiz sei in diesem Buch für gut befunden worden.

Ich hoffe, zum (erneuten?) Lesen angeregt zu haben.

15.10.2007 13:23:27
Rabea

Ein, für mich, interessanter Krimi! Wie viele Beweise braucht ein Kommissar? Wie gut ist die Spürnase? Der verurteilte Täter ist ein ganz besonderer Mensch, echt schön geschrieben. Und für mich auch nicht unrealistisch! Das Ende finde ich etwas schockierend, auch wenn ich den Kommissar doch verstehen kann... Ein Krimi anderer Art.

28.10.2006 17:24:12
Hartmut

Fehlinvestiertes Geld! Sowas von langweilig und eine Lösung, die nicht überzeugt. V.V. hat "Ahnungen", aus denen er einen Tathergang zusammenfantasiert. Er ist sich dabei selbst ganz sicher, obwohl er nichts beweisen kann. Und da kommt dann am Ende auch nichts mehr, das wenigstens noch die Ahnungen bestätigt. Wenn der angebliche Doppelmörder aufgrund unzureichender Indizien verurteilt worden war, so ist v.V. Verurteilung und Bestrafung des aus der Tasche gezauberten "wahren Täters" noch viel weniger auf überzeugenden Tatbeständen begründet.
Das Buch läßt mich sehr unbefriedigt, ja sogar etwas frustriert und verärgert zurück.

29.08.2006 21:01:56
Emma

Die Ausgangssituation war durchaus ein interessanter und spannender Gedanke. Ich persöhnlich mag es nicht so, wenn zu viele personen keinen Namer haben bzw. ihn erst später bekommen. In vielen Kapiteln wurden die personen nur als er oder sie bezeichnet. so habe ich etwas den Überblick verloren.
Bis heute verstehe ich nbicht, wie VV auf die Lösung gekommen ist. Das ist einfach keine gute Lösung. In anderen Büchern werden zwar auch unglaubliche Gedankengänge erklärt aber so etwas unlogisches habe ich noch nicht gelesen. Wenn dies mein 1. nesser gewesen wäre, hätte ich mir keinen zwieten gekauft. Andere sind wirklich besser.

07.03.2006 20:45:39
killerteddy

Ich hab bis jetzt vier Bücher von Nesser gelesen, aber muss sagen, dass "Das falsche Urteil" mit Abstand das schwächste Buch aus der VV Reihe ist.

Auch wenn die moralischen Aspekte nachvollziehbar sind, lässt sich Nesser hier zu einem mordenden Kommissar hinreißen, der mit seinen grundfesten Überzeugungen aus den anderen Büchern nicht viel gemein hat.

03.03.2006 09:44:47
Rudolf Kisch

Nach bereits vier gelesenen Van Veeteren Krimis habe ich mir am Montag "das falsche Urteil" geholt und zwischenzeitlich gelesen. Zunächst war ich angenehm überrascht, dass Nesser jetzt auch einmal kurze persönliche Momente einfügt, so dass nicht nur die Arbeit der Maardamer Kriminaler sich durch den ganzen Roman zieht. Insbesondere wird auch Münster ein bißchen Familienidylle zugestanden.

Wie sich van Veeteren jedoch auf dem Alleingang in den dreifachen Mörder verrennt und die für ihn einzig mögliche Bestrafung umsetzt, kann mit der Wirklichkeit nichts gemein haben. Dies ist für meinen Geschmack zuviel aus Forsyth oder Le Carre entliehen, passt besser zur Lizenz zum Töten als zu einem auf den Grundwerten demokratischer Grundordnung stehenden Kriminalbeamten. Oder ist er auch schon in die Jahre gekommen und frustriert von den Unzulänglichkeiten einer funktionierenden Demokratie. Wenn die Justiz keine Möglichkeit sieht, einen Täter zu verurteilen, wie kann sich dann ein Mann, der lediglich die FAKTEN zusammentragen soll und die Bestrafung anderen Institutionen überlassen muss dazu übergehen, Selbstjustiz zu üben.
Für mich ist es Nesser nicht gelungen, glaubhaft die Schuld von Jahrsen herauszuarbeiten. Weder in Einblendungen noch durch die Vorstellungen seiner trockenen Gattin. Die Reflexion auf jahrelangen Nuttenbesuch wegen Verweigerung der Ehefrau läßt noch nicht den Schluss der Vergewaltigung und Mord zu. Desweiteren ist die Ermordung des Hühnerzüchters nicht logisch, oder wollte man hier den Mord am wahren Täter verhindern und ließ ihn deshalb töten.
Ich hoffe, dass Van Veeteren wieder sachlicher wird und ich nicht davon ausgehen muss, dass er sich als Atheist zum Racheengel aufspielt.

30.12.2005 22:34:56
Swen Piper

Nesser schafft (wieder einmal) eine außergewöhnliche Ausgangssituation: Ein verurteilter Mörder kommt nach 24 Jahren aus dem Gefängnis frei und wird am Tag seiner Entlassung ermordet. Ist das Motiv Rache oder steckt mehr dahinter?

02.10.2005 17:36:30
Kirsten

Also, hätte ich nicht vorher " Das vierte Opfer" gelesen hätte ich mir nach diesem Langweiler
" Das falsche Urteil" keinen Nesser mehr gekauft!
Alles zog sich wie Kaugummi und die Spannung blieb voll auf der strecke! Jedes andere Buch von ihm kann nur besser werden!

19.09.2005 10:19:44
Pascal

Nach der ersten Zeilen ist man bereits eingetaucht. Nesser hat einen einfachen, aber trotzdem sehr ansprechenden Stil. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man Nesser nicht mag. Er schreibt Krimis für jedermann. Die Geschichte ist gut strukturiert und sehr mainstream. Kein Reisser, sonder solide Krimiunterhaltung.

29.06.2005 10:21:14
grrrh

Mein 1. Nasser. Bin enttäuscht. Der übliche Grummel-Kommissar, der aus nicht ganz klar ersichtlichen Gründen den Fall allein löst. Ein Ermittlerteam, das völlig gesichtslos bleibt und eh null zur Lösung beiträgt. Die Motive des Täters? Offenbar nicht so wichtig. Und zu guter letzt noch ein bisschen Lynchjustiz...

03.04.2005 20:06:45
Ilona

einfach spannend bis zur letzten Seite. Wenn man könnte (außer im Urlaub) möchte es man in einem Rutsch lesen. Habe es bereits verliehen, und auch diese waren einfach begeistert. Man bekommt Lust auf noch mehr Nesser Krimi. Was ich auch bereits getan habe, 4 weitere habe ich gelesen, die auch mit diesem Krimi mithalten können.

22.03.2005 08:10:01
Peter

Das Buch ist eindeitig der schwächste Nesser (ist bin jetzt beim neunten). Es ist bereits ganz am Anfang klar, dass Verhaven zu Unrecht verurteilt wurde, und die Suche nach dem Täter gestaltet sich eher langweilig. Wenn man die ganze VV-Serie sieht, kommen auch die Figuren hier keinen Schritt weiter. Das war nur ein Lückenfüller zum nächsten Roman.

11.02.2005 08:34:42
pet

Einer der früheren Romane von Nesser und einer der schwächeren. Wieder mal kommt Van Veeteren als einziger aus absolut nicht nachvollziehbaren Gründen auf die Lösung. Störend die oftmals holprige Übersetzung ("er holte tief Atem"). Streckenweise langatmig. Mir fehlt vor allem eine Erklärung für Verhavens Lethargie. Ungewohnt für den frühen Nesser einige humorvolle Dialoge.

14.08.2004 16:37:39
dyke

Mein zweiter Nesser - finde ihn immer besser.
Kein Krimi-Normal-Kost. Dafür sind zu viele Gedankengänge im Spiel, die nichts mit dem Fall zu tun haben, aber gerade das hebt den Roman aus dem Eienerlei hervor.
Nesser liest man nicht der Spanung wegen, sondern der leisen Zwischentöne.

13.05.2004 08:43:14
Bjoern

Einfach nur wieder gut. Wie immer eine sehr tolle Sprache, die da Hakan Nesser an den Tag legt. Besonders das Ende ist wieder einmal wohltuend unmoralisch. Klasse Buch.

30.11.2003 21:40:54
Dr. Gunthard Niederbäumer

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Es ist zügig geschrieben und die Charakteren sind gut beschrieben. Die Spannung konnte bis kurz vor dem Schluss aufrecht gehalten werden. Kurz, das richtige Buch für einen verregneten Sonntag.

06.10.2003 20:56:39
Linus9

Nicht schlecht, nicht schlecht! Allerdings manchmal ziemlich langatmig! Die unterschiedlichen Zeiten sind gut gelungen! Das Ende war sehr gut, obwohl leicht übertrieben. Nur VV hat mal wieder den Durchblick und kaum ist er aus dem Krankenhaus entlasssen löst er den Fall, hm, naja!

19.09.2003 16:03:31
kiran meyer

ich finde das buch hat was.meiner einer ist keine buecherratte,aber das buch zwingt einen zum lesen,weil man unbedingt wissen moechte wer eigentlich der taeter ist.es hat witzige pointen .

15.07.2003 03:50:18
literatenkritik

Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Viele Personen tummeln sich zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten.

Eigentlich habe ich nichts gegen vorverlegte Handlungen, Retros und zeitlich unterschiedliche Detektionsstufen, aber zuviel ist einfach zuviel

Ein Who is Who hätte ich auf jeder einzelnen Seite gerne vor mir liegen gehabt, um die Figuren wieder zuordnen zu können.

Darunter leidet dann natürlich auch Spannung und Plot

Nur mäßig, mehr bleibt mir nicht in Erinnerung

19.04.2003 11:04:09
Otto Quaing

Meiner Meinung nach ist das Buch sehr spannend geschrieben. Dass ausgerechnet van Veeteren, der wahrend der Nachforschungen mehrere Wochen im Krankenhaus liegt, die Auflösung gelingt, finde ich etwas billig. Aber sonst ist das Buch wirklich sehr gut zu lesen.

02.11.2002 20:52:01
Biggi

Bücher die in verschiedenen Zeiten und aus Sicht verschiedener Personen spielen finde ich immer sehr spannend. Am Schönsten finde ich es, wenn sich am Schluß alles zu einer Einheit verbindet.