Die Frau mit dem Muttermal

Erschienen: Januar 1998

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Bonnier, 1996, Titel: 'Kvinna med födelsemärke', Seiten: 310, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1998, Seiten: 284, Übersetzt: Christel Hildebrandt
  • Augsburg: Bechtermünz, 2000, Seiten: 284
  • München: Goldmann, 2001, Seiten: 284
  • Köln: Random House Audio, 2008, Seiten: 6, Übersetzt: Michael Hansonis
  • München: btb, 2012, Seiten: 288

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Peter Kümmel
Von Mankell ist Nesser noch meilenweit entfernt

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Ein Mann wird erschossen aufgefunden. Zwei Schüsse in die Brust, zwei Schüsse in den Unterleib. Die Polizei tappt im Dunklen. Keiner hat etwas gesehen oder gehört, ein Motiv ist nicht zu erkennen. Kurze Zeit später wird ein weiteres Opfer gefunden, nach exakt dem gleichen Schema ermordet. Keine Frage, dass es sich um den gleichen Täter handelt. Doch wieder gibt es absolut keine Anhaltspunkte.

Die einzige Möglichkeit, dem Täter auf die Spur zu kommen, bietet sich der Polizei dadurch, irgendeinen Zusammenhang zwischen den beiden Mordopfern zu finden. Schließlich entdeckt man die beiden gemeinsam auf einem etwa dreißig Jahre alten Foto. Weitere 33 Männer befinden sich auf dem Jahrgangsfoto einer Militärakademie. Hat man hier vielleicht weitere potentielle Opfer oder sogar den Mörder vor sich?

Schwedische Kriminalromane bürgen üblicherweise für Qualität und zählen nicht erst seit Henning Mankell zu den Geheimtipps. Als mir ein Buch des schwedischen Autors Håkan Nesser in die Hände geriet und ich auf dem Umschlagstext von einem Serien-Kommissar las, musste ich als begeisterter Wallander-Fan natürlich ein Buch der Serie lesen. Sinnvollerweise wählte ich dazu das erste Buch der Serie, was sich später als Irrtum herausstellte. Denn "Die Frau mit dem Muttermal" ist zwar das erste in Deutschland erschienene Buch der Van-Veeteren-Serie, doch in Wirklichkeit bereits der vierte Roman der Reihe.

Mit "Die Frau mit dem Muttermal" sticht der Titel des Krimis nach bester Edgar-Wallace-Tradition hervor, das Muttermal jedoch wird im Text nur ein einziges Mal erwähnt. Also nur reißerische Aufmachung. Ich kann zwar kein Schwedisch, doch "Kvinna med födelsemärke" hört sich nach Originalübersetzung an und nicht wie oft üblich nach von deutschen Verlagen zu Werbezwecken neu vergebenem Titel.

Im ersten Kapitel erfährt man bereits, wer der Mörder sein wird. Nicht unbedingt ungewöhnlich, auch Mankells Die fünfte Frau ist ähnlich aufgebaut. Im Laufe des Buches werden einige weitere Parallelen zu diesem Buch deutlich, möglicherweise hat sich der Autor von diesem Werk etwas inspirieren lassen.

Nessers Schreibstil ist sehr einfach ohne viele Ausschmückungen, so dass das Buch leicht zu lesen ist. Durch die relativ kurzen Kapitel und die vielen Szenenwechsel geht der Lesefluss dennoch gelegentlich verloren. Dass der Autor einen Szenenwechsel üblicherweise beginnt, ohne in den ersten Sätzen Namen einfließen zu lassen, dauert es oft einige Zeit, bis der Leser erkennt, um wen es eigentlich geht. Mit der Schilderung von Zeugenbefragungen, die absolut unbrauchbar sind, scheint der Autor die Zeit überbrücken zu wollen (Seiten schinden hört sich zu abfällig an).

Die Darstellung der Charaktere ist sehr oberflächlich, einige gute Ansätze werden oft schnell abgebrochen. Auch mit der Figur des Hauptkommissars Van Veeteren kann sich der Leser kaum identifizieren. Viele Personen werden relativ schnell eingeführt, ohne sie näher darzustellen. Van Veeteren kann man kaum die Rolle des Protagonisten zubilligen. Ebenso wie die etwa acht weiteren Ermittler wirkt die Figur sehr farblos.

Die Handlung spielt an rein fiktiven Orten, zumindest habe ich noch keinen davon gehört. Anhand des Klangs der Namen und der Währung Gulden soll der Schauplatz wohl in Holland liegen, obgleich das nirgends explizit erwähnt ist. Die fiktiven Orte tragen zumindest nicht dazu bei, sich in das Geschehen hineinversetzen zu können oder dem Buch wenigstens etwas Charisma zu geben.

Die Idee der Handlung ist alles andere als originell und schon recht früh vorhersehbar.

Ich hoffe, dass ich mit meiner Meinung vermeiden kann, dass weitere Wallander-Fans auf Van Veeteren hereinfallen. Von Mankell ist Nesser noch meilenweit entfernt. Wer jedoch gerne mal einen absolut anspruchslosen Krimi zum Abschalten liest, kann dies hiermit tun. Schnellleser sollten dazu nicht mehr als einen Abend vergeuden müssen.

Die Frau mit dem Muttermal

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