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Thomas Gisbertz
O'Loughlins persönlichster Fall

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Apr 2019

Als der Psychologe Joe O'Loughlin einen Anruf des St. Mary's Hospital in London erhält, trifft es ihn wie ein Schlag: Sein Vater William wurde mit schweren Kopfverletzungen eingeliefert und liegt im Koma.
Als er ins Krankenhaus zu seinem Vater eilt, glaubt Joe seinen Augen kaum. Statt seiner Mutter sitzt eine ihm Fremde namens Olivia Blackmore tränenüberströmt und mit blutbefleckten Kleidern am Krankenbett und behauptet, Williams Ehefrau zu sein. Wer ist die Frau in Wirklichkeit? Eine Freundin, eine unbekannte Verliebte oder einfach eine Geisteskranke?

Die Suche nach der Wahrheit

Zunächst sieht es so aus, als sei der 80-jährige William unglücklicherweise die Treppe hinuntergestürzt. Joe O'Loughlin findet aber schnell heraus, dass sein Vater Opfer eines brutalen Überfalls geworden ist. Was dem Psychologen Rätsel aufgibt, sind der Ort und die Umstände der Tat.
William teilte sich wohl mit Olivia Blackmore ein Haus im Londoner Stadtteil Chiswick. Angeblich haben die beiden vor etlichen Jahrzehnten auf Bali geheiratet. Joe versteht die Welt nicht mehr. Seine Eltern sind seit über 60 Jahren verheiratet und genießen eigentlich ihren Lebensabend gemeinsam in Wales. Was hat ihm sein Vater verheimlicht?
Noch mysteriöser wird der Fall, als Olivias Sohn Ewan, der unter einer bipolaren Störung leidet, Joes Töchter Emma und Charlie bedroht und der Psychologe darüber hinaus erfahren muss, dass es bei der O'Loughlin-Stifung, der William vorsteht, zu finanziellen Auffälligkeiten gekommen ist. Joe, der bei seiner Recherche erneut von seinem Freund, dem ehemaligen Polizisten Vincent Ruiz, unterstützt wird, muss sich mehr als einmal fragen, wie gut er eigentlich seinen Vater kennt. Um die Wahrheit herauszufinden, muss Joe einen hohen Preis zahlen.

Autobiografische Elemente im Roman

"Die andere Frau“ ist vermutlich eine der persönlichsten Geschichten, die Michael Robotham bisher geschrieben hat. Joe O'Loughlin versucht herauszufinden, wer sein Vater William überhaupt ist. Er ist der wichtigste Mensch in Joes Leben. Der Psychologe hat sein ganzes Leben lang versucht ihn zu beeindrucken, seine Liebe und Zuneigung zu gewinnen, aber er hat auch das Gefühl, dass ihm das nie gelungen ist. Da sein Vater nun im Koma liegt, glaubt Joe, dass er vielleicht die Chance verpasst hat, ihn jemals wirklich kennenzulernen.

Robotham hatte eine ähnliche Beziehung zu seinem Vater, der vor zehn Jahren gestorben ist. In einem Interview beschreibt er sein Verhältnis zu ihm: „Dieses Buch ist also auch ein Weg für mich, diese Problematik aufzuarbeiten. Jedes Mal, wenn ich ein neues Buch geschrieben habe, habe ich es meinem Vater als erster gegeben, in der Hoffnung, ihn damit zu beeindrucken. Als er gestorben ist, war meine erste Reaktion: Für wen mache ich das eigentlich? Wieso schreibe ich überhaupt noch?“

Vielschichtige Handlung

Der Thriller setzt sich aus unterschiedlichen Handlungssträngen zusammen. Zum einen geht es um Joes ganz persönliches Verhältnis zu seinem Vater, welches immer wieder mit Hilfe von Rückblenden beleuchtet wird. Zum anderen geht es um die „andere Frau“, Olivia Blackmore, und ihre Beziehung zu William. Auch deren Sohn Ewan und dessen Freund Micah Beauchamp stellen Joe und Vincent vor ungeahnte Schwierigkeiten. Obendrein stößt Samuel Rhodes, der neue Schatzmeister der O'Loughlin-Stiftung, bei seiner Arbeit auf große finanzielle Unregelmäßigkeiten.

Es wird schnell deutlich, dass sowohl Williams Vergangenheit als Arzt wie auch seine Rolle als Vorsitzender der Foundation eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die aktuellen Ereignisse haben. Zuletzt rückt zudem die Anwaltsfamilie Passage in den Fokus, mit der Joes Familie seit einer gefühlten Ewigkeit befreundet ist. Dass Joe sich nebenbei auch um die Probleme seiner jüngsten Tochter Emma kümmern muss, darf dabei nicht unerwähnt bleiben. Trotz der zahlreichen Erzählstränge verliert der Leser jedoch nie den Überblick.

O'Loughlin und Ruiz als eingespieltes Team

Gegen Joe O'Loughlin, einen angesehenen und erfolgreichen Psychologen, scheint sich derzeit alles zu verschwören: Zunächst verlor er vor einigen Monaten seine Frau Julianne bei einer Operation. Seitdem muss er sich alleine um die gemeinsamen Töchter Charlie und Emma kümmern. Besonders der jüngsten Tochter fällt der Verlust ihrer Mutter noch immer sehr schwer. Des Weiteren schreitet seine Parkinson-Erkrankung immer weiter fort und lässt einen geregelten Alltag nur noch mit einer hohen Medikation zu. Zuletzt ereilt ihn nun die Nachricht vom kritischen Zustand seines Vaters.
Unterstützung erhält er wie so oft von Vincent Ruiz, der einst das Dezernat für schwere Gewaltverbrechen leitete. Der ehemalige Detective ist eher als Raubein verschrien, der wenig über seine Gefühle spricht, dafür gerne auf eigene Faust und zum Teil auf unkonventionelle Art ermittelt. Der Psychologe und der Ex-Cop sind längst gute Freunde, auch wenn - oder gerade weil - ihre Beziehung zwar sehr eng ist, aber selten zu privat wird. Das würde auch nicht zur Art von Ruiz passen, obwohl er für Joe und dessen Töchter alles tun würde.

Ungewohnte Thematik

Während Joe in den anderen Fällen der Reihe von der Polizei bei schwierigen und oftmals grausamen Mordfällen als Profiler hinzugezogen wird, ermittelt er diesmal im privaten Umfeld. Dies mag einige Leser zunächst enttäuschen. Nach dem Tod von Joes Frau Julianne im letzten Teil der Reihe, „Der Schlafmacher“, musste es aber zu einem Umbruch kommen. Seine Frau, die - trotz zwischenzeitlicher Zerwürfnisse mit ihrem Mann - zusammen mit den gemeinsamen Kindern für Joe immer eine unverzichtbare Stütze in seinem Leben war, fehlt nun und stellt den Psychologen besonders im privaten Bereich vor Herausforderungen.
Man kann bei „Die andere Frau“ sicher von einer Art „Zwischenroman“ sprechen, bei dem es in erster Linie darum geht, Joes privates Leben wieder zu ordnen. Dazu gehört auch, dass eine neue Frau in sein Leben tritt, die er (und der Leser aus dem ersten Fall „Adrenalin“) von früher kennt. Bereits jetzt darf man gespannt sein, wie sich diese Beziehung entwickeln wird.

Fazit

Michael Robotham beweist mit diesem Roman erst recht, dass er mehr ist als ein reiner Thriller-Autor. Sehr einfühlsam rückt er diesmal seine Hauptfigur und dessen persönliche Seite in den Vordergrund, ohne auf die gewohnten Thrillerelemente gänzlich zu verzichten. Sicherlich wird durch Robothams Art zu schreiben dieser Fall auch für den ein oder anderen Leser zum „persönlichsten“ Teil der Reihe. Den Wechsel zwischen Melancholie und Spannung versteht sicher kaum einer besser als Robotham. Nicht unbedingt der spannendste Fall für Joe O'Loughlin, aber auf jeden Fall der wichtigste.

Die andere Frau

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