Sag, es tut dir leid

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • London: Sphere, 2012, Titel: 'Say, you're sorry', Seiten: 435, Originalsprache
  • München: Der Hörverlag, 2013, Seiten: 2, Übersetzt: Laura Maire & Johannes Steck, Bemerkung: MP3

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Marcel Feige
Der menschliche Makel

Buch-Rezension von Marcel Feige Mai 2013

Joe O'Loughlin, regelmäßigen Robotham-Lesern vertrauter Psychologe mit Parkinson-Erkrankung, reist mit Tochter Charlie für vier Tage nach Oxford. Er soll dort einen Vortrag halten, aber in Wahrheit dient das Wochenende dem »Vater-Tochter-Bonding«, denn seit Charlies Entführung und Joes Trennung von Ehefrau Julianne stand ihre Beziehung zueinander unter keinem guten Stern.

Und dabei - der Leser ahnt es schon - wird es bleiben, denn bereits während der Zugfahrt werden Charlie und Joe zufällig Zeugen eines Polizeieinsatzes. Abseits des Bahndamms wurde eine Mädchenleiche gefunden. Wie es der Zufall außerdem will, ist O'Loughlin der einzige, der die richtigen Schlüsse zieht, als er erfährt, dass es sich bei der Ermordeten um die junge Tash McBain handelt. Die ist vor Jahren spurlos mit ihrer Freundin Piper Hadley verschwunden. Wo ist Piper? Lebt sie noch?

Bis O'Loughlin die Antwort herausgefunden hat, eilt ihm mitsamt seinem Kumpel, dem Ex-Cop Vincent Ruiz, noch einige Male mehr der Kommissar Zufall zur Hilfe während die Detectives, die eigentlich in dem Entführungsfall ermitteln sollten, wie Bauerntölpel durch die Oxfordschen Wälder stolpern.

Nun gut, für eingefleischte Robotham-Leser ist die (Über)Strapazierung des Kollegen Zufall nichts Neues, was im übrigen auch für die Storylines gilt, die der australische Erfolgsautors seinen Thrillers zugrunde legt: Immer wieder werden Joe O'Loughlin oder Vincent Ruiz mehr oder minder zufällig mit einem schlimmen Verbrechen oder einem blutigen Komplott konfrontiert. Von dieser Sekunde an tickt die Uhr. Wird es Rettung geben oder nicht?

All das hat man natürlich schon mal gelesen, und - trotz der obligaten Verfolgsjagden, Schießereien, Schlägereien etc. - oft weitaus rasanter als bei Robotham. Und beim Finale übertreibt er es gerne mit zusätzlichen Finten, die der eigentlichen Auflösung folgen; ein Trick, der in der Wiederholung an Reiz verliert.

Überraschenderweise bleiben Robothams Romane trotzdem spannend. Denn er erzählt nicht einfach nur eine Geschichte, sondern seine Figuren erzählen ihre Geschichte. Auch das ist freilich kein brandneues Stilmittel, aber Robotham beherrscht diesen Stil außerordentlich gut.

Wenn etwa Joe O'Loughlin, der sich in Sag, es tut dir leid endlich mal wieder mit einer Frau zum Date verabredet, erklärt:

 

Julianne hat mich vor drei Jahren auf die Transferliste gesetzt, doch bis jetzt hat niemand ein ernsthaftes Angebot gemacht nicht mal für einen Gastauftritt bei einem Freundschaftsspiel.

 

Dann ist das nicht nur lakonisch, sondern birgt auch die große Verzweiflung eines kranken, einsamen Mannes. Zugleich ist es amüsant und tapfer, so wie O'Laughlin während seines Dates auf seine spastischen Attacken reagiert:

 

Ich werfe einen Blick in die Speisekarte. Victoria bestellt die Suppe. Ich tue das Gleiche. Eine schreckliche Wahl. Mein linker Arm zittert.

 

Als das Essen serviert wird:

 

Ich greife zu einem Brötchen, nicth bereit, mich der Suppe zu bestellen.
"Haben Sie keinen Hunger?"
"Eigentlich nicht."
Victoria macht der Kellnerin ein Zeichen und flüstert ihr etwas zu. Kurz darauf wird eine weitere Suppe serviert, diesmal in einem Becher. Es sollte mir peinlich sein, aber ich bin schon jenseits aller Verlegenheit.

 

Vor allem aber ist das ehrlich. Es sind die vielen kleinen Details, mit denen Robotham seine Figuren liebevoll ausschmückt. Dabei geht er keineswegs liebevoll mit ihnen um, sondern mutet ihnen eine ganze Menge zu und vor allem O'Loughlin, der diesmal sogar vor der schwierigsten Entscheidung seines Lebens steht. Als hätte er mit verärgerter Ehefrau, widerspenstiger Tochter und seiner fortschreitenden Erkrankung nicht schon genug am Hals.

Doch das Leben ist niemals gnädig und in diesem Wissen erwachen Robothams Figuren vor den Augen der Leser zum Leben. Sie leben und leiden mit ihnen und sehen deshalb gerne einmal über den konventionellen Plot hinweg.

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