Erlöse mich

  • Goldmann
  • Erschienen: Januar 2014
  • 13
  • London: Sphere, 2013, Titel: 'Watching you', Originalsprache
  • München: Goldmann, 2014, Seiten: 500, Übersetzt: Kristian Lutze
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Jörg Kijanski
85°1001

Krimi-Couch Rezension vonDez 2013

Verwirrender Fall für O'Loughlin und Ruiz

Marnie Logan bemüht sich nach Kräften ihre beiden Kinder zu erziehen. Tochter Zoe aus erster Ehe ist bereits fünfzehn Jahre alt, Elijah noch ein kleiner Junge mit angeschlagener Gesundheit. Nachdem ihr Mann Daniel vor über einem Jahr spurlos verschwunden ist, hat Marnie große finanzielle Probleme. Sie kann die Miete nicht bezahlen und außerdem hat ihr Daniel Spielschulden in Höhe von 25.000 Pfund hinterlassen, die der Kleinkriminelle Patrick Hennessy mit Nachdruck einfordert, so dass sich Marnie letztlich gezwungen sieht, sich für dessen Escort-Agentur zu prostituieren. Dabei könnte es Marnie finanziell sehr gut gehen, denn es gibt eine Lebensversicherung über 300.000 Pfund, doch dafür müsste sie beweisen können, dass Daniel tot ist.

 

"Beide erinnern sich noch an die Zeit, in der bei der Polizeiarbeit weniger Bürokratie und mehr gesunder Menschenverstand gefragt war. Man durfte auch mal eine Abkürzung nehmen. Erfahrung galt als wertvoll. Die Zeiten sind vorbei."

 

Nur wenige Tage nach ihrem Einstieg in den Escort-Dienst wird Quinn, der für Hennessy die Drecksarbeit erledigt, erstochen im Fluss aufgefunden. Und überhaupt verschwinden immer wieder Menschen, die Marnie im Wege stehen oder dieser Unrecht getan haben. Sollte sie einen heimlichen Beschützer haben? Seit geraumer Zeit befindet sie sich in Behandlung bei Professor Joe O'Loughlin, einem klinischen Psychologen, der zunehmend den Verdacht hegt, dass seine Patientin ihm einige Dinge verschweigt. Als Marnie zufällig in den Besitz einer DVD gelangt, die ihr Daniel zu ihrem Geburtstag schenken wollte, wird sie mit ihrer Vergangenheit konfrontiert und muss feststellen, dass ihr nicht alle Menschen gratulieren möchten. Denn ihr Leben wurde immerfort von seltsamen Unglücksfällen und Vorkommnissen begleitet. Sollte gar Marnie selbst hinter den Ereignissen stecken?

Auch der neunte Roman von Robotham ist "Pflichtlektüre"

Erlöse mich ist bereits der neunte Kriminalroman von Michael Robotham, der sich inzwischen auch bei uns völlig zu Recht einen Namen gemacht hat. Das Duo des an Parkinson erkrankten O'Loughlin und des inzwischen pensionierten Detectives Vincent Ruiz gehört mit zu den interessantesten Ermittlerpaaren der kriminalistischen Literatur, die derzeit im Buchladen ihre Leser suchen (und finden). Bis du stirbst und Der Insider waren die schwächeren Titel des Autors und selbst diese sind durchaus lesenswert. Alle übrigen Werke, vor allem die ersten beiden Bände (Adrenalin und Amnesie), in denen abwechselnd O'Loughlin und Ruiz die Protagonisten waren, sind hingegen nahezu uneingeschränkt empfehlenswert.

 

"Er hat Joe einmal erklärt, der Begriff moderne Kunst sei ein Widerspruch in sich, so wie militärische Intelligenz oder australischer Intelektueller es auch sind."

 

In Erlöse mich bietet Robotham ein von Beginn an packendes Szenario, bei es schon bald zu einigen Morden und anderen seltsamen Ereignissen kommt, die vor allem eines gemein haben; Personen, mit denen Marnie ein Problem hatte, verschwinden (auf die ein oder andere Weise) oder erfahren erhebliche Unannehmlichkeiten. Geschickt werden dabei mehrere Personen in die Geschichte eingeführt, die man prompt als den geheimnisvollen Helfer im Hintergrund akzeptiert, nur um sie im Laufe der Zeit dann wieder zu verwerfen.

 

"Sie halten mich für Abschaum, doch die Banker in ihren schicken Büros, die eine Hypothekenforderung geltend machen, mit andere Leute Geld zocken, riskante Produkte verticken und am Ende vom Steuerzahler rausgehauen werden, die ignorieren Sie. Von denen wandert nie einer ins Gefängnis. Sie werden geadelt und von den Politikern hofiert. Der Abschaum, über den Sie sich beschweren sollten, schwimmt ganz oben, Mr. Ruiz, zusammen mit der Scheiße."

 

Cliffhanger werden sparsam, aber dafür sehr effektiv gesetzt und auch wenn nach zwei Dritteln des Plots klar ist, wer die geheimnisvolle "Person im Hintergrund" ist, so bietet der folgende rund 150-seitige Showdown noch etliche Überraschungen. Packend und kurzweilig bietet Robotham eine tolle Geschichte mit viel Londoner Lokalkolorit, die zwar mitunter arg konstruiert wirkt (so ist das bei Romanen mitunter), aber dennoch überzeugt. Sieht man vielleicht von einem kleinen Haken am Ende der Story ab, in dem der bis dahin gänzlich fehlerfreie "Mister X" sich etwas zu einfach selber austrickst.

Erlöse mich

Michael Robotham, Goldmann

Erlöse mich

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