Totentanz für Dr. Siri

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • London: Quercus, 2008, Titel: 'Disco for the Departed', Seiten: 260, Originalsprache
  • Köln: Random House Audio, 2010, Seiten: 4, Übersetzt: Jan Josef Liefers, Bemerkung: gekürzt
  • München: Goldmann, 2011, Seiten: 320

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Georg Patzer
Nicht gelungene Mischung aus den alten Zutaten

Buch-Rezension von Georg Patzer Jan 2010

Ein Erdrutsch in Houaphan, ein frisch verlegter Betonpfad zum neuen Haus der Präsidenten von Laos, ein mumifizierter Arm: ein neuer Fall für den laotischen Pathologen Dr. Siri Paiboun, dem einzigen Pathologen des seit kurzem kommunistischen Landes. Kein schöner Tod übrigens:

 

"Letztlich", sagte Siri, "deutet alles darauf hin, dass der gute Mann erst angeschossen und dann, noch lebend, in den nassen Zement getaucht wurde, bis er darin buchstäblich ertrank. Was ihn das Leben gekostet hat, war ohne Zweifel der Zement, auch wenn ihn die Schusswunde erheblich geschwächt haben dürfte. (…) Wie es scheint, bestand der letzte Atemzug unseres Freundes aus flüssigem Zement. Als der erstarrte und der Leichnam zu schrumpfen anfing, wurden ihm die Zähne buchstäblich aus dem Mund gerissen. Es würde mich nicht wundern, wenn sich in der Lunge noch mehr Zement befände."

 

Und kein schöner Fall: Schnell und diskret soll er ihn aufklären, denn der Präsident will in den nächsten Tagen sein neues Haus einweihen, mit hochrangigen Gästen und Delegierten aus Vietnam und Laos und den "sozialistischen Bruderländern". Zusammen mit Schwester Dtui wird Siri in einem etwas seltsamen Gästehaus einquartiert. Und natürlich pflegt er, schließlich ist er der Held einer Reihe von inzwischen drei Krimis (der vierte erscheint dieses Jahr auf Deutsch), auch wieder Umgang mit den Geistern, die seinen Körper zeitweise als Hülle benutzen.

Bald erfährt Dr. Siri, dass in den Höhlen oberhalb der Präsidentenvilla sich während des Vietnamkriegs Anhänger der kommunistischen Partei versteckten und einer Art Höhlenstadt bildeten, aus der heraus sie den Widerstand organisierten. Schnell auch wird der eigentlich völlig unmusikalische Siri vom Geist eines sehr musikalischen Kubaners ergriffen, fängt an, mit den Fingern zu schnippen und mitternachts zu geisterhafter Diskomusik zu tanzen. Man kennt das aus den beiden Vorgängerromanen, in denen sich Schamanismus, Kriminalaufklärung und Sozialkritik (vor allem an der Bürokratie und Bestechlichkeit der Kommunisten) auf eine ganz neue Art mischen.

Der dritte Band der Reihe allerdings enttäuscht. Nicht nur nimmt der Geisterglaube derart überhand, dass man schon mal den Überblick verlieren kann, Siris Visionen, Gesichte und Träume sind um einiges wirrer und zusammenhangloser als in den anderen, etwas stringenteren Bänden. Verwirrender ist aber die Nebenhandlung um Siris Assistenten, den an einem leichten Down-Syndrom leidenden Herrn Geung. Eigentlich soll er auf die Leichenhalle aufpassen, aber dann wird er entführt und von Soldaten verschleppt. Er kann entkommen und läuft zu Fuß quer durchs Land, um zu seinem Arbeitsplatz zurückzukehren. Auch er hat Visionen, auch er begegnet der Vergangenheit. Aber was dieser Teil des Buches mit dem Kriminalfall zu tun hat, wird nicht ganz klar. Und als eigenständiges Buch ist es einfach zu wirr.

Es scheint, als habe sich Cotterill selbst zu sehr in die Geisterwelt begeben und findet nicht mehr heraus. Hoffen wir, dass er im nächsten Band wieder etwas realistischer wird, und auch seine Geister wieder mehr mit unserer Welt zu tun haben. Erst dann nämlich sind Cotterills Bücher, die stets (auch in diesem Band) mit verschrobener Skurrilität (wie die seltsamen Heiratsanträge) und witzigen, ironischen Dialogen punkten können, auch wirklich ein rundes Lesevergnügen.

Totentanz für Dr. Siri

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