Dr. Siri und die Tränen der Madame Daeng

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • New York: Soho Crime, 2015, Titel: 'Six and a half deadly sins', Seiten: 242, Originalsprache
  • München: Goldmann Verlag, 2018, Titel: 'Dr. Siri und die Tränen der Madame Daeng', Seiten: 320, Übersetzt: Thomas Moor

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Jörg Kijanski
Kult-Pathologe ermittelt in seinem zehnten Fall

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jan 2018

Volksrepublik Laos, Anfang 1979. Der einzige Pathologe des Landes befindet sich im wohlverdienten Ruhestand. Dr. Siri, 74 Jahre alt, möchte seinen Lebensabend an der Seite von Madame Daeng, 67 Jahre jung, verbringen, deren legendäre Nudelküche unlängst niederbrannte. Seitdem bewohnen sie ein Haus mit so obskuren Untermietern wie Herrn Inthanet und dem Verrückten Rajid. Die Pathologie in Vientiane verweist derweil, der am Down-Syndrom leidende Herr Heung lebt bei seiner Familie auf dem Land. Allein Schwester Dtui ist noch als Krankenschwester vor Ort aktiv, während ihr Mann, Inspektor Phosy, im Norden von Laos ermittelt.

"Sollte sich herausstellen, dass tatsächlich die Chinesen dahinter stehen, würde Hanoi auf den sofortigen Abbruch des Straßenbauprojektes drängen. Die Chinesen bauen da oben nun schon seit zwölf Jahren Straßen. Die Thais und die Vietnamesen sind überzeugt, dass es dabei um weit mehr geht als um internationale Hilfsmaßnahmen. Einige dieser Straßen kommen ihren Grenzen gefährlich nahe." "Das klingt aber nach einer sehr gemächlichen Invasion." "An ihrer Mauer haben sie 2000 Jahre gebaut."

Dr. Siri könnte ein ruhiges Leben führen und mit dem Genossen Civilai, einst Mitglied im Politbüro, über die vermeintlichen Errungenschaften des Kommunismus streiten. Doch dann erhält Dr. Siri ein Paket von einem unbekanntem Absender, das seine Neugier weckt. Ein farbenprächtiger Phasin, ein handgewebter Rock aus dem Norden Laos, erfreut ihn allerdings nur kurz, ist doch in dessen Saum ein abgetrennter Finger eingenäht. Offenbar will jemand den rüstigen Pathologen um Hilfe bitten, und so beschließen Dr. Siri, Madame Daeng und Civilai sich auf die Reise nach Norden zu begeben, um das Geheimnis zu lösen.

Eine Million sind in Peking eine bessere dim-sum-Warteschlange. Sie gewinnen Kriege, indem sie Tausende und Abertausende von Milizionären als Kanonenfutter ins Feindesland entsenden, bis dem Gegner die Munition ausgeht.

Dort kämpft derweil Inspektor Phosy gegen einen Vorabreiter einer chinesischen Straßenbaufirma, der für seine Gewalttätigkeit bekannt ist. Davon ahnen Siri und sein Gefolge nichts, ebenso wenig wie von der bedrohlichen Entwicklung an der Landesgrenze. Nachdem Vietnam, der wichtigste Verbündete von Laos, vor kurzer Zeit in Kambodscha einfiel, machen sich nun die Chinesen auf den Weg, um in Vietnam einzufallen. Straßen entlang der laotischen Grenze sind da eine gern gesehene Abkürzung. Dunkle Wolken also wohin man blickt...

Vielschichtiger Aufbau sorgt für zusätzliche Spannung

Im Vergleich zu den Vorgängern bietet der vorliegende Roman einen deutlich vielschichtigeren Aufbau. Waren bislang die Dr-Siri-Paiboun-Folgen eng am Protagonisten ausgelegt, so erhalten hier zwei "Nebenfiguren" deutlich mehr Platz. Das sind Inspektor Phosy und dessen Frau, Schwester Dtui, die in der Hauptstadt zurückbleibt, dort aber wichtige Hinweise erhält, die den reiselustigen Senioren letztlich das Leben retten werden. Denn nicht nur Dr. Siri ist schwer erkrankt, auch Madame Daeng und Civilai haben plötzlich gesundheitliche Probleme. Sie begeben sich auf eine Schnitzeljagd an den Landesgrenzen zu China und Vietnam. Dort erhalten sie immer wieder neue Röcke, die ihrerseits neue Hinweise enthalten.

"Zwei von ihnen scheinen kein Laotisch zu sprechen. Aber wir werden sie schon zum Reden bringen. Wir verfügen über modernste Verhörmethoden." "Ja, die blauen Flecken sind mir nicht entgangen."

Durch die wechselnden Erzählpersepktiven bleibt die Spannungskurve konstant hoch, die Dialoge - vor allem zwischen Siri und Civilai - sorgen erneut für einen hohen Schmunzel-Faktor - und am Ende beeindruckt die für diese Serie erstaunlich hohe Anzahl an ermordeten Personen. Mit Dr. Siri und die Tränen der Madame Daeng gelingt es Colin Cotterill, die Reihe dank neuer Einfälle mit einigen guten Impulsen für die Zukunft auszustatten. Dass es hierbei zu einem Wiedersehen mit nahezu allen bekannten Nebenfiguren einschließlich Richter Haeng sowie dem längst verstorbenen Wahrsager Tante Bpoo kommt, erfreut die Kenner der Reihe umso mehr. Aber mit der Geisterwelt (in seinem Kopf) hatte Dr. Siri ja schon immer seine Probleme. Allein die häufige Verwendung der Formulierung "die alten Knaben" (für Siri und Civilai) nervt auf Dauer.

"Falls Sie irgendwelche Beweise gegen den Vorarbeiter zusammentragen konnten, wären wir Ihnen ausgesprochen dankbar, wenn Sie diese mit uns teilen würden." "Ich habe so viele Beweise, Genosse, da springt Ihnen glatt der Hund aus dem Wok."

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