Dr. Siri und der explodierende Drache

Erschienen: Januar 2015

Bibliographische Angaben

  • London: Quercus, 2011, Titel: 'Slash and Burn', Originalsprache
  • München: Der Hörverlag, 2015, Seiten: 1, Übersetzt: Fabian Hinrichs, Bemerkung: ungekürzte Lesung

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Jörg Kijanski
Der achte Fall für einen der skurrilsten Krimihelden

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mär 2015

Er flog zahlreiche Flüge für Air America, doch im August 1968 stürzte der amerikanische Pilot Boyd Bowry stark angetrunken im laotischen Dschungel ab. Von seinem Hubschrauber und dessen Fracht fehlt zunächst jede Spur. Zehn Jahre später, 1978, steht der inzwischen 74-jährige Dr. Siri Paiboun, Laos einziger Pathologe, kurz vor seinem Ruhestand. Diesen hat er sich mehr als verdient, denn von seinem letzten Fall ist er noch reichlich angeschlagen. Dennoch will ihn die Regierung in den Dschungel schicken, denn die Amerikaner möchten in einer bilateralen Suchaktion nach dem vermissten Piloten suchen, von dem angeblich ein aktuelles Foto aufgetaucht ist. Siri willigt widerwillig ein, nicht ohne ein gewichtiges Wort bei der Zusammensetzung der laotischen Mannschaft mitzureden.

 

"Es kann überhaupt nichts schief gehen, hast du gesagt. Und das haben wir nun davon. Vor fünf Wochen waren wir glücklich und zufrieden, und jetzt stecken wir bis zum Hals in Exkrementen."

 

Gemeinsam geht es in die Provinz Xieng Khouang, wobei die Exkursion zunächst wie ein feucht-fröhlicher Familienausflug anmutet, bei dem vor allem der Whisky in Strömen fließt. Als ein Mitglied der Suchaktion auf ungewöhnliche Art zu Tode kommt, geraten Siri und seine Freunde in ernste Gefahr...

Schamanen, Geister und die CIA

Dr. Siri und der explodierende Drache ist bereits der achte Band der grandiosen Siri-Paiboun-Reihe, dessen Protagonist eine ebenso skurrile wie schillernde Figur ist. Als einziger Pathologe der totalitär regierten Volksrepublik Laos kann er sich auch im vorliegenden Fall dem Auftrag der Regierung nur schwerlich entziehen.

 

"Der sechsundvierzigköpfige Oberste Rat arbeitete seit acht Jahren an der Formulierung einer nationalen Verfassung, war über den Entwurf des Schutzumschlages jedoch bislang nicht hinausgekommen."

 

Da kommt ihm ein großartiger Gedanke und so nimmt er den Auftrag an, sofern er den Großteil des laotischen Teams selber bestimmen darf. Und so sind sie denn tief im Dschungel wieder alle mit dabei: Siris Frau Madame Daeng, seine Assistentin Dtui und ihr Mann Inspektor Phosy, der am Down-Syndrom leidende Assistent Herr Geung und Siris bester Freund Civilai, einst hochrangiger Parteifunktionär. Nicht verhindern kann Siri hingegen die Anwesenheit seines Intimfeindes und Vorgesetzten Richter Haeng und dessen Cousins Vinai, der sich als Dolmetscher betätigen soll, obwohl er gar kein englisch spricht.

 

"Eins ist ihnen hoffentlich klar. Wenn sich die Explosion tatsächlich dort drüben ereignet hat und das Leitwerk hier gelandet ist, dürfte der Suche nach dem Piloten ein ähnlicher Erfolg beschieden sein wie dem Versuch, im Politbüro ein Gramm gesunden Menschenverstand zu finden."

 

Wie schon bei allen Vorgängern nimmt es der Autor nicht ganz so ernst und hält der Diktatur des Landes immer wieder den Spiegel vor. Zudem kommt es zwischen den Beteiligten zu schrägen Dialogen, bei dem man nur selten ein Schmunzeln unterdrücken kann. Zumal im vorliegenden Fall stärker als sonst den Geistern eine verstärkte Rolle zufällt. Nicht nur Siri ist von einem alten Hmong-Geist befallen. Zunächst lernen sich Amerikaner und Laoten kennen, das heißt es wird den Whiskyvorräten arg zugesetzt. Richtig ernst wird es erst als ein Teilnehmer der Expedition tot aufgefunden wird, denn dass der seit zehn Jahren vermisste Pilot noch lebt, glaubt bis dahin niemand so richtig. Daran ändert auch nichts die plötzliche Anwesenheit eines leibhaftigen US-Senators, der sich publikumswirksam fotografieren lasen und in Szene setzen möchte.

Beleuchtet wird, neben dem unterhaltsamen und kriminellen Teil, die Rolle der USA, genauer gesagt des CIA, während des Krieges. Noch immer gibt es kleinere Scharmützel mit vereinzelten Hmong-Rebellen, die einst an der Seite der Amerikaner kämpften. So ergeben sich Einblicke in die Rolle der CIA, der dieser gehörenden Fluglinie Air America und neben Laos spielen natürlich auch Thailand und Vietnam eine nicht unwichtige Rolle. Insgesamt ist der neue Fall für Dr. Siri ebenso spannend wie vergnüglich und hoffentlich noch immer nicht sein letzter. Dies wäre wahrlich zu schade, denn bei all den herrlich-irrwitzigen Gesprächen gelingt es dem Autor jederzeit, den Krimiplot nicht aus den Augen zu verlieren. Großartige Serie!

Dr. Siri und der explodierende Drache

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