Dr. Siri und der verschollene Bruchpilot (Dr. Siri ermittelt 15)

  • Goldmann
  • Erschienen: Juni 2025
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Dr. Siri und der verschollene Bruchpilot (Dr. Siri ermittelt 15)
Dr. Siri und der verschollene Bruchpilot (Dr. Siri ermittelt 15)
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Sabine Bongenberg
65°1001

Krimi-Couch Rezension vonJul 2025

Die Japaner, die Chinesen, die Laoten, die Vietnamesen - wenn sich alle bekämpfen und keiner weiß warum…

Dr. Siri Paiboun seines Zeichens einziger pensionierter Pathologe in der idyllischen Volksrepublik Laos kommt einfach nicht zur Ruhe. Da wird ihm doch ein Päckchen ins Haus geliefert, das ein schön gestaltetes kleines Tagebuch, aber gleichzeitig auch einen dringenden, persönlich an ihn gerichteten Hilferuf enthält. Natürlich kann auch ein Pathologe im Ruhestand das Ermitteln nicht sein lassen. So schaut sich Dr. Siri dieses Büchlein, das ihn weit in die Geschichte Laos nämlich in den zweiten Weltkrieg zurücktragen wird, sehr genau an. Verfasst wurde es offensichtlich von einem jungen Piloten, der nach der japanischen Kriegstradition als Kamikaze-Pilot eingesetzt werden sollte. Dennoch - vieles in dem Buch erscheint Siri mehr als eigenartig und ist doch einen zweiten Blick wert. Es muss natürlich nicht überraschen, dass der alte Herr Geheimnisse aufdeckt, die andere gut verwahrt glaubten und dass er sich damit nicht nur beliebt macht. Wie gut, dass auch seine durchaus wehrhafte Ehefrau mit von der Partie ist. 

Der berühmteste Botschafter der Volksrepublik Laos

Was würden wir ohne Dr. Siri über Laos wissen? Ich glaube nichts. Mit wenigen Ausnahmen hätten wir vermutlich keine Ahnung, dass es u.a. zwischen China, Vietnam und Kambodscha liegt, wir würden nicht wissen, dass Vientiane die Hauptstadt ist und ganz bestimmt würde auch niemanden interessieren, dass Laos seit 1975 von der Kommunistischen Partei regiert wird und sich seitdem "Volksrepublik Laos" nennt. Damit kann man den fiktiven, sarkastischen aber immer humanen und gewandten Dr. Siri vermutlich als besten Botschafter dieses Landes bezeichnen. Unglücklicherweise hat sein Job nun ein Ende gefunden, denn mit dem 15. Roman um Dr. Siri hat sein Schöpfer Colin Cotterill den Seidenschal geworfen und den Ermittlungen um den Pathologen ein Ende bereitet.

Irgendwie hätte ich mir diesen Abschied aber doch ein bisschen anders vorgestellt. Ein bisschen mehr Rückblick auf das gebeutelte Laos, ein bisschen mehr Zeit mit allen alten Freunden, die sich ein ausführlicheres Stelldichein hätten geben könnten - das hätte ich mir gewünscht. Mit dieser Vorstellung wurde ich aber dann doch enttäuscht. Zwar haben Herr Geung und seine schwangere Ehefrau Tukta einen kleinen Auftritt, von Inspektor Phosy und Schwester Ptui liest man immerhin mehr. Aber das war es im Großen und Ganzen dann auch schon an alten Gesichtern. In diesem Roman spielt sich viel zwischen den Eheleuten ab, was grundsätzlich schön - aber manchmal auch ein wenig einseitig ist.

Da springt doch der Hund aus dem Wok!

Ich gebe es zu, ich habe immer ein wenig gebraucht, ehe ich in die Handlungen der Dr. Siri-Krimis einsteigen konnte. Am besten gefielen mir an den Romanen immer die kleinen Spitzen und sarkastischen Witze, gegen die Volksrepublik, die Traditionen des Landes oder auch einfach die verdrehten Redeweisen - frei nach "Was treibt Sie zu dieser unbuddhistischen Zeit aus dem Haus?". Beim letzten Roman tat ich mich schon recht schwer, bekam aber noch irgendwie die Kurve. Aber bei diesem Buch war das trotz eines zweiten Leseversuchs sehr schwierig. Ich kam mit den vielen, vielen verschiedenen asiatischen Namen nicht zurecht, mir waren die zusätzlichen Sagen schon viel und dazu kamen noch die ganzen unterschiedlichen Völker und Nationen, die hier im zweiten Weltkrieg aufeinander eindroschen.  Zudem kamen die kleinen sarkastischen Wortplänkeleien für meinen Geschmack etwas zu kurz.

Dennoch - auch wenn man einiges (oder eher schon vieles) in diesem Roman nicht so recht auf die Reihe bekommt, kann man trotzdem seine Freude daran haben. Auch die vielen kleinen Geschichten bilden hübsche kleine Perlen, selbst wenn sie sich - je nach Leser*in - manchmal eben nicht zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk verbinden lassen. Ein paar Dinge waren dennoch schon recht konstruiert, damit die Geschichte passt.  Dennoch gefiel mir besonders eine anrührende kleine Liebesgeschichte. Es ist dann doch für viele Geschmäcker was dabei. Aber ich muss auch eines sagen: Mir fehlt doch Siris bester Freund Civilai und ich vermisste die Spinnereien über das grandiose Filmprojekt, das ja dann doch leise, leise zu den Akten gelegt wurde.

Fazit

Dr. Siri wir hatten immer viel Spaß mit dir. Du hast mit uns tolle Abenteuer und irrwitzige Geschichten erlebt und daran ändert auch nichts, dass die beiden letzte Romane um deine unermüdlichen Ermittlungen vielleicht nicht die allerbesten aus der Reihe waren. Wir werden dich vermissen und sagen leise - und ein wenig bekümmert - „La Gon".

Dr. Siri und der verschollene Bruchpilot (Dr. Siri ermittelt 15)

Colin Cotterill, Goldmann

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