Mittwinternacht

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • London: Macmillan, 2000, Titel: 'Midwinter of the Spirit', Seiten: 468, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: rororo, 2009, Seiten: 576, Übersetzt: Karolina Fell

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Michael Drewniok
Wo Schnarchen lauter tönt als Spukgeräusche

Buch-Rezension von Michael Drewniok Dez 2009

Als Witwe, alleinerziehende Mutter und Pfarrerin der Gemeinde Ledwardine in der westenglischen Grafschaft Herefordshire ist Merrily Watkins eigentlich ausgelastet. Doch Michael "Mick" Hunter, der junge, energische Bischof ihrer Diözese Hereford, setzt sie außerdem ins Amt des Bistums-Exorzisten ein. Kanonikus Dobbs, der es bisher innehatte, vertritt in Sachen Spuk und Teufelswerk allzu mittelalterliche Ansichten, und zu allem Überfluss scheint er in letzter Zeit wunderlich zu werden. Dennoch gedenkt er seinen Platz nicht zu räumen. Er intrigiert gegen die ungeliebte Konkurrentin und macht Merrily das Leben möglichst schwer.

Damit steht er nicht allein, obwohl Bischof Micks Interesse an Merrily in eine andere Richtung zielt. Obwohl verheiratet, will er sehr offensichtlich mit der hübschen Pfarrersfrau anbändeln. Mit dem Bischof möchte sich Merrily ungern anlegen. Für weiteres Ungemach sorgt Teenager-Töchterlein Janes. Sie bemüht sich, die Mutter mit dem Alt-Rocker Laurence "Lol" Robinson zu verkuppeln. Lol hat allerdings mehr als ein Auge für die esoterisch verwirrte Katherine Moon geworfen, die auf das einsam gelegene Gehöft der Familie gezogen ist, obwohl sich dort einst der Vater umbrachte. Dieser geistert nach Katherines Auskunft angeblich durch die Wälder. Wenig später liegt sie tot in ihrer Badewanne.

Merrily kämpft inzwischen gegen eine wahre Gespensterplage. Überall in Hereford und Umgebung geht es plötzlich um, sodass die frischgebackene Exorzistin kaum mit dem Austreiben nachkommt. Dann tauchen auch noch Satanisten auf, die damit begonnen, abgeschiedene Kirchen durch schwarzmagische Praktiken zu entweihen. Als in diesem Umfeld ein toter Mann gefunden wird, tritt Detective Chief Inspector Annie Howe auf den Plan. Sie bittet Merrily um Unterstützung, was diese nicht ablehnen kann. Als Jane in den Bann einer Druiden-Sekte gerät, ist der Teufel endgültig los …

Donnerwetter, Potz Blitz & Teufelsspuk!

Manchmal gerät man an ein Buch, das man einfach nicht mehr aus der Hand legen kann – dies nicht, weil es spannend und gut geschrieben wäre; das Gegenteil ist der Fall, und der daraus resultierende Zustand kann am besten als "Faszination des Grauens" beschrieben werden. Mittwinternacht liegt inhaltlich soweit neben der Spur, dass man weder glauben kann noch mag, was einem da vorgesetzt wird. Tatsächlich bildet sogar die gesamte Merrily-Watkins-Serie einen Korpus von (derzeit) zehn dickleibigen Romanen (Fortsetzung folgt), die in einer Welt spielen, in der Geisterspuk, Erdstrahlen, Seelenwanderungen u. a. Phänomene kein Hokuspokus, sondern (bitter ernst genommene) Realitäten sind.

Bis der spirituell nüchterner als der Rickman-Fan gestimmte Leser sich darauf eingestellt hat, so gut dies eben möglich ist, vergeht eine Weile. Dieser Prozess ist objektiv nicht unkompliziert, denn Merrily Watkins lebt in keinem fantastischen Paralleluniversum. Hereford stellt ein fiktives aber getreues Abbild der Realität dar, wie der Verfasser in einem Nachwort offenbart. Literarisch ist Hereford eine dieser im englischen Krimi beliebten Kleinstädte, in denen die große Welt sich überschaubar widerspiegelt. Hinter vornehmen Fassaden spielt sich interessant Böses und Unanständiges ab, und als Pfarrersfrau ist Merrily in der idealen Position, sich überall dort Zutritt zu verschaffen, wo sich gerade solches plus Kriminelles abspielt.

Womit nicht (nur) das eifrige Mobbing und Intrigieren gemeint ist, dem sich Merrily ausgesetzt sieht. Dies gehört zu den zwischenmenschlichen Konflikten, mit denen moderne Kriminalromane auf Länge gebracht werden: Emotionaler Seifenschaum ist leicht zu schlagen, und vor allem die weiblichen Leser scheinen süchtig nach ihm zu sein. Nein, hier geht es um Verbrechen, die primär übersinnlich daherkommen. Vorzeitlich gestimmte Heiden und Satanisten schleichen durch die Diözese Hereford, wo sie sich klischeegerecht finster verhalten, d. h. Kirchen schänden, Krähen killen sowie jene Menschenkinder umbringen, die ihnen auf die Schliche kommen, wenn sie zu schlechter Letzt Luzifer und seine Dämonen heraufbeschwören, die doch in dem aktuellen Geister-Getümmel definitiv überflüssig sind.

Viel Feind´, wenig Ehr´

Schon im ersten Roman ´ihrer´ Serie hatte Merrily privat und priesterlich viel um die Ohren. In Mittwinternacht mutiert sie zur Getriebenen. Der fesche Bischof sieht in ihr die ideale Geliebte, ein düpierter Kanoniker belegt sie mit einem Fluch, die Tochter gerät unter keltische Heiden und ist auch sonst eine altkluge Landplage, verknöcherte Chauvinisten nehmen sie in ihrem Job nicht ernst, ständig rufen von Geistern gepeinigte Pfarrkinder an, und schwenkt sie dann vor Ort eifrig Weihwasserwedel u. a. Exorzisten-Inventar, drehen ihr die Spukbolde die lange Nase und wollen partout nicht weichen.

Der nüchterne Leser (s. o.) verfolgt diese Prüfungen eine Weile, dann gibt er auf und nimmt es mit Humor. Schon Merrily selbst ist höchstens als Karikatur zu ertragen. Als solche passt sie auch viel besser in die groteske Welt, die Autor Rickman ihr schuf. Dort spielt sie eine erstaunlich passive Rolle. Merrily ist offensichtlich harmoniesüchtig, was übel ist in einer Dorfgemeinschaft, die vor allem aus selbstsüchtigen, boshaften und notorisch schwatzhaften Gesellen beiderlei Geschlechts besteht. Die gutgläubige Pfarrersfrau rennt in jedes offene Messer, schaut dabei verdutzt, legt sich erschöpft in ihr Bett und rappelt sich Minuten später wieder auf, weil der nächste undankbare Kunde sie anruft. Schnell möchte man diese rückgratarme Gutfrau tüchtig beuteln, auf dass sie endlich kontert, wie es ihre lästigen Bittsteller und Lästlinge verdienen: mit einem kräftigen Arschtritt!

Säusel, säusel …

Doch solche Anwandlungen überkommen nur diejenigen Leser, die immer noch nicht begriffen haben, dass Phil Rickman keine Geschichte erzählen, sondern nur plaudern möchte. Mittwinternacht ist ein "Lady-Thriller". Das Verbrechen und seine Aufklärung stehen nicht im Mittelpunkt, sondern sind exotisches Beiwerk. Wichtiger und offenbar aufregender sind die Expeditionen in seelische Untiefen. Sie werden ergänzt durch die genannten Ausflüge ins Übernatürliche, die ebenfalls Würze in ein Geschehen bringen, das auf diese Weise Spannung generiert, die der auf eine stringente Handlung geeichte Purist beim besten Willen nicht nachvollziehen kann.

Er findet sich schiffbrüchig auf einem Meer sinnfreien Gefasels und Geplappers, das sich um aufgebauschte Möchtegern-Problemchen und Als-ob-Aufregungen dreht. Fiebrig raunend deutet der Verfasser Enthüllungen an, die niemals kommen oder unter einem neuen Schwall beliebiger Nichtigkeiten erstickt werden. Dies gilt auch für den berühmten roten Faden, was Mittwinternacht zu einem Buch werden lässt, das man lesen kann, ohne sich um Kapitel oder Seitenzahlen zu kümmern: Die Ereignisse wabern konturlos vor sich hin, ohne konkret auf einen Höhepunkt hinzuführen.

Den gibt es zwar, doch er wird quasi pflichtschuldig geliefert. Die losen Fäden werden gepackt und grob zu einem finalen Knoten geschürzt. Mittwinternacht wird zum Dan-Brown-Gemunkel en miniature. In Hereford offenbart sich das Wirken einer Verschwörer-Gruppe, die mindestens seit der Eisenzeit aktiv ist und den heidnischen Naturglauben der Ahnen gegen die christlichen Emporkömmlinge verteidigt. Das wird vom Verfasser so bierernst und gleichzeitig ungeschickt in Szene gesetzt, dass sich nunmehr endgültig die Spreu (= diejenigen, die atemlos weitere Merrily-Watkins-Mystery-Thriller verschlingen werden) vom Weizen (= diejenigen, die genau dies fürderhin vermeiden werden) trennt. Dreimal darf geraten werden, welcher Gruppe dieser Rezensent sich anschließen wird ...

Mittwinternacht

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Letzte Kommentare:
25.02.2013 18:44:03
SusanneL.

Inhaltsangabe:

Merrily Watkins, anglikanische Pfarrerin im englischen Städtchen Hereford, bekommt von Bischof Hunter, ihrem Vorgesetzten, den Posten als „Beraterin für spirituelle Grenzfragen“ angeboten. Hinter dem klangvollen Namen verbirgt sich allerdings nichts anderes als das Amt des Diözesanexorzisten. Merrily, die allein erziehende Mutter der 16-jährigen und sehr eigensinnigen Jane, ist hin- und hergerissen. Einerseits zweifelt sie etwas daran, ob das Amt für sie das richtige ist, andererseits will sie den jungen, progressiven Bischof in seinem Streben nach Erneuerung der kirchlichen Strukturen unterstützen. Dass ihr Vorgänger in diesem Amt, Kanonikus Dobbs, sie als Nachfolgerin eiskalt ablehnt, macht ihr die Entscheidung nicht leichter.

Doch dann wird ein Verbrechen verübt, und Merrily sieht sich in der Situation, sich weit mehr mit Exorzismus zu beschäftigen, als sie es vorhatte. Außerdem macht ihre Tochter Jane Probleme, welche sich plötzlich sehr für Esoterik interessiert und auf Gegenposition zu ihrer Mutter und deren Glauben geht, und Merrily muss erkennen, dass sie selbst in das Visier eines satanistischen Kreises geraten ist ...

Das Buch spielt in der heutigen Zeit in Hereford, England.

Es ist der zweite Band um Merrily Watkins.

Der erste Satz:

„Hier spukte es also ...“

Meine Meinung zum Buch:

Ich bin mit diesem Buch nicht recht warm geworden. Es hat sehr, sehr viele Seiten gedauert, bis mal etwas Spannung in die Geschichte kam und die ganzen 300 Seiten vorher habe ich mich gefragt, auf was denn das alles hinausläuft.

Teilweise lag das an der Figur Merrily Watkins. Sie ist sehr flach charakterisiert, so dass mir ihre Motive und Empfindungen nur Rätsel aufgaben. Warum ist sie Pfarrerin geworden? Was ist mit ihrem Mann passiert? Es steht nur in dem Buch, dass sie Witwe ist. Ihr gesamter Hintergrund fehlt, was dazu führt, dass mir viele ihrer im Buch beschriebenen Reaktionen total überzogen vorkamen. Zum Beispiel ihre erste Begegnung mit ihrem Vorgänger Dobbs: Merrily muss irgendwie zwischen 35 und 40 Jahren alt sein, da kann sie eine Ablehnung doch nicht so extrem aus der Bahn werfen. Und wenn doch, dann muss das einen Grund haben, den der Autor aber dem Leser vorenthält.

Sehr schön finde ich allerdings die Mutter-Tochter-Geschichte. Die Gespräche zwischen Merrily und Jane habe ich sehr gern gelesen, auch die Streitereien kamen mir sehr lebensnah und authentisch vor – richtig aus dem Leben gegriffen. Überhaupt hat die 16-jährige Jane dem Buch die meiste Würze gegeben.

Zur Handlung kann ich nur sagen, dass das Buch als Kriminalroman in meinen Augen falsch etikettiert ist. Denn es geht nur ganz am Rande um die Verbrechen und deren Aufklärung, viel mehr geht es um Exorzismus. Doch auch ins Horrorgenre passt das Buch nicht, denn die Atmosphäre ist kaum gruselig. Das ist auch wieder so ein Punkt: oft konnte ich Merrilys „schreckliche Angst“ überhaupt nicht nachvollziehen, weil der Grusel bei mir als Leserin einfach nicht ankam und mir die Merrilys hysterische Handlungen und Tränen irgendwann einmal auf die Nerven gingen.

Einen angemessenen Spannungsbogen findet man leider nicht. Die ersten zwei Drittel dümpelt die Geschichte so vor sich hin, erst danach kommt Spannung auf. Allerdings setzt der Autor diese nicht sehr gekonnt in die Handlung hinein, er greift z. B. besonders gegen Ende zum Stilmittel des Cliffhangers am Kapitelende, löst diesen dann aber nur unbefriedigend auf.

Ich kann das Buch nicht empfehlen.

Einen Minuspunkt bekommt auch der Verlag: Im Beschreibungstext auf der Rückseite wird die wichtigste Spur schon verraten. Da hat wieder jemand nicht aufgepasst.

01.08.2010 22:03:32
Thommy191968

"Mittwinternacht" ist der zweite Kriminalroman, den ich von Phil Rickman gelesen habe. Es ist wieder eine gelungene Mischung aus Historienroman und Krimi. Spät - sehr spät löst sich das Wirrwarr aus mehreren Handlungssträngen auf - und das ist auch gut so. Rickman schafft es wieder - wie in "Frucht der Sünde"-, seine Pfarrerin und Hauptfigut Marrily Watkins sehr gut zu charakterisieren und auch das Verhältnis zu ihrer Tochter Jane mit viel Tiefe auszustatten. Ich freue mich auf "Die fünfte Kirche" und gebe hier 85 Grad.

10.04.2010 18:35:16
Moehrchen

Kein Krimi, eher ein Mystery-Roman mit Krimitendenz

Phil Rickman, in Lancashire geboren, ist ein englischer Autor und Radiomoderator. Er schreibt auch unter dem Pseudonym Will Kingdom Spannungsromane. Mit seiner Merrily-Watkins-Reihe hat er Ende der Neunziger begonnen. "Mittwinternacht" ist nach "Frucht der Sünde" der zweite Roman der Reihe.

Merrily Watkins, die Pfarrerin von Ledwardine, wird vom neuen Bischoff zur "Beraterin für spirituelle Grenzfragen" - oder anders ausgedrückt zur neuen Exorzistin - ernannt. Schon bald ändert sich das Leben von Merrily, sie muss sich nun - neben der Arbeit in ihrer Gemeinde - mit paranormalen Phänomen wie "Abdrücken", "Besuchern", "Ruhelosen", "Entladungen" usw. befassen bzw. auseinander setzen. Die Lage spitzt sich zu, als Merrily, im Rahmen ihres neuen Amtes, an das Sterbebett eines alten Mannes gerufen wird...

Im ersten Roman "Frucht der Sünde" war Merrily Watkins ja eher an der Heimatfront. Dieses Mal muss sie an ganz anderen Fronten kämpfen. Da sind zum einem die Vorurteile gegen ordinierte Frauen in der anglikanischen Kirche, gegen die sie kämpfen muss. Dazu kommt dann noch das Amt der "Beraterin für spirituelle Grenzfragen", für das sie der neue Bischof berufen hat. Aber Merrily ist sich nicht ganz sicher ob sie diese Aufgabe bewältigen kann, nicht nur deshalb, weil sie starke Widerstände - innerhalb der Kirche - gegen ihre Berufung spürt, sondern auch, weil die ersten Fälle, die sie bearbeiten muss, scheinbar über ihre Kraft zu gehen scheinen. Und dann ist da noch ihre sechzehnjährige Tochter Jane, die auf der Suche nach ihrer Identität ist, dem Beruf ihrer Mutter eher kritisch gegenüber steht und auf der Suche nach dem Sinn des Lebens ist und diesen in der Esoterik und deren Auswüchsen sucht.

Phil Rickman hat mit Merrily Watkins eine starke Frau geschaffen, die sich durchsetzten kann aber auch schwächen hat und dies zeigen kann. Es war interessant zu lesen, welche Abenteuer - ich denke so kann man es tatsächlich nennen - sie bestehen muss, vor allem auch durch ihr neues Amt, und in welche Situationen sie gerät. Auch die Beziehung zu ihrer Tochter beschreibt Rickman recht einfühlsam und liebevoll. An Merrilys Seite sind natürlich wieder ihre treuen Helfer. Da ist ihre Tochter Jane, die trotz eigener Identitätssuche und Problemen mit ihrer Mutter doch immer da ist, wenn sie gebraucht wird, und zum anderen ist da noch Lol - den Lesern schon bekannt aus dem ersten Teil - ein guter Freund von Merrily und Jane.

Die Merrily-Watkins-Reihe von Phil Rickmann ist eigentlich keine Krimireihe - auch wenn ab und an mal ein Mord passiert. Ich würde es eher als Mystischen Roman mit Krimitendenzen bezeichnen, dies vor allem auch wegen Merrily Amt als Exorzistin. Keine Ahnung ob Rickman die paranormalen Vorkommnisse in dem Buch richtig beschreibt - ich gehöre, was diese Dinge angeht, eher zu den Ungläubigen - aber es war interessant mal in eine ganz andere Welt reinzuschnuppern.

Eine für mich außergewöhnliche Reihe, die ich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann.

12.01.2010 17:51:09
Anika

Wenn man den Klappentext liest, erwartet man einen spannenden mysteriösen Krimi. Jedoch bekommt man eigentlich einen "normalen" Roman.

Die Pastorin Merrily Watkins wird zur Exorzistin, oder "Beraterin für spirituelle Grenzfragen". Sie macht selbst aussergewöhnliche Erfahrungen dieser Art und fragt sich eigentlich das ganze Buch hindurch, ob es das richtige für sie ist. Parallel dazu triftet ihre Tochter in eine andere Richtung.

Der Roman liest sich flüssig, jedoch ist er nicht spannend. Es plätschert die ganze Zeit vor sich hin und man weiß garnicht, warum man das eigentlich liest, Zumindestens ging es mir so. 570 Seiten sind viel zu viel, dafür das es eigentlich keine richtige Story gibt. Dennoch kann man irgendwie nicht aufhören, da der Autor seine Abschnitte immer mit spannenden Andeutungen beendet. Ich mag das sehr gern und das gefiel mir an dem Buch am besten. Dennoch war mit der Roman zu lasch, ich hätte weitaus mehr Grusel erwartet, stattdessen geht es viel um Mutter-Tochter Beziehungen, Freundschaften und Feindschaften.

Ich habe den ersten Teil nicht gelesen und kam trotzdem ganz gut zurecht mit den Zusammenhängen. Ab und an waren es mir zu viel Namen, aber das wird mein persönliches Problem sein, dass ich bei zu vielen Personen die Zuordnungen nicht schaffe.

Also kurz gesagt: die Story fand ich eher unspektakulär, der Schreibstil ist klasse.

14.12.2009 09:57:20
Sandra

Merrily´s Kampf gegen das wahrhaft Böse.

Inhalt:
Merrily Watkins in Pfarrerin in Hereford – einer kleinen Stadt nordwestlich vom Gloucester. Vom derzeitigen Bischof Michael – genannt Mick – Hunter, einem charmanten und sehr modernen mehr politisch als geistlich motivierten Kirchenmann wird sie gebeten, ja man kann sagen bedrängt das Amt des Beraters für spirituelle Grenzfragen zu übernehmen und damit die Nachfolge des in die Jahre gekommenen und anscheinend schon etwas geistig verwirrten Kanonikus Dobbs anzutreten. Das Amt des „Beraters für spirituelle Grenzfragen“ – das bedeutet nichts anderes als der düstere Ausdruck „Exorzist“. Merrily soll diskret und auf moderne Art und Weise gegen paranormale Erscheinungen und „böse Geister“ antreten.

Die noch junge und attraktive Geistliche ist alleinerziehend und hat eine 16-jährige Tochter namens Jane. Jane hat völlig andere Ansichten als Ihre Mutter. Auch sie ist zwar sehr spirituell veranlagt jedoch distanziert sie sich komplett von der Kirche und deren ihrer Meinung politischen und unterdrückerischen Ränken.

Merrily sieht sich zunächst in der Lage das spezielle Amt auszuführen bis sie zu einem Fall gerufen wird, der ihr fast den Verstand rauben soll. Sie ist völlig überfordert und verloren. Der Dämon eines sterbenden bösen Menschen ergreift Besitz von ihr und zerstört fast ihr Leben. Sie nimmt Abstand von Exorzisten-Amt – fühlt sich nicht gewachsen. Darüber hinaus kommt ihr zu Ohren, dass auch ihre Tochter Jane gefährdet ist auf die „schiefe Bahn“ zu gelangen, da sie sich mit mysteriösen Leuten umgibt und auf die „New Age“ Schiene gerät. Der taffe Bischof Hunter lässt nicht locker und bedrängt Merrily ihre „Bestimmung“ weiter zu führen.

Die Lage spitzt sich zu: Eine Leiche wird im Wye gefunden, ein geistig gestörtes Mädchen begeht allem Anschein nach Selbstmord indem es sich mit einem alten verrotteten Schwert aus der Eisenzeit die Pulsadern aufschneidet, eine Kirche wird von vermeintlichen Verrückten oder Satanisten geschändet und der altehrwürdige Kanonikus Dobbs erleidet in der Kathedrale einen Schlaganfall. Wie die Fäden letztendlich zusammenlaufen und wer alles seine bösen Hände im Spiel hat um Merrily psychisch zu schaden und zur Aufgabe des weiblichen Kirchenamtes zu zwingen ahnt Merrily zu diesem Zeitpunkt nicht im Geringsten.

Meine Meinung:
Das Thema Kirche und Exorzismus an sich ist auf Anhieb sehr interessant und unterscheidet sich vom Inhalt des größten Teils an Kriminalromanen. Merrily ist eine sehr sympathische Pfarrerin, die die Ansichten und Vorstellungen der teilweise altbackenen christlichen Religion scheinbar modern, leicht und locker herüber bringen möchte und kann. Im gesamten Roman konnte die düstere Stimmung, die ja automatisch mit dem Begriff „Exorzismus“ verbunden wird sehr gut zum Ausdruck gebracht werden. Die Hauptfiguren wurden teilweise sehr gut bildlich dargestellt, besonders der aalglatte Bischof Hunter und der etwas verrückte alte Kanonikus Dobbs. An Überraschungseffekten hat es zum Ende hin auch nicht gefehlt. Im Großen und Ganzen habe ich „Mittwinternacht“ sehr gern und aufmerksam gelesen und wäre auch nicht abgeneigt, den Vorgänger- und Nachfolger-Teil zu lesen. Allerdings vergebe ich keine volle Punktzahl, da das gewisse Etwas zu einem wirklichen Pageturner noch gefehlt hat.

05.12.2009 18:52:26
Marius

Ein übersinnlicher Krimi

Eine Pfarrerin zieht mit ihrer Tochter aufs englische Land, um dort fortan ein ruhiges und kontemplatives Leben zu führen. Wenn dies das Grundgerüst für einen Krimi ist, darf man sich wahrlich auf eine gemächliche Art von cozy, also Häkelkrimi gefasst machen - nicht aber so bei Phil Rickman. Im vorliegenden zweiten Roman um Pfarrerin Merrily Watkins und deren Tochter Jane geht es hoch her im beschaulichen Örtchen Herefordshire, denn Merrily bekommt nämlich eine neue Aufgabe übertragen: Sie wird zur Beraterin für spirituelle Grenzfragen, lediglich ein Euphemismus für den Posten der Exorzistin. Ihr Vorgänger war zu alt und kauzig, und deshalb wird Merrily von ihrem Bischof Mick Hunter zu der neuen Aufgabe berufen. Schon bald muss sie in ein nächtliches Krankenhaus ausrücken, um ihren ersten Exorzismus durchzuführen und auch ansonsten wird es um die Pfarrerin nicht ruhig. Ihre Tochter Jane sucht sich die mysteriöse Rowenna als Freundin aus, eine Kathedrale wird geschändet und mit dem Bischof scheint auch etwas nicht zu stimmen ...

Die Geschichte um die Ermittlerin wider Willen, eine Art weiblicher Father Brown, gestaltet Rickman sehr abwechslungsreich, und dies trotz des beträchtlichen Buchumfangs von fast 600 Seiten. Der Autor erschafft sehr plastische Figuren, die niemals überzeichnet wirken und dem Leser altvertraut erscheinen. Die gestresste und von Dämonen heimgesuchte Merrily Watkins wirkt sehr sympathisch und man kann dem Stress der Witwe nachspüren. Auch das Thema Exorzismus und Aberglauben gleitet nicht in übersinnlichen Hokuspokus ab, sondern bleibt angenehm realistisch und dezent. Doch leider gibt es Abzug wegen der meiner Meinung nur latent vorhandenen Spannung, da das Buch gut 100 Seiten braucht, bis man sich in den Roman hineinfindet, was vielleicht auch daran liegt, dass ich das Vorgängerbuch Frucht der Sünde" nicht gelesen habe und dementsprechend unvertraut mit den Hauptcharakteren war. Dennoch ist die Geschichte oftmals behäbig und Phil Rickman zaubert große Spannung nur im Finale des Buchs. Für einen ausgewiesenen Krimi war mir die Spannung eindeutig zu wenig.

Ob die weiteren Bände rund um Pfarrerin Merrily Watkins spannender werden, bleibt abzuwarten, aber einen Eindruck des nächsten Abenteuers Die fünfte Kirche" kann man sich druch die ans Buch angeschlossene Leseprobe verschaffen. Ob ich ein Fan dieser Reihe werde, dass müssen erst die nächsten Bände zeigen!