Frucht der Sünde

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • London: Macmillan, 1998, Titel: 'The wine of angels', Seiten: 534, Originalsprache
  • Freiburg im Breisgau: Audiobuch, 2009, Seiten: 6, Übersetzt: Andrea Sawatzki

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Thorsten Sauer
Zu beschaulich, zu sicher und - zu religiös ...

Buch-Rezension von Thorsten Sauer Mai 2009

Für Phil Rickman alles gute Gründe, nie einen "klerikalen Krimi" zu schreiben. Doch vor zehn Jahren, nachdem sich der gelernte Literaturkritiker zunächst erfolgreich (aber unter dem Pseudonym Will Kingdon) im Horror-Genre betätigte, zog es ihn letztlich doch zum ungeliebten Sub-Genre. Offensichtlich hat er eine Möglichkeit gefunden, dem vermeintlich langweiligen Pater-Brown-Genre neues Leben einzuhauchen und - zumindest auf der Insel - recht erfolgreich damit zu sein: Er hat es in den vergangenen zehn Jahren immerhin auf zehn Bände um die Pfarrerin Merrily Watkins gebracht. Und jetzt kommt, als deutsche Übersetzung von Karolina Fell, der erste Roman der Serie zu uns und damit die Möglichkeit der Frage nachzugehen, ob Rickmans klerikale Krimis behaglich, sicher und religiös sind, oder eben doch ganz anders.

Gruselige Apfelbäume

Apfelbäume bestimmen in Ledwardine, einem kleinen Städtchen im Westen Englands, nicht nur das Dorfbild in Form einer altehrwürdigen Streuobstwiese unmittelbar hinter der Kirche, sondern prägen auch sonst Leben und Geschichte des Ortes. In dieses vermeintliche Postkartenidyll zieht die junge Merrily Watkins gemeinsam mit ihrer pubertierenden Tochter, um eine Stelle als Pfarramtsvertreterin anzutreten. Sie hatte mit Widerstand gerechnet, weil sie als weiblicher "Pfarrer" so ganz und gar nicht in das Weltbild der traditionsbewussten Bevölkerung passt, doch das was sie vorfindet, sprengt alle Befürchtungen und Versagensängste. Noch vor ihrem offiziellen Amtsantritt kommt es bei einer nächtlichen Feier auf der Streuobstwiese zu einem bizarren Todesfall, der den Auftakt zu einer Reihe mysteriöser Vorfälle bildet. Merrily, die schon seit dem Tod ihres Mannes Alpträume plagen, wird nach dem Einzug in das alte Pfarrhaus von regelrechten Visionen heimgesucht und ihre Tochter beginnt scheinbar übersinnliche Fähigkeiten zu entwickeln. Alle düsteren Zeichen und Vorahnungen scheinen sich zu bestätigen, als plötzlich ein Mädchen aus dem Dorf spurlos verschwindet.

Gebrochener Lebenslauf, gelegentliches Fluchen und wiederkehrende Selbstzweifel

Das sind - verkürzt formuliert - die Zutaten, mit deren Hilfe Rickman die eingangs erwähnten Fallstricke eines klerikalen Krimis umgehen will. Personifiziert wird das durch Merrily Watkins, ein lebender Kontrapunkt zum Klischee des Dorfpfarrers: Eine Spätberufene, die - bevor sie ihre Berufung zur Pfarrerin folgte - den weiblichen Teil eines erfolgreichen Anwaltspärchens bildete. Nun kommt sie als alleinerziehnde Mutter aus der Großstadt in die dörfliche Gemeinschaft, um als Pfarramtsvertreterin in einer Gemeinde Dienst zu tun, die mit Apfelbaumgeistern leben kann, sich mit einer Pfarrerin allerdings mehr als nur schwer tut.

Rickman gelingt es nicht zuletzt dank seiner Fähigkeit zur feinen Charakterzeichnung und geschliffenen Dialogen ein lebendiges Bild einer Dorfgemeinschaft zu zeichnen, in das Merrily Watkins wie ein Stachel eindringt. Die alteingesessenen Traditionalisten kommen grundsätzlich mit einer "Frau-Pfarrer" nicht klar, während die Hinzugezogenen übersteigerte Erwartungen an die Erneuerungskraft der jungen Pfarrerin hegen.

Reichlich Stoff für zwischenmenschliche Konflikte, die jedoch eines nicht verhindern können: Beschaulichkeit. Die Vermeidung derselben wollte Rickman offensichtlich nicht so recht gelingen, denn es dauert trotz eines fulminanten Beginns mehrere hundert Seiten, bis sich überhaupt so etwas wie eine Krimihandlung entwickelt.

Sind Apfelbäume gruselig?

Das liegt vor allem daran, dass Rickman sich nach dem vielversprechenden Prolog nicht weiter um den - schon auf dem Klappentext angekündigten - Todesfall kümmert, sondern die Schwierigkeiten der jungen Pfarrerin in der neuen Gemeinde ausleuchtet, die sich gleich in der ersten Woche ihrer Amtszeit mit einer schweren Entscheidung konfrontiert sieht: ein Autor möchte in der Kirche den Tod eines im siebzehnten Jahrhundert als Hexer verfolgten Geistlichen als eine Art Dokudrama inszenieren. Das Schicksal des Geistlichen ist ebenso mit dem Apfelbaum verbunden, wie das vieler Dorfbewohner und selbst die pubertierende Tochter kann sich dem Bann der Apfelbäume (und der Geister die darin wohnen) nicht entziehen.

Es gelingt Rickman zwar, ständig eine unterschwellige Bedrohung selbst in alltäglichen Gegebenheiten zu schaffen, obwohl er - abgesehen von der Eröffnung - weitgehend auf Gewalt verzichtet; doch die für Krimis typische treibende Handlung fehlt über weite Strecken und so weist das mit sechshundert Seiten recht umfangreich gerate Werk einige Längen auf.

Die Geschichten um die schrulligen Dorfbewohner erinnern über weite Strecken an die Fernsehkrimi-Episoden um Inspector Barnaby und haben auch in etwa das gleiche Erzähltempo. Frucht der Sünde lebt aber vom einzigartigen "Ermittler-Paar" Merrily Watkins und Tochter. So betrachtet ist Rickmans Debüt in Deutschland eine Empfehlung für alle, die den eher ruhigen subtilen Krimi bevorzugen und ein Auftakt mit viel Potential für folgende Geschichten.

Frucht der Sünde

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Letzte Kommentare:
09.08.2010 16:25:18
Marlies

Das Buch hat mir sehr gut gefallen, nur der Schluss erschien mir überstürzt und so, als hätte der Autor sich zu lange mit der Entwicklung aufgehalten und müsse es jetzt hopplahopp zu Ende bringen. Ich mag diese englische Atmosphäre und auch die Beschaulichkeit, die durchaus auch in diesem Buch (sollte es etwa unbeschaulich sein?) zu finden ist. Ich freue mich schon darauf, die nächsten Bände zu lesen.

03.01.2010 07:30:27
Peter T.

Mit über 600 Seiten viel zu lang, man hätte bestenfalls eine Kurzgeschichte draus machen können.

Der Autor versucht zwar, Spannung aufzubauen, doch seine Fähigkeiten sind sehr begrenzt, folglich entstehen ermüdende Wiederholungen. Und, nein, Apfelbäume sind an sich nicht bedrohlich, auch wenn Rickman noch so sehr versucht, sie so erscheinen zu lassen. Teilweise rutscht der Roman (denn ein Krimi ist es nicht) unfreiwillig ins Komische ab und auch die Charaktere wissen nicht zu überzeugen.

Alles in allem ein schwaches Buch.

02.09.2009 20:06:27
Grinsekatze

Mir hat das Buch insgesamt gut gefallen und auch die vielen Passagen über Leben und Wirken der Hauptpersonen waren mir nicht langweilig. Einzig der Schluß/die Auflösung hat mich zum Teil nicht wirklich überzeugt. Ich hoffe dass auch die anderen Bände übersetzt werden, ich werde sie auf jeden Fall lesen :-)

26.08.2009 13:41:32
Michael 14 jahre

ich bin auch der meinung dass etwas mehr schwung reingebracht hätte werden können
aber dafür ist ab und zu lustig
ich zitiere S.84 Z.13 :>[.]>>>
Aber trozdem finde ich schade dass der prolog dann nicht mehr so viel mit dem buch an sich zu tuen hat
der prolog ist eigentlich nur da um etwas schauriges reinzubringen
mehr nicht

15.07.2009 21:29:05
sue82

In dem Buch passiert so nicht viel. Viele, sehr viele Seiten wird eigentlich nur beschrieben was die Pfarramtsvertreterin Merrily für Schwierigkeiten hat: im Dorf, in ihrem neuen Haus, mit dem Mitgliedern ihrer Gemeinde und mit ihrer pubertierende Tochter Jane etc. Erst im letzten Drittel verschwindet ein Mädchen und jemand stirbt. Die Apfelbäume im Dorf spielen hier eine große Rolle, es geht um alten Glauben. Merrily Watkins ist auch nicht die typische Pfarrerin, sie raucht und flucht.
Das Buch ist kein typischer Krimi, es geht eher um die Charaktere. Leider ist das Buch stellenweise doch etwas zäh und langatmig. Da hätten ein paar weniger auch gut getan. Aber als Einstieg für die Serie war es sehr ausführlich und lässt gespannt auf Teil 2 warten.

13.07.2009 13:37:03
Müller15

ich kann dieses Buch sehr empfehlen auch wennes meiner Meinung nach kein (standard)Krimi ist

es gibt Tote und man erfährt erst zum schluß wer getötet hat
im vordergrund stehen aber hochinteressante Menschen und großartiges englisches/walisisches flair
ganz abgesehen vom eleganten schreibstil des autors

ich freue mich schon auf die nächsten bände

01.06.2009 15:06:57
Heide

Obwohl ich keiner Konfession angehöre, finde ich "Frucht der Sünde" erfrischend anders und spannend, vor allem auch durch das Miteinbeziehen mythischer und märchenhafter Elemente, aber auch durch die Beschreibung, wie so manches Kulturgut (wie ja auch anderswo) ausschließlich für den Tourismus mit vermeintlich neuem Leben erfüllt werden soll. Die Figuren des Krimis sind lebensnah, die Hauptpersonen sehr sympathisch, ihre Handlungsweise nachvollziehbar. Hoffentlich werden möglichst alle Merrily-Watkins-Romane ins Deutsche übersetzt!

20.05.2009 13:51:58
Wanda

Ich habe alle Bände dieser Reihe auf englisch gelesen manche sogar mehrfach und finde sie großartig.
Phil Rickman steigert sich von Band zu Band und die Personen wachsen einem sehr ans Herz.
Mir hat gut gefallen, dass man etwas hinzulernen kann über Wales, das keltische erbe und die dazugehörige sprache
ich habe mich jedenfalls sehr gefreut als ich gesehen habe, dass die reihe jetzt auch auf deutsch erscheint und ich sie weiterverschenken und empfehlen kann
phil rickman ist auch ein sehr netter Autor, der auf emails antwortet

20.05.2009 10:18:28
Preti Claudia

Bin ein eingeschworener Krimifan und war ziemlich neugierig auf dieses neue Debut, das meiner Meinung nach ziemlich gelungen ist. Endlich ein männlicher Autor, der auch den Charakteren genügend Platz lässt und nicht nur auf Gewalt und blutige Schauplätze setzt. Die Länge der Geschichte ist kein Schwachpunkt, man bekommt dabei einfach Lust, mehr über Merrily Watkins und Co. zu erfahren. Und was die Spannung angeht, so wird sich die in den nächsten Bänden sicher noch steigern. Hoffentlich haben auch deutsche Leser die Möglichkeit, dies bald zu überprüfen.