Rauhnacht

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Osterwold Audio, 2009, Übersetzt: Volker Klüpfel & Michael Kobr
  • Augsburg: Weltbild, 2010, Seiten: 361, Originalsprache

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Peter Kümmel
Hommage an den klassischen englischen Krimi

Buch-Rezension von Peter Kümmel Nov 2009

Kluftinger, liebevoll "Klufti" genannt, der kauzige Kommissar aus dem Allgäu, hat sich mittlerweile in Kreisen deutscher Krimileser zu einer Art Kultfigur entwickelt. Mit "Rauhnacht" legen seine Erfinder, das Autoren-Duo Klüpfel und Kobr, den nunmehr fünften Band der Reihe vor. Und darin erwartet Kluftinger ein ganz besonderer Fall.

Eingeschneit

Ein erholsamer Kurzurlaub sollte es für Kluftinger und seine Ehefrau Erika werden. Den Neujahrsbeginn möchte man in einem Berghotel im Allgäu verbringen. Nun ja, "möchte" ist aus Kluftingers Sicht etwas übertrieben, denn man reist gemeinsam mit dem Ehepaar Langhammer an, und wie der erfahrene Kluftinger-Leser weiß, könnte der Kommissar auf Doktor Langhammer mit seiner forschen altklugen Art gut und gerne verzichten. Doch die Reise ist ein Geschenk der Hotelbesitzerin Julia König, dessen Ursache noch aus dem Vorgängerband Laienspiel datiert. Es sollte ein ganz besonderer Aufenthalt werden, denn geplant ist ein Kriminalspiel, in dem die Hotelgäste selber mitspielen sollen.

Es schneit ununterbrochen und am nächsten Tag ist man von der Außenwelt abgeschnitten. Auch die Telefonverbindungen funktionieren nicht mehr. Kein Grund für die Gäste, auf ihren Spaß zu verzichten. In stilechten Kostümen haben sie sich versammelt und Kluftinger geht in seiner Rolle als Hercule Poirot geradezu auf. Man sitzt bereit zum Themenessen, doch der Platz von Carlo Weiß bleibt leer. Man macht sich Sorgen um ihn und findet sein Zimmer von innen abgeschlossen vor. Kluftinger bricht schließlich die Tür auf. Carlo Weiß liegt tot in seinem Zimmer.

Aus dem Spiel ist nun Ernst geworden, denn Doktor Langhammer untersucht den Toten und findet einen frischen Einstich einer Injektionsnadel. Man muss davon ausgehen, dass Carlo Weiß ermordet wurde. Aufgrund der besonderen Lage übernimmt Kommissar Kluftinger die Ermittlungen, assistiert von seinem Gehilfen Doktor Watson alias Doktor Langhammer...

Kluftinger goes Classic

Ein eingeschneites Berghotel, abschnitten von seiner Umwelt, ein Ermordeter in einem von innen abgeschlossenen Raum - schnell wird klar, was sich das Autoren-Duo aus dem Allgäu dieses Mal ausgedacht hat. Ein richtig "klassischer" Kluftinger sollte es werden, ein "Locked-Room-Mystery" im Stile der britischen Krimis a la Agatha Christie. Ein sehr ungewöhnliches Vorhaben in unserer hochtechnisierten Zeit, doch man kann zweifellos behaupten, dass diese Hommage an den klassischen englischen Kriminalroman absolut gelungen ist.

Klug bauen die Autoren den Kriminalfall auf. Zunächst scheint es, als ob keiner einen Bezug zu dem Ermordeten hatte. Doch nach und nach finden sich Gäste, die ihn gekannt haben und schließlich sieht es so aus, als sollte jeder der Beteiligten in einer gewissen Beziehung zu Carlo Weiß gestanden haben und nicht nur das: alle hatten sogar ein überzeugendes Motiv für den Mord. Auf die Fährte welches klassischen Falles der Leser hier gelockt werden soll, scheint spätestens jetzt klar.

Herrlich, wie die Autoren in die spannende Krimihandlung wieder ihre kleinen Episoden eingebaut haben, die dem Leser wieder einige Lacher bescheren. Schön, dass Kluftinger trotz seiner kleinen menschlichen Pannen einmal richtig zeigen kann, welches Potential eigentlich in ihm steckt. Überlegt führt er seine Ermittlungen durch, befragt die Verdächtigen und zieht die richtigen Schlüsse. Hier ist er so richtig in seinem Element und kann gegenüber dem verhassten Doktor Langhammer Pluspunkt um Pluspunkt sammeln. Und dass letzterer in Abwesenheit des Kollegen Meier die Trottelrolle übernehmen musste, kommt beim Leser sicher gut an. "Rauhnacht" bietet mehr Situationskomik und weniger Klamauk als die vorangegangenen Bände.

In toller winterlicher Atmosphäre sorgt der fünfte Kluftinger-Fall für Spitzen-Unterhaltung, für mich der bislang beste Roman der Serie. Auch aus einer alten Idee, die überholt und ausgelutscht scheint, lässt sich, wie die immer routinierter werdenden Allgäuer beweisen, noch Neues machen und ein gelungener Krimi zaubern. Ein Buch, dass sich als Weihnachtsgeschenk geradezu aufdrängt, denn wann lässt sich dieser Fall besser lesen als an einem kalten Winterabend.

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