Seegrund

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • München; Zürich: Piper, 2006, Seiten: 336, Originalsprache
  • Augsburg: Weltbild, 2008, Seiten: 340, Originalsprache
  • Berlin: DAV, 2007, Seiten: 3, Übersetzt: Volker Klüpfel & Michael Kobr

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Peter Kümmel
Inspiriert vom Mystery-Boom

Buch-Rezension von Peter Kümmel Sep 2006

Wie bereits bei den Vorgängern "Milchgeld" und "Erntedank" braucht das Allgäuer Autorenduo wieder sehr lange - fast zu lange -, bis es wirklich zur Sache geht. Zunächst darf Kommissar Kluftinger mal wieder von einem Fettnäpfchen zum nächsten tappen. Inmitten japanischer Touristenscharen vor den bayerischen Königsschlössern lernen die Kluftingers "Miki", die neue Freundin ihres Sohnes kennen, die sich natürlich prompt als Japanerin Yumiko entpuppt. Beim anschließenden Familienausflug zum nahe gelegenen Alatsee stolpert man dann über eine Leiche: ein Taucher liegt in einer großen Blutlache - so scheint zumindest der erste Eindruck. Doch dann entdeckt Kluftinger Lebenszeichen an der vermeintlichen Leiche - und das "Blut" entpuppt sich als eine geheimnisvolle Substanz, die an verschiedenen Stellen des Sees vorkommt.

Unerwünschte Unterstützung erhält das Team um Kommissar Kluftinger bei den Ermittlungen von Friedel Marx, einer sehr männlich wirkenden Zigarillos rauchenden Beamtin der Kripo Füssen. Da der Taucher im Koma liegt, können die Polizeibeamten auf diesem Weg keine Hilfe erwarten, und so gehen die Ermittlungen nur sehr schleppend voran.

Ein Charakter mit Potential zum Außenseiter-Kultstar

Der Taucher war Mitglied einer Forschergruppe um Professor Guthknecht, die die ökologischen Besonderheiten des Alatsees untersucht, in dem Tauchen streng verboten ist. Erste Spuren führen zu einem Souvenirladen sowie zu einem bekannten Architekten, und irgendwann versteift sich Kluftinger darauf, daß das Geheimnis auf dem Seegrund des Alatsees zu finden ist, bis zu dem bisher keiner durchgedrungen ist.

Etwas zuviel Inspriration haben sich die Allgäuer Autoren wohl beim derzeitigen Mystery-Boom geholt, denn so nach und nach scheint sich herauszustellen, daß sagenhafte Schätze aus der Nazizeit im See auf ihre Schatzsucher warten. Dies führt zu einem zwar interessanten, aber doch reichlich konstruierten Plot, mit dem man aber innerhalb der Kluftiger-Reihe weiterhin für Abwechslung sorgen kann.

Die Charaktere der Nebendarsteller scheinen weiterhin noch etwas unausgegoren zu sein. So mausert sich Richard Maier, der in "Erntedank" zum für die Polizei unwürdigen Depp verkommen war, zum lernfähigen Polizisten. Vielleicht hat man sich hier Kritik zu Herzen genommen. Der Staatsanwalt, dem in "Erntedank" eine größeres Rolle zugedacht war, fehlt diesmal völlig, dafür wurde mit Friedel Marx ein neuer Charakter geschaffen, der das Potential zum Außenseiter-Kultstar hat.

Nicht jeder Gag ein Treffer

Das Team rauft sich schließlich zusammen und kommt mit zielstrebigen Ermittlungen dem Ziel Schritt für Schritt näher. Doch bleibt es letztendlich dem sonst so tollpatschigen Kluftinger vorbehalten, mit genialen Gedankenzügen auf des Rätsels Lösung zu kommen und die Schuldigen zu entlarven.

So mancher Seitenhieb wie den auf Reinecker-Krimis sitzt, doch bei einigen Scherzen entpuppt sich die Pointe auch als Rohrkrepierer. Auch die ständigen Duelle zwischen Kluftinger und Dr. Langhammer bieten gelegentlich nicht mehr als peinliche Albernheiten, dazwischen aber auch gelungene Gags. Doch "Seegrund" kann ebenso wie "Erntedank" leider nicht an den Anfangserfolg "Milchgeld" anknüpfen. Natürlich ist es schwer, auf einen Anfangserfolg noch einen draufzusetzen. Das sollte aber auch nicht unbedingt das Ziel der Autoren sein. Mit der unverkrampften Originalität der Krimis mit ihrer Mischung aus Lokalkolorit, ernsthafter Krimihandlung und nicht ganz so ernsthaftem Beiwerk lässt sich ein großes Publikum besgeistern.

Bleibt zu hoffen, daß sich die beiden vielversprechenden Autoren nicht verheizen lassen, sprich: sich nicht von den Verlagen so in Termindruck bringen lassen, daß den Lesern unausgereifte Romane vorgesetzt werden, wie das leider bei so manchem Schriftsteller nach Anfangserfolgen der Fall ist. Die Fans warten auch gerne zwei Jahre, wenn sie dafür einen Kluftinger-Krimi erhalten, in dem auch wirklich alles passt.

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