Kluftinger

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2018, Seiten: 12, Übersetzt: Christian Berkel

Couch-Wertung:

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Andreas Kurth
Rustikaler Scherz oder ernsthafte Morddrohung?

Rezension von Andreas Kurth Jan 2018

Beim traditionellen Gang auf den Friedhof begleitet Kommissar Kluftinger seine Familie an Allerheiligen, und ist ehrlich entsetzt, als er auf einem Grab ein grobes Holzkreuz mit seinem Namen entdeckt. Es stellt sich die Frage, ob das nur ein rustikaler Scherz ist - oder eine konkrete Drohung gegen den Kommissar. Kluftinger hat sich in den Jahren als Polizist sicher einige Feinde gemacht, und so sind seine Familie und die Kollegen in höchstem Maße alarmiert.

Widerwillig nimmt Kluftinger gemeinsam mit seinem Team die Ermittlungen in der Angelegenheit auf - und das führt zu einer gedanklichen Reise in seine Vergangenheit.

Kommissar Kluftinger beleuchtet gedanklich verschiedene Phasen seines Lebens, um herauszufinden, wer es auf ihn abgesehen haben könnte. Geht es um einen alten Fall? Einen langjährigen Widersacher? Erschwert wird das Ganze, als Kluftinger klar wird, dass es einen Maulwurf in den eigenen Reihen geben muss.

Spannende Einblicke in Kluftingers Jugendzeit

Volker Klüpfel und Michael Kobr haben sich mit ihrer Reihe um den Allgäuer Polizisten Kluftinger eine recht große Fan-Gemeinde in ganz Deutschland aufgebaut. Der zuweilen recht grantelige Kommissar aus dem Allgäu genießt bei den zahlreichen Lesern einen gewissen Kult-Status. "Klufti"-Fans dürfte daher dieser Jubiläumsband der Reihe - es ist der 10. Kluftinger-Roman - ganz besonders gut gefallen.

Der Kommissar ist nämlich endlich Großvater geworden, und die Leser lernen ihn noch besser als bisher kennen, denn besondere Umstände einer merkwürdigen Morddrohung sorgen für eine gedankliche Reise in die Vergangenheit des Ermittlers.

Bei den zahlreichen Rückblenden in die Vergangenheit erfährt der Leser viele weitere Details aus dem privaten Leben des Ermittlers. Darunter auch den Vornamen von Kluftinger, den er üblicherweise gerne verschweigt.

Eine spezielle Anekdote ist die Präsentation seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau Erika bei Kluftingers Eltern. Wichtiger für die Gegenwart ist indessen ein prägendes Erlebnis, dass der Kommissar gemeinsam mit den Mitgliedern seiner Jugend-Clique hatte. Der schreckliche Vorfall wurde für ihn zu einem prägenden Schlüsselerlebnis und führte so zu seiner Berufswahl.

Leser kann sich lange Zeit nur ein diffuses Bild machen

Die familiären Turbulenzen in der Gegenwart sorgen ebenfalls für beste Unterhaltung - wenn man so viel Trubel abseits der Kriminalgeschichte mag. Aber offenbar gehört das zu den Markenzeichen der beiden Autoren. Die Dialoge mit seinem Vater, der einen ähnlichen Charakter wie der Kommissar hat, und der Kult, den Kluftinger um sein Enkelkind macht, sorgen bei echten Fans der Reihe für reichlich humoristisches Lesevergnügen. Mir ist das offen gestanden etwas zuviel - aber das ist natürlich Geschmackssache.

"Klufti" ist ein ausgesprochener Familienmensch. Er würde es wohl nie offen zugeben, aber seine Frau und die Familie seines Sohnes sind sein ein und alles. Das zeigt sich auch in seinen ständigen Granteleien und den Kabbeleien mit Frau und Sohn - was sich neckt, das liebt sich eben.

Spannung kommt im Jubiläumsband allenfalls unterschwellig auf. Kluftinger ermittelt eher halbherzig, aber immerhin treibt sei Team die Sache voran. Der Leser kann sich lange Zeit allenfalls ein diffuses Bild von den Zusammenhängen machen.

Volker Klüpfel und Michael Kobr erzählen ihre Geschichte flüssig und gut lesbar, aber man muss diese humoristische Art schon mögen, und sich den Krimi dann aus dem ganzen Klamauk heraus filtern.

Denn wie der Kommissar irrt der Leser durch ein ziemlich wirres Durcheinander - die latente Bedrohung wird eher selten real. Ein Geheimgang in der Kirche, die verbrannte Leiche einer Lehrerin - das führt nicht so wirklich weiter.

Das Buch endet mit einem Cliffhanger, das elfte Buch ist in Sicht. Der als Jubiläumsband lange vorab angekündigte und gelobte Krimi ist für Fans der Reihe sicher ein Highlight, aber einsteigen sollte man damit nicht in diese Reihe. Aber immerhin: Als gute Geschichten-Erzähler bieten die Autoren angenehme Unterhaltung, und ein wenig kriminell ist es eben auch.

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