Laienspiel

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Berlin: DAV, 2008, Seiten: 3, Übersetzt: Volker Klüpfel & Michael Kobr
  • Müchen; Zürich: Piper, 2009, Seiten: 368, Originalsprache

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Peter Kümmel
Empfehlung für Krimileser, die nicht alles so bierenst nehmen

Buch-Rezension von Peter Kümmel Jan 2008

"Noch 12 Tage, 2 Stunden, 14 Minuten, 38 Sekunden" - mit diesen ungewöhnlichen Kapitelüberschriften mit den immer kleiner werdenden Zeitspannen wecken die Autoren die Neugier des Lesers, und auf Seite 64 kann diese endlich befriedigt werden.

Was für die Beamten der Kemptener Polizei wie ein simpler Routinefall beginnt, sollte sich zum schockierendsden Verbrechen auswachsen, das das Allgäu jemals erlebt hat. Der Selbstmord eines jungen Mannes war es, der die Freilichtspiele in Kommissar Kluftingers heimischem Altusried zu einem unvergesslichen Medienspektakel machen sollten.

Das Unangenehmste an dem Selbstmord scheinen neben den beiden österreichischen Polizisten Bydlinski und Haas selber zunächst die Verwicklungen zu sein, die durch den eigenmächtigen Einsatz zweier österreichischer Polizisten auf deutschem Staatsgebiet entstanden sind. Bei der Observierung eines für Waffenschiebereien benutzten Postfaches in Innsbruck fiel den Österreichern der junge Mann auf. Bei der anschließenden Beschattung verfolgten ihn die Beamten bis nach Kempten. Als sie sich dort als Polizisten zu erkennen geben, erschießt sich der Mann.

Der Selbtmörder war vor kurzem zum Islam konvertiert. Er studierte Maschinenbau und war, wie man an seiner Hinterlassenschaft erkennen konnte, offensichtlich begeisterter Elektronikbastler. Als sich auf seinem Computer Baupläne für Bomben finden und ein laufender Countdown, der mittlerweile bei 19 Tagen, 11 Stunden, 17 Minuten und 53 Sekunden angekommen ist, da ist plötzlich eifrige Geschäftigkeit angesagt.

Diese Sache ist doch eine Nummer zu groß für die Polizisten aus dem Allgäu. Jetzt rückt das BKA an und bildet eine Task Force unter der Leitung von Faruk Yildrim. Mit dabei: Kluftinger und der ungeliebte Kollege Bydlinski aus Österreich. Und die Zeit läuft unerbittlich, denn noch ist nicht klar, wo der Anschlag geplant ist...

Trotz aller Gaudi auch Realismus

Kluftinger, der in Laienspiel seinen vierten Fall lösen muß, ist mittlerweile schon zu einem guten Bekannten geworden, auf dessen neueste Taten man sich schon im Vorfeld freut. Das Autorenteam Klüpfel und Kobr bietet wieder beste Unterhaltung mit einer in nette Nebenstories verpackten Krimihandlung, bei der man nicht alles so bierernst nehmen sollte, obwohl das Thema der Handlung ein ernstes und überaus aktuelles ist. Der Terrorismus macht auch vor der Provinz nicht halt.

Wie immer lässt unser Held kein Fettnäpfchen aus, hat aber andererseits die richtigen Ideen zum richtigen Zeitpunkt, um an der Aufklärung des Verbrechens entscheidend mitzuwirken. Und das, obwohl er zur Zeit neben seinem Beruf völlig ausgelastet ist. Da sind nicht nur die Proben für die Freilichtspiele, bei denen Kluftinger als Schauspieler mitwirkt, nein, seine Frau quält ihn auch noch damit, einen Tanzkurs zu besuchen. Und bei beiden Veranstaltungen hat Kluftinger auch noch engen Kontakt mit seinem Intimfeind Martin Langhammer.

Obwohl bei Krimihandlung nicht alles für bare Münze zu nehmen ist, überzeugt sie in einzelnen Situationen durch einen Realismus, wie man ihn aus anderen Krimis nicht kennt. So vor allem in der Szene, als Kluftinger versucht, die Haustür eines Mietshauses mit seiner Körperfülle aufzubrechen, aber erkennen muss, dass deren Widerstand weitaus stärker als gedacht ist. Wie man das kennt, drücken die Polizisten nun alle Klingeln zugleich. Doch statt des Ertönens des Türsummers öffnet sich nur ein Fenster in einem der oberen Stockwerke und eine Frau möchte erst aus großer Entfernung die Ausweise der Beamten kontrollieren.

Was immer noch ungeklärt bleibt und sicher auch in den weiteren Fällen für Rätselraten sorgen wird, ist Kluftingers ungeliebter Vorname. Zumindest bei seinem Zweitnamen hat man Aufklärung bekommen: Da er "Der Feurige" bedeutet, dürfte es sich um Ignatius oder Ignaz handeln.

Für innerbetriebliche Differenzen sorgt neben Bydlinkski vor allem Kollege Maier, dessen Darstellung über die vier Bücher hinweg einfach zu unausgegoren ist. Man glaubt, in seiner Person in jedem der vier Bände einen anderen Charakter vor sich zu haben.

Die beiden Allgäuer Autoren bleiben auch in ihrem neuen Roman ihrem Stil treu. Eine stark überzogene und mit sämtlichen Klischees der Welt versehene Krimihandlung geschmückt mit amüsanten Randgeschichten bietet den Fans der Reihe wieder all das, worauf sie sich freuen. Doch nicht jeder ist für Humor dieser Art empfänglich.

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