Das Lied der Sirenen

Erschienen: Januar 1997

Bibliographische Angaben

  • London: HarperCollins, 1995, Titel: 'The Mermaids Singing', Seiten: 284, Originalsprache
  • München: Droemer Knaur, 1997, Seiten: 479, Übersetzt: Manes H. Grünwald
  • München: Droemer Knaur, 2000, Seiten: 479
  • München: Droemer Knaur, 1999, Seiten: 479
  • München: Droemer Knaur, 2001, Seiten: 479
  • München: Droemer Knaur, 2003, Seiten: 480
  • Augsburg: Weltbild, 2004, Seiten: 479
  • Hamburg: Cora, 2007, Seiten: 479
  • München: Knaur, 2008, Seiten: 479
  • Augsburg: AME hören, 2009, Seiten: 6, Übersetzt: Elke Schützhold, Bemerkung: gekürzt
  • München: Knaur, 2010
  • München: audio media, 2011, Seiten: 6, Übersetzt: Elke Schützhold, Bemerkung: gekürzt

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Sabine Reiß
Wie kann sich eine Frau nur solch grausame Szenen ausdenken?

Buch-Rezension von Sabine Reiß Mai 2003

In den einschlägigen Homosexuellen-Bezirken des kleinen Städtchens Bradfield wurden bereits zwei männliche Leichen aufgefunden, deren Genitalien unterschiedlich verstümmelt waren und die vor ihrem Tode auf unterschiedliche Weise gefoltert wurden. Noch geht die Polizei nicht davon aus, dass es sich um einen Serienmörder handelt, doch die Presse schürt schon das Feuer unter der Bevölkerung. Auch der Profiler Tony Hill hat sich schon Gedanken gemacht und einen Artikel in einer Zeitung veröffentlicht, in dem er eindeutig gegen die Serienkiller-These Stellung bezieht. Doch insgeheim hat er seine Meinung inzwischen geändert. Er soll eine nationale Einsatzgruppe zur Erstellung von Verbrecherprofilen aufstellen und wünscht sich nichts mehr, als bei der Untersuchung dieser grausamen Mordfälle sein Können unter Beweis zu stellen und die Vorurteile gegen diese besondere Art der Verbrechensaufklärung abzubauen. Bei einem Vortrag wird er von Assistant Chief Constable John Brandon angesprochen und tatsächlich um seine Mithilfe gebeten. Die beiden wissen zu dieser Zeit noch nicht, dass bereits eine dritte Leiche aufgetaucht ist, die ebenfalls grausam verstümmelt wurde.

Zu dieser Zeit ist bereits Detective Inspector Carol Jordan am Tatort. Sie leitete bisher das Einsatzteam, doch sie wird von John Brandon gebeten, als Verbindungsfrau zwischen Tony Hill und dem Ermittlungsteam zu fungieren. Erschwert werden die Untersuchungen nicht nur dadurch, dass Tony Hill abgelehnt wird, da viele Polizisten nichts von psychologischen Untersuchungen halten, sondern auch von den Animositäten zwischen Brandon und seinem Vorgesetzten, einer undichten Stelle im Revier und der Einstellung einiger Polizisten gegenüber Homosexuellen. Carol und Tony erarbeiten ein Täterprofil und im Laufe dieser Arbeit kommen sie sich auch persönlich näher, doch Tony läßt es nicht zu, dass mehr daraus wird, da ihm seine sexuellen Probleme im Wege stehen. Er wird von Telefonanrufen gequält, bei denen die Anruferin genau zu wissen scheint, was Tony fehlt...

Durch die undichte Stelle im Revier wird in der Presse die Hysterie in der Bevölkerung geschürt. Aber die Berichterstattung wird von einer bestimmten Person besonders intensiv verfolgt: vom Serienmörder! Er fühlt sich beleidigt von der Fehleinschätzung der Ermittelnden und plant als nächstes einen besonderen Coup. Carol und Tony stellen fest, dass die Morde immer einem bestimmten Muster folgen, z.B. daß die Leiche immer Montags abgelegt wird, dass der Täter besondere Computer-Kenntnisse hat, dass alles bis ins letzte Detail akribisch geplant ist und daß die Leichen immer in bestimmten Zeitabständen auftauchen. Sie vermuten zudem, dass der Killer die Folterszenen auf Video aufnimmt und sich die Szenen immer wieder ansieht, um sich Befriedigung zu verschaffen. Die Zeit wird immer knapper und gerade als Tony die Polizisten dazu aufruft, besonders sorgfältig ihre Umwelt zu beobachten, wird wieder ein Toter gefunden. Wieder verstümmelt und wieder gefoltert, doch dieses Mal ist es ganz anders: es ist einer von ihnen, ein Polizist.

Es stellt sich heraus, dass die Opfer gar nicht homosexuell sind. Doch welche Gemeinsamkeiten bestehen zwischen ihnen und wird es Tony und Carol gelingen, den grausamen Serienmörder zu stoppen?

Als die beiden zu diesem Schluß kommen, habe ich gerade ein Drittel des Buches gelesen und fiebere mit. Noch ahne ich nur ganz entfernt, dass alles noch schlimmer kommen kann... Was aber diesen Thriller zu etwas außergewöhnlichem macht - ob positiv oder negativ sei nun dahingestellt - ist die Schilderung der Taten, denn Val McDermid läßt den Täter in einer zweiten Erzählebene selbst zu Wort kommen. In seinem Tagebuch schildert er von der Planung bis zur Durchführung alles bis ins kleinste Detail und dennoch nehmen diese Zwischenkapitel nur einen geringen Prozentsatz des Buches ein: starker Tobak und nichts für zartbesaitete Gemüter! Anders gesagt: wenn ich mich schon bei Kathy Reichs geschüttelt habe, so war dies noch die Steigerung. Bei der Schilderung der Folterszenen habe ich wesentliche Passagen übersprungen und immer nur abschnittsweise überflogen. Ich wußte allerdings auch, was mich erwartet, denn mein Freund las das Buch vor mir und hatte auch die Vergleichsmöglichkeit mit Kathy Reichs. Wie kann sich eine Frau nur solch grausame Szenen ausdenken?

Die Schreibweise ist flüssig und die aufgebaute Spannung ist ungeheuerlich. Ich gestehe, ich mußte schon wieder am Ende des Buches nachschauen, doch irgendwann ist einem auch ohne dieses "Spionieren" klar (so ca. bei Seite 400 von insgesamt 478 Seiten), wie Val McDermid den Showdown gestalten wird. Dennoch hat mich die Autorin mit ihrer Auflösung noch ein wenig überrascht. Erstklassig.

Man erfährt einiges über die Erstellung von psychologischen Täterprofilen. Wie ich nun die Schilderung der Charaktere bewerten soll, ist mir nicht ganz klar. Einerseits erfährt man eine Menge Details über Carol Jordan, doch auch dies geht nicht über oberflächliche Dinge hinaus und die anderen Figuren bleiben seltsam blaß. Ich hätte doch zu gerne gewußt, was hinter Tony Hills Problemen steckt. Und wie er auf die Telefonanrufe reagiert, das erschien mir doch wenig glaubwürdig. Zudem werden so viele Personen in die Geschichte eingeführt, dass eine tiefergehende Charakterisierung gar nicht möglich gewesen wäre. Andererseits empfinde ich es als positiv, dass die Polizisten als Menschen mit Defiziten und Problemen ausgestattet sind. Doch dies ist seit Mankells Kurt Wallander auch nichts Neues mehr.

Zwiespältige Gefühle habe ich also, wenn ich nun an die abschließende Bewertung denke. Zum einen sind Spannung und Abgründe ein Plus, auf der anderen Seite hätte diesem Buch auch ein Weniger an blutrünstigen Schilderungen vielleicht nicht geschadet. Aber wäre dann nicht auch ein wesentliches Element und die Anziehungskraft dieses Psychothrillers verloren?

Das Lied der Sirenen

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