Rachgier

Erschienen: September 2018

Bibliographische Angaben

  • London: Little, Brown, 2017, Titel: 'Insidious intent', Originalsprache
  • Untermünkheim: steinbach sprechende bücher, 2018, Seiten: 2, Übersetzt: Wolfgang Berger

Couch-Wertung:

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Nicole Goersch
Zu viele Nebenschauplätze lenken den Fokus vom eigentlichen Fall ab

Buch-Rezension von Nicole Goersch Mär 2019

Carol Jordan ist Leiterin der neu gegründeten Abteilung ReMIT in Bradfield. Zusammen mit ihrem Team, zu dem auch Dr. Tony Hill gehört, arbeitet sie an einem kniffligen Fall. Eine Frauenleiche wurde in einem brennenden Auto gefunden, und es gibt keinerlei Spur zu einem Verdächtigen. Die Planung des Täters scheint perfekt zu sein. Als ein zweites Auto brennt, hoffen die Ermittler auf einen Fehler. Werden sie dem Mörder näherkommen können?

Unterdessen kämpft Carol mit den Schatten ihrer Vergangenheit, die ihr keine Ruhe lassen. Tony versucht, ihr zu helfen, kommt aber kaum gegen die Mauer an, die sie um sich selbst errichtet hat. Auch Paula, Mitglied des ReMIT-Teams, sieht sich mit einer neuen privaten Situation konfrontiert, die ihr Leben ganz schön durcheinanderbringt.

Zehn Fälle in 20 Jahren

Der vorliegende Teil ist bereits der zehnte Band aus der Reihe um Carol Jordan und Tony Hill der Autorin Val McDermid. In den vergangen Jahren konnte sich der Leser also ausführlich mit den Charakteren beschäftigen, aber auch wenn man Neueinsteiger ist, kommt man gut zurecht.

Manche Aspekte aus der Vergangenheit werden zwar angesprochen, aber in wenigen Sätzen erläutert, so dass man zumindest mit einem notwendigen Grundwissen die Geschichte verfolgen kann, ohne allzu verwirrt zu werden. Eine umfangreiche Vorgeschichte zu den Figuren bleibt aus, dennoch erhält man Hintergrundinformationen, die grob darüber informieren, wie die Personen zueinander stehen und was sie gemeinsam erlebt haben.

Recht früh erfährt der Leser auch, wer der Mörder ist, warum er die Taten begeht, welches Ziel er verfolgt und welche Intentionen ihn antreiben. Er will weitermachen, kostet die Macht aus, die die Morde ihm verleihen und geht dabei äußerst sorgfältig und durchdacht vor, informiert sich ausgiebig über die verschiedenen Gebiete der Forensik und der Ermittlungsarbeit der Polizei, um vorstellbare Fehler zu vermeiden und der Polizei somit keinen Anhaltspunkt zu liefern.

Logische Schlussfolgerungen

Die Arbeit der Kriminalabteilung wird strukturiert erläutert; die Fortschritte und Schlussfolgerungen in der Ermittlung werden logisch aufbereitet. Erst wird der Lebensbereich des Opfers untersucht, um einen möglichen Täter herauszufiltern, aber die akribische Suche gestaltet sich schwieriger als gedacht. Dauernd führen neue Spuren in Sackgassen oder lösen sich in Luft auf, was sehr zermürbend ist.

Der Leser erfährt parallel den aktuellen Stand der Untersuchungen sowie die Vorgehensweise des Täters auf der Suche nach einem neuen Opfer. Er überlässt dabei nichts dem Zufall, so dass man schon ahnen kann, wie eine neue Erkenntnis ins Leere laufen wird.

Stimmungsvolle Details

Die Autorin erschafft zu ihren Figuren ein umfangreiches Umfeld, sogar die Opfer, die eigentlich nur am Rande auftauchen, haben Eigenheiten und Charakterzüge, die sie lebendiger und plastischer erscheinen lassen. Fein herausgearbeitete Details steigern dabei den Lesegenuss, wie auf S. 32, wenn der Earl Grey-Tee die Farbe des Whiskys „Famous Grouse“ haben muss. Kleine Anekdoten, die auch regional bezogen sind, würzen die Geschichte.

Darin liegt aber auch das große Manko des Buches. Der eigentliche Fall wird erstickt unter den zahlreichen Nebenschauplätzen. Es passiert sehr viel, was nicht mit der Tätersuche zu tun hat. Dadurch wird der Focus zur sehr abgelenkt, auch wenn die Geschichte an Tiefe gewinnt. Als Leser wird man so sehr beschäftigt, dass der rote Faden mitunter nicht mehr ersichtlich ist.

Die Personen sind ein Pluspunkt des Romans, denn ihre Darstellung ist sehr umfangreich und tiefschürfend, so dass die Besonderheiten und Merkmale einprägsam und bildlich waren. Alltägliche Probleme wie Alkoholkonsum oder Teenagererziehung werden dabei nicht außen vor gelassen. Das bietet ein buntes Kaleidoskop eines gewöhnlichen Kosmos mit Freund und Feind, Hilfe und Herabsetzung, Stärken und Schwächen.

Fazit:

Am Ende überschlagen sich dann die Ereignisse, und wenn man das Buch zuklappt, steht man erst ein bisschen ratlos da, denn das Schlusskapitel war doch sehr unvorhergesehen, in gewisser Weise sogar unpassend und unnötig.  Leider tritt die kriminelle Handlung, die untersucht wird, zu sehr in den Hintergrund und wird zu sehr durch Randhandlungen aufgeplustert. Allerdings tragen die Details auch dazu bei, den Charakteren anschauliche Attribute zu verleihen. Das Buch lässt einen etwas ratlos zurück.

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