Zimmer Nr. 10

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2006, Seiten: 5, Übersetzt: Aljinovic, Boris, Bemerkung: Gekürzte Lesung
  • Stockholm: Norstedt, 2005, Titel: 'Rum nummer 10', Seiten: 443, Originalsprache
  • Berlin: List, 2007, Seiten: 477
  • Berlin: List, 2011, Seiten: 480

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Lars Schafft
Winter wallandert

Buch-Rezension von Lars Schafft Jul 2006

Über sechs Fälle hatte der Protagonist von Ake Edwardsons Kriminalromanen, Kommissar Erik Winter, fast ein Alleinstellungsmerkmal bei den skandinavischen Ermittlern: Er war jung, erfolgreich, gut aussehend und eben nicht tiefst betrübt. War. Denn mit Zimmer Nr. 10 hat auch Winter diese scheinbar so typische Charaktereigenschaft der Schweden eingeholt. Und strickt Edwardson - dafür ist er be- und anerkannt - wieder einmal einen höchst verworrenen Plot mit intensiven psychologischen Studien, so kann man Kommissar Winter eigentlich nur das wünschen, was er selbst am meisten herbeisehnt: eine Auszeit.

Knackpunkt in Fall Nr. 7 ist eine Frauenleiche in Zimmer Nr. 10. Besagter Raum ist mietbar in einem heruntergekommenen Hotel Göteborgs und war bereits Zentrum von Winters Ermittlungen. Vor achtzehn Jahren verschwand dort eine Frau spurlos. Verbleib ungeklärt. Bis heute. Und jetzt die erhängte Frau im selben Zimmer. Komisch nur: ihre Hand ist weiß angemalt. Ein Fingerzeig des Täters?

Edwardsons Stilspiele

Alles deutet auf einen langwierigen Fall. Keine Zeugen, keine Indizien. Und wie kaum anders zu erwarten liegt des Rätsels Lösung weit in der Vergangenheit. Genau so weit ist der Weg, den der Leser weitgehendst spannungslos hinter sich bringen muss, bevor sich die Ermittlungen tatsächlich auch darin äußern, dass sie den Leser fesseln. Über gut vierhundert Seiten ist Zimmer Nr. 10 eine anspruchsvolle wie auch ansprechende Lektüre. Nur als Krimi will sie lange Zeit nicht funktionieren.

Und sprachlich kompliziert ist sie dazu. Nicht nur, dass Edwardson ohne jeglichen Hinweis zwischen den Zeiten springt (und dazwischen liegen eben immerhin fast zwanzig Jahre), er bemüht auch wie schon in den vorangegangenen Romanen Phrasen, die beim ersten Mal kunstvoll, beim zweiten Mal künstlich und beim dritten, vierten, fünften und auch fünfzehnten Mal katastrophal wirken: "Nein. Ja. Nein. Ja". Oder variiert: "Ja. Nein. Ja. Nein". Ein wenig mehr Stringenz und Geradlinigkeit, ein bisschen mehr Klarheit - das alles täte Edwardsons Prosa durchaus gut.

Zum Ende kommt der Drive 

Auch wenn Winter "wallandert" und Edwardson ausschweift, schlecht ist Zimmer Nr. 10 keinesfalls. Der Roman überzeugt fraglos durch die Schilderung komplexer menschlicher Beziehungen, einer äußerst trüben wie eindringlichen schwedischen Herbst-Atmosphäre und durch einen verwickelten Plot. Der, und da macht Edwardson richtig Spaß, zum Ende hin sogar mit ordentlich Drive aufgelöst wird.

Aber: Das ist alles nichts Neues mehr. Mit Winter-Romanen wie Der Himmel auf Erden oder auch Die Schattenfrau fährt der Fan skandinavischer Kriminalromane deutlich besser und erfrischter. Zimmer Nr. 10 ist der Krimi für dauerverregnete Sonntage, an dem eh keine positive Stimmung aufkommen will. Dann kann Edwardson seine Karten ausspielen und überzeugt als anspruchsvoller Erfinder von psychologisch dominierten Kriminalromanen. Da aber auch irgendwann mal wieder die Sonne scheinen wird, sollte sich der Schwede schnellstens um mehr Abwechslung in seiner Winter-Reihe kümmern. Bis dahin wünschen wir dem Kommissar einen angenehmen Aufenthalt in Spanien.

Zimmer Nr. 10

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