Die Eisprinzessin schläft

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Sävedalen: Warne, 2003, Titel: 'Isprinsessan', Originalsprache
  • Berlin: Gustav Kiepenheuer, 2005, Seiten: 396, Übersetzt: Gisela Kosubek
  • Berlin: Aufbau, 2006, Seiten: 395
  • Schwäbisch Hall: steinbach sprechende bücher, 2008, Seiten: 6, Übersetzt: Hübschmann, Ulrike

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Wolfgang Weninger
Flottes Lesen ohne erhobenen Zeigefinger

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Mai 2006

Erica Falck ist nur auf Stippvisite in Fjällberg. Die Schriftstellerin, die sich als Autorin von Biographien einen Namen gemacht hat, muss im Haus ihrer Eltern nach dem Rechten sehen, da diese verstorben sind. In diesem Haus in Fjällbacka ist sie aufgewachsen und kennt auch ringsum alle Nachbarn, von denen einer gerade aufgeregt Mitteilung macht, dass er bei seinem Kontrollgang eine Leiche entdeckt hat.

Alexandra Wijkner, geborene Carlgren, früher die Busenfreundin von Erica, liegt mit aufgeschnittenen Pulsadern in ihrer Badewanne, in der die Mischung aus Blut und Wasser bereits gefroren ist. Aber eigentlich konnte sie keinen Grund gehabt haben, sich das Leben zu nehmen, denn die lebenslustige junge Frau war nicht nur reich verheiratet, sondern auch (wie sich später herausstellt) schwanger.

Erica beschließt das Leben der Toten gründlich aufzuarbeiten und darüber eine Biographie zu schreiben. Deshalb beschäftigt sie sich eingehend mit dem Vorleben ihrer Ex-Freundin, interviewt Verwandte und Bekannte und stößt auf einige Ungereimtheiten. Alexandra muss ein Doppelleben geführt haben. Ein versoffener Maler war offensichtlich ihr Liebhaber und auch die Polizei, die auf Grund ihrer Erkenntnisse von einem Mord ausgeht, findet diese Zusammenhänge. Doch bevor sie sich eingehender mit dem verkrachten Künstler beschäftigen kann, muss sie dessen Leiche von einem Strick knüpfen, denn dieser keinesfalls selbst um den Hals gelegt haben kann ...

Darf man den Pressestimmen glauben, so ist die 1974 in Fjällbacka geborene Camilla Läckberg der neue Stern am skandinavischen Krimihimmel und die Frauenzeitschriften "Brigitte" und "Freundin" urteilen einstimmig überschwänglich über Die Eisprinzessin schläft, das im Aufbau Taschenbuch Verlag erschienen ist.

Das Lesegefühl kommt auf den 396 Seiten, die Gisela Kohubek aus dem Schwedisch übersetzt hat, auch sofort sehr flüssig und positiv auf. Der Leser kann sich schnell mit der sympathischen Figur von Erica Falck identifizieren und nach kurzem Einlesen mit den familiären Verhältnissen zurecht finden. Da sich die Hauptperson als Single durch das Buch bewegt und ihre biologische Uhr schon etwas schneller tickt, wundert es auch nicht, dass sie außer neben Familienproblemen und Klatschgeschichten auch an der Nähe des jungen Polizeibeamten Patrik interessiert ist, der die Lösung des Mordfalls aus der Sicht des professionellen Ermittlers in Angriff nimmt. Zwischen den skandinavisch üblichen Depressivphasen darf in diesem Buch also auch eine Romanze entstehen, die den ziemlich konstruierten Kriminalfall gelungen auflockert. Denn große Spannung ist nicht das Metier von Camilla Läckberg. Ihre Stärken liegen in der Beschreibung dörflicher Idylle und verworrener Familienverhältnisse und der Zeichnung von Charakteren jeder Schattierung, von reich bis arm, von verkommen bis elitär, immer aber sehr ordentlich und nachvollziehbar präsentiert.

Im Endeffekt ist Die Eisprinzessin schläft seit langem wieder ein Mal ein skandinavischer Krimi, der eine brauchbare Handlung besitzt und von halbwegs normalen Personen bevökert wird und nebenbei auch verzwickt genug konstruiert ist, dass man nicht bei der Mitte schon den bzw. die Übeltäter errät. Die geradlinige Schreibweise lässt darüber hinaus flottes Lesen zu, ohne dass man permanent Zeit- und Gedankensprünge in Kauf nehmen müsste, obwohl die Wurzeln des Übels in der Vergangenheit angesiedelt sind.

Wohltuend ist auf jeden Fall die Tatsache zu vermerken, dass die Autorin vermeidet, trotz privater Probleme etlicher Charaktere, permanent den pseudopsychologischen Zeigefinger in die Wunden der suizidgefährdeten schwedischen Dorfbevölkerung zu bohren. Und somit kann man im Einklang mit der Presse die Beurteilungen "Super-Krimi" und "Genial" durchaus gelten lassen und eine eindeutige Leseempfehlung abgeben.

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