Die Schneelöwin

Erschienen: Januar 2016

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Forum, 2014, Titel: ' Lejontämjaren', Originalsprache
  • Hamburg: HörbuchHamburg, 2016, Übersetzt: Nina Petri, Vanida Karun, Gesa Geue, Hannah Walther, Bemerkung: gekürzte Ausgabe

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Jörg Kijanski
Packender, aber teils überfrachteter Thriller

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2016

Erica Falck arbeitet als Schriftstellerin und möchte ein Buch über einen spektakulären Mordfall schreiben. 1975 wurde Laila Kowalska verhaftet, nachdem diese ihren Mann Vladek ermordete. Vladek hatte zuvor die gemeinsame Tochter Louise immer wieder im Kellerraum angekettet. Laila stimmt Gesprächen in der Haftanstalt zwar zu, doch will sie sich (zunächst) nicht zu den damaligen Ereignissen äußern. Erst langsam erkennt Erica, dass die Dinge sich damals womöglich ganz anders ereigneten.

Währenddessen hat Kommissar Patrik Hedström ein weitaus größeres Problem zu lösen. Vor vier Monaten verschwand die fünfzehnjährige Victoria Hallweg. Nun taucht sie, schwer gefoltert und misshandelt, wieder auf. Ihr gelang offenbar die Flucht vor ihrem Entführer, doch diese führte sie auf eine Landstraße, wo sie angefahren wird. Wenig später erliegt sie ihren Verletzungen im Krankenhaus. Die Zeit drängt, denn bereits zuvor verschwanden vier weitere Mädchen von denen bislang jede Spur fehlt.

Nicht zum ersten Mal mischt sich Erica in die Ermittlungen ihres Mannes Patrik ein, wobei sie selber in Gefahr gerät.

Gewalt, Liebe und viele (private) Probleme

Der bereits neunte Fall aus der Fjallbäcka-Reihe mit dem Duo Falck/Hedström ist, zumindest für Neueinsteiger in die äußerst erfolgreiche Serie, ein hartes Stück Arbeit. Zahlreiche Personen, deren Partner und Familien, werden ausführlich vorgestellt. Allein die ganzen Namen zu behalten und die Beziehungen der Figuren untereinander zu verstehen ist (anfangs) recht anstrengend. Die Handlung spielt in mehreren Erzählsträngen, zudem gibt es Rückblicke bis zu jenem Mord an Vladek im Jahr 1975. Wie in der Serie üblich, nimmt neben dem Krimiplot insbesondere das Privatleben der vielen Personen einen recht ordentlichen Teil des Romans ein, wenngleich dieser verständlicherweise nicht immer zur Lösung des Falles beiträgt. Auch so kann man die Buchseiten umfangreich füllen, gleichwohl, den Fans der Serie wird es einmal mehr gefallen.

 

"Es könnte aber auch ein reiner Lustmörder gewesen sein, also ein Psychopath, der zu seinem Vergnügen mordet. Das verschafft ihm sexuelle Befriedigung. Victorias Obduktion ergab, dass es keine sexuellen Übergriffe gab, aber hinter diesen Fällen stehen trotzdem oft sexuelle Motive. Inwiefern genau, lässt sich in diesem Fall noch nicht sagen."
"Wissen Sie, das laut einigen Studien ein halbes Prozent der bevölkerung als psychopathisch bezeichnet werden kann?"
"Ja. Das habe ich neulich in der GQ gelesen. Da ging es um Chefs."

 

Von einigen Längen abgesehen, schreibt Camilla Läckberg durchaus packend und setzt am Ende der meist kurzen Abschnitte oftmals glänzende Cliffhänger. Erstaunlich gelingt es ihr, an manchen Stellen die Gewalttaten derart drastisch darzustellen, dass sie einem Horrorroman entstammen könnten. Andererseits schrammt sie gerade bei den diversen Beziehungsproblemen oder privaten Freuden nicht selten haarscharf am Niveau eines Liebesromans vorbei. Herz und Schmerz, was will man (Frau) mehr? Es ist zu viel Elend hier, zu viel Freude dort, überhaupt von allem zu viel. Die Schneelöwin ist empathisch überfrachtet, wenngleich der Kontrast zwischen Gewalt und Liebe durchaus interessant ist. Insbesondere auf den letzten Seiten schlägt die Autorin die eine oder andere Volte zu viel. Die Auflösung und hier vor allem die Erklärungen wie alles zusammen hängen soll, sind nicht nur arg konstruiert, sondern auch "ein bisschen" unglaubwürdig.

Wer sich nicht scheut, mehrere Erzählstränge und geschätzte zwanzig Personen in ihrem Leben und Handeln zu begleiten, zudem bereit ist am Ende ein großes Auge zuzudrücken, der erlebt in Die Schneelöwin einen teils brutalen, aber trotz allem stets packenden Thriller.

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