Der Leuchtturmwärter

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Vorum, 2009, Titel: 'Fyrvaktaren ', Seiten: 359, Originalsprache
  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2013, Seiten: 6, Übersetzt: Nina Petri

Couch-Wertung:

75°
Wertung wird geladen
Andreas Kurth
Im Schein des Leuchtturms: Viele Geschichten und ein Mord

Buch-Rezension von Andreas Kurth Okt 2012

Gråskär ist eine kleine Leuchtturminsel im Schärengaten vor Fjällbacka. Nach vielen Jahren der Abwesenheit kehrt dorthin Annie mit ihrem kleinen Sohn Sam zurück, denn das als "Geisterinsel" verschriene Eiland gehört ihrer Familie. Sie will sich hier vom Stress in ihrer gescheiterten Ehe erholen. Sie bekommt Besuch von Mats, ihrer lange verflossenen Liebe aus Jugendzeiten. Doch die beiden erleben nur eine leidenschaftliche Nacht. Tage später wird Mats, der aus Göteborg ebenfalls in seine Heimat zurückgekehrt ist, von seinen entsetzten Eltern tot in seiner Wohnung aufgefunden - er wurde erschossen. Das Kripo-Team um Patrick Hedström nimmt die Ermittlungen auf, und ist zunächst ratlos. Mats war überaus beliebt, und hat scheinbar keinerlei dunkle Flecke in seiner Vergangenheit. Erica Falck ist mit ihren kleinen Zwillingen im Grunde voll ausgelastet, aber sie hört natürlich von dem Fall und beginnt wie üblich ihre eigenen Ermittlungen. Einige handfeste Überraschungen warten auf die Polizei und die umtriebige Schriftstellerin.

Der Leuchtturmwärter ist bereits der siebte Roman aus Camilla Läckbergs Reihe um das Duo Hedström/Falck im kleinen Fjällbacka. Und wie üblich – und von ihren Fans wohl auch überaus geschätzt – ist das Buch vordergründig eine Art Familien-Roman. Es geht um Patrick Hedström und Erika Falck, die zunächst die Folgen der Schluss-Szenen des Vorgängerromans überwinden müssen. Hedström erlitt einen Zusammenbruch, Falck hatte gemeinsam mit ihrer Schwester einen schweren Autounfall. Während die Schwester dabei ihr ungeborenes Kind verloren hat, sind Erikas Zwillinge gesund und putzmunter. Aber Anna liegt in tiefer Depression, und die große Schwester hat Schuldgefühle. Und Patrick geht viel zu früh zur Arbeit, weil ihm sonst die Decke auf den Kopf fällt. Und in all diese Befindlichkeiten platzt ein Mordfall.

Der Autorin gelingt es in dieser Reihe, ihre Leser immer wieder am wechselhaften Leben ihrer Protagonisten teilhaben zu lassen. Sie liefert keine Action-Kaskaden, sondern erzählt mit leichter Feder eine Geschichte, die nach dem ersten Mord ungemein spannend wird. Und dabei arbeitet Läckberg auch aktuelle Themen ab. So hat beispielsweise der ermordete Mats in einem Frauenhaus gearbeitet. Die Autorin nutzt diesen Schlenker in der Handlung, um intensiv auf das Thema häusliche Gewalt in Ehe und Partnerschaft einzugehen. Bei der Gelegenheit gibt es gleich ein paar zusätzliche Protagonisten und einige Überraschungen – und irgendwann ist man als Leser von diesem Buch wieder einmal gefesselt.

Ein wenig schwedische Mystik und Geisterkunde werden ebenfalls durch die stets neugierige Erika Falck eingebracht. Und parallel zur Handlung in der Gegenwart wird das überaus harte und tragische Schicksal einer jungen Frau geschildert, die im 19. Jahrhundert mit ihrem Mann und einem weiteren Mitbewohner auf Gråskär leben musste. Diese Art der Rückblicke kennt man aus den Büchern der Autorin bereits, und sie setzt dieses Stilmittel gekonnt und an den richtigen Stellen ein. Und am Ende gelingt es Camilla Läckberg einmal mehr, die vielen losen Fäden miteinander zu verknüpfen und auch der Neben-Erzählung aus der Vergangenheit einen Platz in ihrem Plot zuzuweisen.

Die Mischung aus Kriminal-Roman, menschlichen Schicksalen und familiären Befindlichkeiten ist das Markenzeichen dieser Roman-Reihe von Camilla Läckberg. Wer sie deshalb jedoch in die Schublade "Frauen-Romane" steckt, liegt nach meiner Auffassung ziemlich falsch. Neben vielen Fans dürfte es auch reichlich Kritiker geben, die Läckbergs Art des Geschichten-Erzählens überhaupt nicht mögen. Aber die Autorin hat mir in einem Interview für die Krimi-Couch einst verraten, dass sie nun mal gerne die kleinen Geschichten aus dem Leben der Menschen schildert, die wir alle so erleben. Und dabei sollte sie auch bleiben, denn das kann sie ganz hervorragend.

Neben den bereits bekannten Protagonisten aus dem Polizei-Team und den dazu gehörigen Familien gibt es in Der Leuchtturmwärter übrigens einige interessante Figuren, die für die Geschichte immens wichtig sind. Den ermordeten Mats lernt der Leser nur in der Rückschau seiner Kollegen und Mitmenschen kennen, Annie wird in ihren Selbstgesprächen nicht wirklich durchschaubar für den Leser. Ganz stark fand ich die Chefin des Frauenhauses, in dem Mats gearbeitet hat. Sie kämpft wie eine Löwin für ihr tolles Projekt.

Die vielen Nebengeschichten, Zwischentöne und alltäglichen Vorkommnisse machen auch den Leuchtturmwärter wieder zu einem speziellen Lese-Vergnügen. Und mindestens eine weitere Geschichte aus dem kleinen Fjällbacka wird es noch geben, denn auf Schwedisch liegt der Roman bereits vor. Allerdings wird es in meinen Augen langsam schwierig, mit den neuen Romanen in die Reihe einzusteigen. In Der Leuchtturmwärter wird am Anfang für Einsteiger nicht deutlich, was am Ende des Vorgängerbandes passiert. Ein kleiner Minuspunkt, der aber den Lesegenuss nicht wirklich schmälern dürfte.

Der Leuchtturmwärter

Der Leuchtturmwärter

Deine Meinung zu »Der Leuchtturmwärter«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

BEHIND THE DOOR
Raum. Tat. Rätsel.

Lies die Geschichte, erkunde den Tatort und bringe Licht in das Dunkel um einen mysteriösen Kriminalfall. Welche Auffälligkeiten bringen die Ermittlungen voran? Welches Indiz überführt den Täter? BEHIND THE DOOR - spannende und interaktive Kurz-Krimis auf Krimi-Couch.de.

mehr erfahren