Die Engelmacherin

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Forum, 2011, Titel: 'Änglamakerskan', Seiten: 356, Originalsprache
  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2014, Seiten: 6, Übersetzt: Nina Petri & Anne Weber

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Andreas Kurth
Düstere Schatten der Vergangenheit

Rezension von Andreas Kurth Dez 2013

Auf der kleinen Insel Valö im Schärengarten vor Fjällbacka ist nach langer Zeit wieder Leben. Ebba Stark und ihr Mann Mårten renovieren in mühevoller Kleinarbeit das Elternhaus von Ebba, den Einheimischen nur als das Ferienheim bekannt. Bis vor kurzem haben sie in Göteborg ein scheinbar normales Leben geführt, doch dann kam ihr Sohn Vincent bei einem tragischen Unglück ums Leben. Die beiden schweigen sich an, geben sich gegenseitig die Schuld, und sind sich überhaupt nicht sicher, ob ihr Neuanfang auf Valö überhaupt funktionieren kann. Das verfallene Ferienheim wurde einst von Ebbas Vater geleitet, doch ihre gesamte Familie ist vor vielen Jahren komplett verschwunden, und nur die damals 1-jährige Ebba wurde von der Polizei gefunden. Und jetzt gibt es einen nächtlichen Brandanschlag auf das Haus, und kurz darauf finden die beiden beim Renovieren getrocknetes Blut unter den Bodendielen. Kommissar Patrik Hedström und seine Kollegen beginnen zu ermitteln, und auch Erika Falk interessiert sich für den Fall. Es dauert lange, bis die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Vorkommnissen im dramatischen Finale deutlich werden.

Blick in die Vergangenheit

Camilla Läckberg nimmt ihre Leser auch im neuen Roman Engelmacherin wieder mit auf ein Stück des Lebensweges der Schriftstellerin Erika Falck und ihrer Familie und Freunde. Und wie schon so oft in dieser Reihe gibt es zwei Zeitebenen, was wieder einmal dafür sorgt, dass der Leser zuweilen durch den Blick in die Vergangenheit einen Informationsvorsprung gegenüber den Ermittlern hat. Aber der ist nur recht begrenzt nutzbar, weil sich die Zusammenhänge dadurch nicht wirklich schneller erschließen. Eher sorgen die Zeitsprünge für größere Spannung, weil man immer mehr rätselt, wie die zeitlich so weit auseinander liegenden Ereignisse zusammen hängen könnten. Und falsche Fährten und Vermutungen ergeben sich daraus auch immer wieder.

Tiefer Griff in die Kiste der Erzählkunst

Denn der Bogen wird recht weit in die Vergangenheit gespannt. Es beginnt mit der Titel-gebenden Engelmacherin und deren Tochter Dagmar im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts. Dagmars Eltern wurden wegen mehrfachen Mordes an Pflegekindern hingerichtet, und die weitere Geschichte des Mädchens und ihrer eigenen Tochter ist mehr als absonderlich. Camilla Läckberg hat hier ganz tief in die Kiste ihrer großen Erzählkunst gegriffen, um den Leser beim Pendeln zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu fesseln. Kriminalistisch spannend wird es nämlich erst später.  Die Romane der schwedischen Autorin waren schon immer stark vom Leben ihrer Protagonistin Erika Falck geprägt, aber die jüngsten Bände der Reihe sind auch jeweils stark von den Lebensgeschichten anderer Personen eingefärbt gewesen. Und auch bei der "Engelmacherin" geht es viel und zunächst fast ausschließlich um persönliche und familiäre Dinge, die zwar interessant erzählt werden, aber für Neueinsteiger in die Falck-Reihe doch gewöhnungsbedürftig sein könnten.

Camilla Läckberg holt hier weit aus, und die Handlung in der Gegenwart leidet ein wenig darunter, denn die Ermittler brauchen lange, um mit ihren dürftigen Erkenntnissen voran zu kommen. Dazu trägt bei, dass Ebba und Mårten, die immerhin von zwei Mordanschlägen betroffen sind, der Polizei überhaupt nicht helfen können – oder wollen. Leicht ermüdend ist die Beschreibung des Verhältnisses der beiden, ihre langen Gesprächen, die für den Leser aber nicht wirklich erkenntnisreich sind. Erst viel später wird klar, wie das Kind der beiden Eheleute zu Tode kam, und warum ihr Verhältnis dadurch so belastet ist. Die triste und spannungsgeladene Stimmung wird zwar sehr authentisch geschildert, aber hier hätte die Autorin auch etwas straffer erzählen können.

Falck sorgt für genug Dynamik

Für mehr Dynamik sorgt da schon  - wie gewohnt – Erica Falck mit ihren Alleingängen, ihren Lügen gegenüber ihrem Mann, der als Polizist nichts von ihren privaten Ermittlungen erfahren darf, und ihrem berufsbedingten Interesse für absonderliche Kriminalfälle. Sie hat die Vorkommnisse auf Valö schon lange im Visier, und sieht nun eine große Chance, mehr Licht in das Dunkel zu bringen. Wie bei den Blicken in die Vergangenheit ergeben sich hier immer wieder kleinere Hinweise, weitere Nebenaspekte und neue Vermutungen für den Leser. Dazwischen gibt es gesicherte Erkenntnisse in kleinen Häppchen, aber die kompletten Zusammenhänge werden erst spät "zusammengepuzzelt". Einmal mehr geraten bekannte Protagonisten in überaus gefährliche Situationen, und im letzten Drittel wird es mehr als dramatisch. Auch mit diesem Buch zeigt Camilla Läckberg, dass sie eine gute Erzählerin ist – ihre Protagonistin wird für Neueinsteiger allerdings langsam schwieriger zu verstehen, wenn man die vorhergehenden Bände der Reihe nicht kennt.

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