Stirb ewig

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • New York: Carroll & Graf, 2005, Seiten: 404, Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2007, Seiten: 331
  • Freiburg im Breisgau: Audiobuch, 0, Seiten: 7, Übersetzt: Arnold, Frank, Bemerkung: Regie: Rudolph Würth
  • Augsburg: Weltbild, 2006, Seiten: 331
  • Freiburg im Breisgau: Audiobuch, 2008, Seiten: 7, Übersetzt: Frank Arnold
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2009, Seiten: 331

Couch-Wertung:

86°
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Lars Schafft
Eine der Thriller-Entdeckungen des Jahres!

Buch-Rezension von Lars Schafft Jul 2005

Krimi-Couch-Volltreffer August 2005

Das weite Feld des Thrillers ist schon so gut beackert, dass der nach Spannung gierende Leser weit, weit ins Land schauen muss, um originelle Plots und Charaktere entdecken zu können. Allerorts scheint es an jahrhunderte-alten Geheimorden, serienmordenden Psychopathen und am besten noch Killerviren gerade zu zu wimmeln. Einheitsbrei führt zu Geschmacksneutralisierung.

Umso erfreuter ist man da, wenn dann mal einem ein Buch in die Hand fällt, dass irgendwie so gar nicht ins Schema passen will: Der Autor kommt eigentlich eher aus der Phantastik-/Horror-Ecke und hat die letzten Jahre damit verbracht, mit Größen wie Al Pacino Filme zu drehen. Und wir haben es mit einer richtig pfiffigen Idee zu tun, die nicht nur die Herren der Schöpfung in einer ganz besonderen Art tangieren wird. Ein Junggesellenabschied, der sich zu einer ganz brenzligen Geschichte für alle Beteiligten entwickeln soll. Da stört der etwas platte Titel "Stirb ewig" - der dem Originaltitel "Dead Simple" nicht viel nachsteht - wenig. Der Thriller-Fan hat Lunte gerochen.

Die Lunte zündelt bereits zu Anfang mit enorm hohen Tempo

Und die zündelt bereits zu Anfang mit enorm hohen Tempo, das Autor Peter James - so viel sei verraten - über den ganzen Roman halten, wenn nicht gar steigern kann. Aber fangen wir vorne an: Michael, ein recht erfolgreicher Jungunternehmer, steht kurz vor seiner Hochzeit mit Ashley. Sein Junggesellenabschied ist angesetzt - und damit Alkohol in Massen. Im ländlichen Sussex scheint man es mit Promille-Grenzen noch nicht so ernst zu nehmen, weswegen Michael mit seinen vier Kompagnons sich motorisiert von Pub zu Pub vorwärts trinkt. Bis sie plötzlich mitten in der Ödnis halt machen. Direkt vor einer Grube. Michael weiß noch gar nicht, wie ihm geschieht, da liegt er schon in einem Sarg, ausgerüstet mit Whiskey-Flasche, Porno-Heftchen, Walkie-Talkie und einem kleinen Schlauch, um Luft zu bekommen. Er soll ja nicht gleich verrecken in seinem Grab, nur ordentlich leiden. Die Rache für all die Späße, die er, Michael, sich mit seinen Kumpeln erlaubt hat. Und wie er leidet. Mit Klaustrophobie liegt es sich nicht gut in einem Sarg, bedeckt mit ein paar Schaufeln Erde.

Allerdings fährt es sich auch nicht gut Auto nach einer solch alkohol-geschwängerten Aktion. Besonders nicht auf Sussex´ Landstraßen. Es scheppert, es knallt und für Michaels Freunde ist nicht nur der Abend beendet. Michael liegt irgendwo begraben im Niemansland, seine Freunde sind tot und das andere Walkie-Talkie ... nein, das bleibt dann doch nicht unterm Unfall-Schutt liegen sondern wird vom kleinen Davey gefunden. Der allerdings die Situation immerhin so falsch einschätzt, dass er glaubt, in ein spannendes Spiel gerutscht zu sein. Und gar nicht daran denkt, Michael könnte wirklich in einer lebensbedrohlichen Lage stecken.

Während sich Michael so mehr schlecht als recht mit Whiskey über Wasser hält - im wahrsten Sinne des Wortes, Sussex ist nicht gerade für seine Trockenheit berühmt - taucht dessen bester Freund und Geschäftspartner Mark auf, der wie durch einen dummen Zufall nicht am Junggesellenabschied hat teilnehmen können. Aber auch nicht wissen will, wo Michael liegt - Ein (erster) Fall für Detective Superintendent Roy Grace, der zwischen Trauer um seine wie vom Erdboden verschluckte Frau und mysteriöser Hilfe von Hellsehern und Wahrsagern erst spät einem wahrhaft teuflischen Plan auf die Spur kommt ...

Eine Leser-Tortur im positiven Sinne

Was Autor Peter James mit "Stirb ewig" konstruiert hat, ist fies, ist hinterhältig - und gnadenlos gut. Munter springt er von Perspektive zu Perspektive, vom verzweifelten DSI Grace über den nicht minder verzweifelten Mark bis hin zum nicht minder - lassen wir das. Michaels Lage möchte man sich nun wirklich nicht vorstellen. Und wenn dann noch der letzte Hoffnungsschimmer, der kleine Davey, sich als recht minderbemitteltes Kind herausstellt, will man sich nur noch an den Haaren Raufen - perfide, wie Peter James den Leser mitleiden lässt.

Dabei wandelt James zwischen den Genres und stößt hier und da an die Grenzen. Was wie ein Polizeiroman à la Rankin und Robinson beginnt, bekommt mit dem Motiv des lebendig begraben Werdens die Horror-Note eines Stephen King. Und ehe man sich versieht, steckt man mitten in einem actionreichen Thriller, der eher an Amerikaner wie einen Jeffery Deaver erinnern.

Die Kapitel sind kurz und jedes birgt eine Pointe. Selten ein Buch mit so vielen Wendungen gelesen! James´ roter Faden wird zur Zick-Zack-Linie, auf der er den Leser bis zum Ende nach 336 Seiten mitreißt. Und der darüber durchaus die Gefahr eingeht, das Essen auf dem Herd anbrennen zu lassen, die Bushaltestelle zu verpassen oder schlicht und einfach bis zum frühen Morgen durchzulesen.

Frische Ideen und eine Kinderkrankheit

"Stirb ewig" ist eine der überraschendsten wie erfreulichsten Thriller-Neuerscheinungen des Jahres. Wer nur halbwegs ein Faible für spannende Unterhaltung hat, wird nur schwer daran vorbeikommen. Genre hin, Schublade her: Die Mixtur macht´s. Purer Horror, ein gefährlicher Jugendschabernack, ein wenig Übernatürliches und schlussendlich jede Menge Action.

Da lässt es leicht verschmerzen, dass James´ Protagonist Roy Grace in seinem ersten Fall noch etwas blass daherkommt. Wir sehen´s optimistisch und sind überzeugt, dass ein Autor mit derart frischen Ideen diese Kinderkrankheit auch noch in den Griff bekommt.

Die Thriller-Geschmacksnerven sind wieder nachgewachsen. Freuen wr uns auf Roy Graces zweiten Fall.

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