Blutzeichen

  • Goldmann
  • Erschienen: Januar 2005
  • London: Little, Brown, 2004, Titel: 'The Burning Girl', Originalsprache
  • München: Goldmann, 2005, Seiten: 384, Übersetzt: Isabella Bruckmaier
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Jörg Kijanski
45°

Krimi-Couch Rezension vonFeb 2005

Lassen Sie sich kein X für U vormachen - hier ist Überblick gefragt

Mickey Clayton ist innerhalb von nur sechs Wochen das bereits vierte hochrangige Opfer aus dem Umfeld des Gangsterbosses Billy Ryan, dem offensichtlich eine konkurrierende Familie das Geschäft wegnehmen will. Dabei wurden alle Opfer mit einem Kopfschuss getötet, nachdem der Auftragsmörder ihnen zuvor ein "X" in den Oberkörper geritzt hat. Von der Polizei wird der Täter daher nur der "X-Man" genannt.

Vor 20 Jahren wurde ein Schulmädchen mit Benzin angezündet und lebensgefährlich verletzt. Es handelte sich jedoch um eine Verwechslung, denn das eigentliche Opfer sollte deren Freundin, die Tochter des damaligen Gangsterbosses Kelly sein. Gordon Rooker gestand damals die Tat und sitzt seitdem ein, doch Ex-Polizistin Carol Chamberlain erhält neuerdings Anrufe von einem Unbekannten der vorgibt, der wahre Täter zu sein. Sie bittet ihren Freund Tom Thorne um Hilfe, der eigentlich den "X-Man" jagen soll.

Nachdem bei einem Anschlag auf eine Videothek der Besitzer und dessen Frau sterben, ergibt sich für die Ermittler sehr schnell, dass die Zarif-Familie dem Ryan-Clan den Krieg erklärt hat. Da kommt es Thorne, der zwischen alle Fronten zu geraten droht, gerade recht, dass Rooker anbietet als Kronzeuge gegen Ryan auszusagen und nunmehr vorgibt, nicht der damalige Täter gewesen zu sein. Die Situation scheint gänzlich außer Kontrolle zu geraten als ein Undercover-Agent ermordet und ein weiteres Mädchen angezündet wird...

"Außer Kontrolle" ist auch eine gute Charakterisierung des vorliegenden Romans, denn erst nach rund 100 Seiten erlebt der Leser erstmals so etwas ähnliches wie eine gründliche Zeugenbefragung, die man bei den ganzen Ereignissen eigentlich schon etwas früher erwartet hatte. Doch weit gefehlt: Billingham lässt seinem Helden kaum Zeit, seine eigentliche Arbeit zu tun. Die Ereignisse wollen alle vorgestellt werden und anschließend erfolgen zumeist Brainstormings unter den Polizisten. Die Befragungen der Gangster-Bosse reduzieren sich im Wesentlichen auf Provokation und Small-Talk nach dem Motto "Mal sehen was als nächstes passiert, vielleicht kriegen wir sie ja dann". Andere Zeugen werden daher von vornherein großzügig ausgespart.

Wenig ausgereift ebenso die Konflikte Thornes mit seinem Vorgesetzten Tughan sowie die vermeintlichen Differenzen der beiden ermittelnden Einheiten. Lediglich bei den privaten Problemen Thornes mit seinem unter Alzheimer leidenden Vater und den Rivalitäten zwischen den Familien Zarif und Ryan um die Vorherrschaft im Bezirk vermag der Roman zu überzeugen.

Billingham hat leider völlig überzogen und bringt auf gerade einmal 412 Seiten neben den eingangs dargestellten (sowie diversen folgenden) Verbrechen auch noch ausführlich die Themen Brandopfer und Menschenschmuggel unter. Abgesehen von den zahlreichen Klischees vermag bei all dem Durcheinander auch keine wirkliche Spannung aufzukommen, da man ja versucht ist, den Überblick zu halten. Den hat der Autor scheinbar selber ein wenig verloren, zumindest geriet der "X-Man" bereits nach den Anfangsseiten des Buches in Vergessenheit...

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