Im Sog der dunklen Mächte

Erschienen: Januar 1995

Bibliographische Angaben

  • London: Viking, 1990, Titel: 'The Pale Criminal', Seiten: 288, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1995, Seiten: 285, Übersetzt: Hans J. Schütz
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1998, Seiten: 345
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000, Seiten: 345

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Jörg Kijanski
Kurzweilige Unterhaltung mit einer gewöhnungsbedürftigen Auflösung

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Nov 2003

Bernhard Gunther betreibt mit seinem Ex-Kontaktmann bei der Berliner Kripo, Bruno Stahlecker, eine Privatdetektei und erhält einen neuen Auftrag von der Inhaberin des Lange-Verlages, da diese von einem Unbekannten erpresst wird. Frau Langes Sohn Reinhard ist homosexuell und seine Liebesbriefe an seinen Freund Dr. Kindermann sind dem Erpresser in die Hände gefallen, der nun damit droht, diese an die Gestapo zu schicken, was für Reinhard vermutlich eine Einlieferung in ein Konzentrationslager zur Folge hätte. Gunther lässt sich daraufhin in die Klinik von Dr. Kindermann einliefern und erhält dort die Information, dass ein Pfleger namens Klaus Hering vor wenigen Wochen entlassen wurde. Bei der nächsten Geldübergabe verstärkt sich der Verdacht gegen Hering und Stahlecker übernimmt die Überwachung von dessen Wohnung.

Am nächsten Morgen wird Gunther um halb fünf von der Gestapo festgenommen, da sein Partner in der Nacht erstochen wurde. Nach einer Identifizierung der Leiche wird Gunther vom Chef der Berliner Kripo Arthuer Nebe, der Gunther erst kürzlich gebeten hat als sein Verbindungsmann zur Kripo zurückzukommen, zu SD-Chef Heydrich gebracht, der Gunther ebenfalls bittet, wieder für die Kripo zu arbeiten. Gunther zögert, da er zunächst den Mord an seinem Partner aufklären will.

Heydrich: "Trotzdem, nehmen wir einmal für den Augenblick an, dieses Hindernis sei beseitigt, wie würde Ihre Antwort lauten?"
Ich zuckte die Achseln: "Wenn ich, wie ich annehme, im Fall meiner Weigerung, meine Lizenz als Privatdetektiv verlieren würde..."
"Natürlich..."
"...Waffenschein, Führerschein..."
"Zweifellos würden wir einen Vorwand finden..."
"...dann würde ich mich vermutlich gezwungen sehen, anzunehmen."

Noch während des weiteren Gespräches erfolgt die Nachricht, dass der Mörder Stahleckers gefunden worden sei, allerdings soll sich Hering erhängt haben. Eine Untersuchung des Tatortes durch Gunther zeigt diesem jedoch, dass er offensichtlich auf Befehl Heydrichs umgebracht wurde.

Gunther kommt notgedrungen zur Kripo zurück und soll dort einen Serienmörder finden, der in Berlin sein Unwesen treibt, in dem er junge, blonde Frauen im Alter zwischen 15 und 16 Jahren vergewaltigt, umbringt und verstümmelt. Eine fünftes Mädchen wird bereits vermisst. Gunther stellt eine Sonderkommission zusammen und nimmt die Ermittlungen auf. Als kurz darauf der "Stürmer" eine Titelseite bringt, in der die Ermordung junger, deutscher Mädchen in fast identischer Weise dargestellt ist, gerät auch Julius Streicher, Gauleiter Franken, auf die Liste von Gunthers Verdächtigen. Doch beim nächsten Opfer kann ausgerechnet Gunther das Alibi von Streicher bezeugen...

"Im Sog der dunklen Mächte" spielt in der Zeit vom 26.08.-10.11.1938 und somit zwei Jahre nach Feuer in Berlin, dem ersten Band von Philip Kerrs "Gunther"-Trilogie. War bei "Feuer in Berlin" das Sprachniveau noch nahe dem Groschenroman, so hat sich Kerr im vorliegenden Band deutlich weiterentwickelt. Allerdings finden sich auch hier vereinzelt Textstellen, die einen fassungslos machen (vgl. Dialog auf Seite 163/164). Zum Verständnis dieses in sich abgeschlossenen Romans muss man den Vorgänger zwar nicht kennen, gleichwohl werden in zahlreichen Szenen die Ereignisse von damals fortgeführt bzw. in kurzen Rückblenden auf diese verwiesen. So erfährt der Leser beispielsweise, was aus Gunthers früherer Mitarbeiterin Inge Lorenz geworden ist. Zahlreiche Parteigrößen wirken im vorliegenden Teil ebenfalls mit. Natürlich einmal mehr SD-Chef Heydrich, aber auch Himmler und Streicher spielen eine nicht unwichtige Rolle.

Der geschichtliche Bezug ist wieder das eigentlich Interessante an einem Plot, bei dem verschiedene für die damalige Zeit relevante Themen wie (u. a.) Homosexualität, Geisteskrankheiten und Esoterik die Rahmenhandlung bilden, eingebettet in die Versuche Streichers, über den "Stürmer" den Juden die Verantwortung für zahlreiche Verbrechen in die Schuhe zu schieben und so endet der Roman nicht ganz zufällig mit der Reichskristallnacht. Besser dargestellt werden auch (im Vergleich zum Vorgänger) die Machtquerelen zwischen den beteiligten Parteigrößen bzw. deren Organisationseinheiten. Einmal mehr verwundert allerdings, wie Hauptakteur Gunther mit seinem schnoddrigen Mundwerk allzuoft ungestraft davon kommt. Bedenkt man, in welcher Zeit der Roman spielt, dürfte sich derartiges in der Realität wohl kaum abgespielt haben.

Die Zusammenführung der beiden oben genannten Handlungsstränge (Erpressung von Frau Lange und die Morde an den jungen Mädchen) ist Kerr gut gelungen, wenngleich sich an der Auflösung bzw. der Motivation der Täter die Geister scheiden werden. Es klingt zu phantastisch und dennoch, angesichts der unglaublichen Vorkommnisse im Dritten Reich (man denke nur an die Vererbungslehre), könnte es sich im Vorfeld der Reichskristallnacht genau so zugetragen haben.

Fazit: Eine deutliche Weiterentwicklung mit vereinzelten sprachlichen Aussetzern. Ansonsten kurzweilige Unterhaltung mit einer gewöhnungsbedürftigen Auflösung.

Im Sog der dunklen Mächte

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Letzte Kommentare:
05.12.2008 14:32:41
John

Auch hier die gleiche Kritik wie für das Erstlingswerk der Triologie: Unglaubwürdiger Umgang mit Nazigrössen! Ich denke auch, dass Berni diesen Fall in der Realität im KZ hätte zu Ende denken können.
Aber abgesehen davon handelt es sich bei Teil 2 wieder um einen spannenden Krimi, bei dem es immer wieder Spass macht, in ihm weiterzulesen. Wer historisch schmerzfrei ist, wird mit diesem Buch kein Problem haben, alle anderen...?
Einen etwas abgebrühteren Berni kann man dann allerdings in Teil 3 kennelernen.

11.09.2008 14:44:21
detno

Während die Zeit von 1933-1945 in Filmen häufig nur schwarz/weiss dargestellt ist, läuft hier der Plot farbig ab. Trotzdem wird an keiner Stelle die Schreckensherrschaft der Nazis verharmlost.
Einige Male wurde in den Kommentaren (auch oben bei Jörg Kijanski) angemerkt, dass bei der "offenen" Gesprächsführung des Bernhard Gunther dieser sehr schnell von der Gestapo abgeholt und dann auf Nimmerwiedersehen verschwunden wäre.
Richtig! Aber ich meine, nur so konnte Philip Kerr den Alltagsterror und die Ungeheuerlichkeit der NS-Zeit sehr anschaulich, aber kurz und bündig beschreiben. Wenn z.B. ein Nürnberger Kellner einem ihm unbekannten Gast (eben Gunther) die Schreckens- und Willkürherrschaft von Gauleiter Streicher schildert, dann sagen diese Sätze mehr über das NS-Regime aus als ellenlange Abhandlungen.
Mein einziger Kritikpunkt ist ganz anderer Art und nur von Berlin-Kennern nachzuvollziehen: Das spätere Mordopfer Brigitte Hartmann wollte am 23.05.1938 zum U-Bahnhof "Parchimer Allee" laufen und ist dort scheinbar nie angekommen. Kein Wunder, der Bahnhof wurde erst 25 Jahre später (1968) eröffnet.
Das beeinflusst aber keinesfalls meine 90° für diesen Krimi.

27.04.2006 13:57:55
Üw

Hey ronnie,
1. Hast du damals gelebt?
2. Schon mal was von künstlerischer freiheit gehört?
3. von Humor, der auch auf die böse Nazizeit bezogen werden kann? Schau dich mal in Israel um! Die können das. ( Und komm mir nicht mit "dürfen"!

21.06.2005 14:04:32
Ronni Reimann

Ärgerliches Buch. Als Krimi spannend, deshalbe werde ich es noch zu Ende lesen. Aber völlig unhistorisch. Was der Protagonist alles in Marlowe-Manier gegenüber Nazis und und nicht-Nazis äußerst, hätte ihn schon nach 20 Seiten im KZ Buchenwald verschwinden lassen. Kerr schreibt so, als ob es nur eine kleine Clique von bösen Nazis gegeben hätte und der Rest dagegen war oder zumindes nur Hohn und Spott für die Nazis hatte. Was leider überhaupt nicht stimmt.