Eiskalt

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • New York: Putnam, 2003, Titel: 'Stone cold', Seiten: 323, Originalsprache
  • Bielefeld: Pendragon, 2014, Seiten: 336, Übersetzt: Bernd Gockel

Couch-Wertung:

82°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91°-100°
1 x 81°-90°
0 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:90
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":1,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Jochen König
Ich wandere in die Nacht, es ist der Morgen, den ich fürchte

Buch-Rezension von Jochen König Feb 2014

Bei seinem vierten Auftritt bekommt es Polizeichef Jesse Stone mit einem "Thrill-Killer"-Pärchen zu tun und bemüht sich die drei Schuldigen einer Vergewaltigung zur Rechenschaft zu ziehen.

Gleichzeitig kämpft er gegen seine Alkoholabhängigkeit, besucht fleißig seinen Therapeuten Dix  und versucht seine Beziehung zu Ex-Frau Jenn auf die Reihe zu bekommen, wobei ihm Immobilienmaklerin Marcy und die beiden Anwältinnen Abby und Rita nicht nur körperlich immer wieder in die Quere kommen.

Was bei einem anderen Autoren zu einem höchst unerquicklichen Mix aus Serienkiller-Blutwurst und privater Nabelschau geraten könnte, wird durch Parkers meisterliches, lakonisches Understatement, gepaart mit kluger Beobachtungsgabe, zu einem so wenig plakativen wie spannenden Kriminalroman. Es herrscht eine latente Traurigkeit vor, die auch der gelegentlich vorkommende trockene Humor nie ganz beiseite wischen kann.

Jesse Stone ist bodenständiger als Parkers anderer und bekannterer Protagonist Spenser. Er begeht Fehler, selbst wenn er bei seinen Ermittlungen korrekte Schlüsse zieht. Seine Entwicklung zum Teamplayer geht nur schleppend vonstatten, auch wenn die Kollegen Molly  und Luther "Suitcase" Simpson an Profil gewinnen, bleibt Jesse Stone Mittelpunkt und individualistischer Entscheidungsträger. Was zu tödlichen Komplikationen führen kann. Glücklicherweise versagt Parker Jesse Stone (fast) jede Dirty-Harry-Attitüde. Er strebt nach Gerechtigkeit, lernt mit kleinen Siegen zu leben und Niederlagen wegzustecken. Wenn er doch einmal explodiert, geschieht das kurz, zielgerichtet und schmerzhaft für sein Gegenüber. Artet aber nicht in Hinrichtungsfantasien aus, was auch nicht zu Stone und seiner Rolle im und für das Gemeinwesen passen würde.

Parker stellt mit dem lustmordenden Killerpärchen den Typus des sich geistig überlegen glaubenden Serientäters vom Kopf auf die Füße. Denn mag die kriminelle Energie überdurchschnittlich sein, die Intelligenz der Mörder ist es nicht. Soziopathie, Arroganz und hohle Selbstbeweihräucherung führen gerne dazu, dass man seinen Gegner unterschätzt.

Es zeichnet Eiskalt aus, dass nicht nur dem Serienkillerpfad gefolgt wird, sondern die Vergewaltigung der sechzehnjährigen Candace ebenfalls im Fokus der Ermittlungen bleibt. Jesse Stone verteidigt diese Vorgehensweise stoisch und völlig zu Recht. Was die Darstellung diverser gesellschaftlicher und sozialer Implikationen erlaubt und mit einem unerwarteten, achselzuckenden Schlussakt endet. Nicht befreiend, aber realitätsnah und eindrücklich.

Wie der gesamte Roman. Parker zündet kein großes, buntes und lautes Feuerwerk ab, sondern hält seine Leser schnörkellos, gekonnt und – tatsächlich – mit leiser Poesie bei Laune. Feines Buch, das wie jeder der bisher auf Deutsch veröffentlichten Bände Lust auf die gesamte Jesse-Stone-Reihe macht.

Eiskalt

Eiskalt

Deine Meinung zu »Eiskalt«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
15.12.2014 19:44:01
Stefan83

Es ist ein Merkmal von Krimi-Serien, das mit fortschreitender Dauer und wachsender Anzahl der Titel, die Wahrscheinlichkeit immer größer wird, vom möglicherweise nächsten Fall enttäuscht zu werden, da sich die steigende Qualität naturgemäß auf die Erwartungshaltung eines Lesers auswirkt. Eine Bürde, welche auch der vierte Band aus Robert B. Parkers Reihe um den Polizeichef Jesse Stone, „Eiskalt“, tragen muss, der in Stil und Ton zwar durchaus an seinen äußerst lesenswerten Vorgänger anzuknüpfen weiß, dessen Esprit und Spannungsbogen jedoch nicht mehr durchgängig aufrecht erhalten kann. Damit pflegt der amerikanische Autor, der bereits im Januar 2010 verstarb, aber auch eine gewisse Tradition: Im Modus Operandi was das Schreiben betrifft sich stets treu geblieben, fehlte, insbesondere in Bezug auf die Spenser-Krimis, manchmal dann doch diese gewisse Konstanz, wenngleich man an dieser Stelle auch deutlich betonen muss – in der Ausarbeitung seiner Figur Jesse Stone zeigt sich Parker nochmal um einiges gereift.

Bei vielen seiner Leser gilt der kauzige Provinzcop, den Tom Selleck auch in mehreren Fernsehverfilmungen verkörperte, inzwischen ohnehin als der bessere Spenser. War der Bostoner Privatdetektiv noch eindeutig den Traditionen von Chandler und Hammett verhaftet und als zeitgemäße Fortsetzung des „Noir“-Genres konzipiert, ist Parkers jüngere Serie in gewissem Sinne als ein Zugeständnis an die Moderne zu verstehen – ohne dabei die Wurzeln, denen sich der Autor verbunden fühlte, leugnen zu wollen. Eine Mischung, die funktioniert und in deren Genuss wir dank des Pendragon Verlags nun endlich auch in Deutschland kommen.

Das Wort „Genuss“ darf, trotz oben bereits angedeuteter Kritik, auch im Zusammenhang mit „Eiskalt“ verwandt werden, da der im Original („Stone Cold“) bereits 2003 erschiene Titel zwar der bis hierhin schwächste Titel der Stone-Serie ist, die (leider) mehr etablierte Genre-Konkurrenz hierzulande aber in den meisten Fällen hinter sich lässt. Dies sei schon allein deswegen erwähnt, weil sich Parker gleich zwei Themen widmet, welche er in der Vergangenheit eher gemieden hat und die dem Krimi-Freund derzeit in immer billigeren und blutigeren Varianten in Buchhandlungen stapelweise präsentiert werden. Um das zu konkretisieren, sei die Story kurz angerissen:

Eine Mordserie hält die (fiktive) US-Kleinstadt Paradise in Atem: ein Jogger am Strand, eine Frau vor einem Einkaufscenter und ein Mann auf offener Straße. Getötet durch zwei Schüsse in die Brust aus kurzer Distanz. Parallel abgefeuert aus zwei verschiedenen Waffen. Und damit enden auch die Gemeinsamkeiten der Morde. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Opfer sich kannten. Was also ist das Motiv? Polizeichef Jesse Stone steht vor einem Rätsel und angesichts des stetig wachsenden Medienaufkommens auch unter öffentlichem Druck. Weitere Morde kann er sich nicht leisten – er muss die Täter fassen. Und zwar so schnell wie möglich...

Was erst einmal wie der typisch abgeschmackte „Serienkiller-nimmt-Ermittler-ins-Visier“-Plot klingt, umschifft das Mainstream-Allerlei mit der wie üblich stilsicheren Routine, die halt nur ein Robert B. Parker auf Papier zu bringen weiß. Wer also bei der Lektüre des Klappentexts Angst bekommen sollte, einen weiteren drögen Schlitzer-Thriller im Ami-Style präsentiert zu bekommen, dem sei diese sogleich genommen. Zynisch, knapp und mit herrlich lakonischen Dialogen gewürzt zieht die Story recht schnell in den Bann, welche sich in erster Linie auf Jesse Stone konzentriert und nur in kurzen Ausschnitten auch einen Blick auf die anderen Charaktere wirft. Das hat Vor- und Nachteile, denn gerade der Weiterentwicklung seines privaten Lebens – seine Alkoholabhängigkeit und die äußerst seltsame „Nicht“-Ehe mit Ex-Frau Jenn sind wieder äußerst präsent – wird in manchen Passagen der Spannungsbogen dann doch zu arg geopfert. Zumal Weiterentwicklung einen weit größeren Schritt ankündigt, als Stone ihn in Wirklichkeit geht. Der sehr gelassene, in sich ruhende und sture Cop beharrt, trotz Sprechstunden beim Psychologen, stur auf seinem Standpunkt, der Liebe zu seiner Ex – die ihn jedoch nicht davon abhält, in schöner Regelmäßigkeit mit jeder sich bietenden Frau in die Kiste zu steigen. Es ist Parkers großes Verdienst, dass er es trotzdem irgendwie schafft, dass dieser Womanizer und eiskalte Hund trotzdem so menschlich daherkommt.

Einen Fehler macht er dennoch. Und dieser ist gerade bei Kriminalromanen eigentlich unverzeihlich. Er lässt Stone an keiner Stelle die Kontrolle über das Geschehen verlieren. Sicher, kleine Fehler baut er auch diesmal wieder, doch wird an keiner Stelle im Buch ein Gefühl der Gefahr oder Bedrohung kreiert, da seine Gegenüber ihm augenscheinlich nicht gewachsen sind und Stone, der selbst ins Visier des Killerpärchens gerät, weiterhin gänzlich in sich ruht. Coolness gut und schön – aber gerade die hier im weiteren Verlauf geschilderten Schicksalsschläge und Niederlagen sollten auch an einem so gelassenen Gemüt wie dem von Stone mehr rütteln. Was für andere Krimis jetzt der Genickschlag wäre, ist in „Eiskalt“ tatsächlich aber nur ein Schönheitsfehler, der dem Lesevergnügen letztlich nicht abträglich ist. Auch weil Parker zweigleisig fährt und neben der Jagd nach den Killern (die Idee durch Mord einen Kick beim Sex zu bekommen fand ich durchaus interessant geschildert; die nach außen gelebte Normalität der beiden unheimlich erschreckend) den Vergewaltigungsfall nicht aus den Augen verliert. Stoisch versucht er Gerechtigkeit für die junge Candace zu erreichen oder ihr zumindest den Spaß am Leben in gewissem Maß zurückzugeben. Parker gelingt dieser Balanceakt zwischen Sozialkritik und juristischen Fallstricken hervorragend. Im Verbund mit dem durchgehend melancholisch-traurigen Ton von „Eiskalt“ sorgen sie für die Realitätsnähe, welche der Krimi-Konkurrenz oftmals abgeht.

Wer sich jetzt fragt, ob das als Kaufargument reicht, dem sei eindrücklich mit „Ja“ geantwortet. Trotz gewisser Abnutzungserscheinungen und einem latent vorhandenen Gefühl der Vorhersehbarkeit – „Eiskalt“ unterhält doch einmal mehr gekonnt und unaufgeregt, so dass die knapp 350 Seiten schnell durchgeschmökert sind – und wir uns auf den nächsten Band der Jesse-Stone-Reihe freuen dürfen.

In diesem Sinne: Ich bin weiterhin „Stoned“ und hätte dann gerne mehr, lieber Pendragon Verlag.

13.07.2014 19:33:01
tassieteufel

Paradise wird von einer Reihe scheinbar zusammenhangloser Morde erschüttert. Kurze Zeit hintereinander werden auf 3 Menschen tödliche Schüsse abgefeuert, eines der Opfer ist Jesse Stones Freundin Abby Taylor. Da es keinerlei Hinweise auf eine Verbindung zwischen den Ermordeten gibt, steht der Polizeichef vor einem Rätsel, nur eins scheint klar zu sein. Der Mörder wird weiter machen, also muß Jesse Stone ihn so schnell wie möglich fassen.

Wie in allen Jesse Stone Krimis, so hat der Polizeichef auch diesmal gleich 2 Fälle parallel zu lösen, neben der Mordserie hat es Jesse noch mit einem Vergewaltigungsfall einer Schülerin zu tun, den er genauso verbissen und zielstrebig verfolgt wie die Suche nach dem Serienmörder. Sehr gut hat mir in diesem 4. Teil gefallen, dass Stones Privatleben nicht so sehr in den Vordergrund rückt wie im Vorgänger, zwar sind Jesses Alkoholprobleme und sein seltsames Verhältnis zu Exfrau Jenn immer präsent und es gibt in beiden angelegenheiten auch eine Weiterentwicklung, aber diesmal wird mehr ermittelt und gerade in dem Vergewaltigungsfall zeigt sich Jesses Hang zu unkonventionellen Methoden und sein Einfühlungsvermögen dem jungen Mädchen gegenüber. Ohne das Opfer öffentlich bloß zu stellen gelingt es am Ende die Täter zu überführen, wenn auch die Strafe am Ende nicht wie gewünscht ausfällt. Und natürlich werden auch die Serienmorde auf ungewöhnliche Weise aufgeklärt, indem Jese Stone selbst zur Zielscheibe wird.
Wie gewohnt ist Robert B. Parkers Schreibstil knapp, prägnant und von trockenem Humor durchzogen, der gerade in den Dialogen offensichtlich wird. Bei aller Spannung und Brisanz beider Fälle kann man sich gerade bei den prägnanten und genau pointierten Dialogen ein Grinsen oftmals nicht verkneifen und gerade diese Gespräche spiegeln Jesse Stones eigenbrötlerisches, halsstarriges und auch zielstrebiges Wesen gekonnt wieder.
Wohltuender Weise verzichtet der Autor auf bluttriefende Gemetzel und unnötige Action, das zeichnet alle Jesse Stone Krimis aus, das man trotzdem einen spannenden Krimi geboten bekommt, liegt an der Kombination aus ungewöhnlicher Hauptfigur, realitätsnah und sozialkritisch geschilderten Fällen und der unaufgeregten Erzählweise des Autors.

FaziT: nach dem grandiosen Einstieg „Das dunkle Paradies„ ist „Eiskalt“ für mich der bisher beste Teil der Reihe! Schnökellos und lakonisch erzählt, bekommt man hier einen Krimi der Extraklasse.