Terror auf Stiles Island

Erschienen: Januar 2013

Bibliographische Angaben

  • New York: Putnam, 1998, Titel: 'Trouble in paradise', Seiten: 324, Originalsprache
  • Bielefeld: Pendragon, 2013, Seiten: 320, Übersetzt: Bernd Gockel

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Stefan Heidsiek
No man is an island

Buch-Rezension von Stefan Heidsiek Dez 2012

Nein, zu Begeisterungsstürmen lädt Terror auf Stiles Island, der zweite Band aus der Reihe um Polizeichef Jesse Stone, nicht ein – dies liegt allerdings nicht unbedingt an mangelnder Qualität, als vielmehr an der Tatsache, dass Robert B. Parker, dessen lakonisch-unaufgeregter Stil ohnehin charakteristisch ist, hier in Punkto Tempo nochmals einen Gang zurückgeschaltet und dem rahmengebenden "Hardboiled"-Plot zu großen Teilen der Figurenzeichnung geopfert hat. Vom im Titel angekündigten Terror kann somit, trotz einer Reihe finsterer Gegenspieler, über weite Strecken nicht die Rede sein. Das als Info für diejenigen Leser vorangestellt, welche einen guten Spannungsroman in erster Linie an adrenalingeschwängerter Action oder bluttriefenden Folterszenen festmachen. Diese dürften an Parkers klassischer Erzählweise nur wenig Gefallen finden. Vielleicht auch ein Grund, warum der inzwischen verstorbene US-Autor auf dem deutschen Buchmarkt nie so recht Fuß fassen konnte. Parker-Fans wird es egal sein - Terror auf Stiles Island bietet einmal mehr gute, weil altbewährte Kost.

Kurz zur Handlung: Jesse Stone, ehemals Polizist bei der Mordkommission in Downtown LA, hat mit seinem knallharten Durchgreifen gegen die instrumentalisierte Bürgermiliz (siehe "Das dunkle Paradies") in der beschaulichen Kleinstadt Paradise für klare Verhältnisse gesorgt. Seine Kritiker sind größtenteils verstummt und die Bewohner mit Stones wortkarger Art inzwischen vertraut geworden. Dennoch gibt sein schroffes Verhalten immer noch Fragen auf. Insbesondere Abby Taylor, die attraktive Staatsanwältin, sucht Abstand, was Stone, der seine Beziehung zu der ebenfalls nach Paradise gezogenen Ex-Frau Jenn immer noch nicht geklärt hat, direkt in die Arme der heißblütigen Immobilienmaklerin Marcy Campbell treibt. Und als wären drei Frauen nicht schon Probleme genug, sieht er sich nun auch noch mit einem Fall von Brandstiftung konfrontiert. Die Opfer: Ein schwules Pärchen. Die vermeintlichen Täter: Drei stadtbekannte jugendliche Straftäter, welche dank einflussreicher Eltern dem Zugriff des Gesetzes schon desöfteren entgangen sind.

Unter Stone laufen die Dinge jedoch anders. Entgegen der Empfehlungen seiner Kollegen zerrt er die drei Verdächtigen aufs Revier, um sie in einem geschickten Verhör zu einem Geständnis zu bringen. Und während die Rufe nach seinem Rücktritt plötzlich schon wieder lauter werden, droht von anderer Seite weit größere Gefahr.

Eine Bande von Gangstern, angeführt vom gerade aus dem Knast entlassenen Adrenalinjunkie "Jimmy" Macklin, plant einen gewagten Coup: Stiles Island, Rückzugsort der reichen High Society und nur durch eine Brücke mit dem Festland und der Stadt Paradise verbunden, soll komplett ausgeräumt werden. Doch da haben sie die Rechnung ohne Jesse Stone gemacht...

Man kann ja von Robert B. Parker Geschichten halten was man will – literarisch war, ist und bleibt er eine Klasse für sich. In seinen Romanen ticken die Uhren weiterhin noch wie zu Chandlers Zeiten, sind Handys und Computer die einzigen Zugeständnisse an die Moderne. Unnötiges Beiwerk, zum Beispiel die heutzutage allgegenwärtigen forensische Untersuchungen, spart er sich genauso wie größere Ausschmückungen der emotionalen Befindlichkeiten seiner Protagonisten. Stattdessen lässt er die Figuren sich durch ihre Handlungen selbst erklären, geben kurze, knappe und haargenau getimte Dialoge kurze Einblick in ihre Gefühlswelt. Parker schabt aber lediglich an der Oberfläche, ordnet alles der schnörkellosen Federführung unter, mit der zielgerichtet und beinahe zwangsläufig der Plot vorangetrieben wird. Ohne Abzweigungen, Umwege oder Abkürzungen. Es ist diese "fettfreie" Art des Schreibens, welche Parker zwar zu einem stilistischen Fossil im Genre des Kriminalromans macht, seinen Werken aber auch stets diese Aura der Souveränität verleiht. Ganz wie bei seinen Kollegen Richard Stark oder Elmore Leonard wird kein scharfkantiger, serpentinenartiger Spannungsbogen in die Handlung gezimmert, sondern stattdessen der Weg zum Ziel erklärt.

Herausgekommen ist ein kühler, lässiger "Hardboiled-Police-Procedural"-Mischling, dessen melancholische Atmosphäre vor allem vom Hauptprotagonisten aufrecht erhalten wird, der hier einmal mehr mit den Dämonen seiner Alkoholsucht und den Verlockungen des weiblichen Geschlechts zu kämpfen hat. Seine unerschütterliche Ruhe, die selbst in Zeiten großer Gefahr nicht ins Wanken gerät, bestimmt das Tempo des Romans, der sich, noch mehr als im Vorgänger, einen ziemlich langen Vorlauf genehmigt, bis es zum im Klappentext angedeuteten Aufeinandertreffen von Gut und Böse kommt. An diesem Punkt muss sich Parker auch etwas Kritik gefallen lassen. Wenngleich die prologartige Einleitung Neueinsteigern entgegen kommen dürfte – Kennern bzw. Viellesern des Genres verlangt es hier vielleicht ein bisschen zu viel der Geduld ab. Und auch das "Femme-Fatale"-Element hat der Autor angesichts der vielen schenkelschwenkenden Schönheiten vielleicht etwas überreizt.

Das man sich trotzdem nicht gähnend den Kiefer ausrenkt, liegt schlichtweg am Rhythmus des Buches, der wie ein gut geschmierter Acht-Zylinder voranschnurrt, ohne unnötig oft das Gas- oder Bremspedal zu treten. Am Ende geschieht dann wenig Überraschendes, bleibt ein Showdown mit Dauerfeuer aus. Stattdessen ein einziger Schuss, ein schneller Tod und ein Boot das sich im Dunkel der Nacht verliert.

Insgesamt ist Terror auf Stiles Island ein typischer Robert B. Parker. Unspektakulär, unaufgeregt und doch seltsamerweise trotz fehlender Highlights fast unmöglich aus der Hand zu legen. Gute, solide, stimmige Unterhaltung und ein erfrischender Kontrast zum modernen Krimi-Angebot. Auch die weiteren Bände werden mit Sicherheit in mein überfülltes Bücherregal wandern.

Terror auf Stiles Island

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Letzte Kommentare:
26.08.2018 21:18:52
OHombre

Terror auf Stiles Island ist der 2. Jesse Jones stones Roman, den Robert B Parker geschrieben hat. Er erschien 1998.
Die Story:
Eine Bande Krimineller hat sich in den Kopf gesetzt, auf der kleinen Paradise vorgelagerten Insel Stiles Island den Raubzug des Jahrhunderts durchzuführen. Begünstigt wid das Unterfangen durch die topographische Lage der Insel - die Insel ist nur über eine Brücke und per Schiff über einen einzigen Anleger erreichbar, im übrigen ist die Küste um die Insel herum felsig, sodass sie vom Wasser aus nicht zu erreichen ist. Aufgrund dieser topographischen Situation und weil sich viele Wohlhabende auf die Insel zurückgezogen haben, zieht die Insel eine Bande Krimineller geradezu magisch an. Die Insel gehört zu Paradise, einem relativ verschlafenen Nest im Norden Amerikas mit einer nur kleinen Polizeistation, dessen Chef Jesse Stone ist. Der Coup wird sorgfältig geplant. Während dessen ist Jesse Stone derart intensiv mit seinen persönlichen Beziehungsproblemen beschäftigt, dass er zunächst nicht merkt, was sich um ihn herum zusammenbraut. Als der Cou dann startet und die Gangster unter anderem auch die Immobilienmaklerin Marcy Campbell als Geisel nehmen und der egozentrische Gangsterboss Kontakt mit Jesse aufnimmt wird die Dimension dessen, was auf der Insel geschieht auch für Jesse Stone klar und es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, um auf die abgeschottete Insel zu gelangen und um die Geiseln zu befreien.
Fazit
Auch der 2. Jesse Stone Roman zeichnet sich nicht durch viel Action und atemlose Spannung aus. Im Vordergrund stehen vielmehr tiefgreifende Beziehungsprobleme des Protagonisten sowie die Schilderung der kleinstädtischen Atmosphäre sowohl auf dem Polizeirevier als auch im Ort selbst. Gerade dies macht die Stärke dieser Krimireihe aus. Sie lebt mehr von den atmosphärischen schilderungen des Autors als von rein vordergründiger. effekthascherischer Action. Trotzdem wird die Geschichte durchweg spannend und kurzweilig erzählt, was wiederum dem erprobten Stil des Autors, der die Geschichte mit vielen Dialogen vorantreibt und den Roman selbst in knappe Kapitel unterteilt hat, zu verdanken ist.
Und wieder überzeugt der Charakter und die Bodenständigkeit der Hauptfigur, mit der es sich als Leser leicht identifizieren lässt.

25.02.2014 10:55:52
vifu

Leider hab ich soeben diesen Jesse Stone-Band gerade ausgelesen! Kein Neuer in Sicht! Sehr schade! Auch wenn dieser erst ganz langsam daher kommt, hat er mich gleich nach den beiden ersten Kapiteln gepackt. Wie die Krimi-Rezension von Stefan Heidsiek schon ausdrückt, simpel, geradlinig ist einfach schön und auch spannend!
Daher warte ich auf die restlichen Übersetzungen und freue mich auf diese Art der old fashioned Krimiliteratur.

04.08.2013 12:57:59
tassieteufel

Inzwischen hat sich Jesse Stone, der Großstadtcop, im beschaulichen Örtchen Paradiese in Massachusetts eingelebt. Zwar trinkt er immer noch zu viel und auch Ex-Frau Jenn läßt ihn immer noch nicht kalt, vor allem weil sie seit neuestem in Boston lebt und als Wetterfee für einen örtlichen TV Sender arbeitet, doch es gibt einige andere Frauen in seinem Leben und der Posten als Polizeichef ist im Großen und Ganzen recht entspannt. Während Jesse sich mit 3 jugendlichen Brandstiftern herum ärgert, ahnt er nicht, dass eine clevere Gangsterbande auf der Paradiese vorgelagerten Insel Stiles Island einen großen Raubzug plant.

Der 2. Jesse Stone Krimi des Autors Robert B. Parker startet diesmal recht gemächlich. Parker nimmt sich viel Zeit für Jesses kompliziertes Gefühlsleben und sein etwas unklares Verhältnis zu seiner Ex-Frau, die ja nun ebenfalls an der Ostküste aufgetaucht ist. Der starke Einstieg des 1. Bandes der Reihe, in dem Stones Autofahrt quer durch den Kontinent beschrieben wird, wird daher in diesem Teil nicht erreicht, langweilig wird es trotzdem nicht, da im Wechsel zu Jesses Privatleben noch der Fall der jugendlichen Brandstifter behandelt wird, den Stone auf seine ganz eigene Weise klärt und sich damit wieder ein paar Feinde macht. In einem weiteren Erzählstrang kann der Leser verfolgen, wie Jimmy Macklin, der gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, den Raub auf Stiles Island plant und seine Bande rekrutiert. Die Täter sind also hier von Anfang an bekannt, so dass es in dieser Richtung keine Überraschungen gibt und bis nahezu zum Schluß laufen beide Erzählstränge nebenher, bis sie dann mit ein paar ungeahnten Wendungen am Ende zusammen geführt werden. Atemlose Spannung findet hier man also nicht, ebenso wenig einen großen Showdown mit einer Hetzjagd und viel Geballer, viel mehr zieht sich der Reiz des Buches aus Parkers lakonischem, prägnanten Schreibstil, ohne ausufernde Beschreibungen und seitenfüllendes Beiwerk kommt er treffend und punktgenau zur Sache. Ebenso kurz und bündig sind seine oftmals mit feinem Humor durchzogenen Dialoge. Die melancholische Grundstimmung des 1. Bandes wird hier aufrecht erhalten und auch wenn „Terror auf Stiles Island“ in den Verfilmungen mit Tom Selleck nicht umgesetzt wurde, so hatte ich beim Lesen doch immer die stimmungsvollen Bilder der Landschaft Neuenglands aus dieser Filmreihe im Hinterkopf.

FaziT: unaufgeregt und geradlinig läßt Robert B. Parker Jesse Stone seinen 2. Fall in Paradiese durchziehen und brilliert wieder mit seinem prägnanten, bündigen Schreibstil und einem tiefen Einblick in die Gefühlswelt seiner Hauptfigur, die allerdings in seiner Ausführlichkeit doch etwas zu Lasten des Krimifalles geht. Insgesamt solide Krimiunterhaltung mit einer interessanten Hauptfigur, die Lust auf mehr macht!