Bei Einbruch der Nacht

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Aufbau, 2005, Seiten: 336
  • Berlin: Aufbau, 2002, Seiten: 336
  • Paris: Viviane Hamy, 1999, Titel: 'L'homme à l'envers', Originalsprache
  • Berlin: Aufbau, 2000, Seiten: 336, Übersetzt: Tobias Scheffel
  • Berlin: DAV, 2009, Seiten: 4, Übersetzt: Suzanne von Borsody

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Peter Kümmel
Selbst für Fred Vargas ungewöhnlich

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Ungewöhnliche Krimis ist man von Fred Vargas gewohnt. Ihre Bücher sind ausnahmslos originell und ungewöhnlich. Doch "Bei Einbruch der Nacht" passt selbst in das Schema der übrigen ihrer Romane nicht hinein. Die Autorin hat ein "Rod-Muwie" erschaffen, das eine breite Palette von Themen umfasst.

Zu einem "Rod-Muwie" - wie es der junge Soliman aus dem Begriff "Road-Movie" aufgeschnappt hat - , oder besser gesagt einer "Road-Story" brechen drei Personen auf:

  • die junge Camille, Komponistin für Fernsehserien und passionierte Leserin von Werkzeugkatalogen, die bereits in "Es geht noch ein Zug von der Gare du Nord" als Freundin von Kommissar Adamsberg einen Auftritt hatte;
  • der Schwarzafrikaner Soliman, der als Baby in einem Korb vor der Kirche eines kleinen französischen Alpendorfs ausgesetzt wurde und von der Schafzüchterin Suzanne Rosselin aufgezogen wurde;
  • und der "Wacher", der alte Schäfer von Suzanne, der nicht nur über die Schafe wacht.

Gemeinsam machen sich die drei auf die Verfolgung eines Werwolfs. Das glauben zumindest die Bewohner des Dorfes. Für sie ist klar, dass es Massart sein muß, der für die gerissenen Schafe verantwortlich ist, die in der Gegend des Dorfes gefunden wurden und der jetzt auch sein erstes menschliches Opfer gefunden hat: Suzanne Rosselin wurde mit zerrissener Kehle in ihrem Stall aufgefunden und allmählich glaubt man nicht mehr, dass es sich bei der Bestie um einen streunenden Wolf handelt, sondern daß sich Massart für die Taten eines gezähmten Wolfes bedient.

Aufgrund einer Landkarte, die sie in Massarts Wohnung gefunden haben, kennen sie seinen Weg, doch sie kommen immer etwas zu spät.

Fernab vom gewohnten Paris beginnt die Handlung in einem kleinen Alpendorf. Zwischen Schafen und Wölfen hat Fred Vargas ihre wie gewohnt ungewöhnlichen und gut herausgearbeiteten Charaktere angesiedelt. Und wie immer lebt ihre Geschichte von den Dialogen und den ungewöhnlichen Methoden ihrer Ermittler. Erst in der zweiten Hälfte des Buches taucht hier einer der bekannten Figuren der Autorin auf: Kommissar Jean-Baptiste Adamsberg, der aus den Pyrenäen stammt und normalerweise in Paris auf Verbrecherjagd geht.

 

"So suchte Adamsberg Ideen: er wartete ganz einfach auf sie. Wenn eine von ihnen vor seinen Augen auftauchte wie ein toter Fisch, der an die Wasseroberfläche steigt, dann sammelte er sie ein und untersuchte sie, um zu sehen, ob es sich um etwas Brauchbares handelte, das für ihn von Interesse war. Adamsberg dachte nie nach, er begnügte sich damit, zu träumen und dann die Ernte zu sichten, so wie jene Fischer mit ihren Fangnetzen, die mit schwerer Hand auf dem Grund ihres Netzes inmitten von Steinen, Algen, Muschelschalen und Sand nach der Garnele suchen. Es gab nicht wenig Steine und Algen in Adamsbergs Gedanken, und es kam nicht selten vor, dass er sich darin nicht zurechtfand. Er mußte viel wegwerfen, viel aussortieren. Ihm war bewußt, dass sein Geist ihm eine wirre Zusammenballung verschiedenster Gedanken vorsetzte und daß das nicht unbedingt bei allen anderen Menschen genauso funktionierte. Er hatte bemerkt, dass zwischen seinem Denken und dem seines Stellvertreters Danglard derselbe Unterschied bestand wie zwischen dem Grund eines Fangnetzes voller Plunder und der ordentlichen Auslage eines Fischhändlers. Was konnte er dafür? Schließlich und endlich zog er ja etwas daraus hervor, wenn man die Güte hatte zu warten. Auf diese Weise verwandte Adamsberg sein Hirn wie ein weites, nährendes Meer, in das man sein Vertrauen gesetzt hat, das man aber schon vor langer Zeit zu bändigen aufgegeben hat."

 

Lange Zeit geht die Handlung nur schleppend vorwärts. Der Leser weiß nicht recht, was er von diesem noch unorthodoxeren Vargas-Krimi halten soll, denn die Lösung scheint eindeutig zu sein. Obwohl man von Vargas überraschende Auflösungen erwarten kann, fehlen hier fast die Optionen für eine solche, aber Fred Vargas hat sich trotz allem noch Möglichkeiten offen gelassen und es kommt am Ende doch wieder alles anders, als man denkt.

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