Silentium

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1999, Seiten: 222, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000, Seiten: 222, Originalsprache
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2004, Seiten: 3, Übersetzt: Wolf Haas, Bemerkung: gekürzt

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Odile Odile
Haas - geschätzt oder verabscheut, aber kalt lässt er niemanden

Buch-Rezension von Odile Odile Mai 2003

Privatdetektiv Brenner, Haas´ eher unsympathischer Antiheld wird nach Salzburg gerufen. Im dortigen katholischen Internat soll er Beweise für die lupenreine Vergangenheit eines früheren Lehrers und jetzigen Bischofskandidaten finden. Dieser wird von einem ehemaligen Internatszögling der sexuellen Übergriffe bezichtigt. Das darf natürlich nicht sein!

Brenners Auftragsgeber sind daher sehr erleichtert als die zerstückelte Leiche des Anklägers gefunden wird. In der Nähe des Fundorts hat sich "praktischerweise" gleich ein Landstreicher erhängt - damit scheint alles klar: Mörder von Gewissensbissen und Reue überwältigt, hat sich selbst gerichtet. Brenner, dessen hervorstechendste Eigenschaft seine unglaubliche Langsamkeit ist, glaubt nicht an diese Lösung. Dazu stösst er auf zu viele Ungereimtheiten. Und er behält recht. Der nächste, wenig appetitliche, Todesfall lässt nicht lange auf sich warten...

Österreich, Salzburg, ja auch die Kirche kriegen ihr Fett weg

Die Salzburger Festspiele spielen hier eine wichtige Nebenrolle. Der Autor ist mit Anspielungen (Fall Groer) und Seitenhieben nicht gerade sparsam. Weder Österreich, Salzburg oder die Kirche, noch die Festspiele bleiben verschont.

Haas´ Sprache und Stil sind ungewohnt. Mit Vorliebe lässt er die Verben weg und bedient sich einer derben Ausdrucksweise. Der Leser wird direkt angesprochen und nicht besonders höflich behandelt. Die Geschichte ist skurril bis verworren, aber trotzdem unterhaltsam. Haas liebt Andeutungen und Wortspiele, z. B. heisst der Kuppler in diesem Krimi Dr. Phil Guth in Anlehnung an den Slangbegriff Dr. Feelgood.

Der Autor scheut das Grauen und Geschmacklosigkeiten nicht, selten findet man seine Leichen in einem Stück. Haas ist bissig, boshaft und kultiviert seinen ungewöhnlichen Stil: "Umgekehrt für einen Detektiv Langeweile oft nicht das Schlechteste. Weil nur aus der Langeweile kommen die besten Gedanken."

Brüder im Geister? Brenner und Wachtmeister Studer

Haas Krimis spielen bevorzugt in Österreich, im vorliegenden Fall in Salzburg. Man spürt, er kennt Land und Leute ganz genau. Der Autor spart Sozialkritik nicht aus, obwohl neben dem mörderischen Geschehen, Lokalkolorit und Situationskomik im Vordergrund stehen. Sein Detektiv Brenner erinnert mich ein bisschen an den Wachtmeister Studer von Friedrich Glauser.

Nach einer kurzen Einlesephase habe ich mich an Stil und Sprache gewöhnt. Mittlerweile bin ich ein Fan des Autors, der allerdings nichts für zartbesaitete Gemüter ist. Ich bin überzeugt, an Wolf Haas und seinen Krimis scheiden sich die Geister. Entweder man schätzt oder man verabscheut ihn, aber kalt lässt er niemanden!

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