Das ewige Leben

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2003, Seiten: 222, Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 2004, Seiten: 220, Originalsprache
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2006, Seiten: 204, Originalsprache
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2005, Seiten: 204, Originalsprache

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Peter Kümmel
Nicht für jeden was, aber von allem was drin

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Krimi-Couch-Volltreffer April 2003

Ja, der Wolf Haas, mit der Sprache so seine Schwierigkeiten, weil Prädikat geht halt öfter mal vergessen. Da muß man sich schon erst mal gewöhnen dran. Wenn Du einen Haas liest, das nicht so wie ein gewöhnlicher Krimi. Nein, so ein Haas hat schon was eigenes. Da muß man schon ein wenig ding sein im Kopf. Und ich bin sicher ziemlich ding im Kopf, doch ging mir das Buch wirklich nicht leicht von der Hand, will sagen, von den Augen in Kopf rein.

Doch will ich Euch erst mal erzählen, was in dem Wolf Haas seinem "ewigen Leben" überhaupt so vorkommt, weil erst dann kann man den Brenner so richtig kennen. Der Detektiv Simon Brenner früher mal bei der Polizei gewesen. Jetzt wacht er am Neujahrsmorgen in der Klinik auf und lebt noch. Das mag ja an und für sich noch nichts ungewöhnliches sein, wirst Du sagen, dass einer am Neujahrsmorgen aufwacht und noch lebt. Der Brenner aber war ein ganz Hoffnungsloser gewesen, weil er hat eine Kugel im Kopf gehabt. Nun hat jeder geglaubt, der Brenner wollte sich selber umbringen, weil Abschiedsbrief und so, nur der Brenner selber hat das nicht geglaubt, weil er hat so eine Erinnerung, und da hat er den Aschenbrenner mit einer Pistole gesehen.

Ein Kripo-Chef, der Banken überfällt

Der Heinz Aschenbrenner jetzt der Kripochef von Graz. Früher auf der Polizeischule, da waren sie alle Kumpels. Der Brenner, der Aschenbrenner, der Köck und der Saarinen. Und aus Jux haben sie damals zusammen eine Bank überfallen. Als sich da beim Saarinen ein Schuß gelöst hat, in der ganzen Hektik auf der Flucht haben sie dann das Geld gleich wieder verloren und der Saarinen mit seinem Motorrad sogar sein Leben, weil die Ampel. Der Aschenbrenner, weil er heute der Kripochef, will natürlich jetzt von der ganzen Sache nichts mehr wissen. Alle vier haben sie Walther-Pistolen gehabt, und so eine Kugel aus so einer Walther haben sie beim Brenner aus dem Kopf rausgeholt. Und mit dem Köck hat er vorher noch blöd dahergeredet, dass sie den Kripochef mit der Geschichte fertig machen könnten. Und dann hat der Kripochef ihn fertig gemacht.

Als es dem Brenner dann langsam wieder besser gegangen ist, hat er sich am Faschingsdienstag aus der Klinik davon gemacht, weil da ist er beim Faschingsumzug mit seinem Verband nicht so aufgefallen. Mit dem Sehen hat er noch Probleme gehabt, weil mit einem Auge alles grün, mit dem anderen alles rot. Der Köck jetzt der Hausmeister vom Schwarzenegger-Stadion. Und den Köck hat er dann auch gleich gefunden. Doch der hat jetzt auch ein Loch im Kopf gehabt. Und wie der Brenner ihm gerade die Kugel aus dem Kopf rausoperieren will, da ist einer gekommen und der Brenner musste flüchten.

Kugel aus Brenners Kopf - Schlaganfall

Dann ist er zum Aschenbrenner gefahren und hat dem die Kugel aus dem Köck seinem Kopf gezeigt. Hat der Aschenbrenner jedenfalls gedacht, weil in Wirklichkeit die Kugel aus dem Brenner seinem eigenen Kopf. Das ist dem Aschenbrenner nun überhaupt nicht bekommen, weil er darauf gleich einen Schlaganfall gekriegt.

Das Buch wird von einem fiktiven Erzähler erzählt, der den Leser zwischendurch immer wieder direkt anspricht. Obwohl doch der Erzähler immer nahe beim Brenner dran ist, bleibt er doch unbekannt. Bis zur letzten Seite. Und als das Buch aufhört - nicht als es zu Ende ist -, weil es hört einfach so auf, da erfährt man dann auch, wer der Erzähler ist.

Von was das Buch am allermeisten hat, ist das sogenannte Lokalkolorit. Weil davon gibts in Puntigam, was ein Stadtteil von Graz ist, jede Menge, weil "lustig samma, Puntigamer".

Wolf Haas und der verschnupfte Erfolgstrainer

Und auch vor Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens machte der Haas nicht halt. So war da "...dieser Trainer, der seine blauen Augen derart aufgerissen hat, dass man glauben hätte können, seine roten Haare und sein roter Schnurrbart sind nicht von Natur aus rot, sondern vor Schreck. Weil der hat immer noch viele Haare gehabt, obwohl der Köck dem Brenner letztes Mal erzählt hat, dass der arme Mensch aus einem inneren Zwang heraus dauernd seine Haare den Drogentestern hinterherträgt." Und wenn man wissen will, warum dieser Fußballtrainer dann doch nicht nach Graz gekommen ist, sondern nach Wien, der muß dieses Buch unbedingt lesen, weil die Haarwuchsmittel.

Doch man erfährt noch viele andere wichtige Sachen. Was der Brenner mit dem Schwarzenegger zu tun hat und warum das Schläge austeilen auch nicht ungefährlich ist. "Über Schläge kann man natürlich viel diskutieren [...] Nicht nur das Einstecken tut weh, man kann sich auch beim Austeilen verletzen. Der eine verstaucht sich das Handgelenk, der andere bricht sich die Finger, das hängt dir noch nach, wenn die klaffende Schädelwunde vom Opfer schon längst tadellos verheilt ist."

Sprachwitz, Lokalkolorit, Satire

So hat man beim Haas von allem was. Vom Sprachwitz hat man ein ganze Menge, eigentlich ja durchgehend was. Vom Lokalkolorit hat man viel, vom Humor hat man noch viel mehr, was man Satire nennt. Und dann hat man natürlich noch eine Handlung, weil ohne ja keine Spannung. Und von der Spannung ist reichlich vorhanden. Wie dann der Brenner die ganze Geschichte aufklärt, das ist schon alles recht durchschaubar gemacht. Und auch recht geschickt konstruiert mit den dauernden Wendungen, weil wenn Du glaubst, Dir ist jetzt endlich alles klar geworden, dann glaubst Du falsch, weil alles doch ganz anders. Ob ich jetzt sagen soll, dass es auch logisch ist, das ist so eine Sache, weil irgendwie logisch, aber mehr so eine Art Haas-eigener Logik.

Weil aber so ein Roman vom Wolf Haas sicherlich nicht für jeden was ist, hab ich Dir vom "ewigen Leben" jetzt genauso erzählt, wie der Haas seine Geschichten erzählt, so daß Du jetzt vielleicht schon selber weißt, ob Du so ein Buch überhaupt lesen willst.

Was aber das Fatale an dem Roman ausmacht, ist, dass es der letzte Brenner-Krimi gewesen sein soll, weil es kommt dann nichts mehr.

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