Der Tod ist mein Nachbar

Erschienen: Januar 1997

Bibliographische Angaben

  • London: Macmillan, 1996, Titel: 'Death is Now my Neighbour', Seiten: 349, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1997, Seiten: 364, Übersetzt: Ute Tanner
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2002, Seiten: 364

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Michael Drewniok
Ein neuer Höhepunkt der ohnehin überdurchschnittlichen Morse/Lewis-Serie

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2003

Auf dem Fussboden ihres kleinen Häuschens in der englischen Kleinstadt Kidlingtonnahe nahe der altehrwürdigen Universitäts-Stadt Oxford liegt tot die junge Physiotherapeutin Rachel James - erschossen durch die Scheibe des Küchenfensters. Chief Inspector Morse und Sergeant Lewis von der von der Mordkommission der Thames Valley Police nehmen die Ermittlungen auf, stehen jedoch zunächst vor einem Rätsel. Die Tote scheint keine Feinde gehabt zu haben. Doch dann stösst man auf einen ehemaligen Geliebten, Julian Storrs, Dozent am renommierten Lonsdale College. Er bewirbt sich dort gerade um das ehrenwerte und begehrte Amt des Masters - und er ist verheiratet. Ein Skandal würde seine Chancen auf eine Wahl zunichte machen: Motiv genug für ein Kapitalverbrechen?

Da geschieht in der Nachbarschaft ein zweiter Mord, dem der Klatsch-Reporter Geoffrey Owens zum Opfer fällt. Das kann kein Zufall, meinen Morse und Lewis. Sie finden heraus, dass sich Owens ein Zubrot als Erpresser verdiente. Zu seinen "Kunden" gehörte offenbar auch Storrs. Doch dieser kann ein scheinbar lückenloses Alibi vorlegen.

Morse und der Sergeant bemühen sich, die Hintergründe der beiden Morde zu erhellen, und decken dabei viele heimliche Beziehungen zwischen den Opfern und den Verdächtigen auf. Die Lösung ist, als sie schliesslich gefunden wird, ebenso tragisch wie banal.

Eine Universität - da entsteht vor dem geistigen Auge das Bild ernsthafter Männer und Frauen, die, von Idealismus getragen und von Forschergeist beseelt, über staubigen Papieren brüten, Reagenzgläser schwenken oder ähnlich anspruchsvolle und staunenswerte Leistungen zur Mehrung des Wissens und zum Wohle des menschlichen Fortschritts erbringen. Das trifft noch stärker zu, wenn besagte Universität in einer Gelehrten-Stadt wie Oxford beheimatet ist.

Nichtsdestotrotz sind auch Wissenschaftler nur Menschen mit den üblichen Stärken - und Schwächen. Colin Dexter muss es wissen; er hat in Cambridge studiert und ist später als Lehrer für Alte Sprachen nach Oxford gegangen. Daher kennt er sich aus in der Welt gelehrter Intrigen, hinter denen sehr bekannte Motive zum Vorschein kommen: Machtstreben, Geldgier, Missgunst. Julian und Angela Storrs gehen für das Amt des Masters buchstäblich über Leichen. Auf den ersten Blick mag die mörderische Rangelei um ein blosses Ehrenamt dem Nichteingeweihten seltsam und lächerlich erscheinen. Doch diese Position ist mit gewissen Privilegien verbunden, und die Forscher und Dozenten in der abgeschotteten Welt des Lonsdale Colleges betrachten sie als Höhepunkt einer akademischen Laufbahn.

Mit "Der Tod ist mein Nachbar" macht Autor Colin Dexter das Dutzend voll: Zum zwölfen Male schickt er den knurrigen Chief Inspector Morse mit dem geduldigen Sergeanten Lewis auf Mörderjagd. Im Gegensatz zu seinen Helden zeigt Dexter erfreulicherweise keine Ermüdungserscheinungen. Seine komplizierten Krimi-Puzzles sind so elegant konstruiert wie immer, und sie werden mit jenem unterkühlten und knochentrockenen Humor präsentiert, den man gern "britisch" nennt. (Lob an Übersetzerin Ute Tanner, die dies aus dem Original hinüber retten kann.)

Dagegen muss der scheinbar von den Unbilden des Lebens immer so ungerührte Morse dieses Mal Feder lassen. Zum ersten Mal zeigen sich in seinem Panzer sarkastischer Überlegenheit deutliche Risse. Er spürt sein Alter, die ungeliebte Pensionierung rückt näher, und die Gesundheit lässt nach, was einerseits auf eine lange verdrängte Diabetes, andererseits auf eine Vorliebe für Bier und härtere Getränke, die langsam die Grenze echten Alkoholismus´ erreicht, zurückzuführen ist. Dazu ist Morse einsam, und zusammen mit den gesundheitlichen Problemen macht ihn dies mürrisch, ungerecht und verleitet ihn sogar zu für ihn ungewöhnlichen Wutausbrüchen. Aber dieses Mal gönnt Autor Dexter seinem Helden ein Happy End.

"Der Tod ist mein Nachbar" ist ein neuer Höhepunkt der ohnehin überdurchschnittlichen Morse/Lewis-Serie. Man darf gespannt sein auf den nächsten Fall der beiden Helden, der nicht mehr lange auf sich warten lassen wird: Nach längerer Pause erscheint in Kürze - wieder im Rowohlt Taschenbuch Verlag - das dreizehnte Abenteuer. Soviel sei vorweg genommen: Es mischt sich viel Trauer in die Vorfreude, denn Colin Dexter wagt das Undenkbare - er läßt Inspector Morse sterben!

Anm. d. Red.: Aufgrund der Kommentare (s.u.) haben wir die Besprechung etwas "entschärft" und korrigiert. Vielen Dank für die Hinweise!

Der Tod ist mein Nachbar

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Letzte Kommentare:
10.06.2006 23:17:11
Rolf Wamers

Virtuos spielt Colin Dexter mit den Rätsel-Versatzstücken, aber im Gedächtnis der Leser bleiben Morses massive gesundheitliche Probleme. Man will es nicht wahrhaben, aber der Autor hat -zu Recht- erkannt, dass die Figur des E. Morse ausgereizt ist. Dass das Ende dann aber soooo schnell kommt ( nur noch ein Roman), das werde ich Ihnen NIE verzeihen, Mr. Dexter !

30.08.2005 17:33:27
Edgar04

Allerdings ist die Nennung des Täters nicht der einzige Patzer: Rachel James ist Physio- und nicht Psychotherapeutin, und auf dem Boden findet man sie auch nicht. Aber egal - das Buch ist wiedermal hervorragend konstruiert, am Ende fast jedes Kapitels gibt es eine geheimnisvolle Adeutung, die den Leser zum Weiterlesen zwingt. Und der Humor ist wie immer köstlich. Dexter ist wirklich der Beste von allen, einige von denen, deren Bücher Morse bei Owens im Bücherregal findet (Minette Walters, P. D. James) können da lange nicht mithalten.

23.06.2005 13:47:07
Michael Drewniok

Gern geschehen - gratis dazu gibt\'s die Erklärung, dass dieser Text a) ursprünglich nicht für diese Seite geschrieben und b) vom Redax so übernommen wurde. Das geschah in der \'Frühzeit\' der "Couch", als diese möglichst zügig mit einem Rezi-Grundstock ausgestattet wurde. Ich denke, die Enthüllung des Täters ist dabei durchgerutscht. Solche Versehen gehören indes - auch was mich angeht - der Vergangenheit an. (Der Roman lässt sich übrigens auch mit Kenntnis des Täters wunderbar lesen; allerdings ist das ev. nur ein bedingter Trost, das gebe ich zu.) VG; Michael

23.06.2005 13:13:12
Marius

Danke, Herr Doktor, daß Sie wiedermal schon im Kommentar den Namen des Täters verraten, sehr professionell!! So ersparen Sie 75 % der Besuchern die Lektüre - eines im übrigen brillanten Autors, der solchen Dilettantismus nun wirklich nicht verdient hat!