Ungeschoren

  • Autor: Arne Dahl
  • Verlag: steinbach sprechende bücher

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • Schwäbisch Hall: steinbach sprechende bücher, 2007, Seiten: 6, Übersetzt: Hagen, Till
  • Stockholm: Ordupplaget, 2003, Titel: 'En midsommarnattsdröm', Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 2009, Seiten: 413

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Thorsten Sauer
Arne Dahls guter Mörder

Buch-Rezension von Thorsten Sauer Sep 2007

Mittsommernacht: Für Shakespeare die Zeit der verwirrten Gefühle und Inspiration zu "Ein Sommernachtstraum", in dem er vier Handlungsstränge um mehrere Liebespaare und die Welt der Elfen kunstvoll miteinander verbindet. Arne Dahl folgt diesem großen Vorbild, doch wird bei ihm nicht geliebt, sondern gemordet.

Ein Mörder liest Gedanken und erfüllt geheime Wünsche

Die junge Kurdin Naska lebt, nach der Ablehnung einer vereinbarten Heirat, unter neuer Identität in Stockholm. Eine Maßnahme, um sie vor einem möglichen Ehrenmord durch den Bruder zu schützen. Doch sie hat die Hoffnung nie aufgegeben, wieder Kontakt zu ihm zu finden. Seine "Redestimme" hervorzulocken wie sie sagt, und so dem scheinbar unausweichlichen Ende zu entgehen. Eines Tages passiert es. Ihr Bruder macht sie ausfindig und verlangt ein Treffen. Die Hoffnung stirbt noch immer nicht und so willigt sie ein, bewaffnet sich aber mit ihrem geradezu lächerlich kleinen Klappmesser.

Es kommt nicht zum tödlichen Kampf der kleinen Schwester mit dem Schweizer Taschenmesser und dem großen Bruder. Es gibt gar keinen Kampf. Der Bruder liegt bereits erstochen da, als sie am Treffpunkt ankommt.

 

"Mich schickt man mit Besen vor, den Staub zu fegen hinters Tor"

 

Wie Puck in Shakespeares Sommernachtstraum hat ein anderer den Staub gefegt. Jemand, um den es eigentlich nicht schade ist, wurde getötet und ein anderer, der Motiv und Gelegenheit hatte, ist unschuldig. Nach diesem Schema geschehen drei weitere Morde. Vier Morde, vier Handlungsstränge; wie bei Shakespeare.

Das A-Team - neu strukturiert und auf die Probe gestellt

Die schwedische Krimilandschaft ist im Umbruch, Nesser hat van Veeteren auf ewig zwischen die Bücherregale eines Antiquariats verbannt und Wallander ist aufgrund der literarischen Afrikaausflüge seines Schöpfers zur Untätigkeit verdammt. Auch Dahl kann sich dem nicht entziehen, doch glücklicherweise geht er nicht ganz so weit. Das bewährte A-Team darf auch im sechsten auf deutsch erschienen Fall wieder ermitteln. Jedoch ist es in Teilen neu besetzt. Kerstin Holm hat die Führung von Paul Hjelm übernommen, der seinerseits nun die internen Ermittlungen leitet. Zunächst macht es fast den Eindruck, als wolle Dahl seinen Stammlesern diesen Wechsel, durch die intensive Betrachtung der Auswirkungen der Umstrukturierung, langsam und sachte näher bringen.

Kerstin Holm versucht, als alleinerziehende Mutter, Privatleben und Karriere unter einen Hut zu bringen. Paul Hjelm widmet sich seinen Eheproblemen. Er hat Angst, einer der typisch einsamen Cops aus schwedischen Krimis zu werden (Dahls kleiner Seitenhieb auf die renommierten Kollegen). Also stellt er sich dem Single-Leben, geht unter Menschen und lässt sich von einer ebenfalls geschiedenen Frau aufreißen. Doch die verwirrte Gefühlswelt des A-Team und die als Folge der Umstrukturierung einhergehende, mangelhafte Effizienz, nutzt Dahl geschickt als Gegenpol zu einem kolboldgleichen Mörder. Wie Puck mit seinem Zaubertrank, scheint dieser Gedanken lesen zu können und Menschen zu manipulieren. Darüber hinaus passt er nicht ins Weltbild der abgebrühten Ermittlerguppe. Die Hauptverdächtigen sind in Wahrheit Opfer der Ermordeten und diese wiederum sind Scheusale, die drangsaliert haben. Hat der wahre Mörder eine gute Tat getan und als Erlöser agiert?

Die Grenzen des Genres ausgelotet

"Ungeschoren" fesselt weniger durch bizarre Morde und ein verzwicktes Puzzle, das zum Mörder führt, als vielmehr durch Dahls unvergleichliche Fähigkeit Verwirrung zu stiften, diese zu sezieren und eine Krimigeschichte auf ungeahnte Ebenen zu heben. Messerscharf analysiert er eine, vom Fernsehen mit Dokusoaps gemästete Gesellschaft und die gefährlich unscharfe Trennlinie zwischen Mord, Rache und Notwehr. Daneben ist es aber auch die erzählerische Experimentierfreude, die Dahl von jeher auszeichnet, und die er in "Ungeschoren" auf die Spitze treibt.

Auf der Suche nach den Grenzen des Genres geht er mitunter vielleicht einen Schritt zu weit, etwa dann, wenn er sich selbst zu Wort kommen lässt und "laut" darüber nachdenkt, wie die Geschichte nun weiter gehen könnte. Solche etwas exzentrischen Einschübe mögen den Lesefluss ein wenig stören, aber es ist eben ein Dahl und es sei ihm angesichts der Qualität seines neuesten Werks bereitwillig verziehen. Hauptsache er erhält sich seine brillanten Ideen und bereichert die Krimiwelt weiterhin mit seinen ungewöhnlichen Werken.

Ungeschoren

Ungeschoren

  • Autor: Arne Dahl
  • Verlag: steinbach sprechende bücher

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Letzte Kommentare:
09.01.2014 18:49:24
Evelyn

Auch ich kann mich mit diesem Teil nicht anfreunden. Es ist ein hin und her und man sieht kaum noch durch. Das Thema ist ja nicht schlecht, aber man hätte mehr draus machen können. Auch gefällt mir dieser neue Schreibstil nicht. Ich werde die letzten 150 Seiten überfliegen, damit ich wenigstens weiß, wie es ausgeht...

27.06.2011 12:50:57
Peter M.

Die Bücher von Arne Dahl habe ich chronologisch gelesen. "Ungeschoren" habe ich mit in den Urlaub genommen und mich darauf gefreut einzutauchen in die Geschehnisse des A-Teams. Ich war enttäuscht, weniger über die neue Besetzung des Teams, mehr über den "neuen?" Schreibstil von Arne Dahl. Immer und immer wieder dachte ich - ich finde in dieses Buch nicht hinein. Das ging über 200 Seiten so - ich habe nicht aufgegeben, wurde aber auch zum Schluß hin nicht wirklich zufriedengestellt. Ich war erlich gesagt froh, daß es andere Leser ebenso ergangen ist...

12.04.2011 19:19:48
helene

Nachdem ich mich langsam für das A-Team erwärmt hatte, habe ich dieses Buch eher verärgert aus der Hand gelegt.
Sicher spricht Arne Dahl die richtigen Themen an - aber er spricht sie eben nur an und so stehen der Werteverfall der Gesellschaft, Rassismus, Vereinzelung des Menschen in der Konsumgesellschaft, Schwulenfeindlichkeit und . habe ich noch etwas vergessen? Bestimmt, denn irgendwann hat man den Überblick verloren und findet die Versatzstücke des Krimis nur noch zum gähnen.War der Stil von Arne Dahl schon immer etwas sprunghaft, diesmal hat er wohl selber den Faden verloren - und verloren sind auch die Verse von Shakespeares \'Sommernachtstraum\', so reizvoll es auch ist, diesen mit der schwedischen Mittsommernachts-Mythologie zu verbinden. Shakespeares Verse werden zum großen Teil völlig unmotiviert in die Handlung \'eingestreut\'.
Insgesamt also eher ein Dahl zum Abgewöhnen - hier hat sich einer kräftig verhoben!.

02.04.2011 17:27:47
Winfried H.

Ich hab das Buch erst halb gelesen und maße mir jetzt schon ein Urteil an. Nein, kein Urteil. Eine Anmerkung.Anfangs war ich total verblüfft. Ich hatte alle Dahls bisher gelesen. Und nun das! Er spielt mit dem Leser, er spielt mit Literatur. Es ist ein Verwirrspiel. Und wenn man sich nicht auf diese Sommernachtskapriolen einlässt, ist man verärgert und legt das Buch weg. Ich habe es nicht weggelegt. Himmel ... Nein!!! Es ist ganz "großes Kino" und ein Buchstabenleckerbissen. Freilich nicht für Fastfoodesser.Diesen Dahl sollte man nicht zuerst lesen. Am Besten ist es, die Chronologie einzuhalten. Also erst die "Machtmorde" und dann das Weitere. Dann kennt man seine "Pappenheimer": Arne Dahl und seine Figuren.
Und er kann immer noch verblüffen ... nicht zuletzt stilistisch. Wenn auch mancher denkt, der Lektor hat geschlafen :-)

10.01.2011 16:11:30
Markus

Was habe ich mich durch die ersten hundertfünfzig Seiten gekämpft, und was habe ich die übrigen zweihundertsechzig gern gelesen: Bestimmt kein einfacher Thriller, sondern eine sehr komplex angelegte Studie von Charakteren und Stimmungen mit einigen schon lyrischen Anklängen. Fällt für mich aus dem Rahmen der üblichen Schonkost und verdient daher eine hohe Punktzahl, ist aber sicher nicht jedermanns Sache - eben nicht das übliche Feierabendbuch für Gestresste, sondern man muss sich darauf einlassen. Steht für mich schon in einer Reihe mit den guten Barbara Vines.

26.08.2010 10:01:00
Urs Trenkl

Dieses Buch ist ein Witz. Eine Mischung aus Videoclip, Sex in the city, Mystery, Unredlichkeit und handwerklichen Fehlern.

Schnitttechnik in 30-Sekunden-Technik, 3/4 des Buches sind private Probleme der Protagonisten, der Plot ist unrealistisch bis zur Nähe zu den Brüdern Grimm, Kerstin Holm wird zwar erschossen, aber nur eine halbe Seite lang, und die Polizeiarbeit strotzt vor Fehlern.

Die Gesellschaftskritik ist mit der Malerquaste aufgetragen.

Eine Zumutung!

13.01.2010 15:39:24
Wulfgäng

Alle bisherigen Bücher von Arne Dahl habe ich begeistert gelesen, sie waren für mich interessant, spannend und einfach gut zu lesen. "Ungeschoren" dagegen kann ich niemandem empfehlen. Ich habe mich durch die über 400 Seiten gequält und mir die sich immer wiederholenden Schilderungen aus dem Leben des A-Teams angetan. So viele Personen im Team und drumherum - für Spannung und Handlung blieb nach meinem Verständnis praktisch kein Platz. Hoffentlich war dieses Buch nur ein "Ausrutscher" von Arne Dahl.

09.11.2009 22:37:42
julia

Soeben bin ich mit "Ungeschoren" fertig geworden. Es war für mich das erste Buch von Arne Dahl, daher tat ich mir anfangs etwas schwer, die vielen Personen auseinanderzuhalten bzw. zuzuordnen. Grandios finde ich Arne Dahls Stil und seine messerscharfen Beobachtungen über die Gesellschaft und deren Talfahrt in die Niederungen der manipulativen Volksverdummung (Fernsehen).
Zum ersten Mal war ich als eingefleischte Krimileserin geneigt, auf der Seite des Mörders zu sein, denn hier sind die "Richtigen" zur Strecke worden, obwohl es ja in Wirklichkeit keine "Richtigen" und keine "Falschen" gibt. Mord ist Mord, aber bei Arne Dahl haben die Morde einen philosophischen Touch. Das Spinnennetz ist eine Metapher für die Vernetzung aller Personen und aller Begebenheiten, die sich in den verschiedensten Ländern abspielen - alles hängt zusammen.Exzellent fand ich auch die Beschreibung der Charatkere und deren Beziehungsprobleme - sehr realistisch, gut nachvollziehbar.
Ich werde die A-Gruppe noch eine ganze Weile weiterbegleiten - bis ich alle Bücher gelesen habe:-)

06.09.2009 16:05:16
Peter Faesi, St. Gallen

Ganz bestimmt ist "Ungeschoren" keine einfache Lektüre und schon gar nicht ein Einstieg in die Welt von Arne Dahl. Und doch muss den Kritikern aufs energischste entgegengetreten werden.
Die Handlung von "Ungeschoren" ist neu, unerhört, verblüffend und aufwühlend. Kein anderer Autor, der solche gewagten Zusammenhänge erfinden und darstellen könnte!
Der Stil von Arne Dahl hebt sich in seiner Eigenwilligkeit vom Durchschnittsgeschreibsel der andern Autoren ab. Mit seinen Kurzsätzen, die oft nur aus einem Wort bestehen, schafft er ein Staccato, das ihm höchstens noch Jo Nesbo nachmacht. Eine einzige Seite ohne Namen und Titel - und man erkennt seinen Arne Dahl!
Und dann baut der Autor immer auch Hintergrundwissen ein. Welcher Leser würde nach "Ungeschoren" auf die Lektüre des "Sommernachtstraums" verzichten?

16.08.2009 15:32:56
numerobis

der erste Dahl und wahrscheinlich auch der letzte.

Diese Ermittlungsgruppe die in der Hauptsache aus Psychopathen besteht, die Chefin des A-Teams die Spinnennetze sieht die sich in ihrem Büro ausbreiten und golden schimmern, die sonst keiner sieht.

Holm ist ihrer Aufgabe überhaupt nicht gewachsen.
Die Leute ihres Teams eher auch nicht.

Dahl, nein danke

16.08.2009 15:25:19
numerobis

der erste Dahl und wahrscheinlich auch der letzte.

Diese Ermittlungsgruppe die in der Hauptsache aus Psychopathen besteht, die Chefin des A-Teams die Spinnennetze sieht die sich in ihrem Büro ausbreiten und golden schimmern, die sonst keiner sieht.

Holm ist ihrer Aufgabe überhaupt nicht gewachsen.
Die Leute ihres Teams eher auch nicht.

Dahl, nein danke

30.03.2009 19:48:05
Andrea Schmidt

Ich stutzte gestern über die Tatsache, dass ca. 2 komplette Seiten (in der Deutschen Ausgabe) komplett doppelt abgedruckt sind. Ähnlicher Anfang - anderes Ende der beschriebenen Situation. Da es mir literarisch keinen Sinn zu machen scheint, ärgert es mich als Leser sehr, dass man hier wohl einen dummen copy-and-paste-Fehler schlicht nicht gesehen hat. 2 Seiten identischer Text sollte einem Lektor schon auffallen ...

12.03.2009 16:38:19
pescheg

Einmal mehr will Arne Dahl die Grenzen des Krimi-Genres sprengen. In «Ungeschoren» verfolgt er eine kaum mehr überschaubare Zahl von Personen und Handlungssträngen. Diese finden langsam zusammen und führen zu einem dramatischen Höhepunkt, der nicht nur überraschend, sondern auch schlüssig und überzeugend ist.

Die beschriebenen Charaktere wirken glaubwürdig und lebensnah; die Geschichte ist eigenständig und so anspruchsvoll, dass man sich als Leser ernst genommen fühlt. Das ist doch schon was. Wäre auf die Prise Mystik verzichtet und an deren Stelle etwas Humor beigefügt worden, könnte man sich glatt zu einer Wertung von über 90% hinreissen lassen. Lesenswert sind die Bücher von Arne Dahl allemal, für mich ist er die klare skandinavische Nummer zwei, knapp hinter Henning Mankell.

25.01.2009 17:26:26
willidani

Also mir gefallen alle Bücher von Dahl. Mir gefällt wie er die Fäden mischt und am Ende doch zu einem Teil werden lässt.
Zugegeben ca die ersten 50 Seiten sind (in allen Büchern) immer etwas mühsam, man bekommt Informatioen und weiss nicht was das soll. Ich finde auch die Art wie das A-Team miteinader umgeht beeindruckend, alles sind Individualisten und doch ein Team, weil sie die Fähigkeiten des Andern akzeptieren.

18.12.2008 21:48:40
Sinistra

Dies war mein erstes Buch von Arne Dahl, das ich gelesen habe, ich kann also nicht mit anderen Büchern von ihm vergleichen. Der Einstieg war ein bißchen mühsam, weil die kurzen Kapitel un die vielen vielen Leute einem den Überblick schwer machten. Als ich mir dachte, ist ja egal, ich les einfach, ohne zu wissen, wer denn nun die kleine Dunkelhaarige oder der große Weiße ist, da ging es dann plötzlich, weil ich mich auf die langsam aufgebaute Spannung konzentrieren konnte. Und die Spannung, die steigert sich ideal immer weiter, bis man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen mag.

21.05.2008 11:23:38
Dickie_Greenleaf

Das war mein erster Dahl und wahrscheinlich auch der letzte. Derartig viele Personen,sowohl Ermittler (Hjelm, Holm, Hultin - wer ist wer?), als auch in Fälle verwickelte Personen, von denen man erst sehr spät erfährt, dass es überhaupt Fälle sind. Nach den in den Himmel lobenden Rezensionen hier, bin ich, ehrlich gesagt, schwer enttäuscht. Ich finde es leblos geschrieben, keine der Personen hat mich interessiert, keiner kam ich - trotz standhaftem Weiterlesen - irgendwie nah. Raffiniertes Erzählen schließt für mich Emotionalität nicht aus. Siehe Fred Vargas oder Patricia Highsmith. Fazit: zu verkopft.

12.02.2008 10:50:56
Anne von Vaszary

Ich bin die ganze Zeit schon auf der Suche nach einem Krimi, der die große Leere nach dem letzten guten füllt. Habe sehr viele gelesen von Simon Beckett, Michael Dibdin bis Ian Rankin, es war nichts dabei. Dank dieser Rezension und den Lesermeinungen bin ich neuen Mutes meinen nächsten Lieblingskrimiautor gefunden zu haben - Arne Dahl. Ich werde mir sofort Lektüre von ihm besorgen.

08.01.2008 18:08:36
chopin

Ein Meisterwerk erster Klasse, "Ungeschoren" bewegt sich eindeutig in Stephen-King-Richtung und hat durch eine astreine Milieustudie mal wieder bewiesen, wozu der moderne Politthriller in bezug auf außerkriminelle Missstände die Spannung halten kann.

04.01.2008 12:10:59
Stefan Meiler

Na ja… eigentlich mag ich ja die Arne Dahl´s. Diesen aber nicht.

Ein Krimi muss ein Krimi bleiben. Und der lebt nun mal wesentlich von der Spannung und den geistreichen Wendungen, möglichst von der ersten Minute an. Das alles hat "Ungeschoren" auch, nur eben viel zu spät. Da hilft es dann auch nichts, dass das Buch eigentlich eine schön geschrieben Gesellschaftskritik ist.

Und dann die A-Gruppe … Ich habe das alte Ermittler-Team geliebt. Jede Person hat da genau in die ihm zugedachte Rolle gepasst. Nun aber kommt Draufgänger Hjelm als interner Ermittler im Armani Anzug daher, die Vernehmungsspezialistin Holm ist neue Leiterin der A-Gruppe und Chavez in „Mutterschutz“. Die Rollen passen nicht mehr.

Und was sollte das eigentlich mit dem Spinnennetz in Holms Zimmer? Wenn es ein Metapher ist, dann habe ich es nicht verstanden.

Fazit: Ne, dass war es nicht. Diesmal nicht.

05.10.2007 10:59:16
Jakob M. Grass

Was habe ich gewartet, um endlich wieder Arne Dahl lesen zu können. Auch wenn die Storys hin und wieder wenig realistisch erscheinen, ist Arne Dahl m.E. der derzeit beste schwedische Krimiautor. Die Aufbereitung der Gesellschaftskritik und das Entlarven politischer Missstände macht ihn so besonders. Ohne Umschweife legt Dahl den Finger in offene Wunden. Ganz im Sinne Sjöwall/Walhöö beschreibt er einen Unterschied zwischen Verbrechern und Mördern und zeigt, dass die wahren Übeltäter gesellschaftlich wohl behütet sind. Mit "Ungeschoren" hat mir Arne Dahl mehr als einmal aus der Seele geschrieben. Schade, dass das Vergnügen nach einem Wochenende schon wieder vorbei ist. Jetzt heißt es erneut: Warten!

22.09.2007 21:11:36
Magnus Haensler

Arne Dahl zeigt mit ungeschoren, wohin sich der schwedische Krimi wirklich bewegt - eine faszinierende Millieustudie, gepaart mit der Charakterentwicklung seiner Hauptdarsteller, die selbst die ganz großen und Vielgepriesenen ziemlich muede aussehen lässt.