Der elfte Gast

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Albert Bonniers Förlag, 2008, Titel: 'Elva', Originalsprache
  • Hamburg: Osterwoldaudio, 2014, Seiten: 6, Übersetzt: Achim Buch

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Andreas Kurth
Geheimnisvolles Meeting im alten Herrenhaus

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mai 2014

Ein Jahr ist es her, dass die A-Gruppe offiziell aufgelöst wurde. Die zehn Mitglieder haben neue Positionen in Polizei oder Geheimdienst übernommen, oder gehen anderen Beschäftigungen nach. Nun soll es ein erneutes Zusammentreffen geben, in einem geheimnisvollen Herrenhaus. Keiner der Teilnehmer ahnt, wer sich dieses Meeting ausgedacht und es organisiert hat. Dort angekommen, beziehen alle ihre Zimmer und finden Auszüge aus einem Gedicht. Im Speisesaal genießen die erfahrenen Polizisten das gute Essen und die Getränke, offenbar von einem Catering-Service bereit gestellt. Einer nach dem anderen erzählt eine Geschichte, und die steht jeweils im Zusammenhang mit dem Gedicht-Auszug, den sie in ihren Zimmern gefunden haben. Das Rätseln nach dem Initiator der Zusammenkunft nimmt kein Ende, aber vorerst genießen alle die Erzählungen ihrer geschätzten Kollegen. Es geht mehr oder weniger um Verbrecher und ihre Taten, aber immer angereichert mit viel Lebensweisheit. Erst zum Ende hin taucht der im Titel genannte elfte Gast auf und präsentiert seinerseits eine hörenswerte Geschichte.

Literarischer Schatz für Fans der Krimi-Reihe

Offensichtlich ist Jan Arnald, so der richtige Name von Arne Dahl, mit seiner A-Gruppe doch noch nicht fertig. Die Roman-Reihe war, in guter schwedischer Tradition, auf zehn Folgen ausgelegt. Zwar hat Dahl dann noch Bücher über das so genannte Opcop-Team – eine europäische Polizei-Einheit – folgen lassen, und so einigen Protagonisten einen weiteren Karriere-Schub verschafft. Gleichzeitig hat er aber auch mit dem Gedanken gespielt, vielleicht nicht mehr als Arne Dahl zu schreiben. Im Interview, das ich mit ihm für die Krimi-Couch geführt habe, hat er dann im April 2013 in Hannover gesagt:

 

"Ich liebe Spannungsliteratur. Ich habe keine Geduld für langweilige Literatur. Arne Dahl durfte nicht sterben."

 

Diesem Anspruch ist er mit dem neuen Buch treu geblieben – auch wenn Der elfte Gast kein Kriminalroman im klassischen Sinne ist. Die Mitglieder der A-Gruppe ermitteln nicht, sondern erzählen sich Geschichten. Darin geht es im weiteren Sinne um Kriminalfälle, aber neue Leser werden mit diesem Buch von Arne Dahl nur herzlich wenig anfangen können. Es sei denn, sie betrachten es als Sammlung von Kurzgeschichte, verpackt in Erinnerungen und Würdigungen an die glorreiche Zeit der ihnen unbekannte A-Gruppe. Für Leser der Reihe ist das Werk allerdings so etwas wie ein literarischer Schatz, und vor der Abfahrt in das Herrenhaus gibt es auch noch viele Neuigkeiten über die vertrauten Ermittler.

Viel Fantasie und Originalität

Für die von seinen Figuren erzählten Geschichten hat sich der Autor richtig ins Zeug gelegt. Arne Dahl hat schon oft genug gezeigt, dass er mit Sprache umgehen und gute Geschichten erzählen kann. Durch seine Protagonisten lässt er hier viel Fantasie und Originalität aufblitzen. Mit der A-Gruppe haben diese Erzählungen überhaupt nichts zu tun. Die gut verpackte Sammlung wirkt vielmehr so als ob Dahl diese kleinen Episoden schon früher geschrieben hat, und sie nun mit diesem vermeintlichen Wiedersehen seiner A-Gruppe in einen passenden Rahmen stellt. Die Spekulationen der zehn Polizisten, wer denn nun der Organisator dieses rätselhaften Treffens ist, geben dem Ganzen eine zusätzliche Würze, denn hier werden gegenseitige Einschätzungen vorgetragen, die das Bild der Gruppe weiter abrunden.

Ein offenes Ende für die Fans der A-Gruppe

Wie in seinen klassischen Kriminalromanen versteht es Arne Dahl, die Lösung aller Rätsel perfekt an den Schluss zu platzieren. Hier wird nicht verraten, wie das Ganze aufgelöst wird. Aber mir hat es schon gefallen, in welcher Weise Arne Dahl die Handlung am Ende "rund" macht – die letzte, die elfte Geschichte, ist mehr als lesenswert. Den Fans der A-Gruppe, die sich mit diesem kleinen literarischen Schatzkästlein nicht anfreunden mögen, bietet der Autor im Finale dann immerhin noch prächtige Aussichten. Er lässt nämlich offen, ob diese Zusammenkunft im verwunschenen Herrenhaus das endgültige Ende der A-Gruppe ist, oder ob es in veränderter Form weitergehen wird. Ich vermute, es wird eine Fortsetzung der Reihe geben. Viel zu sehr – das hat er auch in unserem Interview betont – hängt Jan Arnald an den verschiedenen Figuren seiner Ermittlergruppe. Romane über einsame Helden kann ich mir deshalb aus seiner Feder nicht wirklich vorstellen. Und ein neues Team erfinden? Dafür bietet die A-Gruppe noch zu viel Potenzial, das ist in diesem Buch mehr als deutlich geworden. Ich hätte nichts gegen neue Geschichten um die A-Gruppe – entsprechende Themen hat Jan Arnald sicherlich noch genug im Kopf.

Der elfte Gast

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Letzte Kommentare:
29.12.2018 19:02:47
Anna

Ich bin ambivalent. Einerseits ist es nett, die Mitglieder der Gruppe zum Abschied zusammen zu wissen. Und es ist sympathisch zu sehen, wie der Autor seine Figuren offensichtlich liebt.Sie erzählen sich Geschichten in einer "geschichtsträchtigen" Umgebung.
Die Art und Weise, wie sich der Autor in das Geschehen einklinkt, irriert jedoch. Auch die Art der Geschichten hat mich irritiert und den Ablauf der Gesamthandlung meiner Meinung nach erheblich gestört. Die Geschichte besteht für mich nicht aus einem Guss, sondern wirkt zerfleddert. Schade. Unter diesen Aspekten erscheint mir das Buch überflüssig.

11.04.2017 20:43:51
Peter

Na ja. Hätte die Kommentare wohl vor dem Buch lesen sollen. Dann hätte ich auf den Kauf und die Lektüre verzichtet. Was hier geboten wird ist unwürdig und grenzt an Betrug am treuen Leser der zehn vorherigen A-Gruppe Bücher. Reine selbstgefällige Fingerübungen vo Arne Dahl für Arne Dahl - und das bezahlen wir noch. Schade.

14.02.2016 14:45:04
Uschi

Kann mich Peter Faesi nur anschließen.
Das es kein Krimi ist, kann ich verschmerzen.
Aber das "unbeholfen Unglaubwürdige" muss man wirklich nicht haben.
Kann Andreas Kurts Meinung von "Fantasie und Originalität" nicht teilen.
Also: Ab damit der Vollständigkeit halber ins Bücherregal zu den anderen der Reihe - aber gnz nach hinten!
Sollte Dahl die A-Gruppe wieder zum Leben erwecken, werde ich es noch einmal mit ihm versuchen.

09.02.2016 17:21:02
pit

Mir hat Arne Dahl's Hommage an "seine" A-Gruppe gefallen. Man merkt, dass er seine Protagonisten liebt und nicht ohne weiteres von ihnen loskommt oder loskommen will Es würde mich freuen, wenn Paul Hjelm, Kerstin Holm und alle anderen weitere Fälle lösen würden, in welcher Form auch immer. Sie haben noch viel Potential und scheinen mir noch nicht literarisch ausgepresst.
Gefallen hat mir auch, dass die 11 Geschichten teilweise recht mystisch sind. Verständlicherweise sind viele Leserinnen und Leser enttäuscht, da es sich bei diesem Buch nicht um einen Krimi im traditionellen Sinne handelt. Mir hat das gar nichts ausgemacht.

08.05.2015 10:53:10
Oldman

Kann mich Jenny nur anschließen. Mit einem Krimi der A-Gruppe hat dieses Buch nichts zu tun. Vielmehr delektiert sich der Autor an einer literarischen Fingerübung, indem er eine Reihe phantastischer Kurzgeschichten in eine Rahmenhandlung einbettet, deren Grundkonstrukt er bei Agatha Christie abgeschrieben hat. Das Ende soll dann originell sein und wird auch sicherlich seine Anhänger haben, das ist reine Geschmackssache. Für mich war es nur das Finale eines m.E. nicht gelungenen Buches. Lieber Herr Dahl, lassen Sie bitte die A-Gruppe nun in Frieden ruhen, nach diesem Buch habe ich genung von ihr.

28.01.2015 22:03:45
Jenny

Achtung: große Warnung an alle Krimifans: es sind nur Kurzgeschichten, die in die Rahmenhandlung eingewoben sind, dass sich die ex-a-gruppe zum Geschichtenerzählen trifft. Totlangweilig und zt arg konservativ (cops-schnack halt), bis auf ein etwas witziges Ende. Echt, die Fans, die ja nun offenbar viel Spannung mögen, mit solchen literarischen Ergüssen zu belasten, ist echt total gemein! Ts. Bin empört. ;-)

20.12.2014 12:43:40
Peter Faesi

Arne Dahl versucht sich als Scheherezade
Im Roman „Der elfte Gast“ versammelt Arne Dahl die zehn Mitglieder der aufgelösten A-Gruppe in einem einsamen Landhaus, wo sie sich gegenseitig Geschichten erzählen sollen. War es bei Boccaccio immerhin die Pest, welche die zehn Personen aus Florenz vertrieben hat, so ist es hier ein Brieflein ohne Absender, dem die Zehn vertrauensselig folgen. Als Detektive hervorragend, erzählen sie sich hier unbeholfen Unglaubwürdiges, so Mischungen aus Franz Kafka, Jorge Luis Borges und ein bisschen Stephen King. Dass das Ganze noch mit bescheuerten Zweizeilern und einer Flucht durch Unterirdisches verbunden ist, wie wir es sonst nur bei Dan Brown erdulden müssen, macht den Text auch nicht besser. Was bei den früheren Romanen schon störte, nämlich Dahls Hang zum Pathos, ist hier besonders unerträglich: Dauernd verlöschen Universen, Zeit wird in Äonen gemessen, Gesichter sind in Stein gemeisselt und ohn‘ Unterlass wabert die Weltseele. Fazit: Es ist, als ob ein renommierter Krimi-Autor sich in den Literatur-Nobelpreis hineinschreiben möchte. Das Positive: Bei Scheherezade sind es 1001 Erzählungen, bei Boccaccio 100, bei Dahl zum Glück nur 11.

09.12.2014 12:08:07
Alex

Tja, was hat sich Arne dahl dabei nur gedacht? Man mag es sehen, wie man will, aber ich finde, wenn er seine Kurzgeschichten an den Mann bringen will, dann muss er nicht die A-Gruppe dafür missbrauchen. Sicher hat es etwas reizvolles, eine Gruppe von Personen zum Schluss ihren Autor (und Erschaffer) kennen zu lernen und ich kann mir auch gut vorstellen, dass so etwas dem Schriftsteller Spaß macht. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass Arne Dahl dies nicht mit bekannten Charakteren macht.
Grundsätzlich also ein ganz nettes Buch, haut einen nicht um udn als Fan der A-Gruppe sollte man die Finger davon lassen! Es enttäuscht.

29.09.2014 17:10:17
Karin Czvitkovits

Das Buch ist eine Liebeserklärung an die Literatur und absolut wunderbar! Ein Krimi wie die anderen Bücher der Serie ist es nicht, dafür aber spannend und mitreißend. Die Sprache der deutschen Übersetzung ist gewählt und alles sehr sorgfältig komponiert. Die Gedanken und Träume dieses Romans wärmen an langen Herbstabenden.

24.09.2014 23:04:53
Rüdiger

Nach dem ich das bisher letzte Buch zur A- Gruppe Arne Dahls gelesen hatte, war mir klar, oder hoffte ich, das es einen Nachfolger geben wird. "Der elfte Gast" passt erst mal nicht in das typische Muster. Doch wenn man eintaucht, sich treiben lässt und einfach nur genießt, merkt man recht schnell, dass es dem Autor offensichtlich großen Spaß gemacht hat, diese Zeilen nieder zuschreiben. Das Ende, eine gute Pointe und vielleicht auch ein Hinweis auf weitere spannende Geschichten. Toll und unerwartet.

19.09.2014 22:12:14
FFiggs

Ich hab bisher alles von Arne Dahl gelesen und war auch überrascht, dass es noch einen Nachfolger von dem A-Team gibt.
Ich fand den Roman (auch wenn es kein klassischer Krimi ist) spannend und amüsant! Bin sonnst eigentlich kein Fan von Kurzgeschichten, aber hier passt es irgendwie...und das Ende überrascht.
Dem Autor sei der Spass gegönnt!!!

08.09.2014 18:22:45
manni

Schlichte Kundentäuschung und ich bin drauf reigefallen ! Das ist kein Krimi sondern ein kleiner Roman, ein philosophischer Ausflug um das A-Team , seine aufregende Vergangenheit, mit einem pointierten Schluss. Aber eben kein Krimi. Warum das Buch in der Krimiabteilung liegt ist mir ein Rätsel. Sehr ärgerlich. Das Buch selbst ist völlig überflüssig und passt auch gar nicht in die Serie. Peinlich, schade für das Geld. 0°!