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Thomas Gisbertz
Langatmiger Alpenkrimi

Buch-Rezension von Thomas Gisbertz Sep 2019

Kommissar Jennerwein und Polizeimeister Frank Hölleisen bekommen es diesmal gleich mit zwei Toten im idyllischen Kurort zu tun. Zunächst erliegt Leon Schwalb auf der Straßenterrasse eines Bistros scheinbar einem Hitzschlag. Wenig später findet man auch noch die junge Reinigungskraft Alina Rusche tot in ihrem Garten, erschlagen von einem herabgestürzten Feuerrad. Während der Fall des verstorbenen Bistrogastes auf den ersten Blick klar scheint, ist Jennerwein sicher, dass es sich bei der toten Putzfrau um Mord handelt. Nur welchen Grund sollte es dafür geben, eine unbescholtene Reinigungskraft zu töten? Hatte sie vielleicht bei der Arbeit brisante Dinge erfahren? Musste sie deswegen sterben?

Spuren führen in die KurBank

Kommissar Jennerwein befragt pikierte Honoratioren und redselige Ladenbesitzer, die allesamt die Reinigungsleistungen der jungen Frau in Anspruch genommen haben. Nach und nach führt ihn eine wichtige Spur zur KurBank, bei der die Tote ebenfalls als Reinigungskraft angestellt war - auch im Schließfachraum.

Hier ruhen verdeckt und unter Verschluss genügend Geheimnisse, für die sich ein Mord lohnen würde. Hat die junge Frau hier etwas gesehen, was nicht für ihre Augen bestimmt war? Als Jennerwein eine Woche später im norwegischen Fjord an der Seebestattung der toten Putzfrau teilnimmt, hat der Kommissar einen klaren Verdacht. Jetzt muss er nur noch auf einen Fehler des Verdächtigen warten.

Zwölfter Band des Bestsellerautors

Jörg Maurer darf man sicherlich als Vielschreiber bezeichnen. Seit 2009 bringt er jährlich einen neuen Fall um seinen Kommissar Hubertus Jennerwein inklusive des dazugehörigen Hörbuchs auf den Markt, die er gerne auch im Rahmen musikkabarettistischer Soloprogramme präsentiert. Der erste Band der Reihe, „Föhnlage“, wurde 2011 sogar vom Bayrischen Rundfunk für die ARD verfilmt. Sämtliche Fälle rund um den idyllischen Kurort erfreuen sich einer großen Fangemeinde und stehen regelmäßig in der Spiegel-Bestsellerliste. Beim aktuellen Fall muss man sich jedoch leider fragen, ob dies nicht eher aus Nostalgiegründen geschieht.

Maurers Alpenkrimi bietet nichts Neues mehr

Als der in Garmisch-Partenkirchen geborene Autor 2009 seine Reihe um Kommissar Jennerwein und Polizeimeister Hölleisen startete, gelang ihm damals etwas Außergewöhnliches: Nicht die Ermittler oder gar der Fall standen im Mittelpunkt des Romans, sondern Maurers einzigartiges Sprachtalent, sein feinsinniger, zum Teil bissiger, aber stets skurriler Humor mit hintersinnigen Pointen. Hier zeigte Maurer sein Talent als Kabarettist. Seine Romane sind stets eine Mischung aus eben diesem Humor, einer Prise Spannung und seinem literarischen Eigensinn.

Aber leider hat sich die Reihe nicht weiter entwickelt. Sicherlich wird die große Jörg-Maurer-Fangemeinde auch sein neuestes Werk lieben - aber nicht wegen der Klasse dieses Krimis, sondern weil es Altbekanntes, aber leider eben auch nichts Neues oder Überraschendes enthält. Es ist wie beim Pizzabäcker nebenan, wenn man dort die immer gleiche Pizza bestellt, die man stets mit Begeisterung isst. Aber vielleicht gibt es auch Leser, die irgendwann einmal etwas anderes wollen. Das bietet Maurer dem Leser leider nicht.

Langweilige und uninteressante Story

Bereits die Grundidee des neuen Falls löst beim Leser keine Begeisterungsstürme aus, gleichwohl Maurer sie im Vorwort erläutert. Der Putzfrau Alina Rusche ist es nicht entgangen, dass die Schließfächer in der Bank manipuliert werden. Ein Unbekannter hat sich dank geschickter Bohrungen und Mikro-Kamera von einem Schließfach aus Zugriff auf die anderen Fächer verschafft, ohne dass dies den Kunden oder den Bankangestellten auffällt. Dem Unbekannten gelingt es durch seine ausgefeilte Technik sogar Testamente und mehrseitige Notizbücher zu lesen. Was hier wie aus einem James-Bond-Film anmutet, ist absurd und unglaubwürdig. Man würde darüber hinaus erwarten, dass der Täter die Informationen zur Erpressung der Beteiligten nutzen würde, was aber - wenn überhaupt - nur ansatzweise geschieht.

Zuviel Klamauk, zu wenig Spannung

Insgesamt sind die einzelnen Handlungsstränge diesmal zu zahlreich und zudem verworren. Dies könnte zwar grundsätzlich insofern für Spannung sorgen, da es unklar ist, wie die Fälle zusammenhängen. Leider ist dieses Konstrukt aber für den Leser kaum nachvollziehbar, da Maurer derart viele Nebenhandlungen miteinander verknüpft, dass das Verfolgen einer stringenten Handlung kaum noch möglich ist. So machen Gangster Jagd auf den Panama-Hut des ehemaligen US-Präsidenten Roosevelt, es geht um die dunklen Machenschaften des verstorbenen Leon Schwalb, die Kunden der getöteten Putzfrau scheinen Dreck am Stecken zu haben und die brisanten Geheimnisse in den Schließfächern sollen gelüftet werden.

Der Höhepunkt des Nonsens ist erreicht, wenn ein kleiner Dicker und ein großer Hagerer ständig in einer Nebenepisode auftauchen. Der Große hält sich für den Junker Don Quijote und seinen Kumpanen für den „Stallmeister“ Sancho Panza. Genauso wie in der literarischen Vorlage von Miguel de Cervantes wird die Figur des    Landadeligen Quijote hier als von der Realität entrückt dargestellt. Er will sich ständig  todesmutig in Gefahren und Abenteuer stürzen, während Sancho Panza aufgrund seines gesunden Menschenverstandes ihn immer wieder in die Wirklichkeit zurückholt. Auch wenn die Übertragung in die Gegenwart eines bayrischen Kurortes sicherlich seinen Reiz besitzt, wirkt dies hier belanglos und hat überwiegend nichts Humorvolles an sich. Gleiches gilt für das „actiongeladene“ Ende im norwegischen Fjord, das leider nur albern ist.

Wofür braucht man einen Ermittler?

Der Leser wird sich bei der Lektüre fragen, welche Funktion Hubertus Jennerwein diesmal eigentlich hat. Erst nach etwa einem Drittel des Romans taucht der Kommissar auf. Seine folgende Ermittlungsarbeit sowie deren Ergebnisse im Fall der toten Reinigungskraft beruhen nicht auf Beweisen, sondern auf Vermutungen und Spekulationen. Genauso wie der Kommissar kann der Leser bei der Suche nach dem Täter allenfalls spekulieren. Auch wenn die Auflösung am Schluss des Romans durchaus logisch ist, hätte selbst der Kommissar den Täter nicht überführt, wenn sich Letzterer am Ende nicht verraten hätte.

Fazit:

Klamauk statt hintersinnigem Humor, bayerische Stereotypen statt lokale Eigenarten, Langeweile statt Spannung: Selten hat ein Jennerwein-Fall derart enttäuscht wie im aktuellen Roman. Jörg Maurer kann diesmal die Klasse, die er ohne Zweifel besitzt, leider nicht zeigen. Sicherlich werden seine Fans auch von diesem Alpenkrimi begeistert sein, auch wenn er der schwächste Teil der Reihe ist. Wer noch nie einen „Maurer“ gelesen hat, sollte aber nicht mit diesem Teil beginnen. Wer „Am Tatort bleibt man ungern liegen“ dennoch lesen möchte, sollte auf das Hörbuch warten. Die Vertonungen sind, gerade weil sie vom Autor selber eingelesen werden, immer ein Genuss. Der Roman ist es diesmal aber leider nicht.

Am Tatort bleibt man ungern liegen

Am Tatort bleibt man ungern liegen

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