Felsenfest

Erschienen: Januar 2014

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Argon, 2014, Seiten: 6, Übersetzt: Autorenlesung
  • Frankfurt: Fischer Taschenbuch, 2015, Seiten: 432, Originalsprache

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Andreas Kurth
Lady Gaga und der Favor contractus

Buch-Rezension von Andreas Kurth Mär 2014

Ein Klassentreffen in der Nähe des Kurortes bekommt urplötzlich besondere Brisanz. Die Teilnehmer haben sich auf einem Berggipfel versammelt, und wollen einen schönen Sommertag gemeinsam verbringen. Erinnerungen austauschen, aus ihrem Berufsleben erzählen, doch dann steht plötzlich ein maskierter Mann in ihrer Mitte. Die eben noch fröhliche Schar von ehemaligen Klassenkameraden wird als Geisel genommen. Jennerwein hat sich ferngehalten, die regelmäßigen Treffen sind ihm suspekt. Kryptische Nachrichten auf seinem Handy deutet er zunächst falsch, bis ihm auffällt, dass es sich um eine Art Code handelt. Eine der Geiseln hat ihn auf die Entführung hingewiesen, mittlerweile hat es auf dem Gipfel den ersten Todesfall gegeben. Der Fall betrifft den bajuwarischen Kommissar dann mehr als er zunächst dachte, immerhin handelt es sich bei den Entführungsopfern um seine früheren Klassenkameraden. Er pflegt zwar so gut wie keinen Kontakt mehr, dennoch geht ihm diese Entführung ziemlich nahe. Die Lösung des verwickelten Falles hat jedoch mit der mittelalterlichen Geschichte des Kurorts und der ganzen Region zu tun.

Schelmischer Stil und klare Dramaturgie

Jörg Maurer ist für mich der absolute "König" des bayrischen Regionalkrimis – wobei das nur meine bescheidene persönliche Meinung ist. Viele andere Autoren versuchen, mit deftigem Humor, Spannung und bajuwarischer Mundart zu punkten. Aber in meinen Augen ist Maurer in dieser Hinsicht unerreicht, sein schelmischer Erzählstil und die satirischen Seitenhiebe sind in eine klar strukturierte Dramaturgie eingebettet. Wie gewohnt schickt Maurer ein ganzes Rudel handfester Protagonisten ins Rennen, wobei in "Felsenfest" nicht die ganze Polizeimannschaft in all ihren Eigenschaften Berücksichtigung findet. Aber das macht nichts, die sonstigen Charaktere leisten hier wieder ganze Arbeit, das reicht vom Honigverkäufer auf dem Markt bis zu den mittelalterlichen Recken, die hier zur Erläuterung der Historie ebenfalls aktiviert werden.

Ein Kuckucksei der bajuwarischen Altvorderen

Am Gipfelkreuz einen Entführer mit Lady-Gaga-Maske und Maschinenpistole auftreten zu lassen, ist schon mal ein toller Ansatz. Wie dann auch noch ein 700 Jahre alter Vertrag ins Spiel gebracht wird, der vom Ehepaar Grasegger – ein Maurer-Lesern bestens bekanntes Gauner-Pärchen mit lokaler Berühmtheit – gesucht wird, führt in politischen Kreisen zu höchster Konfusion. Hier geht es jedoch nicht um irgendwelche Verschwörungstheorien, sondern die bajuwarischen Altvorderen haben den nachfolgenden Regierungskreisen ein Kuckucksei hinterlassen. Ausgangspunkt der ganzen Verwicklungen ist eben das Klassentreffen der ehemaligen Mitschüler des Kommissars. Wider Willen muss der sich nun mit der ganzen Bagage beschäftigen, da seine früheren Klassenkameraden in Todesangst auf dem Gipfel festgehalten werden.

Ein spannendes und originelles Lesevergnügen

Die zunächst geheimnisvolle SMS sackt bei Jennerwein erst ganz langsam ins Bewusstsein, aber dann wird die Abteilung Attacke eindrucksvoll eingeschaltet. Helikopter werden zum Gipfel geschickt, ein SEK angefordert. Doch dann ist der Entführer verschwunden, obwohl das eigentlich unmöglich ist. Jetzt beginnt für den Kommissar und sein Team die eigentliche Ermittlungsarbeit – die am Ende zu einem überraschenden Resultat führt. Felsenfest ist mal wieder großes Lese-Kino. Der Autor hat seine feste Fan-Gemeinde, bei der auch seine von ihm selbst gelesenen Hörbücher hoch im Kurs stehen. Maurer versteht es, auf einem relativ gleichbleibenden Niveau zu unterhalten. Die wirklich witzigen Einträge im Online-Klassenbuch sind eine humorige Zugabe, und der historische Rückblick rundet das ganze gelungen ab. Die Jennerwein-Reihe ist spannend, originell und in meinen Augen auch höchst authentisch. Da Maurers Plots auch noch ausgeklügelt und mit viel Hintergrund versehen sind, kann ich das ganze nur als absolutes Lesevergnügen bezeichnen.

Felsenfest

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Letzte Kommentare:
07.07.2017 12:10:31
Nico

Super gut besonders ist das ganze als Hörbuch vom Autoren selbst gelesen! Da kommen die regionalen Eigenheiten der Charaktere erst recht zur Geltung. Toll durchdacht, schöner Bogen, sehr unterhaltsam. Ja, es ist kein kurzes Stück, aber da hat man eben länger, und immer wieder was davon!
Kategorie "Lohnt sich"

20.04.2016 19:25:30
Astro Eva

Sehr gut geschrieben und stellenweise sehr lustig

Ich habe das Hörbuch gehört. Prima. Spannend

Nur am Ende zu lang und nicht so spannend. Langatmig. Auch das Mordmotiv aus dem Mittelalter nicht so glaubwürdig.
Klassentreffen in Bayern. Besonders witzig die Schülerzeitung oder Klassenzeitung. Herrlich die verschiedenen Typen.
Und das uns bekannte Ermittlerteam.

02.02.2016 14:09:57
Christina Jordan

Ich fand es zu lang, und vielleicht etwas langweilig, ich lese nun schon seit 2 Monaten daran, aber kann es nicht fertig bekommen. Es kommt mir vor wie eine Schularbeit, die ich lesen muss, aber nicht will.
Ich moechte noch sagen, dass ich in Amerika wohne, aber jedes Jahr Bayern besuche, wo ich aufgewachsen bin.

24.07.2014 12:22:10
charliene

Wieder einmal ein tolles Leseerlebnis. Der Schreibstil von Jörg Maurer ist einmalig. Seine humorvolle Art Dinge zu beschreiben und auseinander zu nehmen, einfach köstlich. Wie nach jedem Buch freue ich mich auf ein möglichst baldiges Wiedersehen mit den unerschrockenen Ermittlern dieses idyllischen, alpenländischen Kurorts.

27.06.2014 20:49:07
AP

Vielen Dank. Wieder ein toller Jennerwein-Krimi. Spannend, innovatives Layout und sprachlich ein Leckerbissen, den man Wort für Wort genießen kann. Die Volleyball- Szenen mit Tom verdienen es, als Vorbild in deutschsprachige Schulbücher aufgenommen zu werden. Einfach großartig.
Ich freue mich auf die nächsten Folgen.