Ostseerache

Erschienen: Januar 2018

Bibliographische Angaben

  • Köln: Bastei Lübbe, 2018, Seiten: 5, Übersetzt: Anne Moll

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Thomas Gisbertz
Interessante Hauptfigur und viele Verdächtige

Rezension von Thomas Gisbertz Jan 2018

Als Flora in ihr Heimatdorf zurückkehrt, da ihre Mutter einen Herzinfarkt erlitten hat, muss sie sich schnell den Anfeindungen der Dorfbewohner stellen. Die junge Frau lebt seit zwölf Jahren mit der Mitschuld am Tod des Nachbarjungen Simon Hertling. Allerdings kann sie sich nicht mehr an den Ablauf der Ereignisse von damals erinnern.

Als man Nicole Mohr vergiftet in ihrer Wohnung findet, steht für die Dorfbewohner fest, dass damals wie heute nur eine Täterin in Frage kommt: Flora. Mit Hilfe von alten Akten ihres Vaters, der als Polizist damals heimlich ermittelt hat, und der Unterstützung seiner ehemaligen Kollegen, versucht Flora endlich herauszubekommen, was an diesem Tag vor zwölf Jahren genau passiert ist.

Auch Pia Korittki und Hans Broder fällt es nicht leicht, Licht in das Dunkel zu bringen. Die Dorfbewohner sperren sich gegen die Ermittlungen - und fast jeder scheint ein Geheimnis zu haben. Als Flora plötzlich einen mysteriösen Autounfall hat, spitzen sich die Ereignisse mehr und mehr zu.

Typische Dorfbewohner und überzeugende Verdächtige

Eva Almstädt gelingt es besonders, die einzelnen Dorfbewohner in ihrer verschrobenen und sehr eigenwilligen Art zu zeigen. Sei es die genervte Verkäuferin im Dorfladen, Floras Nachbarn, die die Jalousien schnell herunterlassen, wenn sie die Heimkehrerin hinter den Gardinen versteckt erblicken oder auch Hannes Schöttler, der Leiter des Chores, der mit der Pastorin Thea verheiratet ist, aber heimlich Nicole Mohr nachstellt.

Hinzu kommen die Familien, die damals mit ihren Kindern, die inzwischen erwachsen sind und ebenfalls im Dorf wohnen, im Fall des getötete Simon Hertling involviert waren. Auch sie verbergen so manches Geheimnis und bringen sich fast alle in Verdacht. Auch in der Darstellung der Familienverhältnisse beweist die Autorin viel Menschenkenntnis.

Seine Stärke zieht der Roman aber besonders aus der gelungenen Darstellung Floras. Sie ist die eigentliche Hauptfigur der Handlung. Sehr glaubwürdig wird sie mit ihren Zweifeln und Ängsten dargestellt. Als Kind zur "Mörderin" abgestempelt kommt sie zunächst in eine psychiatrische Einrichtung, ihr Vater begeht Selbstmord und ihrer Mutter bricht jegliche Beziehung mit ihr ab.

Man spürt als Leser förmlich, wie sie die Schatten der Vergangenheit hinter sich lassen will, ja sogar muss, um mit dem, was damals geschehen ist, endlich abschließen zu können. In der Auseinandersetzung mit den Dorfbewohnern will sie Stärke beweisen und zeigt sich gleichzeitig sehr verletzlich und schwach. Sie freundet sich allmählich mit Falk an, dem Ex-Mann von Nicole. Während beide als Täter in Frage kommen, nähern sie sich immer mehr an.

Interessanter Krimi, aber mit zu vielen Nebenhandlungen

"Ostseerache" ist mittlerweile der dreizehnte Fall von Pia Korittki und ihrem Team. Besonders das Privatleben Pias steht erneut im Mittelpunkt. Da gibt es zum einen Probleme mit ihrem Sohn Felix, der sich an den Wochenenden bei seinem Vater nicht mehr wohl fühlt, seit dessen neue Frau Mascha und er eine gemeinsame Tochter haben. Zum anderen plant Pia die gemeinsame Hochzeit mit ihrem Freund Lars. Des Weiteren ereilt sie plötzlich und unerwartet ein großer Schicksalsschlag.
Beruflich steht Pia die Möglichkeit zu einer Beförderung unerwartet offen und zu guter Letzt nötigt sie Mark Albrecht Lohse, ein Krimineller, an dessen Festnahme und Verurteilung Pia maßgeblich beteiligt war, zu einem Besuch im Gefängnis und droht sogar ihr und ihrer Familie. Gerade den Einblick in das Privatleben der Kommissarin mögen die Fans der Krimireihe sehr, aber er lenkt auch immer wieder von der Haupthandlung ab. Letztendlich sind es meines Erachtens dann doch auch zu viele Nebenhandlungen, die im Roman vorkommen. Immer wieder werden neue Handlungsfäden aufgenommen, die durchaus interessant sind, die aber ebenso schnell wieder fallengelassen werden.

Dies ist insofern schade, da Eva Almstädt besonders eines kann: erzählen. Ich glaube sogar, dass die Autorin eine gute Romanschreiberin wäre. Sie gibt aber in diesem Teil der Reihe den einzelnen Figuren und Handlungssträngen - besonders bezogen auf den Kriminalfall - zu wenig Raum zur Entfaltung. Durch die zahlreichen Handlungsfacetten schwankt der Roman zu sehr zwischen Familientragödie, regionalem Krimi und Thriller.

Gefundenes Fressen für Almstädt-Fans

Wer als Leser schon von der Reihe um Hauptkommissarin Pia Korittki begeistert war, wird auch diesmal den neuen Roman verschlingen. Man erfährt Neues aus dem Privatleben Pias und so mancher Handlungsfaden aus den alten Fällen wird wieder aufgenommen. Aber keine Sorge: Auch wer die anderen Fälle nicht kennt, wird den Roman mühelos lesen können. Allerdings ist "Ostseerache" sicherlich nicht der beste Teil der Reihe. Dafür fehlt etwas der Spannungsbogen, der durch die zahlreichen "Nebenschauplätze" immer wieder verloren geht. Dabei weiß das überraschende Ende aber ebenso wie die Darstellung der Hauptfigur zu überzeugen. Wer gerne Nina Ohland, Hendrik Berg, Katharina Peters oder Hendrik Falkenberg liest, dem kann man die Reihe um das Lübecker Ermittlerteam empfehlen.

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