Blaue Nacht

  • Suhrkamp
  • Erschienen: Januar 2016
  • 4
  • Berlin: Suhrkamp, 2016, Seiten: 280, Originalsprache
  • Hamburg: Osterworld audio, 2017, Seiten: 5, Übersetzt: Sandra Borgmann & Vanida Karun
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Michael Hoch
80°1001

Krimi-Couch Rezension vonJan 2016

Erfrischende Alternative

 

"Nach zwei Wodka sitzt die Welt schon viele lockerer."

 

Wer solche Sätze schreibt, verdient es, gelesen zu werden. Die "Übeltäterin" dieses Kriminalromans ist Simone Buchholz, freie Autorin. Seit 1996 wohnt sie in Hamburg. Sie kennt sich aus und weiß, wovon sie schreibt. Und so ist es natürlich kein Zufall, dass ihr Kriminalroman im Hamburger Milieu spielt. Ihre Figuren haben dabei manches Mal etwas von der Kauzigkeit eines Grabowski, auch wenn diese Figur des Schauspielers Ralf Richters im Ruhrgebiet angesiedelt ist. Aber Namen wie Klatsche und Calabretta á la "Bang,Boom,Bang - ein todsicheres Ding" machen Blaue Nacht zu einem wirklich unterhaltsamen Erlebnis.

Buchholz schreibt kurz und prägnant, in einer erfrischenden, wenn auch einfachen Sprache. Aber genau das macht Blaue Nacht so besonders. Es ist die klare Sprache ohne Schnörkel, wenn die Ich-Erzählerin im "Fucking nowhere zwischen Zarrentin und Schießmichtot" mit ihrem Auto festhängt.

Jedes Kapitel trägt eine eigene Überschrift. Oft steht jede Geschichte für sich. Zusammenhängend vollenden sie natürlich das Puzzle der kriminellen Leichtigkeit. Auch ihre Figuren kommen zu Wort wie Rocco Malutki, St. Pauli Urgestein, der von seinen Eltern erzählt. Und von einer wie Carla Velosa erfährt man unter anderem, dass ihre Oma Tintenfische gegen die Wand schlägt.

Blaue Nacht hebt sich ab von Einheitslektüren, die einfach nicht überzeugen wollen. Und so ist der Roman von Buchholz eine Mischung aus Poesie und Direktheit. Das findet auch Schauspieler Wotan Wilke Möhring, der Tatort-Kommissar aus dem hohen Norden, der den Roman von Simone Buchholz als "Immer nah und echt" beschreibt.

Blaue Nacht ist erfrischend anders. Blaue Nacht ist dabei einer der Spielorte mit einem Publikum aus "altgedienten Recken", Hipstern und "freundlichen Menschen zwischen zwanzig und fünfzig". Durch die speziellen Elemente des Buches (wie z.B. Figuren, die sich in eigenen Absätzen selbst vorstellen und Kapitelüberschriften) gerät das eigentliche Geschehen fast schon in den Hintergrund. Denn immerhin geht es für Staatsanwältin Chastity Riley auch noch darum, in einer Gemütlichkeit aus Bier und Steaks, einen Mord aufzuklären.

2008 erschien Simone Buchholz erster Roman Revolverherz. Man darf gespannt sein auf das, was noch folgen wird. Auch wenn Blaue Nacht in seiner Aufmachung zunächst einmal unauffällig daherkommt, sein Inhalt strotzt vor Überraschungen.

Blaue Nacht

Simone Buchholz, Suhrkamp

Blaue Nacht

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