Schwanengesang

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 2012, Seiten: 320, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
Ein Schussel mit Kultpotenzial

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Dez 2011

Marc Hagen, der Rechtsanwalt, der immer völlig hilf- und orientierungslos (Zitat Jörg Kijanksi in seiner Rezension zu Die Medjwedew-Variante) in seine Fälle stolpert, greift auch in seinem neuesten Erlebnis Schwanengesang mit beiden Händen voll in die Hinterlassenschaft Anderer.

Und das im wahrsten Sinn des Wortes. Denn wider besseren Wissens hilft er einer todkranken Frau aus dem Leben zu scheiden. Und obwohl er sich in alle Richtungen abgesichert hat, weil Beihilfe zum Suizid in unseren Landen noch immer strafbar ist, wird er nur kurze Zeit nach dem Ableben der Frau mit einer Anklage zum Mord konfrontiert.

Denn die forensische Untersuchung hat ergeben, dass die Frau gar kein körperliches Gebrechen hatte. Und zu allem Überdruss hat sie Marc bereits Wochen bevor dieser die Tote kennengelernt hatte mit einem Vermächtnis in sechsstelliger Höhe beglückt, wovon unser kluger Anwalt überhaupt nichts wusste und was ihn natürlich noch verdächtiger macht.

Helfen kann hier nur der Arzt, der Marc um Hilfe gebeten hatte, aber dieser ist seit dem freiwilligen Dahinscheiden seiner Patientin unauffindbar. Alle Finger weisen auf Marc als Übeltäter und nur er kann sich am eigenen Haarschopf aus dem Sumpf dieses Verbrechens ziehen, auch wenn er dabei seine Familie und seine Freunde verliert und weitere ungesetzliche Taten begehen muss ...

Was Andreas Hoppert im Grafit Verlag auf über 300 Seiten mit Schwanengesang abgeliefert hat, ist ein gefundenes Fressen für jeden Liebhaber von Anwaltsromanen, auch wenn unser Protagonist nicht immer Herr seiner Sinne zu sein scheint. Doch der Erzählstil des Autor, der in wunderbar linearer Fortführung der spannenden Handlung eine blitzsauber konstruierte Geschichte erzählt, ohne dabei den Lesefluss durch trendige Zwei-Seiten-Kapitel zu zerstückeln , hält den Leser von Anfang bis Ende bei der Stange, ohne dabei große Spannungsschwankungen zu verursachen.

Auch doziert Herr Hoppert nicht großmächtig zum Thema Sterbehilfe, sondern stellt das Verhalten Marc Hagens zwar zur Diskussion, aber ohne die Für und Wider unserer Rechtsprechung übermäßig auszubreiten. Hagen baut Mist. Hagen kennt sich vorne und hinten nicht aus und Familie und Freunde ziehen sich von ihm zurück. Konsequent bis ins Letzte und das in alle Richtungen führt uns der Autor mit dem unglückseligen Marc durch die Geschichte, verzichtet auf Sichtweisen anderer Beteiligter und zieht den Handlungsstrang sukzessive voran.

Da macht Lesen Spaß, da steht man mitten drinnen in der Geschichte und wer glaubt, den Täter vorzeitig zu erraten, der liegt bis zum Ende falsch.

Andreas Hoppert verzichtet auch auf großartige Charakterisierung der beteiligten Personen. Man erfährt über sie gerade so viel, wie man wissen muss, um der Handlung ordentlich folgen zu . Dabei braucht der Autor keine Nebenstränge, denn seine Story wirkt in sich schlüssig und fantasievoll genug fabriziert, dass er zu sehr auf Nebensächlichkeit achten muss. Das ist erfrischend komplex geschrieben und deshalb gibt es von mir eine eindeutige Leseempfehlung für diesen wohltönenden Schwanengesang, bei dem man sich schon auf das nächste Abenteuer des Anwalts freut, der es in seiner schusseligen Art durchaus zu Kultcharakter bringen könnte.

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