Dschingis Khans Tochter

Erschienen: Januar 1996

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 1996, Seiten: 285, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1998, Seiten: 282, Originalsprache

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Sibirien-Sackgasse mit Beulen

Buch-Rezension von Hyby Hyby Mai 2003

Mannomann, da hat es die Autorin aber ein bischen sehr gut gemeint mit ihren Lesern: Das sind ja drei Romane in einem. In einer früheren Rezension habe ich mal die Behauptung gewagt, Doris Gerckes Geschichten seien schlicht. Hier zeigt sie, dass sie auch anders kann.

Worum geht es? Die Privatdetektivin a. D. Bella Block reist ins ukrainische Odessa am Schwarzen Meer, diesmal als Dolmetscherin der taffen Hamburger Modeunternehmerin Charlotte Mehring. Doch diese hat für ihre Unternehmung einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt getroffen: Mit ihrer Ankunft platzen die Damen mitten in einen heftigen Konkurrenzkampf der beiden führenden Modedynastien der Stadt. Für Hollywood wäre das sicher ein schöner Stoff für eine Action-Komödie, im Odessa unserer Tage jedoch bedeutet das knochenharter, blutiger Krieg bis zum Einsatz von Plastikbomben.

Da überrascht es wenig, wenn die mutige Unternehmerin aus Deutschland eines Morgens spurlos verschwunden ist. Da offizelle Stellen wenig Energie zu Nachforschungen an den Tag legen, macht sich Bella selbst auf die Suche nach der Verschwundenen, taucht ein in eine Stadt, in der Armut, Verzweiflung und Gier längst die Herrschaft ergriffen haben. Auf ihrer Suche begegnet sie guten wie außergewöhnlichen Menschen wie z. B. dem melancholischen Wissenschaftler Viktor, der ihr treuer Begleiter durch die Unterwelt wird oder wie Tolgonai, einer jungen Kriegerin mongolischen Zuschnitts. In Bellas Augen ist sie Dschingis Khans Tochter, denn sie bewegt sich schnell und mutig in dem sie umgebenden Sumpf. Sie tötet schnell und ohne Zögern - sie nimmt Rache für die seit Urzeiten erlittenen Erniedrigungen und Entwürdigungen der Mädchen und Frauen ihrer Region.

Tolgonai hilft Bella bei ihrer Suche - und sie ist es auch, die die Entführte schließlich findet: an einem Knebel erstickt. Tolgonai nimmt blutige Rache - so blutig, dass sie wird das Land verlassen müssen. Als Gegenleistung für ihre Dienste fordert sie von Bella ein Visum für Deutschland. Bella läßt ihre Verbindungen spielen und tatsächlich landet Tolgonai eines kalten Tages auf dem Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel - allerdings ohne Bella: die hat fürs erste Deutschland den Rücken gekehrt und ist mit Viktor unterwegs nach Sibirien.

Denn Bella hat die Schnauze voll von Deutschland. Während ihrer Abwesenheit ist ihre Mutter Olga, die knorrige Altkommunistin, in Hamburg einen beiläufigen Tod gestorben. Und ebenfalls in Hamburg gerät ihr glühender, aber niemals erhörter Verehrer, der Polizeipsychologe Kranz, immer tiefer in den Schlick interner Ermittlungsverfahren über polizeiliche Übergriffe gegen Ausländer. Seine ehrenwerten Bemühungen, die Seilschaften kollegialer Kumpanei aufzudröseln, bescheren ihm kurzerhand den Vorruhestand.

Doch die schlimmste Seite deutschen Wesens erfährt Bella in Odessa selbst: inmitten der Papiere der Verschwundenen findet Bella ein Kriegstagebuch deren Großvaters. Und selbst dessen knappe Aufzeichnungen aus den Jahren 1941/42 lassen die Greuel eines deutsch-rumänischen Vernichtungskrieges wieder aufleben. Eine beschämend böse deutsche Vergangenheit, deren über die Jahre im Verborgenen schwelende Glut im Aufwind der Gegenwart wieder hier und da offen zu zündeln beginnt.

Und diesem alt-neuen Ungeist begegnen Bella und Viktor während ihrer Suche in entlegenen, blitzsauberen Dörfern deutschstämmiger Bevölkerung, wo sich Verachtung für Juden und russisches Untermenschentum in immer frecherer Offenheit artikulieren - deprimierend zähe Metastasen des Tausendjährigen Reiches.

Wie gesagt - vielleicht ein bischen viel auf einmal. Fast hat es den Anschein, als hätte die Autorin mit diesem Buch einen turbulenten, spektakulären Schlusspunkt unter ihre Bella-Block-Reihe setzen wollen. Inzwischen hat sie es sich dann aber wohl doch anders überlegt: Es gibt zwei weitere Bella-Block-Romane. Ich bin gespannt, wie sie sich aus dieser Sibirien-Sackgasse ohne Beulen herausmanövriert.

Dschingis Khans Tochter

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Letzte Kommentare:
01.02.2009 15:05:17
lisa

Diese Bücher sind langweilig , es lohnt nicht sie zulesen. Gut,daß ich sie mir nur ausgeliehen habe.Ich hätte mich über die Geldausgabe schwer geärgert.
Dann auch noch 300 Wörter für die Kritik,
Verschwendung! Was soll ich sonst schreiben.Eslohnt nicht. Es sind noch zuwenig Wörter. Blah ,Blah ,Blah

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