Nachsaison

Erschienen: Januar 1988

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Galgenberg, 1988, Seiten: 132, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1992, Seiten: 153, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1995, Seiten: 153, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2000, Seiten: 157, Originalsprache

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Das Grauen lauert unsichtbar an der Peripherie

Buch-Rezension von Hyby Hyby Mai 2003

Bella Block hat ihren Job bei der Hamburger Kripo quittiert. Ihre männlichen Kollegen waren ihr einfach zu stumpf, zu geil und zu doof. Soll’s geben. Immerhin bleibt ihr ein Häuschen in guter Lage am Elbhang und die eine und andere Verpflichtung als Privatdetektivin. So will eine junge, hochnäsige Dame aus der vornehmen Blankeneser Society Bella anheuern, um ihren fiesen Freund in Jenseits befördern zu lassen. Natürlich kein Job für Bella.

Wenige Tage später erscheint nun wieder just dieser Freund - natürlich ebenfalls Edel-Blankeneser - bei Bella mit dem Auftrag, die Italienreise seiner Frau (richtig: Frau, nicht Freundin) zu überwachen. Ein paar bezahlte Tage unter südlicher Sonne mit einem lockeren Ausguckjob - das ist schon eher was für Bella.

Die etwas beschwerliche Bahnreise führt die Frau und ihre Verfolgerin in ein italienisches Küstendorf in der Nähe Neapels. Doch wie Bella bald feststellen muß, ist die Firniß idyllischer Sonenuntergangsromantik ziemlich dünn: darunter räkelt sich die Krake der Camorra. Das düstere Schweigen der Einheimischen wird in Schach gehalten durch die unberechenbare Allgegenwart umherstolzierender junger Männer mit harten Augen.

Die heranwachsenden junge Mädchen in der Region - die hübschen jedenfalls - verschwinden dann und wann von der Bildfläche - verschoben in die finsteren Zuliefererkanäle des europäischen Rotlichtmilieus. Und in diesem schmutzigen Geschäft scheint die Dame aus Hamburg eine nicht unbedeutende Rolle zu spielen. Wie auch ihr Mann, der plötzlich völlig unerwartet auf der Bildfläche erscheint. Und Bella platzt der Kragen und sie macht da etwas sehr Unkorrektes: sie lockt zwei der jungen Mafiosi an einen einsamen Ort - und legt sie um.

Die Regionalzeitungen der nächsten Tage sprechen aufgeregt von "Bandenmord", denn niemand glaubt, dass eine ältere, etwas blasse Touristin aus Alemannia eine Beretta in der Handtasche mit sich herumschleppt. Das Blankeneser Duo verschwindet von der Bildfläche und auch Bella trifft schon bald wieder in Hamburg ein, doch die Tentakel der Camorra sind lang...

Es ist eigentlich verblüffend, wie schlicht und platt die Story gestrickt ist. Noch verblüffender ist, dass mir das als Leser nicht das Geringste ausmacht. Immerhin - das Thema ist die Mafia und daran sind schon ganz andere in Schönheit gescheitert. Aber die Gercke ist ja klug und lässt Insiderwissen, das sie nicht hat, lieber einfach weg. Richtig so! Sie belässt es bei Andeutungen: Das Grauen, der Schrecken lauert unsichtbar an der Peripherie. Und damit schafft sie wieder mal eine erstaunlich dichte, lebensnahe Atmosphäre. Da atme ich gern tiiiiief ein und lasse auch mal fünfe grade sein, was die Handlung angeht.

Aber halt, ein letztes noch: Bei allem Respekt vor dem literarischen Leistungsvermögen sollte man tunlichst vermeiden, Frau Gercke auf die Nerven zu gehen. Das hat nämlich offensichtlich und wohl völlig ahnungslos ein Jungmoderator von Radio Hamburg mit seinem Endlos-Fun-Gequassel getan. Frau Gercke hat für so was eine prompte Rache: Sie schreibt das einfach in ihr Buch.

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