Goldstein

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Argon, 2010, Seiten: 6, Übersetzt: David Nathan
  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2011, Seiten: 573, Originalsprache

Couch-Wertung:

93°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

11 x 91°-100°
4 x 81°-90°
1 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:93.4375
V:15
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":1,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":1,"88":1,"89":0,"90":2,"91":1,"92":1,"93":0,"94":1,"95":1,"96":0,"97":0,"98":1,"99":3,"100":3}
Wolfgang Franßen
In der roten Burg

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Jul 2010

Nachdem wir durch das Stahlbad Hollywood gegangen, mit transatlantischen Mythen aufgewachsen, uns Namen wie Capone und Dutch Schultz, Moe Green oder Vito Corleone zum Inbegriff des Verbrechens geworden sind, ist der Blick auf unsere eigene Tradition verkümmert. Zwar hat Alfred Döblin im Alexanderplatz, den Bodensatz der Weimarer Republik ein Gesicht verliehen, doch wenn wir an die Zwanziger, Dreißiger denken, fällt uns als Erstes Liza Minelli und Cabaret ein. Allemal noch Brecht und seine Dreigroschenoper, Erich Kästner und Emil und die Detektive.

Berlin, Weimarer Republik, eine einzige Revue, oder?

Der Rest gehört der Geschichtsschreibung und den Memoiren an, die die Anfänge des Dritten Reiches immer wieder beleuchten und das Unvermögen einer Gesellschaft, sich als Demokratie zu verstehen, nachzeichnen.

Auch Volker Kutschers dritter Roman um seinen Kommissar Gereon Rath besticht durch die dichte Atmosphäre einer Gesellschaft, die sich nicht bewusst ist, dass sie sich im Auflösen befindet. Kutscher ist ein Chronist im Stile Gore Vidals, eher an einem Sittengemälde als an der bis zum Exzess austarierten Spannung interessiert. Seine Fälle sind episch angelegt, nehmen sich Zeit fürs Detail, den Seitenblick, dem Versuch, die Zeit weniger mit Spannung zu überladen, als sie zu verstehen.

Zwar bevölkern Antisemiten, wie braunes Gesocks das Bild, werden auch hier unlautere Geschäfte durch Morde abgesichert, lässt das Leben am Rand nur den Diebstahl im KaDeWe zu, sind Korruption, Machtgehabe bei der Polizei wie der Politik Triebfedern einer ziellos dahin driftenden Society, aber sie münden nicht im Schwarz-weiß Klischee. Eher nähert sich Kutschers Stil den wunderbar nüchternen Romanen eines William Kennedys an. Auch wenn Kutscher sich diesmal dem Blick über den großen Teich öffnet, indem er in der Gestalt von Abraham Goldstein den American Style of Crime in sein Berliner Geschehen eingreifen lässt.

Das birgt allzu leicht die Gefahr, mit den großen Vorbildern verglichen zu werden. Goldstein ist ein Killer. Einer von Fat Moes Männern. Nach einer unglücklichen Kindheit hat er sich auf den Straßen New Yorks durch kaltblütiges Morden einen Namen und Respekt verschafft. In seiner Ausstattung erinnert er an die Gangster in Billy Bathgate von E.L. Doctorow.: Es gibt nur ein Überleben, wenn man sich vom Leben das nimmt, was es einem eigentlich nicht zusteht.

Ausgerechnet auf Abe Goldstein soll Kommissar Gereon Rath ein Auge werfen, damit der Amerikaner nicht neues Unheil anrichtet. Wie wir aus den beiden Vorgänger Der nasse Fisch und Der stumme Tod wissen, ist Rath nicht unbefleckt und steht in einem merkwürdigen Verhältnis zu dem halbseidenen John Marlow, der sich gelegentlich der Berolina bedient, deren Chef der rote Hugo nun verschwunden ist. Marlow beauftragt Rath damit, die Umstände zu klären, während sich zwischen den Banden der Nordpiraten und der Berolina ein Verteilungskampf entspinnt.

Kutscher kennt seine Amerikaner. Auch wenn er nicht Hard Boiled a lá Hammett oder Chandler daher kommt, versteht er sich darauf, den Sumpf zu bewässern, in dem selbst das Gute auf Abwege gerät. Egal ob die ehrgeizige und geliebte Charly Ritter, der Buddha Gennat, die Bulldogge Böhm, der Hund Kiries – es menschelt bei Kutscher, das macht den Roman zu einem Schmöker, in den man gerne versinkt, ohne sich der Unsicherheit, der Zuspitzung, der Überzeichnung aussetzen zu müssen. Die Sympathien sind klar verteilt.

Kutscher bemüht sich, ein geschichtliches Mosaik mittels des Kriminalromans hervorzuzaubern. Wenn ein alter Jude die U-Bahn nehmen will und von der SA daran gehindert wird, indem die Braunen Sprüche wie "Sprich Deutsch, wenn du Deutscher bist" in die Welt hinausposaunen, um den alten Mann anschließend in einem Park aufmischen zu wollen, gehört dies zum Erscheinungsbild einer Republik, die vor allem eins kann: mit sich selbst beschäftigt sein, und die nur allzu gerne beiseite schaut.

Dass ausgerechnet Abe Goldstein den alten Juden retten wird, mag der augenzwinkernden Ironie des Autors geschuldet sein, der sich mit journalistischer Akribie dem Geschichtenerzählen verschreibt, um uns von den Wurzeln zu berichten, die in unsere Zeit hineinreichen.

Goldstein

Goldstein

Deine Meinung zu »Goldstein«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
09.02.2019 14:55:07
Mabel

Am besten an den Gereon-Rath-Büchern gefällt mir, dass es immer mehrere Erzählstränge gibt, die stimmig zusammengefügt werden, sodass der Autor einen befriedigt aus seinem Roman entlässt. Auch der dritte Teil ist ein reines Vergnügen: 90°

19.01.2016 22:03:34
Maren78

Inhalt: Alex und Benny zwei Strassenkinder in den dreiziger Jahren, in Berlin rauben regelmäßig grosse Kaufhäuser aus. Bis eines Tages Benny vom Kaufhaus stürzt. War es Mord? Zeitgleich steigt Abraham Goldstein, ein amerikanischer Gangster, in Berlin ab. Eine geheime Untergrundorganisation fängt innerhalb der Polizei an zu ermitteln. Was hat der Mord an Benny mit Goldstein zu tun? Es kommt zu immer mehr Todesfällen , aber auch zu immer mehr Ungereimtheiten. Kommisar Rath versucht zu ermitteln. Bis zum Schluß weiß man nicht den Unterschied zwischen Freund und Feind.

Meine Meinung: Ich hatte bisher noch keinen Roman mit Kommissar Rath gelesen, dennoch gelang es mir mich sehr schnell im Geschehen zu recht zu finden. Das Buch bestand aus verschiedenen Handlungssträngen, was das ganze manchmal etwas kompliziert machte. Es kamen sehr viele verschiedene Personen drin vor. Dennoch fand ich das Buch sehr spannend zu lesen. Volker Kutscher versucht etwas Zeitgeschichte mit einem Kriminalroman zu verbinden.

Fazit: Ich werde mir bestimmt nochmal einen Krimi mit Komissar Rath besorgen.

12.09.2014 08:37:36
uknig

Eigentlich bin ich immer ein wenig skeptisch, wenn ich Bücher dieses Umfangs sehe. Doch Goldstein von Volker Kutscher ist die 600 Seiten durchaus wert. Kutscher erzählt eine durchgehend spannende Geschichte aus dem Berlin der 30er Jahre, die ich mich regelrecht gefesselt und in keiner Weise irgendwie gelangweilt hat.
Die Story um Kommissar Gereon Rath ist gut konstruiert und hat einige interessante Wendungen. Zudem ist Goldstein ein starkes Stück Zeitgeschichte der Weimarer Republik – sehr lebendig dargestellt, mit starken Charakteren, wunderbaren Dialogen und präzisen Ortsangaben. Hier hat jemand kräftig recherchiert und das merkt der Leser. Ein tolles Werk.

09.05.2013 16:28:45
PMelittaM

Der amerikanische Gangster Abe Goldstein kommt nach Berlin und Gereon Rath erhält den Auftrag ihn zu beschatten. Zur selben Zeit gibt es Tote bei den Berliner Ringvereinen, handelt es sich da um Revierkämpfe? Ist Goldstein deshalb in Berlin oder was will er hier?

Charlie, Gereons Freundin, leistet derweil ihren juristischen Vorbereitungsdienst beim Amtsgericht b und lernt dort die 18jährige Alex kennen, eine Kleinkriminelle, die sich u. a. mit raffinierten Kaufhausraubzügen durchschlägt. Bei einem solchen wird Alex‘ Freund Benny getötet und es scheint fast, dass ein Polizist dabei seine Hände im Spiel hat. Alex gelingt es aus Charlies Obhut zu fliehen und diese setzt nun alles daran, sie wieder zu finden, auch zu Alex‘ eigenem Schutz, denn auch andere sind hinter ihr her.

Kutschers dritter Band um Gereon Rath ist wieder angesiedelt in mitten historischer Ereignisse. Das ist es auch einer der Gründe, die diese Romane so interessant machen. Der aufkommende Nationalsozialismus und der Terror, der dahinter steckte, sind in diesem Band sehr stark erlebbar. Durch die Figur des Abe Goldsteins, eines Juden, wird auch die Stellung der jüdischen Bevölkerung mehr thematisiert, zumal dieser auch noch Familie in Berlin hat, an der der Autor sehr schön die unterschiedlichen Strömungen jüdischen Lebens darstellt, auf der einen Seite die sehr stark religiös Geprägten, auf der anderen Seite die eher weltlich Orientierten.

Der Autor erzählt die Geschichte in verschiedenen Ebenen. Direkt zu Beginn erlebt man mit Alex und Benny den schicksalshaften Kaufhausraubzug, daneben verbringt der Leser/die Leserin viel Zeit mit Charlie und auch mit Abe Goldstein. Gereon Rath tritt in diesem Buch deutlich in den Hintergrund. Das irritiert zunächst etwas, passt aber sehr gut zum Geschehen, denn Rath ist nicht überall dabei, wo interessante und handlungsrelevante Dinge passieren. So kann die Leserschaft alles aus erster Hand miterleben. Der Liebesgeschichte zwischen Charlie und Gereon wird wieder relativ viel Platz eingeräumt. Zum Ende gibt es eine Wendung, die gespannt auf den nächsten Band macht.

Auch wenn dieser Roman für mich der schwächste Rath-Band ist, vergebe ich hier dennoch die Höchstnote (mit kleinen Abstrichen), allein dafür, wie Kutscher historische Persönlichkeiten (z. B. unter dem Personal der Kriminalpolizei) und historische Geschehnisse in seine Romane – auch in diesem hier – integriert, hat er die Bestnote verdient. Außerdem ist dem Autor auch hier eine interessante Geschichte gelungen, die es sich zu lesen lohnt. Auch dieses Mal wurde ich wieder zum Googeln angeregt und habe einige neue interessante Dinge erfahren (z. B. über den einäugigen Hanomag), für mich ist es generell ein Qualitätsmerkmal, wenn ich durch einen historischen Roman etwas Neues hinzulernen konnte

Kutschers Charaktere sind bis in die Nebenrollen sehr gut ausgearbeitet – und sie sind alle Kinder der Zeit, ob im guten oder im schlechten. Viele Figuren kennt man nun schon seit dem ersten Band und erlebt auch Entwicklungen mit. Ich hoffe noch auf viele weitere Romane über Gereon Rath und seine Mitstreiter und über das Berlin der 30er Jahre.

29.05.2012 19:06:03
mylo

In der Tat ist es, wie schon vielfach hier beschrieben, das dritte Buchg der Reihe, dass man einfach nicht zur Seite legen kann.
Hier ist die deutsche (Welt) -Geschichte aus Berliner Sicht beschrieben, wie sie sich um 1930 ereignete und schon sind die dunklen Schatten erkennbar die am deutschen Horizont herauf ziehen. Eine zunächst eher harmlose Kriminalgeschichte um zwei jugendliche Gauner die sich mit dem Mord durch einen Polizisten an einem der Täter rassant entwickelt. Zeitgeschichte und Krimi interessant mit einander verwoben, so dass man alles als Realität wahr nimmt. Historische Personen/ Gruppierungen mit erfundenen zusammen gefügt. Eine hochspannende, interessante und was die geschichtlichen Hintergründe betrifft auch lehrreiche Story.

Man will, an der letzten Seite angekommen mehr. Band 4 ?

95 Punkte, denn es ist das beste der bislang 3 Gereon Rath Romane.

12.04.2012 13:26:25
wolko

Auch ich möchte zunächst AJ für den in seinem Beitrag genannte Link besanken.
Ganz toll! Hier ist er nochmals um evtl. langes suchen zu ersperen:
http://www.gereonrath.de/
Zum Roman:
ich bin wieder voll begeistert. Der Schreibstil Kutschers trifft voll meinen Geschmack. Die Beimischung von Personen, die tatsächlich im Berlin der 30 er agierten ist gelungen. ich finde das sehr interessant.
Bislang bekam jeder der 3 Romane mehr als 90 Punkte was Herrn Kutscher klar zu einem meiner Lieblingsautoren macht. Bin gespannt auf den 4. Teil.

10.02.2012 06:59:38
Bin

Langweilig, endlos, zäh - so präsentiert sich dieser hier hochgelobte Krimi. Selten so durchgebissen. Zuviel unnützer Text, zuviele unnütze Strassenbahn - Bahn und Taxifahrten.
Gute Ideen, gute Geschichte, aber es braucht viel Durchhaltevermögen. Ich finde es spannend, wie das gleiche Buch so unterschiedlich anspricht. Daher ja die Möglichkeit verschiedenes zu lesen!
Viel Spass weiterhin!

17.01.2012 21:42:35
WUHMR

Das war der 2. Roman aus der Gereon Rath-Reihe, den ich nach "Der stumme Tod" gelesen habe. War der 2. Roman Kutschers schon klasse, so kann ich "Goldstein" als Buch beschreiben, welches ich nicht lesen will, weil ich es schade finde, wenn es fertig gelesen ist und welches ich fast süchtig gelesen habe, weil der Autor einem keine Ruhe gönnt, um das Buch beiseite zu legen. Fakt ist: Der Roman ist ein GENIALER Wurf! Kutscher verbindet ganz viele unterschiedliche Stränge und verbindet sie zu einem Gesamtkunstwerk. Er erzählt nie zu schnell, aber gibt dem Leser ein Tempo vor, das ihn nicht zur Ruhe kommen lässt. Der Roman enthält viele überraschende Wendungen, die titelgebende Gestalt Abe Goldstein zeigt sich dem Leser vielgestalt, die Dramatik des Geschehens nimmt zumEnde immer mehr zu. Ein Zeichen dafür sind die immer kürzer werdenden Kapitel. Das, was in dem Buch am meisten erschreckt, ist das Bild des braun werdenden Berlin und ganz Deutschlands. Der Antisemitismus der SA-Leute ist es, der das Blut gefrieren lässt. Daneben aber sind es auch die verbohrten Polizisten, die meinen, sie müssten das Recht selbst in die Hand nehmen und jeder, der nicht in ihr System passt, wird ausgeschaltet. So zeichnet Kutscher ein Bild, in dem die rechten Hetzer und die selbstgerechten Polizisten an einem Strang ziehen, auch wenn sie es oft gar nicht wollen, wie im Falle des Polizisten Sebastian Tornow. Ich werde erst einmal eine "Kutscher-Pause" machen, um "Goldstein" wirken zu lassen und dann mit "Der nasse Fisch" die bisher erschienene Reihe abzuschließen. Ich bin gespannt, ob Kutscher einen weiteren Roman aus der Reihe liefert. Aber er steht vor einer großen Herausforderung, denn "Goldstein" dürfte die Messlatte hoch hängen. M.E. aber hat der Roman schon jetzt das zeug zum KLASSIKER des Kriminalromans zu werden.

16.01.2012 16:35:10
lesenchris

Schade, wieder ein Spitzenwerk von Volker Kutscher zu Ende gelesen und zwar fast in einem Rutsch. Für mich sind die verschiedenen Handlungsstränge, die im Verlaufe des Plots immer mehr zusammengeführt werden und am Ende ein schlüssiges, klares und perfekt aufeinander abgestimmtes Resultat ergeben, das Beste was ich im Moment an Krimi gelesen habe. Die Zeit, in der der Krimi spielt, die Protagonisten, die realistisch dargestellt sind, die Beschreibungen der verschiedenen politischen Aktivitäten versetzt mich direkt in die Zeit um 1930, als die braune Brut schon ihr Unwesen trieb. Dieses ganze drumherum, auch die Beschreibung der Armut der Bevölkerung, die Schwierigkeiten, in denen die Berliner lebten und das Multikultitum, das es zu der Zeit ebenfalls in Berlin schon gab, ist das I-Tüpfelchen auf den Krimis von Volker Kutscher mit der Hauptfigur Gereon Rath! Bitte mehr davon!

27.11.2011 20:21:22
Felix

Die verschiedenen Handlungsstränge verlieren m.E. etwas an Profil in der zweiten Hälfte des Buchs. Sicher, irgendwann muss man sie auch zusammenführen; das ging mir aber etwas zu abrupt.Bzgl. Straßennamen usw.: Man kann sich den Autor sehr gut vorstellen, wie er vor alten Stadtplänen und Ansichtsblättern Berlins sitzt, um seine Geschichte "auf die Straße zu bringen". Da ich selbst aus Berlin bin, stört mich das nicht so sehr, da ich zumindest die Bezirke und U-Bahnhöfe einordnen kann. Vergleicht das mal mit den Markaris-Büchern ("auf dem XY-Boulevard war mal wieder Stau, deshalb wählte er die Route über den AB-Platz und die große CD-Straße entlang...")!Interessant finde ich auch, dass der Autor die historische Figur Ernst Gennat in seine Romane einbaut.

12.09.2011 11:14:00
M.Albrecht

Also entgegen allen guten Bewertungen bin ich sehr enttäuscht über dieses Werk!Ein guter Beginn mit wechselnden Handlungen sind schon spannend und vielversprechend.Dann passiert lange nichts, außer Nebenhandlungen welche überhaupt nicht passen.Diese alle aufzuführen wäre zu mühevoll.Ebenso die häufigen Charkatere-irgendwann blickt man nicht mehr durch-wer-wo was.Dazu noch Namensähnlichkeiten (Lange-Lanke)Viel zu anstrengend.Auch die ewigen Ortsangaben,Straßennamen -man hat den Eindruck, daß man als Touristenguide tätig sein kann, da man alle Kieze u.Straßen kennt.Ach ja zur Handlung nochwas.Der so gefürchtete Killer aus USA ist am Ende der Goodwillmensch-war eben nur mal hier um seinen Großvater (oder wer war es?) zu erlösen bzw. um die bösen Buben der SA zu richten.Der gute Hr.Goldsteen.Weiterhin die unsägliche oder mehr unglaubliche Handlung das Kollege Tornow die Freundin des Hauptdarstellers mal eben entführt und foltert.Unglaublich schlecht und hanebüchen dazu.
Fazit:Das letzte Buch von Rath-war viel zu lange und sehr unspannend-hab mich richtig geärgert trotzdem tapfer durchgehalten und wurde natürlich auch zum Schluß richtig enttäuscht."Goldstein" setzen 6

11.06.2011 17:29:12
DrWatson

Das Buch ist für mich das Beste der drei bisherigen Folgen mit Kommissar Rath. Die politische Brisanz der frühen 30er Jahre ahnen die Protagonisten wohl nicht wirklich, wenn braune Schlägertrupps durch Berlin ziehen und der eine oder andere Polizist heimlich oder offen mit ihnen symathisiert. In diese spannende Zeit hinein hat Kutscher einen verwickelten Plot geschrieben, der nur schwer durchschaubar ist (ich als Krimikenner habe den wahren Täter allerdings ab dessen ersten Auftreten verdächtigt). Das hat die Spannung beim Lesen aber nicht geschmälert.
Ein wenig erinnert das Buch schon an "Berlin Alexanderplatz", wenn die Schicksale von Benny und Alex beschrieben werden. Vielleicht sind auch ein paar Längen dabei (Abe Goldsteins Entwicklung wird m.M. nach etwas zu weitläufig erläutert bzw. auch doppelt), diese Längen steckt man als Leser aber schnell weg und verfolgt Raths Weg durch das Berlin 1931.
Bitte mehr davon!
Fans von Rath sei vielleicht für die Wartezeit die Serie um den Berliner Kriminalkommissar Kappe ans Herz gelegt, eine Romanserie mehrerer Autoren. Diese Bücher spielen im Zeitraum ab ca. 1910 im Zweijahresabstand (momentan auch bereits am Anfang der 30er Jahre). Die Bücher erscheinen im Jaron Verlag und werden von verschiedenen Autoren unter der Federführung des Urgesteins Horst Bosetzky (-ky) verfaßt.

02.05.2011 13:20:05
Bettina

Gereon Raths neuer Auftrag könnte langweiliger nicht sein: Der US-amerikanische Gangster Abraham Goldstein besucht Berlin und als reine Vorsichtsmaßnahme soll er von Rath überwacht werden. Herausforderungen sehen anders aus. Viel lieber würde Rath bei den Ermittlungen mitmischen, als zum Beispiel Mitglieder der beiden Ringvereine Berolina und Nordpiraten spurlos verschwinden. Tragisch geht zugleich auch ein Einbruch im KaDeWe aus, bei dem einer der Einbrecher ums Leben kommt und die Einsatztruppe der Polizei hinterher in Bedrängnis kommt. Denn am Tod des Einbrecher ist möglicherweise ein Polizist Schuld. Die Partnerin des Einbrechers, Alex, kann zwar flüchten, spürt aber, dass ihr eben jener Polizist auf den Fersen ist und keine Zeugen gebrauchen kann.

Im dritten Band um Gereon Rath muss ausgerechnet die Hauptperson zumindest zeitweilig in der zweiten Reihe stehen; die spanndenden Sachen finden ohne ihn statt, weil er mit einem Kollegen abwechselnd in Goldsteins Hotel die Stühle platt sitzt. Ein unerwarteter Einstieg, der aber zumindest für den Leser einen gewissen Humor mit sich bringt: Goldstein ist von der Beschattung zwar nicht begeistert, macht sich (und mir) aber einen Spaß daraus, Rath mit seinem Job zu foppen. Auch die Arbeit seiner Freundin Charly bekommt Gereon Rath nur mit halbem Ohr mit, seit die beiden von einem Urlaub gereizt statt erholt zurückgekehrt sind. Eher halbherzig hilft er Charly, als ihr eine Straßengöre während des Verhörs abhaut und Charly sie auf Biegen und Brechen finden will.

Für meine Begriffe hält die Serie weiter ihr hohes Niveau - sie entführt sehr atmosphärisch in das Berlin der 1930er und liefert zugleich spannenden Krimistoff. Diese Kombination möchte ich schon nicht mehr missen und unbewusst werde ich das eine oder andere Buch aus dieser Zeit sicher an den Rath\'schen Fällen messen.
Gut eingebunden ist die historische Entwicklung. Die latente Ausländer- und speziell Judenfeindlichkeit nimmt zu, doch die meisten Bürger glauben nach wie vor, dass das Phänomen vorübergehend ist. Sie sind mit Arbeit oder der Suche danach beschäftigt, vergnügen sich nachts, wenn das Geld dazu da ist und leben ein Berliner Leben, das vom heutigen gar nicht so weit entfernt scheint. Mit dem Wissen, wie es in den kommenden Jahren weitergeht, liest sich diese historische Krimiserie besonders spannend. Unwillkürlich fragt man sich schon hin und wieder, bei welchen Strömungen heute besonders Augenmerk angebracht wäre.

Volker Kutscher fügt sein komplexes Puzzle Stück für Stück zusammen und lässt trotz jeder kleinen Lösung für die Endzusammensetzung noch genügend Möglichkeiten offen. Ob Einzelfälle überhaupt zusammenhängen und wenn ja, wie, bleibt lange Zeit vage und spannend. Ich hoffe, dass die eine oder andere Person aus diesem Buch in späteren Bänden noch einmal zum Zuge kommt; sowohl auf der guten als auch der schlechten Seite gibt es Personen, deren Werdegang interessante Möglichkeiten böte. Leider müssen wir zum jetzigen Zeitpunkt nach Kutschers Angaben fast noch ein Jahr warten, bis Band 4 erscheint, der 1932 spielen wird. Für Gereon Rath lohnt sich das Warten auf alle Fälle.

01.03.2011 13:02:42
detno

Zuerst ein DANKESCHÖN an Vorschreiber AJ, der den Link zu Gereon Rath genannt hat. Für Fans eine sehr informanative Seite, die auch die Lebensläufe der wichtigsten Personen beinhaltet und - was mich besonders begeistert hat - auch den Weg zu den historischen Stadtplänen von Berlin weist.

Zum Buch "Goldstein" ist oben bereits alles gesagt worden, die Spannung zieht sich ohne nachzulassen von der ersten bis zur letzten Seite hin. Flüssig geschrieben und damit sehr einfühlsam wird die Zeit kurz vor der Machtübernahme der Nazis beschrieben.

98° und damit meine Nr. 2 in meiner Topp-Liste.

15.01.2011 18:46:24
AJ

Ein sehr spannender Krimi!
Berlin hat interessante Schauplätze.
Das Buch ist für jeden für jung und alt und für Berliner bzw. Berlinzugezogenen, aber auch für viele andere die Krimis mögen absolut geeignet. Ich bin gespannt.
Wann erscheint der 4. Fall
Weitere infos sind zu finden unter: http://www.gereonrath.de/

05.01.2011 19:45:45
anath

Eines der besten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Eine dichte story ohne Längen, ein sehr spannender Fall, interessante Zeit, das Ganze mit mir mittlerweile durchaus sympathischen Protagonisten (sogar Gereon Rath hat diverse Macken abgeschmissen) und obendrauf eine wirklich gute und fundierte Kenntnis Berlins Anfang der 30ger Jahre : Chapeau , Herr Kutscher !
Es ist nicht zwingend notwendig, die vorhergehenden Bände gelesen zu haben, schadet aber nicht, um in einige private Verwicklungen der Ermittler einsteigen zu können. Ansonsten vermittelt Kutscher alle notwendigen Kenntnisse über Land und Leute ohne Fußnoten oder umfangreiches Register. Alles, was Leser möglicherweise nicht weiß (aber wissen sollte um zu verstehen ) findet er im Text des Romans, gut verpackt. Auch die privaten Beziehungsspiele zwischen Charly und Rath bekommen mit jedem Buch mehr Substanz.
Und was die Lösung des Falls angeht : Ich habe doch recht lange gebraucht, um langsam zu ahnen wohin die Fahrt geht. Fein gestrickt und jederzeit weiter zu empfehle

18.12.2010 09:33:43
Sonnenschein

Gut, es mag einige Längen geben. Aber die sind angesichts der trotzdem erhaltenen Spannung zu verschmerzen. Für mich ist dies der beste der drei Gereon-Rath-Krimis. Schön, wie bekannte Figuren neue Facetten zeigen dürfen, außerdem gibt es interessante Neuzugänge. Das Lokalkolorit ist wie immer so lebendig dargestellt, dass man meint, die Juno-Zigaretten zu riechen.
Das Ende lässt auf eine baldige Fortsetzung hoffen - einige Fäden dürften dann weitergesponnen werden.

14.12.2010 15:42:36
Marius

Es zählt zu den wohl spannendsten und interessantesten Buchprojekten der letzten Zeit, die Gereon-Rath-Serie von Volker Kutscher. Seine Reihe rund um den jungen Berliner Polizeikommissar Gereon Rath versucht den Untergang der Weimarer Republik und die Anfänge des Nationalsozialismus durch das Genre des Kriminalromans abzubilden.
Bereits der Debütroman \'Der nasse Fisch\' zählte zu meinen absoluten deutschsprachigen Krimihighlights. Leider konnte das Nachfolgebuch \'Der stumme Tod\' nicht an das hohe Niveau des ersten Bandes anknüpfen und verfiel in die üblichen Serienkiller-Thriller-Schiene, wenngleich das Buch nicht schlecht war und sich vor anglo-amerikanischen Erzeugnissen nicht zu verstecken brauchte. Gespannt war ich deshalb als ich die Ankündigung zu \'Goldstein\' las und fragte mich, ob Kutscher an den Beginn der Reihe würde anschließen können und mich erneut begeistern könnte \' und er kann!

Im Jahr 1931 kommt der jüdische Gangster Abraham \'Abe\' Goldstein nach Berlin, um dort Geschäfte zu verrichten. Da dies dem Bureau of Investigation und der Berliner Polizei nicht behagt, wird Gereon Rath dazu abgestellt, den amerikanischen Gauner zu bewachen. Zudem muss sich der junge Kommissar mit dem Tod eines jungen Einbrechers im KaDeWe beschäftigen. Dieser fiel aus dem Kaufhaus, allerdings war dies ein Mord, wie seine Mitdiebin beobachtet hat. Diese wiederum befindet sich auch auf der Flucht vor der Polizei und gerät so an Raths Verlobte Charly Ritter, die ihr helfen will. Nebenbei verschärfen sich auch noch die Kämpfe zwischen Links- und Rechtsextremen und auch ein SA-Kämpfer stirbt, scheinbar ermordet von Abe Goldstein. Und als wäre das nicht genug, muss sich Rath auch noch mit dem mysteriösen Verschwinden eines Bandenchefs der Berolina Ringervereinigung beschäftigen \'.

Wie man sieht hat Gereon auch im neuesten Werk von Volker Kutscher wieder gut zu tun und steckt bis über die Ohren in der Arbeit. Kutscher entwirft zunächst ein Geflecht von unterschiedlichen Handlungen, die aber doch, ähnlich wie in \'Der kalte Fisch\' alle miteinander zu tun haben. Diesmal beschränkt sich der Autor auch nicht nur auf Gereon Rath als Hauptprotagonist, sondern er erhält neben den altbekannten Figuren auch kommissarische Mithilfe durch seine Verlobte, das Frauenzimmer Charly Ritter, die sich nach dem Tod des Einbrechers aus dem KaDeWe auch detektivisch beschäftigt und so bestimmten Personen deutlich auf die Füße tritt. Ein geschickter Kniff, der die sich langsam einstellende Routine geschickt durchbricht und für frischen Wind sorgt!
Ganz Berlin erscheint als ein gigantisches Pulverfass, in dem die Kämpfe zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten immer brutaler und gewalttätiger ausgetragen werden. Kutscher schafft den Spagat zwischen Schilderung der historischen Zustände und dem Entwickeln eines verzwickten Plots spielend und lässt neben der spannenden Krimihandlung auch tief in die damaligen Zustände blicken. Vor allem begeistert bzw. erschreckt hat mich in diesem Zusammenhang auch der Epilog dieses Romans, indem deutlich wird, wie unterschätzt die damalige Situation kurz vor der Machtergreifung Hitlers wurde.

Fazit: Ein großartiger Krimi, eine packende Schilderung der Zustände im Berlin der 30er Jahre \' so kann die Gereon-Rath-Reihe ruhig weitergehen! Ich freue mich auf die folgenden Bände!

11.11.2010 13:22:40
anyways

Berlin macht Anfang der 30iger Jahre seinen durch Mark Twain verliehenen Spitznamen von Klein Chicago alle Ehre. Ein kleinkriminelles Pärchen steigt in die besten Kaufhäuser der Millionenmetropole ein um Schmuck und Uhren zu erbeuten, die sie wiederum für einen Hungerlohn an ihren Hehler verkaufen. Nur um irgendwie auf den Strassen Berlins zu überleben. Der letzte Auftrag im KaDeWe geht schief und Alex verliert ihren Freund durch die Hand eines Polizisten.

Zeitgleich bekriegen sich die Unterweltbosse der „Piraten“ und der „Berolina“. Es gibt zahlreiche Tote auf beiden Seiten.

Eine geheime Untergrundorganisation fängt innerhalb der Polizei an zu operieren.

Und Kommisarr Rath bekommt den Auftrag einen angeblich gefährlichen Amerikaner jüdischer Abstammung zu observieren. Das FBI hatte die preußischen Behörden um Unterstützung gebeten. Angeblich soll Abe Goldstein ein gefährlicher Auftragskiller sein.

Über all dem schwebt der braune Dunst der SA, die ersten Gewalttaten an jüdischen Einwohnern und Gebäuden werden verübt.





Dieser Kriminalroman hinterlässt einen unbefriedigenden und unfertigen Eindruck. Die Geschichte an sich ist hochbrisant, ich empfinde deren Umsetzung als zu langatmig und langweilig. Spannende Szenen wechseln sich mit streckenweise sehr langen unspektakulären Passagen ab. Die Konzentration blieb dabei phasenweise komplett auf der Strecke und ich musste mich regelrecht durchs Buch quälen. Vielleicht lag es auch an den vergleichsweise vielen Personen und Handlungssträngen die parallel abliefen oder das die Geschichte um den Titelgeber des Buches so harmlos und fast abrupt uninteressant endet. Einzig die Darstellung der damaligen Stimmung in Deutschland finde ich sehr gut umgesetzt.

20.10.2010 12:45:37
simsa

„Goldstein“ von Volker Kutscher ist mal ein wirklich anderer Krimi für mich gewesen. Warum anders? Weil es im Deutschland der 30ger Jahre spielt und allein den historischen Hintergrund zusammen mit einer Kriminalgeschichte bietet doch eine spannende Abwechslung.
Es geht in diesem Buch um Alex und Benny, zwei Straßenkinder, die seit einiger Zeit die großen Kaufhäuser Berlins mitten in der Nacht ausrauben. Ihre Beute bestehend aus Schmuck verkaufen sie nach jedem Raubzug an einen Händler. Doch dieses Mal haben sie sich das KaDeWe vorgenommen und werden erwischt…
Zeitgleich reist der jüdische Ganove Abe Goldstein in Berlin ein und wird sofort von der Polizei beobachtet. Was will er in Berlin? Warum ist er nicht mehr in den USA? Und wird es Ärger geben?
Da es sich hierbei um den dritten Teil des ermittelnden Kommissar Rath handelt und ich bisher noch nicht die vorherigen Bücher kenne, musste ich mich zu Anfang erst einmal mit den Personen zurechtfinden. Was mir aber trotzdem recht schnell gelang, da auch die Vergangenheit für Rath-Neulinge gut beschrieben wird.
Richtig klasse fand ich immer mal wieder den Berliner Dialekt, es machte die Geschichte wirklich realer. Trotzdem hatte das Buch so seine Längen, in denen es mir doch ein wenig schwer gefallen ist weiterzulesen. Die Spannungsmomente kamen aber immer wieder und gerade das Ende war wirklich gut.
Also kurz und gut, ich würde das Buch Krimiliebhabern empfehlen, denn gerade der politische Hintergrund in den 30ger Jahren und auch die Figuren machen auf Dauer wirklich Spaß. Da sieht man auch über Längen hinweg.