Der stumme Tod

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Argon, 2009, Seiten: 6, Übersetzt: Reiner Schöne
  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2010, Seiten: 541, Originalsprache

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Wolfgang Franßen
Vom Gehen auf dem Eis

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Dez 2008

Die Oscars sind vergeben, die Branche hat sich gefeiert und hinter den Kulissen ist hart, um jedes Stück Edelmetall gerungen worden. Allerdings soll kein Schauspieler dabei zu Schaden gekommen sein. Allerhöchstens der Stolz mancher Egomanen. Volker Kutscher wirft in seinem Roman einen Blick zurück zu den Anfängen der Filmindustrie, beschreibt die Schwierigkeiten beim revolutionären Wandel von Stumm- auf den Tonfilm, lässt Scheinwerfer von der Decke fallen, und Stimmbänder durchtrennen. Die eigentlichen Stars seines Kriminalromans sind die 30er Jahre in Berlin und ein um sein eigenes Glück ringender Kommissar.

Manchmal drängt sich Kommissar Rath in Der stumme Tod das Gefühl auf, nicht recht zu wissen, gegen wen er da alles kämpft. Da ist natürlich die Berliner Unterwelt mit ihren Ganoven, auf der anderen Seite die Oberschicht mit ihrem Mord im Filmmilieu, vor allem jedoch kämpft er an der Heimatfront gegen Kollegen, die ihm nicht wohl gesonnen sind, so dass Rath nicht selten nach unten schaut, um zu überprüfen, ob das Eis, auf dem er sich vorwärts bewegt, nicht längst gebrochen ist.

Berlin da war doch was? Die goldenen Jahre, der aufkeimende Faschismus, die Winkelzüge der Parteien in der Weimarer Republik, da denkt der Leser natürlich an Döblin und seinen Alexanderplatz, an Fassbinder und dessen berühmten Unterbelichtung, die bei der Verfilmung die Szenerie beherrschte. In der stumme Tod Kutscher wirkt Berlin betulich, trotz allem Glamour provinziell.

Ein Rheinländer unter Preußen


Volker Kutscher gehört zu den Romanciers unter den Krimiautoren. Anhänger der kurzen Form, der komprimierender Schnitte, mögen ihn womöglich für ausschweifend halten, doch Kutscher versteht sich darauf, sein Umfeld abzugrasen, Atmosphäre freizulegen. Kriminalistisch wirkt da die Spannung nicht gerade gerafft.

Es geht um ein Polizistenleben in Berlin. Im Mittelpunkt Kommissar Gereon Rath, Kriminaldirektor Engelberth Raths Sohn, der aus der Rheinprovinz nach Berlin entsandte Ermittler, den sein Vater nach einigen unschönen Vorfällen in Düsseldorf, aus der Schusslinie genommen hat. Sein Liebesleben als glücklich zu bezeichnen, wäre übertrieben, seinen Spürsinn als genial zu beschreiben, wohlwollend. Er erarbeitet sich seine Erkenntnisse, sie fallen ihm nicht zu.

Wir haben es mit einer Geschichte zu tun, die gemächlich fortschreitet, indem sich die Fakten allmählich auftun, Zusammenhänge sich in Gesprächen eröffnen und die kleinen und großen Katastrophen im Privatleben, den Tagesrhythmus vorgeben. Kutschers Bilder kommen leise daher. Das zeichnete bereits Den nassen Fisch aus. Durch ein grelles Ambiente, umstürzlerischer Zeiten, wenn gerade mal Horst Wessel zu Grabe getragen wird, bewegt sich ein rheinisches Gemüt, das daran leidet, dass seine Kölner ihn noch nicht besucht haben.

"Berlin hatte er als Chance gesehen, hier hatte er neu anfangen wollen, auch mit den Frauen."

Nicht ganz entgeht der Autor dabei die Typisierung seiner Figuren, vor allem Diven, wie Produzenten, wie Vorgesetzte, wie das ganze Filmgeschäft erscheinen so, wie man sie sich halt so vorstellt. Am Rande des Abgrund wird Esprit vorgetäuscht.

Die Affäre Adenauer zwischen Overstolz und Rohrpost

Und dann tritt auch noch Konrad Adenauer auf, leibhaftig, mit einem ganz persönlichen Problem, das ihn die Karriere kosten könnte, wenn seine Gegner es gegen ihn einsetzen. Ein Klüngel erfahrener Rheinländer wie der spätere Bundeskanzler bittet um Amtshilfe, nur weil er als Kölner Oberbürgermeister die Fordwerke von der Spree an den Rhein holen will und mit seinem Plan in Berlin verständlicherweise nicht auf viel Gegenliebe stößt.

Kutschers Roman kommt unspektakulär daher, auch wenn die Idee den Siegeszug des Tonfilms aufzuhalten, indem man ihm die Stimmbänder nimmt, ein schönes Bild ist. Seine Filmindustrie wird sich der Bedeutung des Oscars noch bewusst werden, doch Kutschers Roman besitzt genügend Stimmvolumen, um uns das Berlin der 30er Jahre mit seinen großen und kleinen Hoffnungen nahezubringen.

Der stumme Tod

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Letzte Kommentare:
09.02.2019 14:53:14
Mabel

Auch der zweite Teil der Gereon-Rath-Reihe ist großartig. Nicht viel überflüssiges enthält die Geschichte, sonderm im Gegenteil viel Abwechslung und ein stimmiges Gesamtbild: 95°

12.01.2019 17:15:58
wampy

Buchmeinung zu Volker Kutscher – Der stumme Tod

Klappentext:
März 1930: Der Tod einer Schauspielerin führt Gereon Rath in die Studios der Filmmetropole Berlin. Der junge Kommissar lernt die Schattenseiten des Glamours kennen und erlebt eine Branche im Umbruch. Der Tonfilm erobert die Leinwände, und dabei bleiben viele auf der Strecke: Produzenten, Kinobesitzer – und Stummfilmstars.

Meine Meinung:
Gereon Rath ist ein Protagonist mit Ecken und Kanten. Er ist jemand, mit dem man nicht unbedingt zusammen arbeiten möchte, aber auch jemand, dem man anmerkt, dass er die Mörder überführen will. Er ist immer noch mehr Einzelkämpfer als Teamplayer und sein Assistent muss das mehrfach ausbaden. Aus dem ersten Band hat er ein paar Schulden mitgebracht, die ihn wieder einmal einholen. Ein Höhepunkt ist seine Beziehung zu Marlow, dem Berliner Unterweltboss. Wieder steht er in dessen Schuld und es wird ihn irgendwann einholen. Natürlich hat er noch einen Nebenjob, den er für seinen Vater und den Kölner Bürgermeister Adenauer erledigen muss. Dazu ist sein Privatleben wieder in Unordnung und er kämpft mit einer ungewollt anhänglichen Freundin. Die politischen Ereignissen spielen diesmal eher eine untergeordnete Rolle und Gereon möchte davon nichts wissen. Er bleibt seinem Wesen treu und handelt manchmal nicht gesetzeskonform. Diesmal muss er sich vom Polizeichef persönlich die Ohren langziehen lassen. Gereon Rath suhlt sich manchmal in dem Schlamassel, das er selbst verursacht hat. Er verfolgt seine Ideen konsequent und vertraut auf sein Näschen. Dabei kommt er dem Täter näher als er selber ahnt. Aber noch hat er Freunde, die zu ihm stehen und ihn unterstützen. Beeindruckend ist wieder die Darstellung der historischen Fakten und des Lebens zu dieser Zeit. Der Aufstieg des Tonfilms wird thematisiert und damit die Auswirkungen auf Schauspieler und Produzenten.
Der Plot ist gelungen und die Spannung ist jederzeit gegeben, auch wenn sie von vielen Faktoren lebt. Manchmal fragt man sich, ob Gereon Rath mit seinen Tricksereien durchkommt oder ob es ihn in den Abgrund stürzt. Das Szenario mit vielen Nebenhandlungen ist äußerst komplex und fordert die volle Aufmerksamkeit des Lesers. Überrascht war ich über die sehr kurze Betrachtung der Ereignisse um Horst Wessel, der einerseits zum Märtyrer und andererseits zum Kriminellen gemacht werden soll. Vielleicht ist es aber die angemessene Behandlung dieser Geschehnisse, gerade aus der Sicht der unpolitischen Hauptfigur.
Es gibt Figuren, die uneingeschränkt sympathisch sind, Gereons Assistenten und Charlotte Ritter, die wieder einmal zeigt, was in ihr steckt. Selbst Gereon sammelt Sympathien, die er aber auch immer wieder wegwirft. Er ist kein strahlender Held aber doch jemand, der sein Leben leben will und dem es egal ist, was andere über ihn denken, von wenigen Ausnahmen abgesehen. Es ist ein Ritt auf der Rasierkante und Gereon muss seinen Preis zahlen.

Fazit:
Gereon Rath ist ein vielschichtiger Charakter mit Ecken und Kanten, der mir trotz oder gerade wegen diverser negativen Attribute sehr gut gefällt. Plot und Spannung sind überdurchschnittlich und deshalb vergebe ich fünf von fünf Sternen (90 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.

12.11.2013 20:31:16
Torsten

Es hat gut 1,5 Jahre gedauert, bis ich nach dem ersten Band auch den zweiten gelesen habe - sicher auch ein Zeichen dafür, dass ich nicht übermässig gespannt war.
Und tatsächlich hat mich "Der stumme Tod" noch weniger überzeugt - weder als Krimi, noch als zeitgeschichtlicher Roman.
Den Krimiplot fand ich zwar interessant, aber doch schnell und leicht durchschaubar; viel zu schnell konnte man erahnen was da vor sich geht und fast genauso schnell kannte man den Täter. Gereon hat wieder als schlicht schlechter Kommissar ermittelt - eigensinnig, starrsinnig, ohne jeden Teamgeist. Das mag zwar so angelegt sein, macht aber eben einen schlechten Kriminalisten aus der Figur - was sich ja auch aus der mangelnden Aufklärung eines Teils der Fälle zeigt.
Auch die Darstellung Berlins in den 30ern hat mich nicht so richtig überzeugt.
Die tatsächlich sehr prägende Filmszene Berlins blieb doch seltsam ausschnitthaft dargestellt.
Da hat z.B. Martin Keune mit "Black Bottom" sehr viel besser vermocht die spezielle Szene der Tanzpaläste Berlins zu vermitteln.
Auch sonst wurde manches einfach zu sehr wiederholt: Sowohl die ständigen Aschinger-Besuche, als auch die ständig angezündeten Overstolz und die aufgelegten Platten.
Insgesamt fast wie der erste Teil nur noch etwas schwächer: Seicht dahinzulesen, aber keineswegs besonders.

01.02.2013 14:39:13
PMelittaM

Eine Schauspielerin wird bei Dreharbeiten getötet, eine andere ist spurlos verschwunden und Konrad Adenauer, der Kölner Oberbürgermeister, wird erpresst. Gereon Rath hat wieder viel zu tun. Allerdings ist nur der erste Fall ein offizieller der Berliner Mordkommission, um die beiden anderen kümmert Gereon sich sozusagen privat. Dabei kommt er sich schon mal selbst in die Quere und bekommt auch wieder Probleme mit seinen Vorgesetzten. Und dann ist da noch Charlotte Ritter, die erneut in sein Leben tritt. Das alles unter einen Hut zu bekommen, ist gar nicht leicht und man kann gespannt sein, ob Gereon heil aus allem herauskommt.

Auch der zweite Fall des aus Köln stammenden Berliner Kommissars hat mir wieder sehr gut gefallen. Die Serie lebt vor allem davon, dass sie die Stimmung und den Zeitgeist der späten 20er und beginnenden 30er Jahre in Berlin wunderbar einfängt, man glaubt regelrecht eine Zeitreise zu machen. Das liegt u. a. daran, dass auch immer wieder tatsächliche historische Ereignisse ihren Platz im Roman finden, wie in diesem Fall z. B. das Begräbnis Horst Wessels. Auch das Hauptthema des Buches, der Übergang des Filmemachens vom Stumm- zum Tonfilm trägt sehr viel dazu bei.

Gerade dieses Hauptthema finde ich auch ungeheuer interessant. Wer kann sich heute noch vorstellen, dass es etliche Leute gab, die sich gegen den Tonfilm auflehnten? Für mich auch interessant war das Geschehen rund um die Adenauer-Erpressung, die mit der Verlegung der Fordwerke von Berlin nach Köln zu tun hatte. Für mich als Kölnerin gehören diese Werke zu Köln, wer hätte gedacht, dass sie dort nicht „schon immer“ waren. Und das ist ja das Schöne an sehr gut recherchierten historischen Romanen, man erfährt auch meist etwas Neues. Ich persönlich liebe das!

Gereon Rath ist ein schwieriger Charakter, er ist eher ein Einzelgänger, auch was die Arbeit angeht, wirklich teamfähig ist er nicht und das bringt ihm einige Probleme ein. Auch sein Liebesleben ist nicht immer einfach. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb, mag ich Gereon, er ist ein Mensch mit Ecken und Kanten, handelt nicht immer richtig, seine Gefühlswelt ist nicht immer im Reinen, irgendwie ein Mensch wie Du und Ich.

Viele der Charaktere aus dem Vorgängerbuch tauchen hier wieder auf, nicht nur Gereons Kollegen, und es gibt ein paar interessante neue. Mich faszinieren dabei vor allem die Gestalten aus der Filmindustrie, die damals schon ein ganz eigenes Völkchen waren.

Die Geschichte ist wieder sehr spannend. Einer der Handlungsstränge wird durch den Täter bestimmt, der schon sehr früh in eigenen Kapiteln auftaucht, die dadurch gekennzeichnet sind, dass sie im Präsens geschrieben sind. Man kann auch relativ früh ahnen, wer das sein könnte, und auch in einem weiteren Fall wird die Lösung schon recht früh präsentiert. Der dritte Fall bleibt aber bis zum Ende überraschend, so dass Rätselfreunde auf jeden Fall auch zum Zug kommen.

Wie schon die anderen Gereon-Rath-Bücher (mir fehlt jetzt nur noch der dritte Band), kann ich auch diesen wieder uneingeschränkt empfehlen. Nicht nur Krimifreunde, auch Fans historischer Romane sollten einen Blick wagen. Und ich freue mich auf das dritte Buch und weitere folgende Bände.

21.12.2011 21:40:24
mylo

Mit Kommissar Rath hat Kutscher eine Hauptfigur geschaffen, einen Polizisten in den 30 er Jahren in Berlin, wie er unkonventioneller nicht sein könnte, aber doch irgend wie wird er zum Sympathieträger ohne dass man alles gut heißen kann was er so unternimmt. Das Buch ist nicht reißerisch und auch nicht von hochprozentiger Spannung geprägt. aber man will es doch schwer nur zu Seite legen, will wissen wie sich die Geschichte weiter entwickelt. Ein sehr interessanter Plot, mit Unterweltbosse, Filmstars und Filmleute, vielen Polizeikollegen und Konrad Adenauer als I-Tüpfelchen, und eine am Schluss stark ansteigender Spannung- Rath wird zum Helden. Hat mir noch besser gefallen wie Teil 1 - will nun natürlich auch Teil 3 lesen. Interessante Einblicke in das Berlin der 30er Jahre
- 90 Punkte

11.08.2011 08:39:12
Einhard

Es ist Volker Kutscher sehr gut gelungen den Zeitgeist, welcher um 1930 herrschte, einzufangen. Ich finde das überhaupt nicht künstlich oder irgendwie aufgesetzt. Der stumme Tod, mit seiner Auseinandersetzung zwischen Ton- und Stummfilm, spielt in einer absolut spannenden Zeit meiner Heimatstadt. Als Berliner lese ich immer gerne Bücher, in denen ich die Stadt wieder erkenne und Straßennamen nachvollziehen kann. Es ist eindeutig zu merken, dass Kutscher sich auskennt in Berlin. Die Orte sind alle sehr authentisch wiedergegeben und genau dargestellt. Ich werde auf jeden Fall auch Gereon Raths dritten Fall lesen, denn ich war schon nach dem ersten Fall ein Fan von diesem Antihelden.

11.06.2011 17:07:52
DrWatson

Ich kann die häufig geäßerte Kritik nicht ganz nachvollziehen: Es handelt sich bei Kutschers zweitem Rath-Fall sicher nicht um einen rasanten Thriller, aber das hat ja der Autor auch Niemandem versprochen. Ein guter Krimi mit viel Flair und geschichtlichem Hintergrund ist er in jedem Fall!
Daß der Autor den Täter so wenig versteckt, kann man Schade finden. Das tut allerdings der Spannung wenig Abbruch, wie ich meine. Denn auch die Frage "Was passiert wohl als Nächtes?" ruft ja Spannung hervor, die unbedingt zum Weiterlesen animiert. Und weitergelesen habe ich!
Der Fall Adenauer dürfte evtl. eine Reminiszenz an die Rheinische Leserschaft sein, der der Autor ja sicher verbunden ist.

21.03.2011 17:54:58
Mollymalone

Tatsächlich wird man das Gefühl nicht los, dass V. Kutscher unbedingt auf der Welle der historischen Krimis mitschwimmen will. Verkaufen sich ja gut. Offensichtlich hat er nach einer noch wenig bearbeiteten Epoche gesucht und sich dann für die 20er Jahre entschieden. Ich gebe Bert Schindelmayr völlig Recht. Da hat einer eine Handlung erfunden und sie mit Ach und Krach in eine geschichtliche Epoche gequetscht. Es ist zum Lachen, wenn Gereon Rath morgens "den Badeofen anwirft", duscht, sich einen Espresso macht, nein, Kaffee aufbrüht und irgendwelche coolen Jazzplatten auf den Bang und Olufsen, nein, aufs Grammophon legt. Und das in einer Berliner Hinterhofwohnung, wo es damals wohl gerade eine Gemeinschaftstoilette auf der Etage gab. Wenn man nie etwas von Döblin, Fritz Lang oder Otto Dix gelesen oder gehört hat, mag man diesen Krimi ganz nett finden. Ich habe mich ziemlich oft geärgert !

16.08.2010 12:43:08
John67

Wer einen spannenden Krimi sucht, mit viel Action und ständigen Wendungen, ist hier sicherlich falsch.
Volker Kutschers Krimi besticht erneut hauptsächlich durch seine Atmosphäre Berlins Anfang der dreiziger Jahre.Gegenüber dem nassen Fisch ist der stumme Tod eher Mittelklasse, da der Mörder ab Mitte des Buches bekannt ist, eine überflüssige Zweitstory mit Adenauer hineingebaut wird(warum eigentlich?) und G. Rath immernoch kein ausgeprägtes Image besitzt, ausser, dass er gerne Cognac trinkt und Overstolz raucht.
Dennoch, derjenige der auch schon "Leo Berlin" oder "Walhalla Code" gelesen hat, wird das Buch nicht weglegen können.
Beste Unterhaltung, aber kein packender Thriller. Ich werde auch den dritten Band lesen, der bald auf den Markt kommen wird.

14.08.2010 20:32:46
Ein Buch für einen Tag

Ich habe nicht das Buch gelesen, sondern die gesprochene Version gehört - einfach großartig!
Die Längen, über die einige Leser klagten, sind wohl weggekürzt, und so entstand ein äußerst kurzweiliges Hörvergnügen. Schwierig, zwischendurch auch mal etwas anderes zu machen.

Rainer Schöne gibt den Figuren viel Lebendigkeit, springt zwischen Berliner Schnauze und Kölner Dialekt hin und her.
Wenn der dritte Band endlich erscheint, werde ich ihn sofort lesen.

21.07.2010 23:12:42
anath

Ein wenig zwiespältig ! Einerseits ist Spannung da und es macht Spaß, sich - genau so wie Rath - die Krümelchen zusammen zu suchen, aus denen der Kuchen zusammen gesetzt ist. Rath ist konstruktiv, denkt logisch und ist bereit, auch mal einer Spur zu folgen, die dann auch im Sande verlaufen könnte - oder doch nicht ?
Andererseits zeigt der Hauptdarsteller in diesem Buch ein ziemliches Manko : Fehlenden Teamgeist und dazu einen an Besessenheit grenzenden Ehrgeiz. Wenig sympathisch, leider. Sehr erbaulich dann allerdings Gennats kollektivbildende Maßnahmen und regelrecht herzerwärmend wenn Böhm mal wieder ins Leere läuft...
Schade, daß der geübte Krimileser ganz schnell weiß, wer denn nun der Bösewicht ist. Nur gut, daß es dann doch wieder sooo einfach nicht ist, das hält die Spannung und animiert zum Weiterlesen. Gänzlich unnötig fand ich den Abstecher zu Adenauer, auch wenn es interessant war zu erfahren, was der alte Knabe so vor 33 getrieben hat. Für den Roman war er mit seiner Privatermittlung jedoch nicht wirklich eine Bereicherung und die Auflösung des Knotens zum einen zu einfach und zum anderen eher lieblos zusammen geschustert.

Ansonsten ein Berlin-Krimi, wie ich ihn mir wünsche (so als Berlinerin): detailliert, viel Flair der goldenen Zwanziger, gut recherchiert.
Und schön, daß Charly nicht abserviert ist, da hofft man doch auf Fortsetzung ! ;-)

17.05.2010 13:09:53
GSA

Für mich ist der stumme Tod keine gelungene Fortsetzung des nassen Fisch. Werde das Gefühl nicht los, dass Volker Kutscher sich durch den Krimi gequält hat und selbst nie wirklich zufrieden mit dem gewesen ist was er da schreibt.

Gereon Rath\'s Griff zur Cognac-Flasche und sein Drang den Korn mit Bier runterzuspülen ging mir dann schon langsam auf die Nerven.

Das \'Historische Element\', das Volker Kutscher im nassen Fisch so bestechend untergebracht hat, kam für mich hier zu kurz.

Sollte es einen 3. Band geben, dann werde ich auch den lesen. Aber ich werde ganz sicher nicht mehr so ungeduldig drauf warten, wie ich es nach dem nassen Fisch getan habe.

19.07.2009 11:44:12
Hannes Eggel

Ein nahtloser Anschluss an den Fisch und wieder stimmt alles. Man meint, die Atmosphäre Berlins mit den Händen greifen zu können. Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und gebe es gleich weiter, mit den besten Empfehlungen, der Tod ist jede Minute meiner kostbaren Zeit wert. Nun heisst es warten auf die Fortsetzung die hoffentlich schon geplant ist!

17.06.2009 02:00:35
Thomas71

Schade. Nach dem ersten Gereon-Rath-Roman "Der nasse Fisch" habe ich mich sehr auf den Nachfolger "Der stumme Tod" gefreut. Aber leider zu früh. Denn der Tod hat meine Erwartungen sehr enttäuscht. Die Geschichte ist vorhersehbar, den Mörder konnte ich bereits nach seinem ersten Auftritt in der Öffentlichkeit identifizieren, auch wenn mir da noch ein Teil des Motivs fehlte, das Ende der Weimarer Republik ist nur das Bühnenbild für eine Mordserie im Schauspielermillieu, wobei die handelnden Personen auch durchweg agieren, als wären sie Menschen der Gegenwart vor historischer Kulisse, der Nebenhandlungsstrang um Konrad Adenauer wirkt deplaziert und störend. "Der stumme Tod" erfüllt keine der Erwartungen, die "Der nasse Fisch" geweckt hat :-(.

03.06.2009 15:19:35
detno

Der Auffassung von Bernd Schindlmayr (Meinung vom 20.04.2009) kann ich nicht folgen. Ich bin mit "Jerry Cotton" aufgewachsen und fand den G-man als Jugendlicher voll cool (damals sagte man dufte dazu).

Deshalb stelle ich für mich fest, dass die Geschichten keinesfalls nahtlos austauschbar sind.

Gereon Rath ist ein Typ, der auf der Flucht vor sich selbst ist (Todesschüsse in Köln) und der auch schon mal über die Legalität hinaus operiert (Erpressungsfall Adenauer). Trotz einiger menschlicher Schwächen ist er in meinen Augen aber ein Sympathieträger.

Auf den Plot will ich nicht eingehen, aber die Geschichte bringt schon tiefere Einblicke in die damalige Zeit. Die Beisetzung von Wessel zeigt eindrucksvoll, dass die Braunen damals schon auf dem Weg zur Macht waren.
Die dienstlichen Spannungen der Kriminalbeamten untereinander in der "Burg" am Alex sind hervorragend ausgearbeitet. Klasse auch, wie der große Gennat in die Geschichte eingearbeitet wurde, sie geradezu bereichert. Gerade dieser Mann, der zeitlebens nicht in die braune Partei eintrat, ist ein Beweis dafür, dass die sog. politischen Beamten (gemeint sind die Parteigenossen) ab 1933 das Sagen übernahmen. Der Drei-Zentner-Mann Gennat wurde deshalb trotz seiner Erfolge bis zu seinem Tod im Jahr 1939 mehr oder weniger ins Abseits geschoben.

Überrascht hat mich als Berliner, dass es in der Reichshauptstadt ein "Chinesenviertel" gegeben haben soll. Davon habe ich bisher noch nie etwas gehört. Erste Nachforschungen belegen, dass Volker Kutscher auch in diesem Punkt scheinbar einwandfrei recherchiert hat. Es soll dieses Viertel tatsächlich am damaligen Schlesischen Bahnhof gegeben haben.

Nach dem NASSEN FISCH eine gelungene Fortsetzung mit dem STUMMEN TOD.

02.05.2009 11:53:58
K.

Hallo Herr Schindlmayr,

Den Kriminalrat Ernst Gennat (1880 - 1939) aus "Der nasse Fisch" und "Der stumme Tod" gab es wirklich. Kriminalkommissar Lohmann aus dem von Ihnen angeführten Fritz-Lang-Film war eine Hommage an Berlins modernsten Kriminalisten.

Ich glaube, die verschwimmenden Grenzen zwischen damals und heute sind von Volker Kutscher bewusst eingebaut worden. In seinen Büchern wirken viele Anachronismen deplaziert, sind aber unvermeidbar. Geschichte wiederholt sich. Das will er auch seinen Lesern vermitteln.

Das einzige, was mich wirklich stört, ist das Märchen vom unpolitischen Polizeibeamten der 1930er Jahre. Nicht alle preußischen Staatsbeamten standen dem Nationalsozialismus nahe.

Sie haben Recht, was die Inspektor-Kajetan-Romane von Robert Hültner angeht. Er schreibt mit einem hohen Grad an historischer Genauigkeit. (Wenn einer das Prädikat "Autor von historischen Kriminalromanen" verdient, dann er.)

Viele Grüße!

K.

20.04.2009 09:21:03
Bert SChindlmayr

Tja, da gibt man den Protagonsten Handys, läßt den 30iger Jahre Jerry Cotton BMW Z1 anstatt Buick fahren und tauscht "Kommis und Nazis" gegen Anarchos und Faschos und schon spielt der Krimi nahtlos im hier und jetzt. Die Figuren schablonenhaft oder gar geklaut ( Kommissar Gennat = Kommissar Lohnmann aus M- eine Stadt...) und dann noch ein hahnebüchener Plot >> da geht doch glatt eine Aushilfssekretärin mit einem Weinhändler ins Präsidium und bekommt mirnichts-dirnichts eine Truppe Schupos, anstatt eine Freifahrt in die nächste Nervenklinik. Und historisch genau obendrein. Coleman Hawkins hat seine ersten Soloplatten im Winter 29/30 eingespielt die dann im Sommer 30 veröffentlicht wurden, aber vielleicht hatte Severin Beziehungen? Wer wissen will wie ein Roman mit Zeitkolorit aussieht soll Robert Hültner lesen.
bs35813

26.02.2009 14:28:13
mimikrimi

Der Autor hat keinen reißerischen,blutrünstigen Thriller geschrieben.Aber für mich einen wunderbaren,spannenden Krimi,welcher seinen Leser ins deutschland der 30er Jahre entführt.Die Querelen der Nazis mit der Polizei,die Kommunisten und das Leben der kleinen Leute wird hier wunderbar im Geschehen des Verbrechens mit eingebunden.Der drohende Skandale um die Erpressungsgeschichte Adenauer ist stimmig,die Hierarchie bei den Behörden,Kompetenzgerangel,wunderbar geschrieben.Kommissar Rath will doch nur ermitteln und den Verbrecher fangen,dabei möchte man als Leser und natürlich Mitermittler helfen.Ohne DNA und Hightech ermittelt er und manchmal habe ich die Zeit vergessen in der der Krimi spielt,weil Offentsichtliches so schwer zu finden war.Aber trotzallem beeindruckende!