Olympia

Erschienen: November 2020

Bibliographische Angaben

- Bd. 8

- HC, 544 Seiten

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Berlin, Sommer 1936.
Inmitten der Olympiabegeisterung muss Gereon Rath verdeckt einen Todesfall im olympischen Dorf aufklären. Die Machthaber befürchten, dass Kommunisten die Spiele sabotieren. Rath hat seine Zweifel und ermittelt eher lustlos, zumal er private Probleme hat: Er ist Gastgeber amerikanischer Olympiatouristen, und seine Ehefrau Charly hat die gemeinsame Wohnung unter Protest verlassen. Dann findet er im olympischen Dorf einen Mitarbeiter mit kommunistischer Vergangenheit, der auch am Tatort war. Während der Verdächtige brutalen Verhören der SS ausgesetzt ist, geschieht ein zweiter Mord. Rath ermittelt fieberhaft, um weitere Todesfälle zu verhindern, und ahnt nicht, dass sein eigenes Todesurteil längst gefällt ist. Spannung pur!

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Letzte Kommentare:
07.01.2021 18:41:33
Stefan Roth

Gleich einmal die Lobeshymne vorweg. Volker Kutscher liefert mit seinem 8. Gereon Rath Roman ein Meisterwerk ab.

Auch in „Olympia“ gelingt es dem Autor wieder Gereon Raths Arbeit als Polizist, und seine Spitzeltätigkeit für SS und SD, und sein Privatleben, so genial miteinander zu verquicken, dass alles wie aus einem Guss wirkt.

Eigentlich umso erstaunlicher, da es sich wie geschrieben bereits um Band Nummer 8 handelt, hier liefern viele Schriftsteller zumeist nur noch ideenlose Routine ihren Verlagen ab, damit die Tantiemen weiter fließen, scheint es bei Volker Kutscher eher so zu sein das seine Bücher immer besser werden.

Allerdings gibt es leider auch einen größeren Wermutstropfen, der aber nichts mit der Qualität des Buches zu tun hat, alle Fans der Reihe um Gereon Rath müssen wohl befürchten das Buch Nummer 8 auch das letzte der Serie darstellt, obwohl die Deutsche Geschichte auch nach dem Unglück von Lakehurst einige sehr einschneidende Geschehnisse bereitgehalten hat. Vielleicht „erbarmt“ sich Volker Kutscher und schreibt noch ein letztes Buch rund um die Reichskristallnacht (9. auf 10. November 1938) oder den Beginn des 2. Weltkrieges (1. September 1939).

Obwohl in den letzten Jahren der Deutsche Historische Kriminalroman (nicht zu vergessen Österreich) stark in den Vordergrund gerückt ist, und viele Schriftsteller gute und sehr gute Krimis abliefern, so steht für mich Volker Kutscher, gerade zuletzt mit „Marlow“ und „Olympia“, tatsächlich auf dem Olymp des Deutschen Historischen Krimis und so möchte ich hervorragende

99 von 100 °

vergeben.

Wer in die Reihe neu einsteigen möchte, sollte dies trotzdem mit Band 1 („Der nasse Fisch“) tun, gerade weil viele Personen durchgehend von Band 1 bis 8 „auftauchen“

20.11.2020 16:51:29
miss.mesmerized

1936, die ganze Welt blickt nach Berlin für ein perfekt orchestriertes Spektakel: mit den Olympischen Spielen wollen Hitler und seine Gefolgsleute nicht den Geist des friedlichen gemeinsamen Wettkampfs feiern, sondern ihre Vorherrschaft zelebrieren. Gereon Rath und seine Frau Charly erkennen ihre Stadt nicht wieder. Statt der berühmten abweisenden Schnodderigkeit herrscht gespielte Freundlichkeit und Weltoffenheit. Dazu passt ein Mord an einem amerikanischen Schwimmfunktionär so gar nicht, weshalb Rath vom LKA in die Polizeistation im Olympiadorf versetzt wird, um unauffällig zu ermitteln. Bald schon ist es jedoch eine ganze Serie von auffälligen, tödlich endenden Unfällen, die den Oberkommissar beschäftigen; offenbar gibt es eine Verbindung zu seinem alten Bekannten, den Unterweltkönig Johann Marlow.

Im nunmehr achten Band um den widerspenstigen Berliner Ermittler steht alles im Licht des sportlichen Großereignisses. Was ein großer Spaß sein sollte, wird gnadenlos instrumentalisiert, um die globale Öffentlichkeit zu täuschen, während hinter der Fassade und für die Bürger durchaus sichtbar der große Plan der Weltherrschaft weitergetrieben wird. Für mich der atmosphärisch stärkste Roman der Reihe, zeigt er doch, wie einerseits die Spiele faszinieren und vergessen lassen und wie andererseits die Menschen trotz der sichtbaren Veränderungen nicht glauben können und wollen, was in Deutschland vor sich geht. Immer noch sind sie davon überzeugt, es nur mit einem temporären Phänomen zu tun zu haben, auch wenn Charly zu zunehmend klarer wird, dass für sie und Gereon in diesem Land kein Platz mehr ist und sie vorsorgen müssen.

Die beiden Kriminalfälle sind jeder auf seine Weise clever konstruiert, die Serie an Unfällen greift geschickt alte Handlungsfäden wieder auf, der Mordfall im Olympiadorf besticht durch seine Doppelbödigkeit, die lange versteckt bleibt und am Ende nochmals in tiefe menschliche Abgründe blicken lässt. Gewohnt stark die Figuren Gereon und Charlotte, die beide starrköpfig und clever auf ihre Weise mit der sich zuspitzenden Situation umgehen und das Regime unterwandern.

Einmal mehr gelingt es Volker Kutscher historische Erlebnisse und Spannung überzeugend zu kombinieren und so fesselt der Roman trotz der Länge durchweg.

19.11.2020 14:28:11
buecherwurm1310

Von den unangenehmen Veränderungen, die sich in den letzten Jahren zunehmend in Berlin ausgebreitet haben, ist plötzlich nicht mehr viel zu spüren, denn Deutschland will sich mit der Olympiade positiv in der Welt darstellen. Man befürchtet allerdings, dass die Kommunisten die Spiele sabotieren könnten. Daher muss der Todesfall im olympischen Dorf unbedingt ein natürlicher Tod sein, damit die Welt nur Positives sieht. Rath wird vom LKA abgezogen und soll für den SD in dieser Richtung unauffällig ermitteln, damit niemand die Todesursache anzweifeln kann. Aber Gereon Rath ist nun einmal wie er ist, er geht seine eigenen Wege, dabei muss er vorsichtig sein, denn Obersturmbannführer Sebastian Tornow wartet nur darauf, dass Rath einen Fehler macht. Während Gereon seine Ermittlungen führt, zieht Charly wieder zu ihrer Freundin Greta, denn sie ist wütend, weil Gereon gegen ihren Willen amerikanische Olympiatouristen aufgenommen hat. Ein Zeuge mit kommunistischer Vergangenheit wird festgenommen, obwohl Rath von seiner Unschuld überzeugt ist. Dann geschieht noch ein weiterer Mord und bald zeigt sich, dass der letzte Fall noch sein Nachspiel hat. Gereon befürchtet schon, dass Marlow wieder in der Stadt ist. Es wird immer enger für Rath. Wird er heil aus der Sache herauskommen?
Ich hatte schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung der Rath-Reihe gewartet und auch dieses Mal wurde ich nicht enttäuscht. Volker Kutscher geling es immer wieder mich zu packen. Beim Lesen konnte ich gut nachvollziehen, wie man sich fühlen muss, wenn man kein freund des Systems ist und immer ganz vorsichtig sein muss, weil man denunziert werden könnte. Rath hat immer versucht unter dem Radas der Nazis zu bleiben, doch dass ist nun nicht mehr möglich. Auch der Berliner Pflanze Charly fällt es immer schwerer, in diesem Deutschland zu leben, in dem Recht und Gesetz keine Bedeutung mehr haben. Obwohl die Raths in diesen Zeiten mehr den je zusammenhalten sollten, haben sie immer noch Geheimnisse voreinander. Mir aber hat Fritze leidgetan, der den Boden unter den Füßen verloren hat. Er, der Junge von der Straße, war stolz darauf, die weiße Uniform des Jugendehrendienstes zu tragen. Bei den Raths hat er sich wohl gefühlt, doch dann hat ihn das Jugendamt in die Familie von HJ-Führer Rademann gesteckt. Doch dann verliert er das Vertrauen in alles, was ihm wichtig war.
Dieser Wechsel zwischen Olympia-Euphorie und den Machenschaften, die im Hintergrund laufen, war schon erschreckend. Aber es war auch spannend zu erleben, wie Rath in seinem Fall weiterermittelt, obwohl die Leine, an die man ihn hält, immer kürzer wird. Dann hat es auch noch jemand auf sein Leben abgesehen. Am Ende wird es sehr dramatisch und für mich bleiben eine Menge Fragen offen. Leider wird es wohl wieder lange zwei Jahre dauern, bis ich hierauf Antworten bekomme.
Ein großartiger, gut recherchierter Kriminalroman, der mich wieder von Anfang an gefesselt hat.

12.11.2020 10:36:11
Berthold Barthel

Der Reiz dieser Art von Weimarer-Republik-/Nazi-Zeit-Krimis lässt mit dem achten Band merklich nach. Erst in der zweiten Hälfte des Buches tut sich überhaupt mal was. Das Buch fesselt den Leser nicht mehr. Das ist leider immer wieder, auch bei anderen Autoren, fest zu stellen, dass mit der fortschreitenden Anzahl der Bände die Luft ausgeht, d.h. es ist keine spannende Lektüre mehr - die Handlungen spielen sich alle nach den gleichen Mustern ab. Da hilft es auch nicht, den Roman in die Zeit der olympischen Spiele zu legen. Das dramatisch angedeutete Ende des Buches mit dem Unglück in Lakehurst (toller geht's wohl nicht?) dient dem Zweck, dass Gereon Rath einer der 62 Überlebenden sein wird, sonst wäre die Reihe ja zu Ende - schade wäre es nicht darum.

BEHIND THE DOOR
Der Raum. Die Tat. Das Rätsel.

Lies die Geschichte, erkunde den Tatort und bringe Licht in das Dunkel um einen mysteriösen Kriminalfall. Welche Auffälligkeiten bringen die Ermittlungen voran? Welches Indiz überführt den Täter? BEHIND THE DOOR ist der unterhaltsame und kurzweilige Rätselspaß auf Krimi-Couch.de.

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