Eine ganz andere Geschichte

Erschienen: Januar 2008

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Bonnier, 2007, Titel: 'En helt annan historia', Originalsprache
  • Köln: Random House Audio, 2008, Seiten: 6, Übersetzt: Bär, Dietmar
  • München: btb, 2010, Seiten: 603

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Eva Bergschneider
Eine echte Herausforderung

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Jun 2008

Eine ganz andere Geschichte (En helt annan historia) lautet der Titel des zweiten Teils aus Håkan Nessers neuer Krimireihe mit Kriminalinspektor Barbarotti. Der neue grenzte sich in Mensch ohne Hund erfolgreich von seinem berühmten Vorgänger van Veteren ab und überzeugte als Persönlichkeit, die eigene Akzente setzte. Viele Leser warteten gespannt auf ein neues verzwicktes Rätsel aus der Feder des Schweden und die Fortsetzung der privaten Geschichte des Halbitalieners aus Kymlinge.

2002: Sommer in der Bretagne

Eine ganz andere Geschichte beginnt mit den Tagebuch ähnlichen Eintragungen eines Schweden, der 2002 an der Südküste der Bretagne Urlaub macht und zufällig auf fünf Landsleute getroffen ist.

 

Ich bin nicht wie andere Menschen. Und ich will es auch gar nicht sein. Sollte ich jemals eine Gruppe finden, in der ich mich heimisch fühle, dann bedeutet das nur, dass ich abgestumpft bin

 

So charakterisiert sich der Schreiber selbst. Dennoch verbringt er einige Tage mit dieser Gruppe, bestehend aus insgesamt zwei Single-Männern und zwei Paaren. Wie alle genießt der unbekannte sechste Mann Sonne, Strand, Schalentiere und Alkohol. Er schreibt über private Charakterstudien, erotische Gedankenspiele und schildert schließlich einen tragischen Unfall. Fünf Jahre später fügt der Verfasser seinen "Aufzeichnungen aus Mousterlin" Kommentare hinzu, in denen er erklärt, dass er seine ehemaligen Reisegefährten töten wird.

2007: Barbarottis Dilemma beginnt auf Gotland

Barbarotti fährt zu Marianne, seiner neuen Liebe, die die Sommerferien auf Gotland verbringt. Als er seine Wohnung verlässt, steckt er die Tagespost ein. So erreicht ihn die Nachricht eines Mörders im Paradies und kündigt ihm den Mord an Erik Bergmann an. Barbarottis idyllische Sommerfrische verwandelt sich in einen blutigen Albtraum, mit einem Killer, der ihn persönlich heraus fordert. Kennt der Ermittler den Täter und hat der es am Ende auch auf ihn abgesehen?

Der Leser liest zwei verschiedene Geschichten, die eine Gemeinsamkeit haben: eine heitere Urlaubsstimmung verdüstert sich zu einem mörderischen Rätsel. Die "Aufzeichnungen aus Mousterlin" erzählen dem Leser, wie aus Zufallsbekannten, die an der bretonischen Küste aufeinander treffen, ein Mörder und seine Mordopfer werden. Der Verfasser verarbeitet Beobachtungen und Ereignisse zu einem dramatischen Plot.

Barbarotti und seine Mitstreiter erhalten dieses Tagebuch erst am Ende des Romans. Trotzdem ist den Ermittlern nach zwei Ankündigungen und Ermordungen klar, dass es sich um keinen gewöhnlichen Täter handelt, sondern um einen, der sorgfältig plant und seine Taten gekonnt in Szene setzt. Der Druck, diesem entschlossenen Täter endlich auf die Spur zu kommen, wird immer greifbarer, denn die Boulevardpresse erhält ebenfalls dessen Nachrichten und verbreitet sie in prägnanten Schlagzeilen.

Selten gönnt ein Krimiautor seinem Leser einen so weitreichenden Wissensvorsprung. Dennoch tappt man, wie die Polizei bis zum Schluss im Dunkeln, in beständiger Erwartung, endlich den entscheidenden Hinweis zu erhalten und dem wachsenden Gefühl, das etwas faul sein muss.

Eine Fülle verschiedener Stimmungsnuancen

Eine ganz andere Geschichte ist allerdings sehr viel mehr, als nur ein spannender Rätselkrimi.

Schon im ersten Barbarotti-Roman traute sich Nesser aus der für ihn typischen Lakonie heraus und ließ mehr Emotionen und Humor in sein sprachliches Repertoire mit einfließen. Neben Tiefgründigkeit und Leidenschaft, zeichnen auch hier skurriler Witz und Selbstironie den vielseitigen Kriminalinspektor aus:

 

Oh Herr sende einen Strahl rein und klar in ein umnebeltes Bullengehirn. Was ist das für ein Gerede von Vorhaben und tiefem Gewässer? [..] Wenn ich bis morgen Abend keine Klarheit habe, dann verlierst Du einen Punkt. Hilfst Du mir, bekommst Du Drei.

 

Das Feilschen mit dem Herrgott geht also weiter. Die Rahmenhandlung um den Halbitaliener hat Nesser weiter ausgebaut. Sie bietet alles, was einem den Mann rundherum sympathisch macht: Sehnsüchte, Liebe und Nöte, die jeder Leser nachempfinden kann. Barbarotti ist kein Überflieger, aber ein Teamplayer, der auch im Abseits am Ball bleibt.

Am Ende noch eins drauf gesetzt

Mit der Auflösung dieser mysteriösen "anderen Geschichte" ist Nesser ein wahrer Geniestreich gelungen. Nicht der Hauptprotagonist findet den entscheidenden Hinweis (den er übrigens für sich behält), sondern jemand, der ebenfalls ein Einzelkämpfer ist und dadurch gedankliche Wege beschreitet, die den meisten Menschen verschlossen sind. Wenn man des Autors Vorliebe für angelsächsische Idiome teilt, ist It makes perfect sense ein passendes Résumé für dieses Finale.

Ein Wortspiel mit des Autors Nachnamen und der Steigerungsform von "gut" ist treffend, aber abgenutzt. Daher soll hier das Fazit nach der Hälfte der geplanten Barbarotti-Werke lauten: Nesser steuert auf den Höhepunkt seines Schaffens zu.

Eine ganz andere Geschichte

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Letzte Kommentare:
09.12.2016 18:47:38
kritikaster

viele köche verderben den brei und viele kommissare einen krimi...
man muss höllisch aufpassen um überhaupt mitzukommen und der schluss ist sehr schwach, sehr sehr schwach.
finale kann er einfach nicht, da gebe ich einer gewissen maria vollkommen recht.
aber offenbar ist es so, dass einer, der einen gewissen namen hat,von den kritikern mit samthandschuhen angefasst wird. besser wäre es ihm zu sagen: das kannst du besser, mein lieber!

13.02.2015 10:02:41
garyboldi

Das also war mein viertes Nesser-Buch. Grandios. Man fragt sich bei Nesser zwar immer, ob das wirklich ein Kriminalroman ist, aber was soll's. Mir wird es nie langweilig, denn Nesser ist ein grandioser Erzähler seiner Geschichten. Wie bei allen anderen Nesser-Büchern, musste ich nach dem letzten Satz das Buch erst einmal weg legen und Revue passieren lassen. Drüber nachdenken. Alle hier, die von der dann doch etwas überraschenden Lösung etwas enttäuscht sind, sind es meiner Meinung nach nur, weil sie es nicht verstehen, weil Nesser eben das Detail nicht nennt, es dem Leser auferlegt, es zu finden und sie selbst es wohl nicht finden. Verstehe ich. All jenen, die hier vermuten, dass es dieses Detail gar nicht gibt, denen muss ich widersprechen, es gibt es tatsächlich und es ist eigentlich sogar ziemlich offensichtlich.Übrigens werden viele Grundzüge des eigentlichen Plots auch in anderen Krimis so verwendet. So ermittelt John Rebus in seinem letzten Fall vor der Pensionierung 500 Seiten lang in die falsche Richtung, um den Fall dann auf den letzten 30 Seiten, wie bei einer Short-Story zu lösen, weil er eben fest stellt, ein Detail übersehen zu haben. Nur dass Rankin dieses Detail dann eben auch nennt. Und bei Lee Childs "Sniper", welches ja auch verfilmt wurde, werden auch 5 Personen ermordet, was ersteinmal davon ablenkt, dass es letztendlich nur um eine einzelne dieser Personen geht.Ach so, das Detail ? Will das wirklich jemand wissen ? Dann soviel: Es steckt nicht in den "Aufzeichnungen aus Mousterlin", sondern in den Kommentaren dazu, von 2007. Natürlich nicht direkt, aber wenn man sich einmal die zeitliche Abfolge vergegenwärtigt ... ,was ja eigentlich Frau Backmanns Aufgabe war.

27.07.2014 19:55:01
Klaus Wessel

Schwache Auflösung - und das nach so vielen Seiten. Ungereimt, nicht überzeugend. Man erwartet ein packendes Ende - und dann ist es nahezu trivial.
Der Auftakt ist gut, wie immer bei Nesser konzentrierte Sprache, gelungene Milieuschilderungen. Aber über manche Strecken "zieht es sich". Und eine weitere Schwäche: da tauchen Figuren auf, die isoliert dastehen, ohne Bezug zum Ganzen. Insgesamt kein großer Wurf.

06.02.2014 21:44:52
Michaela

Ein äußerst spannendes Buch mit enttäuschendem Ende... Die Auflösung wird dem Buch nicht gerecht, die Leser hätten sich einen etwas raffinierteren Schluss verdient!
Der Autor schafft es dennoch die Spannung aufrecht zu erhalten. Die Wirrungen in Barbarottis Privatleben sorgen zwischendurch immer wieder für Abwechslung und Zersteuung.

16.02.2013 21:11:16
carolina

Ich habe gerade das Buch fertiggelesen und anschließend die Kommntare dazu.
Und ich find, sie haben alle in gewisser Weise recht. Besonders die ersten drei. Obwohl es ziemlich gemächlich und teilweise langatmig dahin geht ist der Schreibstil phantastisch und es kommt sogar Spannung auf, obwohl die oft zerredet wird.
Allerdings hat mich der SChluss doch sehr frustriert, gerade weil mir die ersten 580 Seiten gut gefielen. Ich mag es nicht, wenn
eine Lösung präsentiert wird ohne zu sagen wie sie gefunden wurde. Das ist Leser-
verspottung, eigentlich vera.Gehört wohlzum "Humor" des Autors. Außerdem fand ich den Vergleich mit Fernsehserien gut, was das offene Ende im Privatleben betrifft. Es war keine verlorene Zeit, die Lekture des Buches, doch der Schluss hat mich sehr enttäuscht. Und wenn Herr Nesser glaubt, damit gewinnt er leser für den nächsten Barbarotti -Roman, so hat er sich bei jednfalls getäuscht.!

04.11.2012 14:12:05
Krimitante

eigentlich mag ich die bücher von hakan nesser sehr. aber dieses... langatmig ist ein freundlicher ausdruck. ich habe ganze seiten überlesen, in denen barbarotti seinen verschwurbelten gedankengängen nachgeht und es hat mir nichts an handlung gefehlt. diese ist arg konstruiert, die personen bleiben merkwürdig flach. obwohl das privatleben von barbarotti mehr als ein drittel des buches ausmacht. was, wie ich finde, viel zu viel ist. ausserdem wird hier nur unzulängliche polizeiarbeit geleistet: da wird hinweisen nicht nachgegangen, zeugen werden nicht gesucht usw.. dafür wird seitenweise gewartet und wir dürfen über dieses warten lesen. von 600 seiten entfallen sicherlich 100 auf´s warten, 200 auf des hauptkommisars privatleben und 100 auf seine gedankengänge. der rest ist handlung. fazit: das erste mal, dass ein nesser von mir bei oxfam landet.

28.09.2012 09:56:28
Moschi

"Eine ganz andere Geschichte" war mein dritter Nesser-Krimi, an den ich mit entsprechend hohen Erwartungen heranging. Gleich vorweg: Die Erwartungen wurden nicht erfüllt. Schreibstil und Originalität der Story überzeugten mich. Die Umsetzung in eine spannende Geschichte läßt jedoch sehr zu wünschen übrig. Es fehlt ganz einfach das Tempo; alles wird nach meinem Geschmack zu behäbig und zu langatmig erzählt. Die familiären Verhältnisse und Barbarottis Liebesleben wurden zu intensiv beschrieben, die Ermittlungsarbeiten zu zäh. Vermisst habe ich auch, dass der ermittelte Täter gegen Ende der Geschichte nicht persönlich zu Wort kam. Hier hätte Nesser noch ein Dialog-Feuerwerk abbrennen können.

13.09.2012 19:43:09
kianan

Aus meiner Sicht eine tolles Buch: sprachlich sehr schön geschrieben ohne langweilig oder verschnörkelt zu wirken. Die stetige Prise an Ironie und den humorvollen Blick auf die Dinge hat mir sehr gut gefallen und mich häufig zum Lachen gebracht. Ich mag diesen Stil von Nesser und seinen Protagonisten Barbarotti sehr. Die Geschichte selber war spannend und außergewöhnlich. Da jedoch leider im zweiten Drittel ein paar Längen durch unnötige Wiederholungen entstanden sind, gebe ich keine absolute Topbewertung, aber nicht weit entfernt davon. Aus meiner Sicht sehr empfehlenswert, aber m. E. nicht für die puren "Action-Fans".

23.08.2012 02:54:53
Anni

Habe den Krimi gerade auf einer Urlaubsreise mehr oder weniger in einem Rutsch gelesen - da hat man natürlich Zeit, sich mit einer Geschichte intensiver zu beschäftigen :)
Ich bin zwar nicht so krimierfahren wie wahrscheinlich die meisten Leser hier - aber was ich doch erstaunlich finde, ist die Tatsache, dass offenbar erwartet wird, dass alles, aber auch alles im Detail am Schluss erklärt wird...
Persönlich fand ich die Geschichte zwar streckenweise auch etwas langatmig (die Passagen, die die persönliche Ebene von Barbarotti betreffen erschließen sich einem vielleicht auch eher, wenn man die gesamte Reihe kennt - nichtsdestotrotz ist eine Charakterisierung der Hauptfigur immer wünschenswert), aber ich muss sagen, dass mich die Gesamtkonzeption sehr beeindruckt hat. Natürlich fragt man sich am Schluss, was denn genau das Detail ist, das zur Auflösung des Falls geführt hat - und genau das macht für mich auch den Reiz dieses Romans aus. Sofort nach Beenden der Geschichte habe ich natürlich noch einmal die "Mousterlin-Aufzeichnungen" gelesen und war ganz hingerissen von der Raffinesse des Aufbaus, die sich eigentlich nur erschließt, wenn man sich die Texte noch einmal vornimmt: Ob das entscheidende Detail tatsächlich so auf dem Silbertablett präsentiert wird weiß ich nicht, aber nach meiner Einschätzung ergeben sich eine Reihe von Details und Hinweisen, die auf den Mörder deuten, wenn man die Texte noch einmal unter dieser anderen Perspektive liest. Nessers Raffinesse in dieser Hinsicht hat für mich durchaus literaturgeschichtliche Dimension (beispielsweise das klassische Doppelgängermotiv in Horrorgeschichten, eine gewisse Abwandlung des Briefromans bzw. des Tagebuchromans, oder auch eine gewollte Lenkung auf eine psychologische Dimension des fiktiven Autors, die aber gleichzeitig auch auf eine später enthüllte psychologische Dimension des "realen" Autors in der Realität der Geschichte passt, die erzählt wird) und geht m.E. über einen reinen Rätselkrimi als Unterhaltungsstück hinaus, der zwar fein gestrickt und konstruiert ist, aber bei dem man am Ende sagt "Aha" und das Buch beiseite legt. Nicht falsch verstehen: Ein Krimi mit aufschlussreichem Ende ist in meinen Augen durchaus eine sehr befriedigende und raffinierte Form von Literatur!
Man wird vielleicht nicht mit der Nase auf die Lösung gestoßen, aber beim zweiten Lesen der Mousterlin-Texte war es für mich sonnenklar, dass die Lösung nur so sein konnte, wie sie am Ende auch war. Aber eben erst beim zweiten Lesen - da liegt dann auch das Können eines Autors, mit Sprache und Texten so umgehen zu können, dass mehrere Deutungsebenen möglich sind, ohne dass die Eine oder auch die Andere nicht glaubwürdig wäre. Auf die Ironie der Passage "Vertraue nie einem Autor" wurde ja schon hingewiesen.
Ich fand das Buch klasse!

03.05.2012 20:40:03
Lotse

Mit dem zweiten Buch der Inspektor-Barbarotti-Reihe gelingt Nesser endlich wieder ein Krimi auf dem Niveau der Van-Veeteren-Serie. Das erste Buch "Mensch ohne Hund" war ja noch etwas "gewöhnungsbedürftig". Aber "Eine ganz andere Geschichte" macht Lust auf mehr.
Nesser ist der Künstler, der Poet, der Philosoph unter den skandinavischen Krimi-Autoren. Er kommt ohne "action" aus. Für mich ist er stärker als Mankell.

26.04.2011 19:53:52
Maria

Inzwischen habe ich viele Romane von Nesser gelesen und immer wieder das Gleiche festgestellt: Das Finale kann er einfach nicht meistern! Extrem schade, gebe ich zu, da die Handlung meistens ziemlich interessant ist bzw. zumindest viel versprechend. Jedes Buch von ihm (nehmen wir z. B. "Barins Dreieck" hinzu)ist also am Ende eine pure Enttäuschung. Je spannender die ersten 500 Seiten, desto frustrierender der Rest. Open End hat sicherlich auch Existenzrecht, nur doch nicht unbedigt in Krimis, wo es gerade darauf ankommt, dass am Ende alles (!) aufgeklärt wird. Gar keine bzw. unglaublich banale Auflösung tut echt weh!

11.04.2011 20:12:18
Rolf Majaranta

Für mich eines der besten Bücher von Nesser. Die Auflösung ist originell. die offenen Fragen zu seinem Privatleben machen Lust auf das nächste Buch ! Nesser ist ein Spitzenautor mit Humor. Ein gutes Buch darf auch eine längere Einleitung haben. Nesser schreibt ja zum Glück keine bluttriefenden Actionkrimis sondern ist Meister der feinen, leisen Töne .

16.03.2011 08:09:37
rolandreis

War das Buch anfangs noch etwas spannend, wird es zum Schluß nur nervig. Das Buch ist langatmig, langweilig und das Ende ist sowas von banal und unspektakulär. Das hätte ich von Nesser nicht erwartet. Die Charaktere sind blass, die Handlung zieht sich hin. Man hätte sich die ersten 500 Seiten schenken können, da die Auflösung des Falles ohnehin nur zufällig geschieht und dem Leser auch gar nicht richtig erklärt wird. Eine klare Nullnummer.

14.03.2011 20:05:52
Suko Sinclair

Der Schreibstil des Buches gefällt mit sehr gut, auch die Übersetzung scheint mir in Ordnung. Manche Dialoge und Anmerkungen sind sehr tiefsinnig. So, dass war der positive Aspekt des Werkes. Aber jetzt mal ehrlich, da wo der auflösende Teil sein sollte, man eine Ergebnis erwartet, scheint dem Autor der Abgabetermin dazwischengekommen zu sein. Ein Chef der sich die ganze Zeit im Hintergrund hält, aber dann den Fall aus seinem Ohrensessel heraus löst und dabei seinen eigenen Mitarbeitern (und dem Leser) nicht einmal mitteilt, wie er das gemacht hat ist ziemlich öde und verwirrend. Das das Zusammenleben mit Marianne und den Söhnen wahrscheinlich erst im nächsten Buch beschrieben wird, finde ich in Ordnung, aber die Problematik mit seiner Tochter ins nächste Buch zu verschieben, erinnert mich an alte Fernsehserien - wenn sie wissen wollen wie es weitergeht, dann schalten sie auch morgen wieder ein-. Dies war mein erstes Hakan Nesser-Buch und ich überlege schwer, ob es nicht auch mein letztes war. Sogar Ian Rankins Frühwerk "Der diskrete Mr. Flint", das dem Leser als neues Buch untergeschoben wurde war besser und das heißt schon was. Einen guten Schreibstil kann man sich erarbeiten, gute Ideen müssen von alleine kommen. Vielleicht wäre ein langer Urlaub ganz gut für ihn, z.B. in der Bretagne.

29.12.2010 15:19:01
Komplett gelesen!

Leider fällt es mir vor dem Kauf eines Buches sehr schwer, diese Kommentare zu lesen, da sie häufig wichtige Inhalte vorwegnehmen. Aufgrund der guten Bewertungen und des interessanten Ortes habe ich dieses Buch gewählt und den Autor neu entdeckt - auf eine negative Art und Weise.

Nesser werfe ich vor eine gute kriminelle Ader - wenn man so will - extrem schlecht umgesetzt zu haben. Der Aufbau dieses Buches ist sehr langatmig!

Die deutsche Übersetzung ist ein Graus! Sprachlich schwach und in der Zeichensetzung irritierend.

Fazit: Dieses Buch wäre als Erstling nie und nimmer verlegt worden!

17.11.2010 11:05:53
bunbury

lieber zorin,

bücher sind natürlich geschmackssache und da kann man eigentlich nicht drüber streiten.
aber dieses buch als frauenliteratur zu bezeichnen, finde ich doch ziemlich
abwegig. mit diesem genre hat der roman nun wirklich nichts zu tun.

was mich aber besonders ärgert, ist deine kritik an einem buch, von dem du nur 100 seiten gelesen hast. da solltest du doch lieber die klappe halten, anstatt dich so zu blamieren.

sorry an die anderen leser, aber das mußte raus. solche kommentare sind wenig hilfreich und ziemlich daneben.

mir hat das buch rundum spaß gemacht. das ende fand ich überraschend, den aufbau der geschichte sehr gut.
um den faden des vorherigen schreibers noch mal aufzunehmen:
ich kann das buch stärkstens empfehlen
;-))

01.11.2010 15:20:12
Zorin

Hakan Nesser ist nicht gerade der Action-Spezialist, das wusste ich vorher. Dass ich den Roman trotzdem ausgesucht habe, lag vor allem an dem Stapel Buch-Gutscheinen, die ich nicht wieder mit nach Hause nehmen wollte.
Als ich es dann aufschlug, schwor ich mir, dem Werk eine echte Chance zu geben. Trotzdem dämmerte ich mehrfach selig weg, kämpfte mich bis auf Seite 67 heran, bis ich anfing, "quer zu lesen" um nur noch die message herauszusaugen - bis zu dem Punkt, wo der Schinken Fahrt aufnehmen würde.

Nunmehr, auf Seite 103, gebe ich einfach auf. Null Spannung, dafür lahme Urlaubserinnerungen irgendwelcher Leute, schlimmer als einer dieser Diaabende die es früher bei Verwandten leider manchmal gab.

Oder dass der Kommissar und seine neue Freundin die Tiefe ihrer Beziehung ausloten - okay oky, es gibt ja auch Filme wie "Im Tal der wilden Rosen" usw.. UND SOLL ES JA AUCH RUHIG GEBEN!

Hakan Nesser macht Frauen-Literatur, und den Kritiken hier zufolge hat er ja auch seine Leserinnen, denen ich allen viel Spaß auch weiterhin wünsche. allen anderen rate ich von diesem Buch stärkstens ab.

26.09.2010 16:37:15
Daniela

Ich persönlich liebe Hakan Nessers Schreibstil.Die Gedankengänge der Personen,nicht immer glattgebügelt:) Die Dialoge,oft mit Humor gespickt.Hab ich sehr gerne.Und ich empfinde es als besonders,wie ein Vorgänger schon schreibt,dass man zum nochmal Nachlesen/Selbstdenken animiert wird,und einem nicht alles in den Kopf hineingeschoben wird.
Sara und Marianne kommen ja höchstwahrscheinlich im nächsten Band zu Wort und da die Reihe auf 4 Bücher angesetzt ist,wäre es ja langweilig jede Entwicklung in jedem Buch abgeschlossen darzustellen:)
Ich werd mir die Briefe nun nochmal vornehmen und mein Köpfchen selbst anstrengen,um den Hinweis zu finden.Ansonsten macht es auch noch tierisch Freude darüber mit anderen zu diskutieren:)

31.08.2010 17:05:43
bernd

Was für Ende! Was für eine Schande für ein sonst großartiges Buch!
Das Barbarotti den Fall nicht selber klärt- geschenkt. Das die Tochter des Inspektors offenkundig ernsthafte Probleme hat und dies nicht erläutert wird- geschenkt. Das die Übersetzerin das Buches aus dem süddeutschen Raum kommt und dies nicht verbergen kann- geschenkt.Aber das eine 180 Grad Wendung des Falles nicht einmal ansatzweise erläutert wird ist eine Frechheit. Daher nur 48 Grad. Schade.

30.07.2010 11:16:47
Kim Schulte

Das Ende hat mich persönlich enttäuscht. Ich habe mehr von den 600 Seiten an Aufklärung des Falls erwartet.Mir gefällt der Aufbau des Romans. Der Autor greift immer wieder in die Vergangenheit zurück und lässt den Leser mehr über den Vorfall in der Bretagne eintauchen. Aber letzten Endes werden diverse Fragen, die ich mir beim Lesen stelle am Ende offen gelassen. Zum Beispiel wird nicht näher auf das Problem bzw Geheimnis von Sara, seiner Tochter, eingegangen. Auch wird nicht Marianne\'s Meinung zu dem Lebenswandel genannt.Mein Fazit ist, dass sich das Buch recht gut lesen lässt und größtenteils spannend ist, aber man sich mehr von dem Ende erwartet.

16.07.2010 09:50:57
mims

Also hier paar Punkte von mir:- das "All right" nervt- als ich 9/10 des Buches gelesen habe, und keine Lösung in Sicht war, dachte ich mir schon, dass das Ende rasch kommen wird. Fand ich nich wirklich gut.-die Person des Barbarotti ist so naja...
Diese pubertären Flirts und Ausdrücke fand ich irgendwie ziemlich lasch. Da gefällt mir Adamsberg von Vargas besser, der ist noch kantiger.Das beste an dem Buch waren die Mousterlin-Aufzeichnungen, obwohl die Sache mit dem Mädchen mehr Potential hatte, als er in die Story packte. Vielleicht bin ich aber auch actionverwöhnt :)

27.05.2010 18:10:55
Uli

Im Gegensatz zu manchen Vorschreibern finde ich das Ende weder konstruiert noch abrupt noch unlogisch sondern perfekt ausgedacht. Das ist aus meiner Sicht einer der besten - wenn nicht der beste Roman - von Hakan Nesser. Und dass wenigstens eines wenn nicht 2 Motive auch schon von der Altmeisterin Agatha Christie verarbeitet wurden tut auch keinen Abbruch - ich würde fast behaupten ohne eine kleine Anleihe dort kann man keinen guten Krimi mehr schreiben.

10.05.2010 09:12:04
Dickie_Greenleaf

Dank der toll geschriebenen Mousterlin-Briefe zwischen den zähen Ermittlungsversuchen von Barbarotti ist diese Geschichte tatsächlich interessant.
Nur, dass am Ende nicht Barbarotti, sondern sein Vorgesetzter Asunander den Fall löst und dann noch nicht mal gesagt wird wie er auf die Lösung kommt, finde ich unglaublich. Ich kann es noch immer nicht fassen, dass Nesser es tatsächlich so geschrieben hat. Kann man seine Leser so verprellen? Unfassbar.

03.05.2010 14:17:28
Dickie_Greenleaf

Ich bin noch mittendrin - sowohl im Lesen dieses Buches, als auch was den Prozess der Meinungsbildung über Hakan Nesser als Autor betrifft. Die van-Veeteren-Bücher mochte ich in den seltensten Fällen. Trotzdem hat der Mann Erzähltalent, wie sein Roman "Kim Novak..." beweist. Ich bin also gespannt auf diese "andere Geschichte". Der Aufbau ist schonmal spannend, was mich jedoch stört ist dieses ständige Gejammer von den Ermittlern darüber, dass sie keine Hinweise haben. Keine Anhaltspunkte. Keine Ahnung. Kein gar nichts. Das sehe ich ganz und gar nicht so. Allein schon die Briefe, die der Mörder schreibt, geben doch schon einen Hinweis darauf, dass der Kerl das Spiel liebt und ein ordentlicher Profiler würde aus der Schrift und der Satzstellung noch viel mehr heraus lesen können. Was sind das also für unmotivierte Polizisten, die da am Werk sind? Babarotti ist außerdem die ganze Zeit über am Jammern, dass er Marianne verlassen musste und sowieso lieber bei ihr geblieben wäre und überhaupt. Ich frage mich, ob der Autor beim Schreiben ähnliche Gedanken hatte und es dann vielleicht besser hätte lassen sollen.

30.12.2009 12:48:07
hankypaf

Nach "Mensch ohne Hund" konnte man es vermuten, jetzt darf man sicher sein: Nesser hat mit Barbarotti einen neuen Ermittlertyp geschaffen. Er verhindert keine Verbrechen. Er klärt sie nicht auf. Er ist suspendiert oder privat verhindert, wenn die Ermittlungen dann doch mal Fahrt aufnehmen. Er ist pausenlos mit seinem - zugegebenermaßen - schwierigen Privatleben beschäftigt, freilich ohne es zu regeln. Seine Überlegungen, Gedankenspiele, Rückschlüsse führen grundsätzlich ins Leere. Daß er seine Aufzeichnungen zuhause vergisst, ist völlig egal. Sie hätten ohnehin nicht weitergeholfen. Der "berühmte Barbarotti" ist er nur, weil er einen Journalisten geschubst hat. Er ist nur Inspektor...und wirds wohl ewig bleiben.

19.12.2009 16:02:45
Jabba

Hab das Buch gerade fertig gelesen. Spannende Story, spannendes Ende (vor allem unerwartet). Finde den Stilwechsel zwischen der Hauptstory und den Mousterlin-Aufzeichnungen interessant. Letztere sind meiner Meinung nach viel emotionaler und tabuloser (Ich-Erzähler beschreibt seine Masturbationsphantasien), hingegen die Hauptgeschichte um Barbarotti viel züchtiger, dafür auch spannungsloser abläuft. Fast möchte man meinen, es wären hier zwei Autoren am Werk gewesen. Sowohl in Barbarotti als auch in den fiktiven Mörder kann man sich gut hineinversetzen und entwickelt beim Lesen Verständnis und Sympathie für beide.Stilistisch kann ich mich einfach nicht mit diesen ständigen Anglizismen anfreunden. Dieses ständige "all right", welches Nesser fast jedem Protagonisten in den Mund legt, empfinde ich persönlich als störend und realitätsfremd, erinnert mich sogar zeitweise an diverse Bastei Lübbe - Schundheftchen a´la Jerry Cotton.Alles in allem aber ein gelungener Krimi, der für kurzweil sorgt und dem ich drei von fünf Punkten gebe.

02.12.2009 15:17:47
SukRam

Nach den vielen positiven Meinungen habe den Roman mit großen Erwartungen gekauft.
Natürlich ist Nesser ein großartiger Autor, der gekonnt in die Gefühlswelten von Einzelgängern eindringt.
Trotzdem empfand ich Barbarottis Privatleben als zu ausgedehnt und das Ende als zu schnell und oberflächlich konstruiert.
Aber die Tatsache, dass der Leser zum Schluss noch zum Selberdenken animiert wird, beweist Nessers Stil.

Meine Wertung: 84°

01.12.2009 21:41:03
la_bouche

Hakon Nesser hat seiner Leserschaft schon viel zugemutet, aber hiermit schlägt er dem Fass den Boden aus. Schlechte Grammatik, unaussprechliche Namen, verworrene Zusammenhänge, wenn man das Wort überhaupt benutzen kann und ein fades sowie nichtssagendes Ende gestalten sein "Werk" zu einem Tiefpunkt der aktuellen Literaturlandschaft.
Die Niederlande haben guten Grund gehabt, das Buch bei sich nicht zu veröffentlichen.
Es fiel mir beim Lesen mehr als schwer, diesem sogenannten Inspektor nicht virtuell den Kopf abzureißen, da seine unausstehliche und penetrante Enervierung der Nerven des Lesers einer unendlichen Höllenfahrt durch Buchstaben und Wörter glich.
Hoffentlich stellt Hakon Nesser das Schreiben ein oder erwirbt sich zumindest einen Einführungskurs fürs kreative Schreiben. Sein neuestes Buch werde ich dennoch kaufen, um zu sehen, ob er einen Weg gefunden hat, Literatur noch weiter zu vergossen.

Im Gesamtüberblick:

Inhalt: 1/5
Sprache: 1/5
Stil: 2/5
Überzeugungskraft: 0/5
_

Gesamt: 3/20 Manker-Punkte ;-)

(so wenig Punkte hatte bisher nur die Liste der Nebenwirkungen meiner Darmtabletten^^)

05.10.2009 16:48:37
Susanne Laß

Hakon Nessers "Eine ganz andere Geschichte" ganz durchzulesen war mir schon geboten, da dieses Buch ein Geschenk eines Kunden von mir mit persönlicher Widmung von H. Nesser ist.
Ich brauchte lange für den Krimi, da Barbarottis Gedankengänge zäh sind; als wenn sie nur als Füllmaterial für die Rahmengeschichte dienten.
Aber diese ist gut und spannend. Man neigt dazu, die Dokumente für sich lesen zu wollen. Und im Gegensatz zu sonstigen Krimis, versäumt man auch bei Barbarottis Erlebnissen wenig, wenn man schnell drüber hinwegliest.
Und irgendwie macht dieses unnötige Füllmaterial im Gegensatz zum schnellen Ende des Krimis die Mittelmäßigkeit in dem Buch aus.
Da hilft es auch nicht, dass Nesser mit der Andeutung dieses ominösen Details zur Auflösung des Falles den Leser zum wiederholten Lesen locken will.
Fazit:
Nesser war schon mal origineller.

01.10.2009 09:32:14
Luki

Hakan Nesser wie man ihn kennt, nur noch besser!
Das Buch ist ein reines Lesevergnügen, nur selten kommt dabei Langeweile auf. Der Leser wird von Anfang an von den Tagebucheinträgen des Mörders mitgenommen. Eine hervorragende Idee, wie sich später heraus stellt.

Die Geschichte ist toll inszeniert, von Anfang bis Ende durchdacht.

Empfehlenswert

05.09.2009 18:30:17
Silvy

Nach "Mensch ohne Hund", "Kim Nowak..., mein 3. Nesser. Bin wieder mal total perplex. Was für ein seltsames Ende. Habe die Tagebücher aus Mousterlin auch 4x gelesen. Hab ich wirklich das Detail übersehen. Oder gibt es keins. Es ist doch seltsam, dass die 2. Malmgren Leiche nicht auftaucht. Vielleicht ist das das Detail. Hier muss man vielleicht ansetzen und im Privatleben weiter schnüffeln. Wo kam denn plötzlich die Cousine her. Der Schluss kam viel zu schnell, 10, 20 Seiten mehr täten dem Buch gut. Alles in allem, das Buch hat gefesselt und man macht sich viele Gedanken...

01.08.2009 16:43:51
RaggaDadj

Hallo, bin eben fertig mit dem Buch.

Bin ziemlich stolz und überrascht, dass ich vor dem Schluss (Kapitel VII) - nach dem Gespräch zw. Asunder & Barbarotti, nach einer kurzen Denkpause bereits überzeugt war, den Möder zu kennen.

Natürlich ist die Auflösung und die Geschichte sehr wild und ausergewöhnlich, aber das sollte man von Nesser (siehe van Veeteren-Reihe) schon gewohnt sein!

Was ist mit dem Hinweis auf sich hat, werd ich mir nochmals diese Aufzeichnungen von Mousterlin durchlesen, aba kann mir auch gut vorstellen dass eben diese Aussage bzgl. "Vertraue keinem Autor" sich bewahrheit und man kein Detail finden wird.

Amüsant ist irgendwie, dass im Gegensatz zu anderen Krimis (zb Wallander) eig. gar kein Stress zu herrschen scheint, es sterben die Menschen der Reihe nach, aber Barbarotti ist nicht besonders panisch dabei den Fall zu lösen. Es wird ja auch kein Verbrechen verhindert.

Aber ist doch gut dass sich die Bücher so unterscheiden..

14.04.2009 06:41:48
Bibak

Mir gefällt der neue Kommisar und sein Team. Und die privaten Einblicke in seine Familiengeschichte finde ich spannend und hoffe auf mehr. Der feine Humor, der durch den neuen Inspektor in den Büchern aufkommt, gefällt mir.
Ich liebe die meisten italienischen und nordischen Krimis und finde hier ein perfekte Mischung, bei der ich neben aller Spannung auch viel schmunzeln kann.

31.03.2009 14:04:51
FritzAT

bin grad dabei das buch zu lesen, leider hätte ich hierwieder mal fast die Lösung gesehn,
Bin zufällig an das Buch gekommen und habe mittlerweile meinen geschmack an den schwedischen autoren gefunden ;)

Bin schon sehr gespannt warum der Kommisar die Briefe bekommt und was in Frankreich passiert ist
meiner meinung nach bis jetzt ein gutes buch, an Stieg larsson kommt er aber nicht heran

09.02.2009 20:13:33
Luftikus

Auch ich war von dem Buch "Eine ganz andere Geschichte" gefesselt und von der Auflösung zu fast 100% begeistert (obwohl auch mich das "Detail" interessieren würde).
Nesser versteht es erneut die Spannung während des ganzen Buches zu erhalten, besonders durch die konstanten, für ihn so typischen Zeitsprünge/Wechsel der Erzählperspektive.
Ich war am Ende sehr überrascht über die Auflösung des Falles, ich hatte eher erwartet, dass sie den Täter nicht finden werden, weil die Situation zu aussichtslos erschien.
Außerdem fand ich es sehr erfrischend, dass sich Nesser nicht nur auf den Fall konzentriert hat, sondern die Charaktere durch die Schilderungen ihrer ganz eigenen Probleme und Geschichten zum Leben erweckt.
Ich freue mich schon darauf, die Fortsetzung zu lesen, nicht nur, weil ich denke, dass garantiert ein neuer verzwickter und packender Fall auf mich wartet sondern auch, weil ich wissen möchte, wie sich die private Geschichte des Inspektors weiter entwickelt.

19.01.2009 21:42:33
Bea

Mit dem etwas plötzlichem Ende kam ich nicht zurecht.
Was hatte der alte Kommisar denn beim 4. mal lesen gefunden, dass er den Fall plötzlich im Alleingang lösen konnte? Und was hat es mit der ganzen Geschichte zu tun, dass er ein Gebiss trägt und keine eingeschraubten Zähne?
So gern ich Nesser lese, ja er ist einer meiner Lieblingsschriftsteller, so sehr hasse ich diese kryptischen Hinweise, mit denen ich nichts anfangen kann, die aber auch nicht aufgeklärt werden.
Die Lösung sollte sich aus dem vorherigem Text ganz logisch ergeben und nicht plötzlich durch einen deus ex machina gelöst werden. Schade, denn bis auf das Ende fand ich das Buch sehr stark!

14.01.2009 14:10:52
Kasia

Was als "Detail" gemeint sein könnte, ist vielleicht die Tatsache, dass der Erzähler der Mousterlin-Aufzeichnungen in seiner Freizeit die "Bekenntnisse des Augustinus" liest - ein Werk, das eher zu Malmgrens Beruf (Philosoph) gehört...

Oder: es gibt dieses Detail eben gar nicht, denn "traue niemals einem Autor"!

08.01.2009 15:12:59
Nietzsche

Des Kaisers neue Kleider...
Das Buch ist für einen Krimi nicht schlecht geschrieben, hat aber einige schwere Mankos. Da ist zum einen die Hauptfigur, der Kommissar: Man wird wohl nur schwer einen drögeren, uninspirierteren Ermittler finden. Im Laufe des dicken Buches kann er kein einziges Mal irgend etwas zur Lösung des Falles beitragen. Zum zweiten die parallele Geschichte, die in Frankreich spielt: Sie ist zwar besser und spannender als der eigentliche Fall in Schweden, aber es ist völlig unglaubwürdig, dass sich der Mörder wegen des geschilderten Falles zu seinen Wahnsinnstaten motivieren lässt. Und drittens die Auflösung: Sie kommt ohne jede erklärende Begleitung kurz vor Ende des Buches daher, in schlechtester Deus-ex-machina-Manier. Präsentiert wird sie von einer Figur, die bis dahin keine Rolle spielte. Selten war ich nach einem so hoch gelobten Krimi so ernüchtert.

22.12.2008 13:21:19
kolaf

Ich habe das Buch so eben durchgelesen und bin völlig perplex. Ich würde gerne von anderen hören, welches Detail Asunander anspricht, das er in den Aufzeichnungen gefunden hat.Denn dieses scheint ja schließlich zum Lösen des Falles beigetragen zu haben.
Ansonsten, ein wahnsinnig gutes Buch.Von einem schwedischen Autor nicht anders zu erwarten.;)

09.11.2008 19:52:19
Flavia

Nachdem ich vom "Mensch ohne Hund" begeistert war, habe ich mich sehr auf den zweiten Barbarotti gefreut. Und was kam? Ein Barballander mit Don-Camillo-Einschlägen in einem "leicht urinfarbenen" (O-Text) Mietshaus. Zugegeben - ein bisschen humorvoller als Wallander - aber was hätte Nesser aus dieser italienisch-schwedischen Mischung machen können! Vielleicht einen Barvarotti als singenden Schweden-Schupo?
Spannend und faszinierend waren die "Aufzeichnungen aus Mousterlin", also die andere Geschichte, die in Frankreich sechs Menschen zusammenführte. Dröge dagegen die endlosen Besprechungsrunden der immer hinterherhoppelnden Polizei. Ich habe die polizeilichen Ermittlungen zum Schluss nur noch quergelesen. Nicht wirklich schlüssig und zu abrupt fand ich die Auflösung der Geschichte.
Trotzdem - im "französischen" Teil habe ich Nesser sogar das schlecht sitzende Gebiss von Barbarottis Chef verziehen.

14.10.2008 22:29:26
BineC

Ich war wieder mal total begeistert von diesem neuen Nesser, eine dauernde Spannung mit einer Wendung zum Schluss, die ich nicht erwartet habe. Ich bin schon auf den nächsten Fall für Kommissar Barbarotti total gespannt, und außerdem will ich natürlich wissen, wie's privat bei ihm weitergeht, ich liebe diese Rahmenhandlungen :)

29.09.2008 13:56:34
Spinnenflicker

Meinen Vorschreibern kann ich nur zustimmen. Für mich ist "Eine ganz andere Geschichte" das Buch des Jahres. Nesser kommt nie mit dem Schockeffekt daher, saugt einen förmlich heimlich still und leise in die Geschichte, die einen dann nicht mehr los läßt.

Was die Vergleiche der Autoren untereinander angeht, ist das für mich ganz einfach.

Nesser ist Nesser, Mankell ist Mankell und Larsson ist Larsson.

Nicht mehr und nicht weniger! :-))

08.09.2008 17:19:22
Maexchen

Direkt nach dem 3. Teil der starken Stieg Larsson-Trilogie habe ich mich an den neuen Barbarotti gemacht, wobei ich schnell feststellen konnte, dass Nesser eben doch der beste Autor aus dem Norden ist. Sein Stil ist so vielseitig, tiefgründig und literarisch; seine Figuren sind keine Stereotypen oder gar einfache Mittel zum Zweck, um eine Geschichte zu erzählen.
Nesser produziert so manche Leitsätze, die man sich direkt auf ein T-Shirt drucken lassen will. Einer der Höhepunkte dieses Werkes ist sicher Backmans Moral von der Geschicht, in Bezug darauf, wem man nicht vertrauen sollte (ich möchte aufgrund der Spoilergefahr nicht ins Detail gehen), da sie hier messerscharf Nessers Aufbau in diesem Roman entlarvt.
Ich habe zwar den finalen Van Veeteren noch nicht genossen, bin aber bisher von den beiden Barbarotti-Auftritten noch etwas mehr angetan, als von den schon tollen seines "Vorgängers". (wobei an "Die Schatten und der Regen" nichts vobeikommt)
"Eine ganz andere Geschichte" überzeugt von Anfang bis Ende und ist für mich bisher das Buch des Jahres!

03.09.2008 13:19:56
baiba

Ein Krimi wie er sein muß: spannend, gut konstruiert, mit authentisch wirkenden Charakteren und bis zum Schluß undurchschaubar.Ausserdem verdammt gut geschrieben, teilweise ironisch-humorvoll, teils philosophisch, mal locker plaudernd, mal tiefsinnig.
Einzig störend: das allzu seltsam schnell daher kommende Ende. Ich hatte eine intelligentere Fall-Lösung erwartet. Es wirkt gerade so, als sei der Autor die vielen vergeblichen Bemühungen seines Ermittlerstabs plötzlich leid geworden. Und da wirft er eine derart unlogisch anmutende Lösung hin, dass man nur den Kopf schütteln kann. Schade!! Sonst wäre dieser Krimi mein Jahresfavorit geworden. So bleibt er lediglich im *guten* Bereich , ist nicht wirklich als großartig zu bezeichnen.
Dennoch freue ich mich, wie es mit dem vitalen,sympathischen Kommissar Barbarotti weiter gehen wird. Er ist soviel *echter* und lebensbejahender als alle anderen skandinavischen Ermittler.Ein Kommissar, wie er noch fehlte.

Die Parallelen zu Mankells *Fünfter Frau*, die meine Vorschreiberin erwähnt, kann ich jedoch nicht sehen.
Barbarotti ist ein völlig anderer Ermittlertyp wie Wallander.Sein team bunter gemischt. Seine Tochter Sara ist bislang eher hinter den Kulissen vorhanden und erinnerte mich in keinster weise an die stets präsente Tochter/Vater-Beziehung zw.Linda und Wallander.
Aber wenn man unbedingt den einen Schweden-Autor mit dem anderen vergleichen will, dann bitte ;-)
Allerdings würde Nesser da m.E. nach besser punkten, als Mankell. Sein Stil ist vielseitiger, seine Sprache lebhafter, seine langsame Art, eine Geschichte ihren Lauf nehmen zu lassen, ohne langweilig zu werden, sind ohnehin einzigartig.
Ich erhoffe mir noch einige gute Romane von Nesser, gerne auch mit Barbarotti und seinem Team.

05.07.2008 17:00:25
Malaika

Auch das zweite Barbarotti-Buch hat mich bis zur letzten Seite gefesselt. Allerdings fühlte ich mich immer wieder an "Die fünfte Frau" von Mankell erinnert: Gesucht wurde zwar statt der fünften Frau der sechste Mann, aber die orientierungslose Tochter Sara verhält sich wie Wallanders Linda, Barbarottis Fernbeziehung ähnelt der Baiba-Geschichte und seine Ann-Britt Höglund heißt Eva Backman.