Am Abend des Mordes

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • München: Der Hörverlag, 2012, Seiten: 6, Übersetzt: Dietmar Bär

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Jörg Kijanski
Großes Kino

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jun 2012

Inspektor Gunnar Barbarotti versucht wieder ins Berufsleben einzusteigen, nachdem er einen herben Schicksalsschlag zu verkraften hat. Kommissar Asunander bittet Barbarotti, den Fall "Morinder" zu untersuchen, doch warum lässt man ihn nicht gemeinsam mit seiner Kollegin Eva Backman den aktuellen Todesfall des rechtspopulistischen Stadtrates Fangström untersuchen? Dieser wurde offenbar vergiftet, ein politischer Hintergrund scheint nicht ausgeschlossen. Warum sich also mit dem vor rund fünf Jahren spurlos verschwundenen Morinder beschäftigen? Soll Barbarotti lediglich aus dem Verkehr gezogen werden, weil ihm Asunander noch keine richtige Arbeit zutraut?

 

"Aber nicht vergessen, er wird der Sache alleine nachgehen müssen. Ein oder zwei Wochen, damit er sich wieder einleben kann. Was denkt die Frau Inspektorin darüber?"
"Ich denke absolut nichts", erwiderte Eva Backman.
"Schön", sagte Asunander.

 

Notgedrungen fügt sich Barbarotti seinem Schicksal und wühlt sich durch die Akten. Schnell wird klar, dass die damaligen Ermittlungen alles andere als sauber verliefen. Morinder lebte zur Zeit seines Verschwindens mit Ellen Bjarnebo zusammen, die zuvor als "Schlächterin von Klein-Burma" eine zweifelhafte Berühmtheit erlangte. 1989 soll sie ihren damaligen Mann Harry Helgesson ermordet und anschließend zerstückelt haben. Sie gestand und ging für mehrere Jahre ins Gefängnis. Da die äußeren Umstände der beiden Fälle sich stark ähneln lag der Verdacht nahe, dass Ellen erneut gemordet hat. Mangels Leiche wurden die Ermittlungen jedoch schnell eingestellt. Ein klärendes Gespräch mit Ellen könnte Licht in die Angelegenheit bringen, doch die ist plötzlich spurlos verschwunden…

Am Abend des Mordes ist der fünfte Fall der Inspektor-Barbarotti-Serie, dessen Protagonist ein in Schweden ermittelnder Halbitaliener ist. Der neue Roman beginnt mit einem Paukenschlag für den sympathischen Inspektor, da seine geliebte Frau plötzlich stirbt und er nun alleine mit fünf "Kindern" zurückbleibt. Zwar war Barbarotti auf ein solches Szenario vorbereitet, dennoch trifft es ihn mit voller Wucht. Nur zögerlich gelingt ihm der Wiedereinstieg in den Job und dass er nur mit einem "cold case" beauftragt wird, macht die Sache nicht besser.

 

Barbarotti überlegte kurz, wie viele Dimensionen seine eigene Wirklichkeit momentan enthielt. Seinem Gefühl nach, nicht viel mehr als eine. Schräg abwärts.

 

Zunächst erkennt Barbarotti keinen Sinn in seinen Recherchen, denn der Fall aus dem Jahr 1989 erscheint klar. Ellen lebte mit Harry auf dem "Klein-Burma" genannten Hof zusammen. Harry war ein Tyrann gegenüber Frau und Sohn, vor allem nach exzessivem Alkoholgenuss. Eines Tages schlug Ellen zurück, zerstückelte die Leiche und verteilte diese im angrenzenden Waldgebiet. Nach einigen Monaten fand man die Leichenteile, worauf sie gestand. Alles ganz einfach, gäbe es da nicht immer wieder vereinzelte kleine Nadelstiche, die Barbarotti an der bekannten Version zweifeln ließen.

 

"Und genau das war das Problem im Fall Morinder. Diesmal schien es doch genauso glasklar zu sein. Der einzige Unterschied bestand im Grunde nur darin, dass sie kein Geständnis ablegte. Und natürlich darin, dass die Leiche fehlte."
"Ein ziemlich großer Unterschied."
"Zugegeben."

 

Der Plot wechselt zwischen den aktuellen Ereignissen und denen des Jahres 1989, so dass man langsam erfährt, was sich damals tatsächlich zugetragen hat. Der Fall "Morinder" aus 2007 rückt zunächst in den Hintergrund ebenso wie der Tod des Politikers Fangström. Wie beim Häuten einer Zwiebel wird Schicht für Schicht abgetragen, die Perspektive der Hauptfigur ständig gewechselt und somit ein hohes Maß an Spannung aufgebaut. Hakan Nesser möchte aber nicht nur mehrere Fälle aufklären, sondern seine Figuren mit Leben füllen. So werden die zahlreichen Personen ausführlich dargestellt, was den Lesefluss hinsichtlich des Spannungsbogens gelegentlich ein wenig zäh erscheinen lässt, andererseits den Plot auf eine literarische Ebene hebt, die in der Kriminalliteratur nicht alltäglich ist. Sollte sich aber jemand daran stoßen, dass Barbarotti immer wieder in (textintensive) Zwiegespräche mit seiner verstorbenen Frau oder gar dem Allmächtigen verfällt und sich über längere Passagen mit dem Tod beziehungsweise dem Umgang mit diesem beschäftigt, der greift besser gleich zu einem anderem Buch. Wer auf Action und Tempo aus ist, der wird hier nie auf seine Kosten kommen. Wer hingegen einen atmosphärisch dichten und anspruchsvollen Erzählstil bevorzugt, der darf sich auf die Geschichte gerne einlassen und sich auf den mitunter humorvollen Tonfall des Autors freuen.

 

Am Abend des Mordes

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Letzte Kommentare:
29.12.2015 09:09:19
TochterAlice

Nicht in Südostasien, sondern im ländlichen Schweden, in Kymlinge, liegt der Hof Klein-Burma, in dem vor vielen Jahren - 1989 - ein brutales Gemetzel stattfand, für das die Ehefrau des Opfers, Ellen Bjarnebo, zur Verantwortung gezogen wurde. Nun hat man sie im Verdacht, mit dem Verschwinden ihres aktuellen Lebensgefährten Arnold Morinder, den sie nach ihrer Freilassung kennengelernt hatte und der im August 2007 auf seinem Moped fortgefahren war und nicht mehr zurückkehrte, zu tun zu haben.

Auf diesen nicht gerade als prioritär eingestuften Fall wird Gunnar Barbarotti angesetzt, der nach dem Tode seiner Frau - nun als Witwer mit fünf Kindern - als nicht mehr so recht arbeitsfähig gilt. Man will ihm aber das Gefühl geben, etwas zu tun zu haben, während alle seine voll einsatzfähigen Kollegen sich dem Todesfall Raymond Fängström, einem schwedischen Rechtsradikalen, der unter ungeklärten Umständen zu Tode kam, widmen. Wie immer bei Nesser kann der Leser sich auf viele unerwartete Wendungen und auf einige interessante und schräge Charaktere freuen, wobei zu ersteren die Hauptverdächtige in Barbarottis Fall, Ellen Bjarnebo, zu letzteren ganz klar die Mutter des toten "Nazis", Lill-Marlene Fängström zählt.

Im Vordergrund aber steht wie immer Gunnar Barbarotti mit seiner Trauer um Marianne, der Sorge um alle fünf Kinder, sowohl die eigenen, als auch die angenommenen und natürlich mit seinem Fall, dem er sich trotz immer wieder aufkommenden Schwächegefühls mit (fast) gewohnter Akribie widmet. Das übliche Personal in Form von Barbarottis Kollegen und dem Chef ergänzen das Setting auf Trefflichste. Dazu kommen diesmal jedoch gewisse esoterische bzw. religiöse Elemente - so spricht Barbarotti mit Gott und erhält von diesem gar eine Botschaft, die dann auch eintrifft - ein Aspekt, der meine anfängliche Begeisterung durchaus etwas geschmälert hat.

Insgesamt also die gewohnte düstere skandinavische Krimiliteratur, jedoch mit einigen humoristischen Einsprengseln, die sich vor allem durch die Einführung gewisser Episoden wie der zufälligen Begegnung Barbarottis mit einem Studienfreund, der gerade die Geschichte Hitlers neu schreibt, bemerkbar machen. Leider sind auch einige Längen zu verzeichnen, vor allem, wenn Barbarotti oder auch seine - dem Leser dieser Serie bereits bekannte - Kollegin Eva Backmann mit ihrem jeweiligen Schicksal hadern. Ich bin eigentlich ein Fan von Kommissar Barbarotti und war diesmal ein kleines bisschen enttäuscht: sowohl die Längen als auch die übersinnlichen Episoden ließen mich diesem typisch schwermütigen Beitrag zur schwedischen Kriminalliteratur ein wenig hadern. Trotzdem ein spannender Krimi, den zu lesen sich lohnt und den vor allem Nesser-Fans auf keinen Fall auslassen sollten!

27.10.2015 20:48:36
James_Blond

Ein typischer Nesser-Romankrimi. Mehr Roman als Krimi. Unaufgeregt, tiefgründig, menschlich. Mir gefällt so etwa.

Was mir aber bis zum Schluss unklar blieb:

1) Was hatte es jetzt mit "Die Schwestern" auf sich? Wer war die ominöse Ärztin? Was bedeutete die Visitenkarte in Barbarottis Geldbörse und warum brach der Provinzpolizist bei der Frage, was ihm "Die Schwestern" sagt, das Telefonat ab? Entweder hab' ich da etwas verpasst, nicht kapiert oder blieb dieser Erzählstrang einfach unaufgelöst?

2) Warum trägt das Buch den Titel "Am Abend des Mordes"? Kapier' ich nicht.

15.09.2014 22:35:58
Grizzly

Ich fand das Buch wie die andern auch spannend und möchte auf einen Teilaspekt hinweisen:

An einem Tag, an dem rund dreizehn Prozent der schwedischen Wähler den Eindruck erwecken, als hätte man ihnen ins Hirn geschissen ...
[I][URL]http://weitblickforum.de/forum/thread.php?postid=29284#post29284[/URL][/I]
lohnt es sich vielleicht, daran zu erinnern, dass es immer noch über achtzig Prozent andere gibt, die diesen ... (bitte hier ggf. Verbalinjurie nach Gutdünken einzusetzen) Verein überhaupt nicht mögen. Und zu denen scheint auch Håkan Nesser zu gehören.

In seinem letzten Roman um Gunnar Barbarotti flicht er eine Nebenhandlung ein, in der ein Kommunalpolitiker dieser Partei vollgekotzt und tot auf seiner Toilette gefunden wird. Bei der Todesursachenermittlung ergibt sich, dass der Verblichene zuvor ein Abendessen mit einer bis dato unbekannten Person eingenommen hat, jedenfalls finden sich auf dem Esstisch des Junggesellen zwei Teller, Besteck sowie halbgefüllte Weingläser. Nach diesem Jemand muss lang gesucht werden - schliesslich entpuppt sich diese Person als eine Internetbekanntschaft, die an diesem Abend zum Kennenlernessen eingeladen wurde.

Es sei dem Politiker, berichtet der Jemand der Polizei, noch während des Essens schlecht geworden, und er habe sich zwecks Erleichterung auf die Toilette begeben. Einer evtl. amourösen Fortsetzung des Abends inzwischen überdrüssig habe der Gast daraufhin ohne Abschied das Weite gesucht.

Warum, so die vernehmende Polizistin, habe die Person nicht abgewartet, ob der Erbrechende vielleicht Hilfe gebraucht hätte ? "Ach, bei einem gewöhnlichen Liberalen oder Sozialdemokraten hätte ich vielleicht gewartet, aber mit einem Schwedendemokraten wollte ich nicht in Verbindung gebracht werden."

Als ich, genau am Wahltag (12.9.2014), diese Zeilen lesen durfte, konnte ich mir ein klammheimliches Grinsen nicht verkneifen.

22.08.2014 08:47:40
rolandreis

Im Laufe der Jahre habe ich mich mit den Büchern von Nesser immer schwerer getan. War ich einst von der Van Veeteren Reihe noch begeistert, konnte mich sein Ermittler Barbarotti nie richtig überzeugen. Auch dieser letzte Fall zog sich und ich fand es sehr zäh, die Story zieht sich sehr in die Länge. Es handelt sich bei dem Buch um einen Roman mit leicht kriminalistischem Einschlag, aber um keinen, wie von mir erwartet, Krimi im klassischem Sinne. Letztendlich fehlte mir wieder bei Nesser die Spannung, was mich auch jetzt veranlasst diesen Autor zukünftig aus meinem Leseportfolio zu entfernen.

25.07.2014 15:02:59
lesenchris

Erneut ein Nesser, der mich von Anfang bis Ende gefesselt hat, inklusive Protagonist Barbarotti, der trotz des Versuchs kalt gestellt zu werden, nach und nach einen "alten Fall" aufrollt, bearbeitet und derart akribisch und äußerst genau seziert, dass so im Verlaufe des Falles deutlich wird, was und warum Morde passiert sind. Mit psychologischen Feingefühl entwickelt sich nach und nach der Plot und die Lösung des Falles!. Äußerst empfehlenswert.

09.04.2014 16:57:06
Brigitte Schmelzer

Ein hervorragender Roman. Das Thema schleicht sich ein. am Anfang braucht man Geduld. Doch diese Geduld lohnt sich. Die Geschichte nimmt immer wieder überraschende Wendungen, bis zum Schluss. Man sollte sich wirklich die Zeit nehmen und mit recherchieren. Ja und am Ende ist man überrascht. Sehr empfehlenswert.

11.02.2014 07:42:04
Anke Ohlmann

Meiner Meinung nach ein wirklich sehr gut gelungener Abschluss der Barbarotti-Reihe. Auf der einen Seite bin ich traurig, dass es jetzt vorbei ist und auf der anderen Seite lässt die Story noch Raum für eigene Fortsetzungsgedanken. Auch nicht schlecht; Nesser hat hier den richtigen Mittelweg gefunden.
Das Buch ist, wie von Nesser gewohnt, spannend und gut geschrieben. Die einzelnen Charaktere kommen nicht zu kurz und durch die vielen Rückblenden wird es nie langweilig.
--> Unbedingt lesenswert!

30.06.2013 19:12:00
Darix

Einer der typischen Nesser Krimis, viel Psychologie, Inspektor Barbarotti ermittelt höchst sensibel. Große Gefühle zeigt er gegenüber seiner Familie und seinem beruflichen Umfeld.
Gunnar Barbarotti trauert sehr unter dem Tot seiner Frau, kommuniziert mit Gott und mit ihr, im Traum und mit der Bibel. Ein gut lesbarer Kriminalroman.

16.03.2013 12:53:29
Frank S.

Ein toller Abschluss der Barbarotti-Reihe! Literarisch anspruchsvoll wie immer und wunderbar durchdacht, überzeugt mich auch der Krimi-Plot. Großartig das Ende - konsequent und warmherzig! Eigentlich schade, dass die Barbarotti-Reihe jetzt beendet ist - ich würde mich freuen, wenn er diese Entscheidung noch einmal überdenkt!

18.11.2012 09:36:09
Martin K

Ein wunderbares Buch! Lachen ist möglich, weil Nesser eine tolle Sprache hat, voller Perlen und überraschender Wendungen. Feuchte Augen gibt's, wenn der knurrige Asunander weich wird. Zuerst dachte ich, nein - was muss jetzt die Marianne sterben. Warum nicht einmal ein Inspektor, der auf der Sonnenseite des Lebens stehen kann und auch dort bleiben darf? Aber Nesser beschreibt mit Hilfe des Trauertherapeuten den Weg aus der Trauer derart eindrücklich, die Beziehung zu Eva Bachmann wächst so behutsam, dass einfach alles stimmig ist. Schön. Nesser ist auch ein Mensch, der älter wird, den anderes im Leben beschäftigen wird. Wunderbar, wie er seine eigene Entwicklung mit dem Leser teilen kann.

04.11.2012 17:49:04
-simone-

Als eingefleischter Nesser-Fan habe ich den letzten Barbarotti mit großem Vergnügen gelesen, zwischendurch laut aufgelacht. Nesser versteht es mit einer, gerade bei den Barbarotti-Fällen, lakonischen Sprache immer wieder auch Philosophisches einzustreuen.
Wer sich mit Hakan Nesser intensiver auseinandersetzen möchte, sollte seine Bücher in chronologischer Reihenfolge lesen. Es lohnt sich, meine Meinung ;-)
Nicht umsonst wird sein Buch "Kim Novak badete nie im See Genezareth" in den schwedischen Schulen verwendet.

04.11.2012 15:30:50
anyways

Der Tod kam über Nacht und machte Barbarotti zum Witwer und die fünf Kinder zu Halbwaisen.
Ein zerebrales Aneurysma kostete Marianne das Leben. Barbarotti durchlebt eine schlimme Zeit voller Trauer und Verzweiflung. Nach dreiwöchiger Trauerzeit beginnt er wieder zu arbeiten, da sein Chef Asunander ihm die Leitung an dem aktuellsten Fall nicht zutraut, wird ihm ein Cold case, quasi als Beschäftigungstherapie, so scheint es, zugeteilt. Fortan soll er das Verschwinden eines Mannes untersuchen, der brisanter Weise mit einer Frau zusammenlebte, die eine verurteilte Mörderin ist. Diese hat vor vielen Jahren ihren Ehemann getötet. Barbarotti beginnt mit den Ermittlungen und hegt in vielerlei Hinsicht arge Bedenken…

Ich habe mich riesig gefreut über dieses Exemplar, hatte ich doch schon viel von Nessers Krimireihe gehört ( aber nicht gelesen) und auch sein Bekanntheitsgrad blieb mir nicht verborgen. Doch wie schon oft passiert, treffen diese hochgelobten Autoren doch nicht meinen Geschmack. Auch mit Nessers Schreib- und Erzählstil kann ich mich zu meinem Bedauern nicht anfreunden. Zum Teil ist er mir arg bibellastig und zitiert auch in einem fort selbige. Dann wiederum kommt Übernatürliches ins Spiel. Auch gewisse Ansichten kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Mich irritiert bei der Trauerverarbeitung immer die bedingungslose Liebe zum Verstorbenen auf der einen Seite und auf der anderen ,dem Vorschlag dass der Hinterbliebene sich doch bald einen anderen Lebensbegleiter suchen soll, im Himmel würde man sich ja wieder treffen. Da bekommt der Begriff Patchwork-Familie für mich ausufernde Ausmaße. Der eigentliche Fall um den es hier geht, ist eigentlich auf eine subtile Art sehr interessant. Leider kommt das für mich überhaupt nicht zum Tragen, da der Autor mehr Wert auf die persönlichen Belange des Protagonisten legt und nicht müde wird in einem melancholischen Grundtenor diese zu schildern.
Da dieses Buch fast gänzlich ohne Spannungsbögen gestaltet ist, ist es nach meinem Empfinden auch kein Kriminalroman.

20.10.2012 14:39:48
felinette

Ist das nun ein Krimi? Oder eher ein philosophischer Roman? Ein Stück über Gott und die Welt, wie es nur Nesser schreiben kann? Egal, ich hab's mit Spannung, Mitgefühl und Vergnügen gelesen. Und mit einem gewissen Entzücken: Nesser schreibt einfach „schön.“ Man fühlt sich wie auf einem Fluss in einem Nacken behaglich dahintreibend, und plötzlich entdeckt man in den Formulierungen Muscheln, die Perlen bergen. Für mich ist Nesser der Leonard Cohen des schwedischen Kriminalromans – und ich meine das durchaus als dickes, fettes Kompliment.

01.10.2012 11:45:36
leseratte1310

Gunnar Barbarotti wacht morgens auf und stellt fest, dass seine Frau Marianne durch ein Aneurysma gestorben ist. Obwohl die beiden damit gerechnet hatten, dass so etwas passieren könnte, verliert er den Boden unter den Füßen.
Als er dann nach einigen Wochen wieder arbeiten muss, wird ihm von seinem Vorgesetzten Asunander, der bald in Rente geht, ein Fall aufgedrückt, den er alleine bearbeiten soll. Barbarotti befürchtet, dass dies als Beschäftigungstherapie gedacht ist, denn der Fall liegt Jahre zurück. Trotzdem macht er sich an die Arbeit, obwohl seine Trauer ihn immer wieder überfällt.
Der Elektriker Arnold Morinder ist verschwunden. Verdächtigt wurde seine Frau, die viele Jahre zuvor bereits schon einmal einen Ehemann umgebracht hat. Sie hat diesen Mord gestanden und die Gefängnisstrafe abgesessen. Je mehr sich Barbarotti mit dem Fall beschäftigt, umso mehr kommen Zweifel bei ihm auf. Hat Ellen Bjarnebo den Mord gestanden, um ihren Sohn zu schützen?
Nesser erzählt die Geschichte einmal in der Gegenwart aus Barbarottis Sicht und dann in der Vergangenheit aus der Sicht von Ellen Bjarnebo, der „Schlächterin von Klein Burma“. Während der sich dahin schleppenden Ermittlung hadert Barbarotti mit seinem Schicksal, mit Gott und dem Glauben und wartet auf ein Zeichen von Marianne. Dieses Zeichen erhält er nach einem Monat durch einen Brief von ihr.
Währenddessen ermittelt Eva Backman, Barbarottis Kollegin und Freundin, in einem anderen Mordfall. Bei einer Befragung erfährt sie Fakten, die Barbarotti in seinem Fall weiterhelfen.
Zum Schluss klärt sich alles, auch dass Asunander persönliche Gründe hatte, diesen alten Fall noch einmal aufrollen zu lassen.
Barbarotti ist in der Zeit der Ermittlungen mit seinen persönlichen Problemen besser fertig geworden und weiß, wie sein Leben weiter verlaufen soll. Ein perfekter Abgang für den sympathischen Barbarotti.