Memento

Erschienen: Januar 2007

Bibliographische Angaben

  • London: Michael Joseph, 2006, Originalsprache
  • Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2007, Seiten: 6, Übersetzt: Burghart Klaußner, Bemerkung: gekürzte Lesung
  • Reinbek bei Hamburg: rororo, 2008, Seiten: 315
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2010, Seiten: 315

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Eva Bergschneider
Mauern des Schweigens

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Mär 2007

Da sind sie wieder - die Detectives Leo Magozzi und Gino Rolseth, sowie die coole IT-Crew von Monkeywrench. Viele Krimi-Fans schätzen bereits die Qualitätsmerkmale dieser Reihe: skurrile Typen, witzige Dialoge und unfassbare Verbrechen mit gesellschaftskritischem Hintergrund. Was hat sich das kreative Mutter-und-Tochter-Duo nun wieder ausgedacht, um ihre Leser zu begeistern und in Atem zu halten?

Was der Schnee verbergen kann...

Der Schneemann-Wettbewerb für Kinder, den die Polizei von Minneapolis jährlich veranstaltet, nimmt ein jähes, schreckliches Ende, als die Leichen zweier Männer in den lustigen Gestalten gefunden werden. Es sind Cops, der Polizeibeamte Tommy Deaton wurde aus nächster Nähe erschossen, sein Partner Toby Myerson erhielt eine Kugel ins Rückenmark und starb bei vollem Bewusstsein langsam erfrierend einen grausamen Tod.

Im tief verschneiten, nördlichem Dundas County wird der nächste Tote im Schneemann entdeckt. Dort hat die ehemalige Englischlehrerin Iris Rikker gerade ihr Amt als Sheriff angetreten, fühlt sich hoffnungslos überfordert und hofft, dass Rolseth und Magozzi denselben Mörder suchen.

... gelangt doch an die Oberfläche

Dieser mutmaßliche Mörder hatte sich ausgerechnet die Scheune auf dem Grundstück von Iris Farmhaus als Unterschlupf gewählt. Dort fand er Schneeschuhe und warme Kleidung von Iris Ex-Ehemann, was ihm die Fortsetzung der Flucht durch die Eiswüste ermöglichte. Sheriff Rikker, Magozzi und Rolseth folgen dem Flüchtigen zu einer hermetisch abgesicherten Siedlung mit Geschäfts- und Wohngebäuden, wie sie die beiden erfahrenen Detectives aus der Stadt noch nie zu sehen bekommen haben.

Inzwischen stoßen die cleveren Monkeywrench-Netzhacker auf eine alarmierende Botschaft aus einem Chat-Room, dessen Firewall sogar für sie außergewöhnlich schwer zu knacken ist. Welche Schicksale und Geheimnisse verbergen sich hinter diesem virtuellen und dem realen Bollwerk?

Stereotypen vom Feinsten

Die Autorinnen haben einfach ein Händchen für Charaktere. Ihnen gelingt es, sowohl die bereits etablierten, als auch neue Figuren immer wieder exzellent in Szene zu setzten.

Wie viele Ermittler in der amerikanischen Krimi-Szene, frotzeln Gino und Magozzi sich ständig mit flapsigen Sprüchen an, halten aber dennoch zusammen wie Pech und Schwefel und bilden ein sich perfekt ergänzendes Team. P.J. Tracy verstehen sich auf die richtige Mischung zwischen Klischee und Charisma. Die beiden Ermittler können ihren Job, machen aber auch Fehler. Sie wollen nicht die Welt verbessern, sondern einfach nur ihren Täter schnappen. Das alles macht die Beiden nicht nur sympathisch, sondern unwiderstehlich.

In Memento kommt Rolseth besonders gut zur Geltung, ein Brummbär, der seine Vorurteile pflegt aber das Herz am richtigen Fleck hat. Gino ist der "Rauhe-Schale-weicher Kern-Typ", hier ein wenig sentimentaler und verwundbarer. Ebenso ist die Figur des Sheriffs Iris Rikker etwas klischeehaft und dennoch glaubwürdig gezeichnet. Sie mausert sich von der unselbständigen Anfängerin zur sensiblen und klugen Polizistin, die zur richtigen Zeit am richtige Ort ist.

Etwas ruhiger, eine Nuance düsterer

Wieder einmal haben P.J. Tracy sich nicht gescheut, ein heikles Thema an zufassen. Über Generationen ereignet sich ein entsetzliches Drama, welches die Opfer nachhaltig prägt. Die verhängnisvollen Reaktionen darauf lassen sich nicht in Kategorien wie gut oder böse, richtig oder falsch einordnen. Daher verschanzen sich die Betroffenen hinter undurchdringlichen Mauern, sie schützen sich vor einem Unrecht, dass überall geschieht und viel zu oft ungestraft bleibt.

Entsprechend ist dieses mal der Grundton des Romans etwas dunkler, die Stimmung eine Spur leiser. Die etwas ernstere Atmosphäre tut dem Unterhaltungswert allerdings keinen Abbruch. Der Leser darf weiterhin über Situationskomik und genialen Wortwitz schmunzeln, wird aber häufiger nachdenklich werden. Es ist dem Autoren-Team überzeugend gelungen, dieser humorvollen Krimi-Reihe mit schrillen Charakteren, etwas mehr Tiefe zu verleihen.

Ein großes Ja und ein ganz kleines Aber

Memento ist zweifellos Pflichtlektüre für P.J. Tracy Fans und eine dicke Empfehlung für alle Krimi-Liebhaber, die diese geniale Reihe der beiden Schriftstellerinnen bisher nicht kennen gelernt haben.

Kenner dieser Serie werden sich vielleicht fragen, ob den Charakteren, vor allem ihren Beziehungen zueinander, etwas mehr Weiterentwicklung gut getan hätte. Auch ein bewährtes, funktionierendes Konzept bedarf manchmal kleiner Erneuerungen.

Trotz des kleinen Aber, ist auch Memento ein spannender und außergewöhnlicher Krimi, der bis zum ungewöhnlichen Ende schwungvoll geschrieben ist, brillant unterhält und gleichzeitig betroffen macht.

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