Fremde Wasser

Erschienen: Januar 2006

Bibliographische Angaben

  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2006, Seiten: 271, Originalsprache

Couch-Wertung:

80°
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Thomas Kürten
Untiefen und Abgründe

Buch-Rezension von Thomas Kürten Jan 2007

Georg Denglers dritter Fall beschäftigt sich mit einem der Grundelemente des Lebens: dem Wasser und wie der Mensch damit umgeht. Dass damit der Autor Wolfgang Schorlau mit diesem Thema die Aufmerksamkeit seiner Leser auf ein Verbrechen lenkt, dass vor den Augen der Weltöffentlichkeit nahezu unbemerkt durchgeführt werden könnte, macht die Aussagen dieses Romans so wertvoll. Fremde Wasser nimmt wie auch die beiden Vorgängerromane reale Motive auf und legt sie mit der künstlerischen Freiheit des Autors zu einer beängstigenden Vision aus. Im Nachhinein überrascht jedoch die Erkenntnis, dass es wohl gar nicht allzu viel dieser Freiheit des Künstlers bedurft hat.

Erzählt werden zwei Handlungsstränge: Zum einen die Vita des Stefan C. Crommschröder, eines skrupellosen Managers in der Vorstandsriege des VED, eines deutschen Energiekonzerns. Crommschröder ist hier verantwortlich für die Wassersparte des Konzerns, die er aufbauen und profitträchtig auf Expansionskurs bringen soll. Diese Geschichte beginnt in der frühesten Kindheit, führt über die angeschlagene Beziehung zu den Eltern über erste politische Ideale hin zu den Machtkämpfen und Ränkespielen in der Vorstandsetage des VED.

Der Fluss der Handlung

Im anderen Handlungsstrang wird erzählt, wie Georg Dengler mit den Ermittlungen zu den Todesumständen der Politikerin Angelika Schöllkopf betraut wird. Die Hinterbänklerin im Bundestag war gerade auf dem Weg zu ihrem wichtigsten Redebeitrag im Parlament, als sie tot vor dem Podium zusammenbrach. Nur ihre Großmutter glaubt nicht an Tod durch Herzversagen und tatsächlich scheint es einige Unregelmäßigkeiten in den letzten Lebenstagen der Politikerin gegeben zu haben. Sie sollte reden zu einem Gesetz für größeren Wettbewerb in der Wasserwirtschaft, aber ihr Redemanuskript scheint verschwunden zu sein. Was war hier so brisant, dass nun Denglers ehemalige Kollegen vom BKA den Schwaben von seinen Ermittlungen abhalten wollen.

In einem rauschenden Bach aus kurzen Kapiteln fließt die erfrischende Handlung über die Seiten dieses Romans. Gespeist aus einem tiefen Quellsee - denn stille Wasser sind tief - wird insbesondere der Charakter des Stefan C. Crommschröder in allen Facetten beschrieben. Andere wesentliche Charaktere plätschern aus anderen Quellen der Inspiration. Das trifft insbesondere auf Dengler und seine Freunde Martin, Mario und Leopold. Olga, Denglers Freundin, die als Taschendiebin nur von den Reichen klaut (wie ehrenwert) bekommt eine interessante Note, als ihr rumänischer Ex-Mann beginnt ihr nachzustellen. Insgesamt wirken diese Passagen im Fluss der Handlung jedoch zu glatt. Rasant wird es, als die Strudel des Verbrechens, die Untiefen der Politik und die Klippen der Kriminalität dem Leser offenbar werden. Doch Schorlau gelingt es, seinen Kahn ohne große Schäden bis in den Ozean der Diplomatie zu steuern - und auch hier Ruder und Kurs im Griff zu halten.

Modern erzählt

Fremde Wasser ist ein Krimi der gleichzeitig unterhält und zu Nachdenken anregt. In seinen zumeist einfachen, kurzen Sätzen findet der Autor einen modernen Ton anspruchsvoller Literatur. Schorlau geht sogar soweit, die Kräfte der freien Marktwirtschaft grundsätzlich in Frage zu stellen: Sind die selbstregulierenden Kräfte des Marktes wirklich gut für den Menschen oder ist staatliche Kontrolle unumgänglich, wenn es sich um den Umgang mit dem Grundelement Wasser handelt?

Von Schorlau darf man auch in Zukunft noch einiges erwarten. Darf man von ihm auch erwarten, dass er bei folgenden Romanen auf einige "Fremdkörper" verzichtet? Das Kochen und die Auswahl eines guten italienischen Weines darf doch gerne weiterhin Signora Brunetti übernehmen - oder in einem Kochbuch nachgelesen werden. Für Vergewaltigungsszenen braucht ein David Peace auch nicht unbedingt zitiert werden. Es ehrt den Autor, dass er im Nachwort solche Quellen nennt. Leider gibt es aber diese wenigen Stellen, die nicht in den Erzählkontext zu passen scheinen. Dort, wo Schorlau diese Elemente einbaut, verliert der Roman an Authentizität. Authentizität, die der Autor unnötig aus der Hand gegeben hat.

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